Gicht (Hyperurikämie)

indikationenbewegungsapparatgichthyperurikämieharnsäure
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Bei der Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung: Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie) führt dazu, dass sich Harnsäurekristalle in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ablagern. Diese Ablagerungen lösen akut-entzündliche Schübe mit heftigen Schmerzen, Rötung und Schwellung aus – typischerweise im Großzehengrundgelenk (Podagra).

Im weiteren Sinn zählt die Gicht zu den rheumatischen Erkrankungen; genauer gesagt gehört sie zu den Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischer Beteiligung.

Symptome

  • Akuter Gichtanfall: plötzlich einsetzende, äußerst heftige Gelenkschmerzen mit Rötung, Überwärmung, Schwellung und starker Berührungsempfindlichkeit
  • Chronische Gicht: Gelenkdeformationen, Gichttophi, Nierensteine, Nierenschädigung

Ursachen und Risikofaktoren

  • Purinreiche Ernährung (Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte)
  • Alkoholkonsum (insbesondere Bier)
  • Übergewicht
  • Genetische Veranlagung
  • Eingeschränkte Nierenfunktion

Phytotherapeutika

Pflanze Wirkungen Anwendung
Brennnessel Harntreibend, fördert Harnsäureausscheidung über die Niere, antiarthrotisch, entzündungshemmend Tee, Presssaft, Präparate
Birkenblätter Stoffwechselfördernd, harntreibend, unterstützt die Ausleitung über die Nieren Tee, Präparate
Löwenzahn Stoffwechselfördernd, harntreibend, leberanregend Tee, Presssaft, Präparate
Goldrute Harntreibend, entzündungshemmend, krampflösend Tee, Präparate
Liebstöckel Harntreibend, stoffwechselfördernd Tee
Wacholder Harntreibend, stoffwechselanregend Tee (angeschlagene Beeren)

[!NOTE] Hinweis Die Brennnessel bewirkt eine deutlich vermehrte Harnsäureausscheidung und eignet sich daher besonders zur unterstützenden Therapie der Gicht.

Therapiekonzept

Das Therapiekonzept folgt der 3-Säulen-Therapie rheumatischer Beschwerden:

  1. Stoffwechselanregung und Ausleitung (Säule 1): Die Aquaretika fördern die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere; die wichtigsten Pflanzen sind hier Brennnessel, Birke, Löwenzahn und Goldrute. Zudem muss ausreichend getrunken werden, damit die Harnsäure in Lösung bleibt.

  2. Entzündungshemmung und Schmerzlinderung (Säule 2): Bei akuten Gichtanfällen lassen sich innerlich pflanzliche Analgetika wie Weidenrinde oder Teufelskralle einsetzen – wobei bei der Gicht die Ausleitung im Mittelpunkt steht.

  3. Ernährungsumstellung: Purinarme, basenreiche Kost; Verzicht auf Alkohol; Gewichtsreduktion.

Teemischungen und Rezepte

Säureausleitender Tee (auch bei Gicht geeignet)

Droge Menge
Urticae herba (Brennnesselkraut) 20 g
Betulae folium (Birkenblätter) 20 g
Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) 20 g
Levistici radix (Liebstöckelwurzel) 20 g
Juniperi fructus cont. (Wacholderbeeren, angestoßen) 20 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 15 Min. bedeckt ziehen lassen und 3–5-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Basentee

Droge Menge
Urticae herba (Brennnesselkraut) 20 g
Taraxaci radix cum herba (Löwenzahnwurzel mit -kraut) 20 g
Equiseti herba (Ackerschachtelhalmkraut) 20 g
Graminis rhizoma (Queckenwurzelstock) 20 g
Phaseoli fructus sine semine (Gartenbohnenhülsen) 20 g

Zubereitung: 2 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 15 Min. bedeckt ziehen lassen und 3–5-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Klassischer “Entschlackungstee”

Droge Menge
Urticae herba (Brennnesselkraut) 30 g
Taraxaci radix cum herba (Löwenzahnwurzel mit -kraut) 30 g
Betulae folium (Birkenblätter) 20 g
Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 10 g
Calendulae flos (Ringelblumenblüten) 10 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen und 3–5-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Stoffwechsel / Ausleitung

Präparat Inhalt Dosierung
Aqualibra Goldrute, Orthosiphon, Hauhechel 3-mal tägl. 2 Tabl.
Betula alba Urtinktur (Birke) DHU Birke 3-mal tägl. 5 Tr.
Betula folium Urtinktur (Birke) Ceres Birke 3-mal tägl. 3 Tr.
Canephron N Liebstöckel, Rosmarin, Tausendgüldenkraut 3-mal tägl. 2 Drg. oder 5 ml
Solidago ren mono Echte Goldrute 3-mal tägl. 1 Drg.
Cystinol long Echte Goldrute 3-mal tägl. 1 Drg.

Nahrungsergänzungsmittel

Präparat Inhalt Dosierung
Brennnessel Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger Brennnessel 2-mal tägl. 20 ml
Löwenzahn Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger Löwenzahn 2-mal tägl. 20 ml
Birke Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger Birke 2-mal tägl. 20 ml

Hinweise

  • Ein akuter Gichtanfall gehört in ärztliche Behandlung
  • Die pflanzlichen Mittel dienen vor allem der Prophylaxe und der Intervalltherapie
  • Essenziell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter/Tag)
  • Die Basistherapie ist die Umstellung auf purinarme Kost
  • Keine Instanttees verwenden; warme, dünn gezogene Teemischungen bevorzugen

[!IMPORTANT] Beachte Kern der phytotherapeutischen Gichtbehandlung ist die konsequente Ausleitung über die Nieren durch harntreibende Pflanzen und ausreichendes Trinken. Wegen ihrer harnsäureausschwemmenden Wirkung steht die Brennnessel dabei an erster Stelle.


Zusammenfassung: Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung mit erhöhtem Harnsäurespiegel, die schmerzhafte Gelenkentzündungen verursacht. Die Phytotherapie konzentriert sich auf die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere mittels Aquaretika – allen voran die Brennnessel, die die Harnsäureausscheidung deutlich steigert. Begleitet wird das durch Birke, Löwenzahn, Goldrute und Wacholder in Teemischungen (Säureausleitender Tee, Basentee) sowie durch Pflanzenfrischsäfte. Unerlässlich sind eine purinarme, basenreiche Ernährung und reichlich Flüssigkeit.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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