Uzarawurzel

pflanzenprofilpflanzeuzarauzarae radixxysmalobium undulatum
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Uzarawurzel (Xysmalobium undulatum)

  • Familie: Apocynaceae
  • Droge: Uzarae radix
  • Hauptkomponenten: Cardenolidglykoside (Uzarin, Xysmalorin), Pregnanderivate (Pregnenolon-Glykoside), Gerbstoffe, Flavonoide
  • Herkunft: Südafrika, seit jeher Heilpflanze der indigenen Bevölkerung; Anfang des 20. Jahrhunderts in die europäische Phytotherapie eingeführt
  • Anmerkung: Xysmalobium undulatum hieß früher Asclepias undulata und wurde zu den Schwalbenwurzgewächsen gerechnet

Botanische Bezeichnung: Uzarae radix

Inhaltsstoffe

  • 0,2–2 % Cardenolidglykoside:
    • Hauptglykosid: Uzarin (0,1–1,5 %) — ein Digitalis-ähnliches Herzglykosid mit geringer oraler Bioverfügbarkeit
    • Xysmalorin und weitere Nebenglykoside
  • Pregnanderivate (Pregnenolon-Glykoside): tragen zur peristaltikhemmenden Wirkung bei
  • 10–20 % Gerbstoffe (adstringierend, sekretionshemmend)
  • Flavonoide (Rutosid, Hyperosid, Quercetin)
  • Triterpensaponine und Phytosterole
  • Schleimstoffe und Stärke

Wichtig: Das therapeutische Wirkspektrum der Uzarawurzel beruht nicht auf den herzwirksamen Cardenoliden, sondern auf den Pregnanderivaten und den Gerbstoffen. Uzarin wird nach oraler Gabe nur zu etwa 5 % resorbiert, sodass in empfohlener Dosierung keine relevanten Herzglykosidwirkungen auftreten. Der Extrakt ist standardisiert.

Wirkungen

Innerlich:

  • Peristaltikhemmend: Darmmotilität und -peristaltik werden durch Uzarin und die Pregnanderivate herabgesetzt, ohne atropinartige Nebenwirkungen. Eine Obstipationsgefahr besteht nicht
  • Krampflösend (spasmolytisch) an der glatten Darmmuskulatur
  • Sekretionshemmend: die Sekretion von Wasser und Elektrolyten in das Darmlumen wird reduziert (antisekretorischer Effekt)
  • Antiemetisch (gegen Erbrechen): Die Erregbarkeit des Brechzentrums wird gedämpft
  • Keimhemmend: antimikrobiell gegen Durchfallerreger
  • Zusammenziehend (adstringierend) dank des hohen Gerbstoffanteils: die Darmwand wird abgedichtet, Flüssigkeitsaustritt vermindert
  • Toxinbindend: Gerbstoffe binden bakterielle Toxine

Zusammenfassung der Wirkungsmechanismen: Selten kommt es vor, dass drei antidiarrhoische Wirkprinzipien in einer Pflanze vereinigt sind: (1) Peristaltikhemmung, (2) Gerbstoff-Adstringenz, (3) Toxin- und Keimhemmung. Daher wird die Uzarawurzel deutlich besser vertragen als synthetische Antidiarrhoika (z. B. Loperamid), die allein die Peristaltik lahmlegen.

Indikationen

  • Akuter, unspezifischer Durchfall (Diarrhoe) → siehe Durchfall
  • Brechdurchfall (Gastroenteritis)
  • Reisediarrhoe (Montezumas Rache)
  • Reizdarm vom Diarrhoe-Typ (IBS-D)
  • Nüchternerbrechen (nicht-hyperemesis-gravidarum-assoziiertes Erbrechen)
  • Begleitend bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) mit Durchfall

HMPC-Klassifikation:

  • Traditional use: akuter Durchfall

Kommission E: Akuter, unspezifischer Durchfall; Brechdurchfall

Anwendungen

Wichtig: Wegen der erforderlichen Standardisierung des Extraktes wird die Uzarawurzel fast ausschließlich als Fertigpräparat eingesetzt. Eine Teezubereitung ist nicht sinnvoll, da die Wirkstoffkonzentration zu stark schwankt und die Dosierung der Cardenolide nicht kontrolliert werden kann.

Fertigpräparat (Beispiele):

  • Uzara® (standardisierter Trockenextrakt aus Uzarae radix):
    • Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: zu Beginn 2 Tabletten/Tropfen-Dosis, danach stündlich 1 Tablette bis zur Beschwerdelinderung, maximal 10 Tabletten pro Tag
    • Kinder 6–12 Jahre: zu Beginn 1 Tablette, danach stündlich ½ Tablette, maximal 5 Tabletten/Tag
    • Kinder 2–5 Jahre: zu Beginn ½ Tablette, danach stündlich ¼ Tablette, maximal 3 Tabletten/Tag → siehe Durchfall

Schon für Kinder ab 2 Jahren geeignet. Siehe Packungsbeilage.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen:

  • Sehr selten: Übelkeit, Erbrechen und allergische Hautreaktionen
  • Bei Überdosierung (über der empfohlenen Tagesdosis): Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), Herzrhythmusstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall — verursacht durch die Cardenolidglykoside. Absetzen und ärztliche Kontrolle erforderlich

Gegenanzeigen:

  • Gleichzeitige Anwendung von Herzglykosiden (Digitalis-Präparate): Wirkverstärkung möglich
  • Hypokaliämie (Kaliummangel): erhöht die Toxizität der Cardenolide
  • Vorbestehende Herzrhythmusstörungen (Bradykardie, AV-Block)
  • Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit: keine ausreichenden Sicherheitsdaten → nicht empfohlen (Herstellerangabe)
  • Kinder unter 2 Jahren: nicht empfohlen
  • Akute Diarrhoe mit Fieber und Blut im Stuhl (bakterielle Dysenterie): ärztliche Abklärung erforderlich

Wechselwirkungen: Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von:

  • Herzglykosiden (Digitalis, Strophanthin): additive Wirkung
  • Chinidin, Calcium, Saluretika und Laxanzien (Abführmittel): erhöhen das Toxizitätsrisiko
  • Arzneimitteln, die die Peristaltik beeinflussen (Opioide, Anticholinergika)

Anwendungsdauer: Nicht länger als 3–4 Tage ohne ärztliche Konsultation. Bei anhaltendem Durchfall über 3 Tage ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Kombinationen

Da die Uzarawurzel als Fertigpräparat eingesetzt wird, kommt sie in Teemischungen selten vor. Kombinierbar ist sie jedoch mit:

  • Gerbstoffdrogen (synergistisch adstringierend): Blutwurz, Heidelbeere, Brombeerblätter, Eichenrinde → siehe Durchfall
  • Adsorbenzien (simultan, jedoch zeitversetzt einnehmen): Heilerde, Kaffeekohle, medizinische Kohle → siehe Durchfall
  • Pektinen (simultan): geriebener Apfel, Karottensuppe → siehe Durchfall
  • Kamille (entzündungshemmend): als Begleittherapie → siehe Kamille

Nicht kombinieren mit:

  • Anderen peristaltikhemmenden Mitteln (Loperamid)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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