Saponine

wirkstoffeinhaltsstoffephytochemiesaponine
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Vorkommen

Der Name „Saponin" stammt von lat. sapo = Seife, und tatsächlich verhalten sich Saponine „wie Seife": Wässrige Lösungen schäumen beim Schütteln seifenartig. Seifenkrautwurzeln, Efeublätter oder Rosskastaniensamen dienten früher traditionell dem Wäschewaschen. Heute rückt die saponinhaltige Indische Waschnuss (Sapindus trifoliatus) wieder in den Blick.

Saponine sind in vielen Pflanzen vertreten, darunter auch etliche Nahrungsmittel und Wildkräuter: Feldsalat, Hafer, Gänseblümchen, Mais, Melde, Rüben, Spargel, Spinat und Vogelmiere.

Chemie

Dank eines hydrophilen und eines lipophilen Anteils in der Molekülstruktur senken Saponine die Oberflächenspannung des Wassers und erlauben es damit, dass Wasser und Luft zu einer schäumenden Lösung vermischt werden. Die entstehende Blasenbildung vergrößert die Oberfläche und intensiviert den Kontakt zwischen den einzelnen Stoffen. So lassen sich fette und ätherische Öle mit Wasser emulgieren und Suspensionen stabilisieren. Deshalb verbessern Saponine auch die Aufnahme schwer resorbierbarer Arznei- und Nahrungsmittel (Saponine selbst werden normalerweise nicht resorbiert!).

Bei den Saponinen handelt es sich um glykosidische Verbindungen; die meisten gehören zu den Triterpensaponinen, die über den Darm kaum aufgenommen werden. Dies erlaubt ihren Einsatz, obwohl sie je nach Struktur hämolytisch wirksam sind.

Wirkungen

Saponine zeigen ausgeprägte fungizide sowie antivirale und bakteriostatische Eigenschaften – vermutlich der Grund für ihre weite Verbreitung im Pflanzenreich.

Wirkung Indikation Typische Pflanzen
Expektorierend, sekretolytisch, sekretomotorisch Erkältungskrankheiten, Bronchitiden Efeu, Gänseblümchen, Königskerze, Schlüsselblume, Seifenkraut, Süßholz
Bakteriostatisch, antiviral, antimykotisch Atemwegserkrankungen Efeu, Sarsaparille, Schlüsselblume, Süßholz
Aquaretisch, stoffwechselanregend Durchspülung bei Harnwegsinfekten, im Rahmen einer Stoffwechselkur, Anregung bei rheumatischen Erkrankungen, chronische Hautkrankheiten Birke, Gänseblümchen, Goldrute, Sarsaparille, Stiefmütterchen
Antiexsudativ (ödemhemmend, venentonisierend) Chronische venöse Insuffizienz Mäusedorn, Rosskastanie
Antiphlogistisch, antiulzerogen, glukokortikoidähnlich Magengeschwüre Süßholz
Tonisierend, immunstimulierend, adaptogen Nachlassende Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Burn-out, Erschöpfung, Rekonvaleszenz, Frühjahrskur, Prophylaxe Ginseng, Rosenwurz

Indikationen

  • Erkältungskrankheiten, Bronchitiden (expektorierend)
  • Atemwegserkrankungen (antimikrobiell)
  • Harnwegsinfekte, rheumatische Erkrankungen (ausleitend)
  • Chronische venöse Insuffizienz (venentonisierend)
  • Magengeschwüre (antiulzerogen)
  • Erschöpfungszustände, Burn-out, Rekonvaleszenz (tonisierend)
  • Bessere Resorption anderer Inhaltsstoffe

Nebenwirkungen

Bei Überdosierung oder langfristiger Anwendung können Darm- und Schleimhautreizungen, Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Saponine, die in niedriger bzw. in therapeutischer Dosierung expektorierende u.ä. Effekte haben, wirken in höherer Dosierung emetisch.

Normalerweise werden die hämolytisch wirkenden Saponine im Magen-Darm-Trakt nicht bzw. nur schwer resorbiert. Aber bei Überdosierung, offenen Wunden, innerer Blutungsneigung oder Entzündungen im Bereich des Rachens oder der Verdauungsorgane können sie vermehrt in die Blutbahn aufgenommen werden und dort die Oberflächenspannung der Erythrozyten herabsetzen, sodass es zur Hämolyse kommt.

Achtung: Bei Überdosierung und im Vergiftungsfall mit saponinhaltigen Giftpflanzen (Alpenveilchen, Einbeere, Christrose u.Ä.) werden Saponine resorbiert!

Bei Anwendung auf ausreichende zusätzliche Flüssigkeitszufuhr achten. Saponindrogen eher kurzzeitig (2-3 Wochen) anwenden, sonst sind Nebenwirkungen möglich.

Kontraindikationen

Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Colitis.

Wichtige Drogen/Pflanzen

Pflanze Botanischer Name Drogenbezeichnung
Birke Betula pendula Betulae folium
Echte Schlüsselblume Primula veris Primulae radix/flos
Efeu Hedera helix Hederae helicis folium
Gänseblümchen Bellis perennis Bellidis flos/folium
Goldrute Solidago virgaurea Solidaginis herba
Königskerze Verbascum densiflorum/phlomoides Verbasci flos
Rosskastanie Aesculus hippocastanum Hippocastani semen
Sarsaparille Smilax aristolochiafolia Sarsaparillae radix
Seifenkraut Saponaria officinalis Saponariae herba/rubrae radix
Stacheliger Mäusedorn Ruscus aculeatus Rusci aculeati radix
Stiefmütterchen Viola tricolor Violae tricoloris herba
Süßholz Glycyrrhiza glabra Liquiritiae radix
Vogelmiere Stellaria media Stellariae mediae herba
Wohlriechendes Veilchen Viola odorata Violae odoratae herba
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑