Gerbstoffe

wirkstoffeinhaltsstoffephytochemiegerbstoffetannine
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Gerbstoffe (Tannine)

Vorkommen

Gerbstoffe findet man in einer Vielzahl von Pflanzen – verteilt auf Blätter, Rinden, Wurzeln und Früchte. Als bekannte Beispiele nennen sich Eichenrinde, Blutwurz, Heidelbeeren, Schwarztee, Walnussblätter, Salbei, Zistrose und viele weitere.

Chemie

Gerbstoffe gehören zu den wasserlöslichen phenolischen Verbindungen: In heißem Wasser (Tee) lösen sie sich gut, in Alkohol (Tinktur) sind sie stabiler als in Wasser. Mit Eiweißen, Alkaloiden und Schwermetallen gehen sie schwer bzw. unlösliche Verbindungen ein. Ihr Name verweist auf ihr „Gerben": Über gerbstoffhaltige Drogen wurden früher Tierhäute konserviert und so tierische Haut in Leder überführt.

Für die Pflanze selbst erfüllen Gerbstoffe eine wichtige Schutzaufgabe: Nach innen wirken sie als Fäulnisschutz und verhindern das Eindringen von Schädlingen; nach außen hin bilden sie eine abgrenzende Schicht und bremsen übermäßigen Feuchtigkeitsverlust. Gerbstoffe setzen außerdem Alkaloide und Schwermetalle (z.B. Amalgam) aus ihren Verbindungen frei und schließen sie zu schwerlöslichen oder unlöslichen Komplexen zusammen – ein Vorgang, der als „Ausfallen" bekannt ist.

Gerbstoffe und Alkaloide

Zwischen Gerbstoffen und Alkaloiden herrscht ein Gegenspiel (Antagonismus): Sie behindern und verzögern die Resorption, bis die Wirkung von Gerbstoffen oder Alkaloiden ganz ausbleibt. Schwarztee veranschaulicht dies: Zieht er nur 3 bis maximal 5 Min., wirkt er anregend, weil das enthaltene Alkaloid Koffein zum Tragen kommt. Die Gerbstoffe gehen erst 5-10 Min. später in Lösung und binden die Koffeinalkaloide dann unlöslich an sich. Der Tee regt nun nicht länger an, wirkt durch die Gerbstoffe zusätzlich stopfend und lässt sich bei Durchfall einsetzen.

Wirkungen

Wirkung Mechanismus
Adstringierend, austrocknend Vernetzen Polypeptidketten der Eiweißmoleküle auf der Hautoberfläche zu unlöslichen Eiweißverbindungen. Gebundenes Wasser wird verdrängt, Gewebe zieht sich zusammen – Zellen in den obersten Schichten verlieren Wasser. Entstehung einer verdichteten („lederartig" gegerbten) stabilen Schutzschicht.
Blutstillend Adstringierte Schleimhaut „schrumpft" und die oberflächliche Durchblutung nimmt ab, kleine Kapillargefäße dichten sich ab.
Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd Die Schleimhäute schwellen ab, die Reizbarkeit des Gewebes nimmt ab und die Heilung verläuft rascher. Belegen entzündete oder verletzte Haut mit einer schützenden, „gegerbten" Koagulationsschicht.
Schmerz- und juckreizlindernd Oberflächliche Hautnerven sind in der Hemmung der Adsorption beeinträchtigt, äußere Reize können nicht in die erkrankten tieferen Schleimhautpartien gelangen.
Keimhemmend Antibakteriell, antiviral, antimykotisch. Die „gegerbte" Haut/Schleimhaut erschwert die Adsorption der Viren an die Zelloberfläche – erster Schritt der Virusreplikation.
Bei Durchfall stopfend Erreger(-Toxine) werden im Stuhl resorbiert. Flüssigkeit strömt durch das verdichtete Gewebe nicht mehr in den Darm.
Sekretionshemmend Hemmen übermäßige Schweißbildung.

Indikationen

Heilpflanze Wirkungen Indikation
Eiche, Walnuss, Zaubernuss, Zistrose Oberflächlich schmerzlindernd/anästhesierend, juckreizstillend, adstringierend, austrocknend Ekzem, chronisch-entzündliche Hautentzündung
Salbei, Schwarz-/Grüntee, Zaubernuss, Zistrose Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd Hämorrhoiden, übermäßiges Schwitzen, Seborrhö, Sebostase, Sonnenbrand, Insektenstich, Erkrankungen des Mund- und Rachenraums
Blutwurz, Salbei, Zaubernuss Blutstillend, sekretionshemmend Oberflächlich blutende (Schürf-)Wunden
Blutwurz, Salbei, Schwarz-/Grüntee, Zaubernuss Keimhemmend: antibakteriell, antiviral, antimykotisch Wunden, Durchfall (innerlich), Karies, Candida-Infektionen
Blutwurz, Brombeere, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Heidelbeere, Schwarz-/Grüntee Bei Durchfall stopfend Durchfall: Erschweren durch Oberflächenverdichtung der Darmschleimhaut das Eindringen toxischer Substanzen/pathogener Keime, reduzieren Flüssigkeitsaustritt ins Darmlumen
Salbei, Schwarz-/Grüntee Antidot bei Alkaloid- oder Schwermetallvergiftung Als Spülung bei Amalgamentfernung

Nebenwirkungen

Eine Aufnahme der Gerbstoffe in den Körper findet nicht statt. Wohl aber drohen trockene Ekzeme und trockene Schleimhäute. Zudem wird die Resorption basischer Arzneimittel verringert; eine Resorption ist unter Umständen möglich. Menschen mit empfindlichem Magen reagieren besonders leicht mit Reizungen – Abhilfe schafft die Zugabe von Schleimstoffen oder 1 TL Heilerde pro Tasse Tee.

Bei Langzeitanwendungen, von denen generell abzuraten ist, können Leberschädigungen entstehen (bei größeren Wunden oder Verbrennungen). Hohe Dosen führen womöglich zu Magenschleimhautreizungen und Brechreiz.

Wichtige Drogen/Pflanzen

Pflanze Botanischer Name Drogenbezeichnung
Amerikanische Cranberry Vaccinium macrocarpon Vaccinii macrocarpi fructus
Blutwurz Potentilla erecta Tormentillae rhizoma
Brombeere Rubus fruticosus Rubi fruticosi folium
Eiche (Sommereiche) Quercus robur Querci cortex
Eiche (Wintereiche) Quercus petraea Querci cortex
Frauenmantel Alchemilla xanthochlora Alchemillae herba
Gänsefingerkraut Potentilla anserina Potentillae anserinae herba
Großblütiger Augentrost Euphrasia rostkoviana Euphrasiae herba
Heidelbeere Vaccinium myrtillus Myrtilli fructus
Himbeere Rubus idaeus Rubi idaei folium
Johanniskraut Hypericum perforatum Hyperici herba
Melisse Melissa officinalis Melissae herba
Pfefferminze Mentha x piperita Menthae piperitae folium
Rose (Essigrose u.a.) Rosa gallica u.a. Rosae flos
Rosmarin Rosmarinus officinalis Rosmarini folium
Salbei Salvia officinalis Salviae folium
Schwarz- oder Grüntee Camellia sinensis Theae nigrae folium
(Wald-)Erdbeere Fragaria vesca Fragariae folium
Walnuss Juglans regia Juglandis folium
Zaubernuss Hamamelis virginiana Hamamelidis folium/cortex
Zistrose Cistus incanus Cisti folium
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑