Ätherische Öle

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Vorkommen

Natürliche ätherische Öle (griech. Äther: Himmelsduft) überzeugen durch intensive, meist angenehme Düfte und treten artspezifisch auf. Ihr Duftbild kann sich aus über 400 Einzelkomponenten zusammensetzen (Rose: z.B. ca. 450 Komponenten).

Die Öle entstehen als winzige Tröpfchen und werden in eigens dafür vorgesehenen, besonders abgesicherten „Ölbehältern" in Blüten, Blättern, Stängeln, Früchten, Wurzeln oder Rinden aufbewahrt – dort liegen sie gut geschützt und dicht verschlossen. Freigesetzt werden sie erst, wenn die Pflanze verletzt wird; ihren Duft entfalten sie oftmals erst beim Zerreiben der Blätter.

Desinfizierend und keimwidrig wirken die meisten ätherischen Öle – das wussten bereits unsere Vorfahren, die die „dämonenabwehrende" antibiotische Kraft gerade in Seuchenzeiten nutzten. Keimabwehr bildet auch die Hauptfunktion innerhalb der Pflanze; zusätzlich dienen die Öle dort als Insektenlockstoff, Fraßschutz, Schutz vor Verdunstung, Hitze oder Kälte, als Energiereserve sowie der Reifung und Förderung des Wachstums.

Abgrenzung: Wasserdampfflüchtige Senföle, die in der Pflanze glykosidisch gebunden vorliegen und aus ihren Vorstufen beim Zerkleinern der Droge entstehen, gehören nicht zu den ätherischen Ölen. Auch Cumarine, ebenfalls glykosidisch gebunden, werden, obwohl das Aglykon flüchtig ist, nicht zu den ätherischen Ölen gezählt.

Chemie

Ätherische Öle sind lipophil und lösen sich daher gut in lipophilen Lösungsmitteln (fettes Öl, Milch, Sahne, Alkohol usw.), in Wasser dagegen nur schlecht (zur Herstellung ätherischer Wässer). In Tees gehen ca. 25 % der ätherischen Öle in Lösung.

In der Therapie wird unterschieden zwischen:

  • Aromatika: Ätherischölpflanzen (Phytotherapie)
  • Reine ätherische Öle bzw. daraus isolierte Einzelstoffe wie Kampfer, Cineol oder Menthol (Aromatherapie)
  • Mit Aetheroleum wird ätherisches Öl bezeichnet
  • Mit Oleum wird fettes Öl bezeichnet

Praxistipp: Unterschied zwischen ätherischen und fetten Ölen: Auf ein Löschblatt je 1 Tr. reines ätherisches Öl (z.B. Zitrone) und fettes Öl (z.B. Sonnenblumenöl) geben. Nach 30 Min. ist das ätherische Öl verdunstet, während das fette Öl einen bleibenden Fettfleck hinterlässt.

Wirkungen

Die kleinmolekularen ätherischen Öle können wegen ihrer stark lipophilen Eigenschaften und des Fettgehalts unserer (Schleim-)Haut mühelos die Zellmembran durchdringen (perkutane Wirkung), über die feinsten Nasenschleimhäute aufgenommen beziehungsweise vom Magen-Darm-Trakt leicht resorbiert werden. So stehen dem Körper mehrere Wege offen: über das Atmen (Riechen: direkte Beeinflussung des ZNS), durch die Haut (Einreibung, Massage, Kompresse, Badezusatz, Kräuterkissen) und durch den Mund (Nahrung, Gewürze, Arzneitee, Tinktur).

Wirkung Typische Pflanzen
Beruhigend Baldrian, Hopfen, Kamille, Lavendel, Majoran, Melisse
Entzündungshemmend Kamille, Schafgarbe
Antibakteriell, antiviral, fungizid Kamille, Melisse, Rosmarin, Salbei, Schafgarbe, Thymian
Lokal durchblutungsfördernd Fichte, Rosmarin, Wacholder
Aquaretisch (harntreibend) Engelwurz, Wacholder
Krampflösend (spasmolytisch) Kamille, Kümmel, Melisse, Pfefferminze, Rosmarin, Schafgarbe
Expektorierend, sekretolytisch Anis, Fenchel, Fichte, Thymian
Karminativ (blähungswidrig) Anis, Engelwurz, Fenchel, Kamille, Kümmel, Pfefferminze, Wacholder
Appetitanregend Rosmarin, Schafgarbe, Wermut

Indikationen

  • Unruhezustände, Schlafstörungen
  • Haut- und Schleimhautentzündungen
  • Zahnbehandlung, Bronchitis, Harnwegsinfekte
  • Neuralgien und rheumatische Erkrankungen
  • Durchblutungsstörungen, Sportverletzungen
  • Harnwegsinfekte, Frühjahrskuren, Entgiftungskuren
  • Therapiebegleitend bei Rheuma und chronischen Hauterkrankungen
  • Blähungen, Dyspepsie, Völlegefühl

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Allergische Reaktionen treten besonders häufig bei Korbblütlern mit ätherischen Ölen auf (Arnika, Kamille u.a.). Bei Überdosierung oder nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch kommt es häufig zu hautreizenden, abortiven, kanzerogenen, nephrotoxischen u.ä. Effekten. Rosmarin, Schafgarbe und Wacholder können in hohen Dosen einen Abort auslösen. Die spezifischen Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind bei den jeweiligen Pflanzenportraits beschrieben.

Wichtige Drogen/Pflanzen

Pflanze Botanischer Name Drogenbezeichnung
Anis Pimpinella anisum Anisi fructus
Bitterorange, Pomeranze Citrus aurantium Aurantii folium/flos/pericarpium
Echte Engelwurz Angelica archangelica Angelicae radix/aetheroleum
Baldrian Valeriana officinalis Valerianae radix
Fenchel Foeniculum vulgare Foeniculi fructus/aetheroleum
Fichte, Rotfichte Picea abies Piceae aetheroleum
Hopfen Humulus lupulus Lupuli strobulus/glandula
Kamille Matricaria recutita Matricariae flos/aetheroleum
Kümmel Carum carvi Carvi fructus, Carvi aetheroleum
Lavendel Lavandula angustifolia Lavandulae flos/aetheroleum
Majoran Origanum majorana Majoranae herba/aetheroleum
Melisse Melissa officinalis Melissae folium/aetheroleum
Mutterkraut Tanacetum parthenium Chrysanthemi parthenii folium
Pfefferminze Mentha x piperita Menthae piperitae folium/aetheroleum
Rose Rosa x damascena/gallica/centifolia Rosae flos/aetheroleum
Rosmarin Rosmarinus officinalis Rosmarini folium
Salbei Salvia officinalis Salviae folium/aetheroleum
Schafgarbe Achillea millefolia Millefolii herba/flos
Schwarzer Holunder Sambucus nigra Sambuci flos/aetheroleum
Thymian Thymus vulgaris Thymi herba/folium/aetheroleum
Wacholder Juniperus communis Juniperi fructus/aetheroleum
Wermut Artemisia absinthium Absinthii herba
Zitrone Citrus limon Citri pericarpium
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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