Weichteilrheuma

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Weichteilrheuma — Fibromyalgie, Muskelrheuma

Beschreibung

Unter Weichteilrheumatismus versteht man schmerzhafte Erkrankungen der Weichteile – Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Bänder und Faszien –, die nicht in erster Linie von den Gelenken ausgehen. Zu unterscheiden sind:

  • Fibromyalgie (generalisiertes Weichteilrheuma): Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, begleitet von Müdigkeit, Schlafstörungen und vegetativen Symptomen
  • Lokales Weichteilrheuma / Muskelrheuma: z. B. Schulter-Arm-Syndrom, Tennisellenbogen, Sehnenscheidenentzündung, Myogelosen (Muskelverhärtungen)
  • Rheumatische Beschwerden als Begleitsymptom anderer Krankheiten

Allen rheumatischen Beschwerden gemeinsam sind zunehmende, chronische Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und eine allmählich nachlassende Lebensqualität.

[!IMPORTANT] Beachte Bei rheumatischen Beschwerden gilt es, in Bewegung zu bleiben. Nur ein bewegtes und ausreichend trainiertes Gelenk wird gut durchblutet und mit Nährstoffen versorgt und bildet genügend Synovialflüssigkeit. Die Behandlung der Schmerzen hat oberste Priorität.

Phytotherapeutika

Innerliche Einnahme

Pflanze Wirkungen
Afrikanische Teufelskralle Antiarthrotisch, schmerzlindernd, entzündungshemmend, ödemhemmend; spricht besonders gut auf chronische Erkrankungen inklusive Weichteilrheuma an
Weidenrinde Entzündungshemmend, schmerzlindernd, antirheumatisch
Brennnessel Zytokinhemmer, entzündungshemmend, stoffwechselfördernd
Curcuma (Gelbwurz) Entzündungshemmend, hemmt NF-κB (entzündungsfördernde Botenstoffe)

Äußerliche Anwendungen (besonders wichtig bei Weichteilrheuma)

Pflanze / Mittel Anwendungsformen Besondere Eignung
Beinwell Salbe, Creme, Balsam, Pflaster, Umschlagpaste Hervorragend wirksam bei Muskelverspannung, Myogelosen, akuten Rückenschmerzen; abschwellend, entzündungshemmend, schmerzlindernd
Cayennepfeffer Salbe, Creme Stark durchblutungsfördernd, wohltuende Wärme; lang anhaltender schmerzlindernder Effekt bei Muskelschmerzen
Heublumen Auflage, Wickel, Bad Vermehrt Durchblutung, erhöht Gewebsstoffwechsel, mindert Muskeltonus → entspannte Muskulatur lindert Schmerz
Johanniskrautöl Einreibung, Auflage Wärmendes, schmerzlinderndes, muskelentspannendes “Rotöl”
Arnika Salbe, Gel, Öl, Schmerzfluid, Creme Schmerzlindernd, entzündungshemmend
Ätherisches Pfefferminzöl Einreibung (verdünnt) Kühlend, schmerzlindernd, entzündungshemmend
Ingwer Öl, Wickel, Einreibung Entzündungshemmend, schmerzlindernd, der Salicylsäure ähnliche Gingerole
Kartoffel Auflage Langanhaltende Wärmeauflage, lindert Schmerz und Verspannung
Senfmehl Auflage, Bad Stark durchblutungsfördernd, durchwärmend; steigert reflektorisch die Durchblutung tiefer gelegener Körperschichten
Quark Auflage Kühlend → entzündungshemmend bei akuten Entzündungen
Bockshornklee Wickel und Auflagen Bewährt bei Tennisellenbogen und Sehnenscheidenentzündung

Therapiekonzept

Das Therapiekonzept folgt der allgemeinen 3-Säulen-Therapie für rheumatische Beschwerden:

  1. Entlastung des Bindegewebes und Stoffwechselförderung (Säule 1):

    • Aquaretika: Brennnessel, Birke, Löwenzahn, Goldrute
    • Hepatoprotektiva: Mariendistel, Artischocke
    • Bitterstoffdrogen: Teufelskralle, Löwenzahn
    • Diaphoretika: Holunderblüten, Lindenblüten
    • Empfohlen: Frühjahrskur / Entgiftungskur 1–2-mal jährlich über 4–6 Wochen
  2. Innerliche Einnahme entzündungshemmender, schmerzlindernder Phytoanalgetika (Säule 2):

    • Teufelskralle (bei chronischen Beschwerden besonders gut wirksam)
    • Weidenrinde
    • Brennnessel
    • Wirkungseintritt: ca. 3 Wochen, dann anhaltend
  3. Äußerlich applizierte Phytoanalgetika (Säule 3):

    • Beinwell, Cayenne, Heublumen, Johanniskrautöl, Arnika
    • Rasche Wirkung (oft nach 30 Min.), dafür meist nur wenige Stunden
    • Besonders wichtig bei Muskel- und Weichteilschmerzen

[!NOTE] Hinweis Chronische Erkrankungen erfordern “chronische”, also lang dauernde Behandlungstherapien. Intervalle und regelmäßiger Wechsel der Mittel ändern den Reiz für den Stoffwechsel immer wieder. Es kommt zu keinem Gewöhnungseffekt.

Teemischungen und Rezepte

Mild schmerzlindernder Rheumatee

Droge Menge
Filipendulae ulmariae flos (Mädesüßblüten) 25 g
Cortex salicis (Weidenrinde) 25 g
Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) 20 g
Betulae folium (Birkenblätter) 15 g
Sambuci flos (Holunderblüten) 15 g

Zubereitung: 2 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10–15 Min. bedeckt ziehen lassen und 3–5-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Klassischer “Entschlackungstee”

Droge Menge
Urticae herba (Brennnesselkraut) 30 g
Taraxaci radix cum herba (Löwenzahnwurzel mit -kraut) 30 g
Betulae folium (Birkenblätter) 20 g
Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 10 g
Calendulae flos (Ringelblumenblüten) 10 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen und 3–5-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Äußerliche Anwendungen

Heublumenauflage

Ein ausgezeichnetes Mittel bei Weichteilrheuma und Muskelschmerzen: Einen Heublumensack 15 Min. im Wasserdampf erhitzen (im Dampfkochtopf 1–2 Min.) und danach vorsichtig ausdrücken. So heiß wie möglich dicht auf die betroffene Stelle legen und mit einem Wolltuch straff fixieren. Die Auflage bleibt liegen, solange sie angenehm ist (etwa 40 Min.). Sie wärmt und entspannt und lindert Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen; schon nach der ersten Anwendung ist eine deutliche Besserung zu spüren.

Cayennepfeffer-Einreibung / Wärmesalbe

Zuerst ruft der Scharfstoff Capsaicin ein Brennen auf der Haut hervor, dem eine wohltuende Wärme folgt. Mit wiederholter Anwendung wird die Stelle zunehmend unempfindlich gegen Schmerz. Die gesteigerte Durchblutung begünstigt die Bildung von Gelenkschmiere und die Ernährung der Knorpelsubstanz. Der schmerzlindernde Effekt hält lange an.

Beinwell-Umschlag

Bei Muskelverspannungen, Myogelosen und Rückenschmerzen wird Beinwell-Salbe oder -Paste auf die betreffende Stelle aufgetragen und gegebenenfalls mit einem Tuch abgedeckt. Studien belegen eine hervorragende Wirksamkeit bei akuten Rückenschmerzen.

Johanniskrautöl-Einreibung

Als wärmendes, schmerzlinderndes und muskelentspannendes “Rotöl” eignet es sich zum Einreiben bei Muskel- und Nervenschmerzen.

Präparate

Analgetika — innerlich

Präparat Inhalt Dosierung
Teufelskralle-Präparate Afrikanische Teufelskralle 3-mal tägl. 1–2 Kps.
Hox alpha Brennnessel 3-mal tägl. 2 Tbl.
Phytodolor Pappel, Esche, Goldrute 3-mal tägl. 30–50 Tr.
Rheuma-Hek forte Brennnessel 3-mal tägl. 1 Drg.
Weidenrinde Schmerzdragees Weidenrinde Bis zu 8 Drg. tägl.

Analgetika — äußerlich

Präparat Inhalt Anwendung
ABC Wärme-Creme Cayenne 3-mal tägl. auftragen
Capsamol Salbe Cayenne 3-mal tägl. auftragen
Thermo-Bürger Salbe Cayenne 3-mal tägl. auftragen
Kytta-Plasma f Umschlagpaste Beinwell 1–2-mal tägl. über 5 Std. auflegen
Kytta-Balsam f Beinwell, Methylnicotinat 3-mal tägl. auftragen
Kytta Schmerzsalbe Beinwell 3-mal tägl. auftragen
Traumaplant Salbe Beinwell 3-mal tägl. auftragen
Arnika Salbe 10 % und 30 % Weleda Arnika 3-mal tägl. auftragen
Kneipp Arnika Salbe S Arnika 3-mal tägl. auftragen
DOLO-CYL Öl Johanniskrautöl, Arnika, Eukalyptus, Lavendel, Rosmarin, Wacholder, Latschenkiefer 3-mal tägl. auftragen

Hinweise

  • Regelmäßige Bewegung ist essenziell: Nur ein bewegtes und ausreichend trainiertes Gewebe wird gut durchblutet
  • Bei chronischen Beschwerden Wärmeanwendungen (Heublumen, Cayenne); bei akuten Entzündungen Kälte (Quark, kühlende Gele)
  • 1–2-mal jährlich eine Frühjahrskur zur Entgiftung des Bindegewebes
  • Der regelmäßige Wechsel der äußerlich angewendeten Mittel verhindert Gewöhnungseffekte
  • Bei innerlicher Einnahme von Aquaretika auf ausreichende Trinkmenge achten

Zusammenfassung: Unter Weichteilrheuma fallen die Fibromyalgie und lokale Muskel-/Sehnenerkrankungen. Die Phytotherapie folgt der 3-Säulen-Therapie rheumatischer Beschwerden: Entgiftung des Bindegewebes durch Brennnessel, Birke und Löwenzahn, innerliche Schmerzlinderung mit Teufelskralle und Weidenrinde sowie äußerliche Anwendungen mit Beinwell, Cayennepfeffer und Heublumen. Gerade bei Weichteilrheuma sind die äußerlichen Anwendungen von großer Bedeutung, da sie rasch wirken und die schmerzverspannte Muskulatur lockern. Besonders bewährt haben sich Heublumenauflagen und Beinwell-Umschläge.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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