Bitterstoffe

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Vorkommen

Häufig nehmen wir Bitterstoffe als Gewürze ganz nebenbei mit der Nahrung auf; dort wirken sie als Tonika (Kräftigungsmittel) und sind damit bereits Arzneimittel. „Geistige Bitterwässer" zeichnen vielerorts und werden in der Selbstmedikation eingenommen – als Klosterelixier (Benedictine, Chartreuse), als Aperitif oder Digestif vor oder nach einem opulenten Mahl oder als Kräutergebräu gegen Magengrimmen.

„Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund." Wie sehr solche Kraftpflanzen geschätzt werden, zeigt schon die Namensgebung von Tausendgüldenkraut oder die Rede von Bittermitteln als Lebenselixieren; auch Magenbitter erfreuen sich großer Beliebtheit und Wirksamkeit. Aus diesem alten Erfahrungswissen stammt das geflügelte Wort von der „bitteren Medizin".

Chemie

Chemisch gesehen bilden die Bitterstoffe keine einheitliche Gruppe. Ihr einziges verbindendes Merkmal ist der bittere Geschmack, an den auch die Wirkung geknüpft ist. Bei aller Unterschiedlichkeit im chemischen Aufbau fallen die Wirkungen der Bitterstoffe im Allgemeinen gleich aus, was die Zusammenfassung in einer Gruppe rechtfertigt.

Unterscheidung der Bittermittel (Amara-Gruppen)

Amara-Gruppe Eigenschaften Heilpflanzen
Amara tonica (reine Bittermittel) Allgemein tonisierend (die Bitterwirkung steht im Vordergrund) Artischocke, Enzian, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut
Amara aromatica (Bittermittel mit ätherischen Ölen) Tonisierende Wirkung verbindet sich mit zusätzlichen Eigenschaften der ätherischen Öle: spasmolytisch, beruhigend, karminativ, motilitätssteigernd, entzündungshemmend, cholagog, antimykotisch oder antibakteriell Hopfen, Pomeranze, Schafgarbe, Wermut
Amara acria (Bittermittel mit Scharfstoffen) Feuriger Geschmack, regen intensiv Verdauung und Darmperistaltik an Ingwer, Galgant, Gelbwurz
Amara mucilaginosa (Bittermittel mit Schleimstoffen) Binden Magensäure und hautreizende Zersetzungsprodukte. Ihr Schleim bietet Schutz für entzündete (Rachen-)Schleimhäute Isländisch Moos

Wirkungen

Bitterstoffe regen die Verdauungssäfte und die gesamte Verdauungstätigkeit an. Die Magenschleimhaut, das Speicheldrüsensystem sowie die motorischen Leistungen von Magen und Gallenblase werden innerviert und verbessert. Zudem verbessern Bitterstoffe auch die Aufnahme von Nährstoffen. Neben der Wirkung auf sämtliche Verdauungsorgane unterstützen Bitterstoffreste das Immunsystem, die Blutbildung und den Stoffwechsel. Sie wärmen und vor allem tonisieren – spürbar kräftigen sie Körper und Seele.

Wirkung Indikation
Appetitanregend, verdauungsfördernd, blähungswidrig, darmperistaltikanregend Appetitlosigkeit, Anorexie, Blähungen, Dyspepsie, funktionelle Gallenblasen- und Gallenwegsstörungen, funktionelle Obstipation, Pankreasinsuffizienz, Verdauungssaftmangel, Magenschwäche, Magensenkung, Hepatopathie
Milieuverbesserung im Darm Darmsanierung, Darmmykose
Spasmolytisch im Verdauungstrakt Reizmagen, Reizdarm
Resorptionsfördernd Verdauungsstörung mit Mangelerscheinungen
Unterstützen Blutbildung Eisenmangel, Anämie (adjuvant)
Herzstärkend, durchblutungsfördernd Hypotonie, Altersherz, Herzschwäche, als Herzstütze bei hochfieberhaften Infekten, Durchblutungsstörungen
Allgemein tonisierend Rekonvaleszenz, Schwächezustände, depressive Verstimmungszustände, Frösteln, psychovegetatives Erschöpfungssyndrom
Abwehrstärkend, fiebersenkend Allgemeine Abwehrstärkung, Resistenzsteigerung, Erkältungskrankheiten, hohes, schwächendes Fieber

Die Empfindung für Bitter ist stark herabgesetzt bei Schwangeren, Rauchern, Biertrinkern, Medikamentenabusus u.a. In solchen Fällen ist die Therapie kräftiger Bitterstoffdrogen erforderlich.

Indikationen

  • Verdauungsbeschwerden aller Art
  • Appetitlosigkeit, Anorexie
  • Dyspepsie, Blähungen, funktionelle Gallenbeschwerden
  • Darmmykose, Darmsanierung
  • Lebererkrankungen (Hepatopathie)
  • Rekonvaleszenz, Erschöpfung, depressive Verstimmung
  • Hypotonie, Herzschwäche
  • Infektanfälligkeit, hohes Fieber

Nebenwirkungen

Bei zu hohen Dosen sind gegenteilige Effekte wie Sekretions-/Appetithemmung, Übelkeit, Brechreiz und gelegentlich Kopfschmerzen möglich.

Kontraindikation

Bitterstoffe sind durch ihre Steigerung von Stoffwechsel und Sekretion kontraindiziert bei:

  • Hyperazidität des Magens
  • Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni (bei Bitterwert über 10.000)
  • Gallensteinen (bei hohem Bitterwert)

Wichtige Drogen/Pflanzen

Pflanze Botanischer Name Drogenbezeichnung
Afrikanische Teufelskralle Harpagophytum procumbens Harpagophyti radix
Artischocke Cynara cardunculus Cynarae folium
Bittere Schleifenblume Iberis amara Iberis amara totalis
Echte Engelwurz Angelica archangelica Angelicae radix
Echtes Tausendgüldenkraut Centaurium erythraea Centaurii herba
Galgant Alpinia officinarum Galangae rhizoma
Gelber Enzian Gentiana lutea Gentianae radix
Hopfen Humulus lupulus Lupuli strobulus/glandula
Ingwer Zingiber officinale Zingiberis rhizoma
Isländisch Moos Cetraria islandica Cetrariae lichen
Kalmus Acorus calamus Calami rhizoma/aetheroleum
Löwenzahn Taraxacum officinale Taraxaci radix cum herba
Mariendistel Silybum marianum Silybi mariani fructus
Pomeranze Citrus aurantium Aurantii fructus immaturus
Schafgarbe Achillea millefolium Millefolii herba/flos
Wasserdost (Wasserhanf) Eupatorium perfoliatum Eupatorii herba
Wermut Artemisia absinthium Absinthii herba
Weißer Andorn Marrubium vulgare Marrubii herba
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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