Scharfstoffe und Senföle
Vorkommen
Senföle gehen auf schwefelhaltige organische Säuren zurück, die aus Aminosäure-Vorstufen (Phenylalanin, Tyrosin, Methionin u.a.) entstehen und vor allem in Brassicaceae (Kreuzblütler) und Alliaceae (Lauchgewächse) vorkommen. Neben den medizinisch genutzten Pflanzen zählen auch die Kohlarten wie Rot-, Grün-, Rosen-, Blumen-, China- oder Weißkohl, Kohlrabi und Brokkoli zu den Senfölpflanzen, dazu Kressearten, Radieschen, Steckrüben, Raps u.v.m. Über diese „Sekundären Pflanzenstoffe", auch Phytamine genannt, lässt sich die Ernährung gezielt gesundheitsfördernd gestalten!
Chemie
Senföle treten in zwei Erscheinungsformen auf: scharf schmeckende, nicht flüchtige und geruchlose Substanzen oder wasserdampfflüchtige, stechend riechende Verbindungen. Biologisch aktiv sind dabei nicht die Glucosinolate selbst (Senfölglykoside), die in der Pflanze an Glukose gebunden vorliegen, sondern erst deren Abbauprodukte, die durch Enzyme (Myrosinase) entstehen: Isothiozyanate (Senföle) und Thiozyanate.
Ihre Wirkung kommt immer dann zum Tragen, wenn die Pflanzenzellen zerstört werden – also beim Essen, Kleinschneiden und Reiben.
Glucosinolate sind nicht sehr hitzestabil, weil Kochen die Myrosinase partiell oder komplett inaktiviert. Deshalb sollten die „Gemüseglucosinolate" vorwiegend roh oder allenfalls kurz gedämpft genossen werden. Mäßige Wärme fördert die Senfölabspaltung, Erhitzung über 45°C hemmt bzw. verhindert sie.
Wirkungen
Senfölglykoside wirken:
- Äußerlich: Als örtliche Hautreizmittel – lokal gefäßerweiternd und hautreizend. Dringen durch Lipidlöslichkeit schnell ein. Über Head-Zonen vermehrte Durchblutung innerer Organe.
- Innerlich: Antibakteriell als Breitspektrumantibiotikum mit zusätzlicher Immunstimulierung sowie mit großem antikarzinogenem Potenzial in der gesunden Ernährung. Werden über Nieren und Lungen ausgeschieden, wo sie ihre antibiotische Wirkung entfalten. Keine Resistenzen beobachtet.
Indikationen
| Anwendung | Indikation |
|---|---|
| Innerlich | |
| Antibakteriell | Pflanzliches Breitspektrumantibiotikum, stimuliert immunologische Abwehrreaktionen |
| Antikarzinogen | Ernährungstherapie zur Krebsprophylaxe. Brokkolisprossen: potentestes Antikarzinogen, besonders effizient bei Tumoren von Lunge, Kolon und Ösophagus |
| Verdauung | Steigern Sekretion und Motorik im Verdauungssystem. Anregung von Appetit und Resorption |
| Äußerlich | |
| Hautreizmittel | Senfmehlauflagen, Meerrettichkompresse, Kohlwickel |
| Segmenttherapie | Bronchitis, Pneumonie, Sinusitis |
| Rheumatisch | Rheumatische Schmerzen, chronisch-degenerative Gelenkerkrankungen |
Nebenwirkungen
Bei sachgemäßer äußerlicher Anwendung ohne Nebenwirkungen. Nase und Augen vor den stark reizenden Dämpfen schützen. Bei zu hoher Konzentration oder zu langer Anwendung (länger als 5 bis maximal 15 Min. äußerlich) kann es zu Haut- und Nervenschäden mit unerträglich heftigen Schmerzen und irreversibler Schädigung des Gewebes bis zur Nekrose kommen.
Bei Überdosierung bei innerlicher Anwendung: Magen-Darm-Beschwerden.
Kontraindikationen
- Äußerliche Anwendung: Kinder unter 6 Jahren, Patienten mit Sensibilitätsstörungen bzw. Patienten im Koma
- Innerliche Anwendung: Magen-Darm-Geschwüre
Wichtige Drogen/Pflanzen
| Pflanze | Botanischer Name | Drogenbezeichnung |
|---|---|---|
| Kapuzinerkresse | Tropaeolum majus | Tropaeoli herba |
| Meerrettich | Armoracia rusticana | Armoraciae radix |
| Schwarzer Senf | Brassica nigra | Sinapis nigrae semen |
| Winter-Rettich (Schwarzrettich) | Raphanus sativus | Raphani radix |