Flavonoide
Vorkommen
Pflanzen heilen mit Farben, wie schön für uns! Diese pflanzlichen Farbstoffe (lat. flavus: blond, gelb) erscheinen gelblich-orange, lösen sich gut in Wasser und gehören zu den Polyphenolen. In der Pflanze liegt ihre Aufgabe im Schutz vor UV-Licht. Daher treten sie vor allem an den der Sonne ausgesetzten Pflanzenteilen auf, und mit zunehmender geografischer Höhe nimmt die Farbintensität der Gewächse zu (UV-Sonnenschutz).
Auch unsere Nahrung steckt voller „Farben" (Flavonoide, Anthocyane u.a.): praktisch jede Obst- und Gemüseart, dazu bestimmte Nuss- und Getreidesorten, enthält sie – besonders reichlich (ca. 50 mg/kg) in Brokkoli, Endivie, Grünkohl, Zwiebeln, Heidelbeeren, Tomaten, Rotwein, grünem und schwarzem Tee. Geringere Mengen (ca. 5 mg/kg) finden sich in Orangen, Äpfeln, Trauben, Kirschen und Kakao.
Wer reichlich flavonoidhaltige Nahrung zu sich nimmt, profitiert von einem krankheitsvorbeugenden Effekt, denn Flavonoide besitzen ein beachtliches antioxidatives Potenzial. Die Kosmetikbranche macht sich dies ebenfalls zunutze, indem sie flavonoidhaltige Pflanzenextrakte in Anti-Falten- und Sonnenschutzcremes verarbeitet. Weil sie oxidationsempfindliche Fette und Fruchtsäfte stabilisieren, nutzt man ihre antioxidative Kraft außerdem zur Konservierung; wegen der schönen Farbe dienen sie zudem zum Färben bzw. als Schönungsdroge in Teemischungen.
Chemie
Als Polyphenole zeigen Flavonoide eine hohe Strukturvielfalt. In älterer Literatur taucht für diese Stoffgruppe die Bezeichnung „Vitamin P" auf, da sie u.a. die Gefäßpermeabilität reguliert (pathologisch erhöhte Kapillardurchlässigkeit und Kapillarbrüchigkeit werden rückgängig gemacht). Weil sich jedoch keine Vitamin-P-Mangelerscheinungen nachweisen ließen, hat der Begriff „Bioflavonoide" den alten Namen abgelöst.
Wirkungen
Aus der großen strukturellen Bandbreite ergibt sich ein breites, pharmakologisch sehr unterschiedlich ausgeprägtes Wirkungsspektrum und damit ein weites Anwendungsfeld. Im Mittelpunkt stehen der Schutz von Zellen (vor vorzeitiger Alterung, Entartung usw.) und der Kapillargefäße sowie entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Ein großer Teil unserer bedeutenden Heilpflanzen zählt zu den Flavonoiddrogen.
| Wirkung | Mechanismus | Typische Pflanzen |
|---|---|---|
| Antioxidativ, kanzeroprotektiv | Schutz vor Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Sämtliche flavonoidhaltige Heilpflanzen, ernährungsphysiologisch wichtig |
| (Leber-)zellschützend, antihepatotoxisch | Prophylaxe und Therapie von Lebererkrankungen | Mariendistel, Artischocke, Gelbwurz |
| Gefäßabdichtend, ödemprotektiv | Steigern Kapillarresistenz, reduzieren Membrandurchlässigkeit, verhindern Ödementstehung | Buchweizen, Goldrute, Rosskastanie, Weinlaub |
| Herzbelebend, koronardilatatorisch, positiv inotrop | Verbessert Koronardurchblutung, kräftigt Herz-Kreislauf-System | Weißdorn |
| Entzündungshemmend | Hemmen Arachidonsäurestoffwechsel, supprimieren Entzündungsmediatoren | Arnika, Kamille, Ringelblume |
| Antihämorrhagisch, antiallergisch | Gefäßstabilisierende Eigenschaften, Hemmung der Histamin-Freisetzung | Rosskastanie, Zitrone |
| Harntreibend, ausleitend (entgiftend) | Zur Durchspülung bei Harnwegsinfekten, Frühjahrskuren | Birke, Goldrute, Schachtelhalm, Stiefmütterchen |
| Durchblutungsfördernd (Mikrozirkulation) | Arterielle Durchblutungsstörungen, Zerebralsklerose | Buchweizen, Ginkgo |
| Schweißtreibend (diaphoretisch) | Fieber/Erkältungen | Holunder, Linde, Mädesüß |
| Stimmungsaufhellend, angstlösend | Depressive Verstimmung, innere Spannungszustände | Johanniskraut, Passionsblume |
Indikationen
- Gesunderhaltung, Kanzerogenese-Prävention
- Chronische venöse Insuffizienz
- Herzinsuffizienz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Therapie und Prophylaxe)
- Wundheilungsförderung, Dermatitiden, Allergien
- Erhöhte Kapillardurchlässigkeit, Blutungen, Neigung zu Blutergüssen
- Harnwegsinfekte (Durchspülung)
- Zerebralsklerose, arterielle Durchblutungsstörungen
- Fieber/Erkältungen als Diaphoretikum
- Depressive Verstimmung
- Hepatopathien, Leberschutz
Nebenwirkungen
Nicht bekannt. Im Gegenteil: Flavonoide sind zur Langzeitanwendung bestens geeignet, sie verweilen nicht lange im Körper und werden schnell ausgeschieden.
Wichtige Drogen/Pflanzen
| Pflanze | Botanischer Name | Drogenbezeichnung |
|---|---|---|
| Ackerstiefmütterchen | Viola tricolor | Violae tricoloris herba |
| Arnika | Arnica montana | Arnicae flos |
| Birke | Betula pendula | Betulae folium |
| Buchweizen | Fagopyrum esculentum | Fagopyri herba |
| Gelber Steinklee | Melilotus officinalis | Meliloti herba |
| Ginkgo | Ginkgo biloba | Ginkgo bilobae folium |
| Goldrute | Solidago virgaurea | Solidaginis herba |
| Hauhechel | Ononis spinosa | Ononidis radix |
| Johanniskraut | Hypericum perforatum | Hyperici herba |
| Kamille | Matricaria recutita | Matricariae flos |
| Königskerze | Verbascum phlomoides/densiflorum | Verbasci flos |
| Linde | Tilia cordata | Tiliae flos |
| Mädesüß | Filipendula ulmaria | Spiraeae flos |
| Mariendistel | Silybum marianum | Cardui mariae fructus |
| Pomeranze | Citrus aurantium | Aurantii pericarpium |
| Ringelblume | Calendula officinalis | Calendulae flos |
| Rosskastanie | Aesculus hippocastanum | Hippocastani semen |
| Sanddorn | Hippophae rhamnoides | Hippophae rhamnoides fructus |
| Schachtelhalm | Equisetum arvense | Equiseti herba |
| Schwarzer Holunder | Sambucus nigra | Sambuci flos/fructus |
| Süßholz | Glycyrrhiza glabra | Liquiritiae radix |
| Weißdorn | Crataegus monogyna/laevigata | Crataegi folium cum flore/fructus |
| Zaubernuss | Hamamelis virginiana | Hamamelidis folium/cortex/extractum fluidum |