Schleimstoffe
Vorkommen
Schleimstoffe lagern sich in Vakuolen und Zellwänden der Pflanzen ab und bringen Reserven ein, besonders für keimende Samen. Ihre Wasserbindung ist der Schlüssel zu ihrer Wirkung. Innerhalb der Heilpflanzen-Kohlenhydrate lassen sich mehrere wichtige Untergruppen unterscheiden:
- Inulin: Zum größten Teil aus unverdaulichen wasserlöslichen Fruktosepolysacchariden aufgebaut. Bei Diabetes mellitus spielt es in der Ernährung eine wichtige Rolle, denn es wird nicht zu Glukose abgebaut und macht daher keine Freisetzung von Insulin notwendig. Es senkt den Cholesterinspiegel. Reichlich vorhanden in Korbblütlern wie Topinambur, Chicorée, Wegwarte, Schwarzwurzeln, Artischocke, Löwenzahn.
- Pektine: Pflanzliche Polysaccharide (Ballaststoffe) mit dreidimensionaler Netzstruktur, die zum Gelieren neigen. Medizinisch spielen sie besonders in der Kinderheilkunde bei Durchfall und Gastroenteritis (Apfel) eine Rolle. Daneben wirken Polysaccharide immunstimulierend (z.B. in Sonnenhut, Kamille, Ringelblume und Arnika).
- Schleimdrogen (Heteropolysaccharide): Komplexe Zucker, hochmolekulare pflanzliche Polysaccharide.
Chemie
Schleimstoffe gehen in Wasser in Lösung. Dabei entstehen schleimig-zähe Flüssigkeiten, die an jeder Oberfläche haften und einen abdeckenden, einhüllenden Charakter aufweisen. Es handelt sich um stark verzweigte, komplexe Zuckerstrukturen (Heteropolysaccharide), die viel Wasser aufnehmen und dabei aufquellen.
Wirkungen
- Schleimhautschützend: Ein Schutzfilm legt sich über Haut und Schleimhaut. Entzündete Schleimhaut wird besser vor mechanischen und chemischen Reizen bewahrt.
- Reiz- und schmerzlindernd: Bloß liegende Nervenendigungen (Mechanorezeptoren) werden gegenüber äußeren Reizen abgeschirmt; dadurch wird der Hustenreiz gedämpft (Antitussivum) und Entzündungen klingen rascher ab.
- Einhüllend, giftbindend: Bakterientoxine und Gifte werden durch eine flüssigkeitsbindende, „aufsaugende" Wirkung adsorbiert (die großmolekularen Polysaccharide werden nicht aufgenommen; sie durchlaufen samt dem gebundenen Giftstoff unverdaut den Magen-Darm-Kanal).
- Entzündungshemmend, schleimhautregenerationsfördernd
- Ulkusprotektiv: Bei stressbedingten Magenschleimhautläsionen. Abpuffernd bei Hypersekretion von Magensäure und Pepsin.
- Resorptionsunterbindend oder -verzögernd: Für Giftstoffe, Säuren, aber auch Medikamente u.a. Stoffe. Als Geschmackskorrigens (reizmildernd bei scharfen/bitteren Substanzen).
Quellstoffdrogen (Flohsamen, Leinsamen):
- Quellen bei Kontakt mit ausreichend zugeführtem Wasser im Darm auf, regen Peristaltik an, erzeugen weichen Stuhl = abführend.
- Bei wenig/keinem zusätzlichen Wasser: binden überschüssige Flüssigkeit bei Durchfall = stopfend.
Indikationen
| Anwendungsbereich | Indikation | Wichtige Drogen |
|---|---|---|
| Innerlich | ||
| Magen-Darm-Entzündung | Sodbrennen, Gastritis, Colitis ulcerosa | Leinsamen, Eibisch, Malve, Ringelblume |
| Atemwege | Trockener oder Reizhusten, Rachen-Kehlkopf-Bereich | Eibisch, Huflattich, Isländisch Moos, Königskerze, Malve, Spitzwegerich |
| Darmregulation | Volumenvergrößerung, Peristaltikanregung und Quellmittel bei Obstipation | Flohsamen, Leinsamen |
| Darmregulation | Gleit- und Adsorptionsmittel bei Durchfall, Entgiftung | Flohsamen, Leinsamen, Pektine (Apfel, Karotte) |
| Resorptionsminderung | Milderung von Arzneimitteln | Leinsamen |
| Äußerlich | ||
| Haut | Einhüllende, erweichende und schützende Umschläge/Auflagen/Waschungen bei trockenem Ekzem, Hautentzündung, trockenem Auge, Gerstenkorn | Leinsamen, Malve, Ringelblume |
| Mund/Rachen | Gurgelmittel als Antitussivum bei Reizhusten, Pharyngitis, Laryngitis, Tracheitis, Sinusitis, Abszess | Eibischwurzel, Malve, Spitzwegerich |
Pektine (geriebener Apfel, geschlagene Banane, gekochte Karotten):
- Blockieren das Andocken der Keime an die Darmwand (Karotte)
- Hemmen abnorme Darmflora
- Normalisieren die Verdauung
Nebenwirkungen
Bei innerlicher Einnahme von Schleimstoffen kann die Resorption anderer Stoffe vermindert sein. Daher empfiehlt sich eine kurmäßig angewandte Intervalltherapie von je ca. 1 Woche.
Kontraindikationen
Stenosen aller Art im Bereich der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts (Darmverschluss).
Wichtige Drogen/Pflanzen
| Pflanze | Botanischer Name | Drogenbezeichnung |
|---|---|---|
| Eibisch | Althaea officinalis | Althaeae radix/folium/flos |
| Flohsamen | Psyllium afrum | Psyllii semen |
| Huflattich | Tussilago farfara | Farfarae folium |
| Isländisch Moos | Cetraria islandica | Cetrariae lichen |
| Königskerze | Verbascum densiflorum/thapsiforme | Verbasci flos |
| Lein | Linum usitatissimum | Lini semen |
| Ringelblume | Calendula officinalis | Calendulae flos |
| Spitzwegerich | Plantago lanceolata | Plantaginis lanceolatae folium |
| Weg-Malve | Malva neglecta | Malvae flos/folium |
| Wilde Malve | Malva sylvestris |