Gerbstoffe
Gerbstoffe (Tannine)
Vorkommen
Gerbstoffe findet man in einer Vielzahl von Pflanzen – verteilt auf Blätter, Rinden, Wurzeln und Früchte. Als bekannte Beispiele nennen sich Eichenrinde, Blutwurz, Heidelbeeren, Schwarztee, Walnussblätter, Salbei, Zistrose und viele weitere.
Chemie
Gerbstoffe gehören zu den wasserlöslichen phenolischen Verbindungen: In heißem Wasser (Tee) lösen sie sich gut, in Alkohol (Tinktur) sind sie stabiler als in Wasser. Mit Eiweißen, Alkaloiden und Schwermetallen gehen sie schwer bzw. unlösliche Verbindungen ein. Ihr Name verweist auf ihr „Gerben": Über gerbstoffhaltige Drogen wurden früher Tierhäute konserviert und so tierische Haut in Leder überführt.
Für die Pflanze selbst erfüllen Gerbstoffe eine wichtige Schutzaufgabe: Nach innen wirken sie als Fäulnisschutz und verhindern das Eindringen von Schädlingen; nach außen hin bilden sie eine abgrenzende Schicht und bremsen übermäßigen Feuchtigkeitsverlust. Gerbstoffe setzen außerdem Alkaloide und Schwermetalle (z.B. Amalgam) aus ihren Verbindungen frei und schließen sie zu schwerlöslichen oder unlöslichen Komplexen zusammen – ein Vorgang, der als „Ausfallen" bekannt ist.
Gerbstoffe und Alkaloide
Zwischen Gerbstoffen und Alkaloiden herrscht ein Gegenspiel (Antagonismus): Sie behindern und verzögern die Resorption, bis die Wirkung von Gerbstoffen oder Alkaloiden ganz ausbleibt. Schwarztee veranschaulicht dies: Zieht er nur 3 bis maximal 5 Min., wirkt er anregend, weil das enthaltene Alkaloid Koffein zum Tragen kommt. Die Gerbstoffe gehen erst 5-10 Min. später in Lösung und binden die Koffeinalkaloide dann unlöslich an sich. Der Tee regt nun nicht länger an, wirkt durch die Gerbstoffe zusätzlich stopfend und lässt sich bei Durchfall einsetzen.
Wirkungen
| Wirkung | Mechanismus |
|---|---|
| Adstringierend, austrocknend | Vernetzen Polypeptidketten der Eiweißmoleküle auf der Hautoberfläche zu unlöslichen Eiweißverbindungen. Gebundenes Wasser wird verdrängt, Gewebe zieht sich zusammen – Zellen in den obersten Schichten verlieren Wasser. Entstehung einer verdichteten („lederartig" gegerbten) stabilen Schutzschicht. |
| Blutstillend | Adstringierte Schleimhaut „schrumpft" und die oberflächliche Durchblutung nimmt ab, kleine Kapillargefäße dichten sich ab. |
| Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd | Die Schleimhäute schwellen ab, die Reizbarkeit des Gewebes nimmt ab und die Heilung verläuft rascher. Belegen entzündete oder verletzte Haut mit einer schützenden, „gegerbten" Koagulationsschicht. |
| Schmerz- und juckreizlindernd | Oberflächliche Hautnerven sind in der Hemmung der Adsorption beeinträchtigt, äußere Reize können nicht in die erkrankten tieferen Schleimhautpartien gelangen. |
| Keimhemmend | Antibakteriell, antiviral, antimykotisch. Die „gegerbte" Haut/Schleimhaut erschwert die Adsorption der Viren an die Zelloberfläche – erster Schritt der Virusreplikation. |
| Bei Durchfall stopfend | Erreger(-Toxine) werden im Stuhl resorbiert. Flüssigkeit strömt durch das verdichtete Gewebe nicht mehr in den Darm. |
| Sekretionshemmend | Hemmen übermäßige Schweißbildung. |
Indikationen
| Heilpflanze | Wirkungen | Indikation |
|---|---|---|
| Eiche, Walnuss, Zaubernuss, Zistrose | Oberflächlich schmerzlindernd/anästhesierend, juckreizstillend, adstringierend, austrocknend | Ekzem, chronisch-entzündliche Hautentzündung |
| Salbei, Schwarz-/Grüntee, Zaubernuss, Zistrose | Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd | Hämorrhoiden, übermäßiges Schwitzen, Seborrhö, Sebostase, Sonnenbrand, Insektenstich, Erkrankungen des Mund- und Rachenraums |
| Blutwurz, Salbei, Zaubernuss | Blutstillend, sekretionshemmend | Oberflächlich blutende (Schürf-)Wunden |
| Blutwurz, Salbei, Schwarz-/Grüntee, Zaubernuss | Keimhemmend: antibakteriell, antiviral, antimykotisch | Wunden, Durchfall (innerlich), Karies, Candida-Infektionen |
| Blutwurz, Brombeere, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Heidelbeere, Schwarz-/Grüntee | Bei Durchfall stopfend | Durchfall: Erschweren durch Oberflächenverdichtung der Darmschleimhaut das Eindringen toxischer Substanzen/pathogener Keime, reduzieren Flüssigkeitsaustritt ins Darmlumen |
| Salbei, Schwarz-/Grüntee | Antidot bei Alkaloid- oder Schwermetallvergiftung | Als Spülung bei Amalgamentfernung |
Nebenwirkungen
Eine Aufnahme der Gerbstoffe in den Körper findet nicht statt. Wohl aber drohen trockene Ekzeme und trockene Schleimhäute. Zudem wird die Resorption basischer Arzneimittel verringert; eine Resorption ist unter Umständen möglich. Menschen mit empfindlichem Magen reagieren besonders leicht mit Reizungen – Abhilfe schafft die Zugabe von Schleimstoffen oder 1 TL Heilerde pro Tasse Tee.
Bei Langzeitanwendungen, von denen generell abzuraten ist, können Leberschädigungen entstehen (bei größeren Wunden oder Verbrennungen). Hohe Dosen führen womöglich zu Magenschleimhautreizungen und Brechreiz.
Wichtige Drogen/Pflanzen
| Pflanze | Botanischer Name | Drogenbezeichnung |
|---|---|---|
| Amerikanische Cranberry | Vaccinium macrocarpon | Vaccinii macrocarpi fructus |
| Blutwurz | Potentilla erecta | Tormentillae rhizoma |
| Brombeere | Rubus fruticosus | Rubi fruticosi folium |
| Eiche (Sommereiche) | Quercus robur | Querci cortex |
| Eiche (Wintereiche) | Quercus petraea | Querci cortex |
| Frauenmantel | Alchemilla xanthochlora | Alchemillae herba |
| Gänsefingerkraut | Potentilla anserina | Potentillae anserinae herba |
| Großblütiger Augentrost | Euphrasia rostkoviana | Euphrasiae herba |
| Heidelbeere | Vaccinium myrtillus | Myrtilli fructus |
| Himbeere | Rubus idaeus | Rubi idaei folium |
| Johanniskraut | Hypericum perforatum | Hyperici herba |
| Melisse | Melissa officinalis | Melissae herba |
| Pfefferminze | Mentha x piperita | Menthae piperitae folium |
| Rose (Essigrose u.a.) | Rosa gallica u.a. | Rosae flos |
| Rosmarin | Rosmarinus officinalis | Rosmarini folium |
| Salbei | Salvia officinalis | Salviae folium |
| Schwarz- oder Grüntee | Camellia sinensis | Theae nigrae folium |
| (Wald-)Erdbeere | Fragaria vesca | Fragariae folium |
| Walnuss | Juglans regia | Juglandis folium |
| Zaubernuss | Hamamelis virginiana | Hamamelidis folium/cortex |
| Zistrose | Cistus incanus | Cisti folium |