Cumarine

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Vorkommen

Cumarine sind in zahlreichen Pflanzen anzutreffen, mit Schwerpunkt bei Doldenblütlern und Süßgräsern. Ihren Namen verdankt die Substanz dem Baum “Coumarouna” (Dipteryx odorata) aus Guyana. Dessen getrocknete Samen – die Tonkabohnen – verströmen einen betörend süßen Vanillegeruch, ganz ähnlich wie Heu oder getrockneter Honigklee. Genau dieser feine Duft macht Cumarin in der Parfümindustrie begehrt.

In lebenden Pflanzen liegt Cumarin überwiegend als geruchloses Glykosid vor; erst beim Welken wird das duftende Aglykon daraus freigesetzt. Manche Arten (Honigklee) enthalten dagegen freies Cumarin – dort riecht bereits die frische Pflanze danach.

Waldmeisterbowle: Ein frisches Sträußchen Waldmeister wird kurz vor dem Welken gesammelt; der charakteristische Duft entsteht erst beim leichten Anwelken. Zum Wohl!

Chemie

Aufgrund ihrer Lipophilie (Fettlöslichkeit) werden Cumarine gut über den Magen-Darm-Trakt oder die Haut aufgenommen. Obwohl das Aglykon flüchtig ist, rechnet man sie nicht zu den ätherischen Ölen.

Einteilung der Cumarinarten

Typ Eigenschaften Vorkommen/Beispiele
Einfache Cumarine Kein Einfluss auf Blutgerinnung. Werden medizinisch eingesetzt. Heublumen, Honigklee, Steinklee, Kamille, Liebstöckel, Waldmeister, Schafgarbe, Anis
Dicumarol Erhöht die Blutungsbereitschaft. Entsteht unter Einfluss von Schimmelpilzen auf cumarinhaltigen feuchten Drogen. Hepatotoxisch, kanzerogen. Verschimmelte Heublumen, Ausgangsmodell für Antikoagulanzien (Marcumar, Tromexan, Coumadin) – heute synthetisch hergestellt
Furanocumarine Stark phototoxisch. Absorbieren Lichtquanten des UV-Bereichs (320-400 nm). Bärenklau, Diptam, Engelwurz, Pastinake, Petersilie, Sellerie, Weinraute, Bergamotte

Historischer Hintergrund – Dicumarol: Den Anstoß zur Erforschung der Cumarine und ihrer gerinnungshemmenden Vertreter gab ein verregneter Sommer im Jahr 1922: Zahlreiche Kühe verbluteten damals ohne erkennbaren Grund. Das einfache Cumarin im mit „Süßklee" angereicherten Heu war durch Gärung und Fäulnis in Dicumarol übergegangen – eine Substanz, die die Blutgerinnung unterbindet.

Wirkungen

Einfache Cumarine (therapeutisch genutzt)

  • Ödemhemmend
  • Lymphabflussfördernd (lymphokinetisch)
  • Gefäßentkrampfend
  • Entzündungshemmend
  • Zirkulationsfördernd
  • Zentralsedierend, beruhigend

Furanocumarine

  • Phototoxisch: Gelangen Furanocumarine von Pflanzenteilen auf die Haut und wird die Hautpartie anschließend von der Sonne beschienen, kommt es nach ca. 7-12 Std. zu Erythem oder Bläschenbildung, bis hin zu regelrechten Verbrennungen und nekroseartigen Hauterscheinungen („Wiesendermatitis"). Linderung: Johanniskrautöl mit Sanddornfruchtfleischöl.
  • Khellin (ein Furanocumarin): Koronarerweiternd, spasmolytisch auf glatte Muskulatur.
  • Werden zur Photochemo-/PUVA-Therapie verwendet (nur durch Facharzt nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Analyse, da risikoreich): Zur Melanin-Neubildung bei Vitiligo, normalisiert pathologisch erhöhte Zellteilungsrate bei Psoriasis.

Dicumarol

  • Blutgerinnungshemmend (Antikoagulans). Wird therapeutisch zur Prophylaxe/Therapie von Herzinfarkt u.a. eingesetzt (heute synthetisch hergestellt).

Indikationen (einfache Cumarine)

Anwendung Indikation
Innerlich
Ödemprophylaxe Chronische venöse Insuffizienz
Lymphstauungen
Hämorrhoiden
Krampflinderung Nächtliche Wadenkrämpfe, Kopfschmerzen
Adjuvans Thrombophlebitis
Äußerlich
Stumpfe Traumen Prellungen, Verstauchungen, oberflächliche Blutergüsse/Ödeme
Lymphstauungen
Krämpfe der glatten Muskulatur „Morphium der Naturheilkunde"
Schmerzlinderung Nieren-, Blasen- und Gallenleiden, schmerzhafte Veränderungen von Gelenken, Muskeln, Sehnen, nach Unfällen/Knochenbrüchen/Operationen
Rheumatisch Intensive Schmerzlinderung rheumatischer Beschwerden, „Hexenschuss", akute Myalgien
Durchwärmung Zur tiefen Durchwärmung, Entspannung und Krampflösung bei muskulären Schmerzzuständen

Nebenwirkungen

Werden reichlich cumarinhaltige Getränke zu sich genommen, können Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit auftreten. Bei sehr hoher Überdosierung drohen hepatotoxische, kardiotoxische und narkotische Effekte mit Kopfschmerz, Erbrechen, Benommenheit und Schläfrigkeit.

Wichtige Drogen/Pflanzen (einfache Cumarine)

Pflanze Botanischer Name Drogenbezeichnung
Anis Pimpinella anisum Anisi fructus
Heublumen (Ruchgras v.a.) Flores graminis
Honigklee, Gelber Steinklee Melilotus officinalis Meliloti herba
Kamille Matricaria recutita Matricariae flos
Mariengras Hierochloe odorata (geschützt!)
Ruchgras Anthoxanthum odoratum
Waldmeister Galium odoratum Asperulae herba
Weißer Steinklee Melilotus albus Meliloti herba
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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