Gesundes Wildgemüse

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Warum Wildgemüse?

Wildkräuter sind wahre Nährstoffbomben. An Spurenelementen und Vitaminen lassen sie das Kulturgemüse weit hinter sich: Die Brennnessel enthält z.B. 30-mal so viel Vitamin C und 50-mal so viel Eisen wie Kopfsalat. Dabei sind sie längst keine „Notlösung" hungriger Zeiten mehr, sondern eine hochwertige, schmackhafte, würzige und farbenfrohe Bereicherung des Speiseplans – eine kleine Beigabe zum alltäglichen Küchenzettel genügt, so gesund sind sie.

Wer Wildgemüse kennt, muss seltener zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Die grün-bunten, aromareichen Köstlichkeiten übertreffen die größte Nährstoffkapsel geschmacklich um ein Vielfaches – ganz abgesehen davon, dass längst nicht geklärt ist, wie Unmengen an Zusatznährstoffen im Organismus tatsächlich wirken.

Sammelregeln

  1. Nur wirklich 100 %ig bekannte Pflanzen sammeln. Verwechslungen können tödlich enden: Bärlauch mit Maiglöckchen, Aronstab oder Herbstzeitlose zu verwechseln, wäre das letzte Süppchen.

  2. Nur so viele Pflanzen sammeln, wie in den nächsten 2 Tagen gegessen werden. Und nur die Pflanzenteile ernten, die auch verzehrt werden.

  3. Junge, zarte Pflanzenteile bevorzugen, sie schmecken besser.

  4. Erntegut sorgfältig pflücken: Gräser und Erde machen die Putzerei zu Hause mühsam, das verdirbt schnell die Lust am Wildgemüse.

  5. Vor dem Konsum die Pflanzen kurz unter warmem Wasser abbrausen (im Gegensatz zu Pflanzen, die man trocknet), auf giftige Pflanzen kontrollieren und nach evtl. Kleinsttierchen Ausschau halten.

  6. Kinder darauf hinweisen, dass sie nur die Pflanzen sammeln und essen sollen, die vorher gemeinsam bestimmt wurden. Kinder sind hervorragende Sammler und respektieren durchaus, was sie dürfen/sollen und was nicht.

  7. Transport: Wer länger unterwegs ist, kann Wildkräuter in ein feuchtes Tuch einschlagen – dann kommen sie frisch zu Hause an.

Verwendung

Wildgemüse

Wilde Kräuter kann man roh als Salat genießen oder gedünstet als Blattgemüse oder Wildspinat; dazu passen Suppen, Omeletts, Eintöpfe, Gemüserouladen oder Frikadellen. Wer sich an solche „wilden Mahlzeiten" herantastet, mischt für empfindliche Mägen anfangs besser Wildkräuter unter Kulturgemüse – der Bekömmlichkeit und des Geschmacks wegen.

Wilde Würze

Viele Wiesenpflanzen schmecken herb, aromatisch oder bitter und genau daraus wird eine wohlschmeckende, gesunde „wilde Würze von der Wiese": Es macht die Dosis – und die sollte eher sparsam bemessen sein, ca. 1-2 EL/Person. Würzkräuter werden für Soßen, Kräuterbutter oder -quark, Suppen, Getränke oder als Salatwürze sehr klein geschnitten verwendet. Sie sind in der Tabelle mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.

Wildkräuter und Wildgemüse – und wie sie schmecken

Pflanze Pflanzenteil Geschmack & Verwendung
Bach-Ehrenpreis obere Triebe bitter bis frisch, als Mischgemüse oder Salatbeigabe
Bärlauch Blätter roh kräftig nach Knoblauch, gekocht milder, üppig zu verwenden
Zwiebelchen wie Zwiebeln
Blüten zur Dekoration
junge grüne Samen knoblauchpfeffrig als „Bärlauchkaviar"
Wichtig: Für Pesto nicht mit dem Mixer pürieren, nur schneiden!
Beifuß* Blätter bitter und verdauungsfördernd
Beinwell Blätter mild, nicht lange kochen (schleimhaltig), nicht zu häufig essen (Pyrrolizidinalkaloide, liebt Stickstoff). In Pfannkuchenteig ausgebacken köstlich, oder zwischen 2 Blätter Ziegenfrischkäse streichen und kurz ausbacken – oberköstlich! Blätter enthalten Vitamin B12!
Brennnessel Blätter (liebt Stickstoff), sehr gesund, etwas streng-fischig; als Mischgemüse, z.B. mit Giersch. Mit Milchprodukten geschmacklich abrunden. Samen als gesunde vitalisierende Nüsschen über Suppen und Salate streuen.
Brunnenkresse* Blätter nur roh essen, scharf, sparsam verwenden, kann Magen und Nieren reizen
Buche junge Blätter und Keimblätter („Elefantenöhrchen") milde Salatbeigabe für den Waldspaziergang
Distel junge Knospen gekocht zart-bitter, artischockenähnlich
Dost* (wilder Majoran) blühende Triebspitzen aromatisch, wie Majoran zu verwenden
Gänseblümchen Blätter nussig-mild
Blüten honigsüß
Giersch junge Blätter herb-karottig, üppig zu verwenden
Sommerblätter* petersilienähnlich, nur als Würze
Blüten honigsüß duftend und fein im Geschmack, zum Aromatisieren von Kräuterbowlen
Gundermann* Blätter wunderbar als Hustentee und Gewürz, aber sehr herb. Nur 1 Blatt/Person, ganz klein geschnitten (!) oder als Würze in Wildkräuterbowlen, oder mit Schokoladenkuvertüre bepinselt als „Wiesen-After-Eight" – ein Hochgenuss!
Blüten zart, üppig zu verwenden
Guter Heinrich Blätter, Sprossen hervorragendes, nährstoffreiches Wildgemüse
Hirtentäschel junge Blätter pikanter Rettichgeschmack, üppig als Salat
Blüten, Samen Blüten sind süßlich, zusammen mit nussig schmeckenden Samen über das Essen streuen
Hopfen Sprossen schmecken im Mai dem Spargel ähnlich, werden wie dieser zubereitet – köstlich!
Huflattich Blätter groß und weich, wunderbar mild, fein und zart, eignen sich wie Weinblätter/Dolmades für „Päckchen"
Blüte honigduftend, in Sahne ausziehen; nicht zu häufig essen (Pyrrolizidinalkaloide)
Klette junge Blätter etwas bitter
Wurzel geschälte Wurzel schmeckt wie Schwarzwurzel
Mark das (mühsam zu schälende) Mark der Stängel ist eine Delikatesse: nussartig-mild
Knoblauchsrauke Blätter mild nach Knoblauch, reichlich genießen
Blüten üppig über das Essen streuen
Kriechender Günsel Blätter etwas scharf bis bitter, als Gemüse- oder Salatbeigabe
Linde Blätter mild-nussig. Eine Köstlichkeit! Die jungen weichen, oberseits noch glänzenden Blätter reichlich verwenden für Salate oder zwischen Brote (als Sandwichsnacks).
Löwenzahn Blätter je älter, desto bitterer. Zum Entbittern nicht in lauwarmes Wasser legen, das Bittere ist heilkräftig! Stattdessen kleingeschnittene Beigaben zu fügen: Birnen, Äpfel, Kartoffeln, Champignons, Mais, Avocados, Eier, Käse, Brotwürfel, Nüsse und Speck. Das ergibt einen köstlichen Salat.
Knospen wunderbar mild-zarte Gemüsebeilage, pur, roh oder kurz gebraten
Frühjahrs-Wurzeln recht bitter, aber sehr aromatisch
Herbst-Wurzel geröstet und gemahlen als Kaffee-Ersatz
Blüten honigsüß; üppig aufs Butterbrot, über Desserts und Salate
Malve rohe Blüten als essbare Dekoration, mild-süßlich
Blätter etwas herb, üppig in Salat oder Gemüse
junge Früchte („Käsli") mild, leicht schleimig-nussig, über Salate
Melde Blätter feines, mild schmeckendes Wildgemüse, reichlich zu verwenden
Pastinake Samen als kümmelähnliche Würze
junge Blätter leicht bitter
Wurzeln in Salzwasser zum Entbittern gekocht, mild und leicht süßlich, der Möhre ähnlich
Quendel*, wilder Thymian Blüten und Blätter wie Thymian zu verwenden
Rotklee Blätter mild, spinatähnlich, reichlich verwenden
Blüten angenehm süßlich-mild, reichlich über Salate, Reis oder auf Brote
Sauerampfer Blätter angenehm säuerlich, eine Delikatesse, roh nicht zu viel des Guten
Sauerklee Blüten und Blätter wie Sauerampfer zu verwenden
Schafgarbe junge Blätter bitter, leicht salzig-aromatisch. Häufig, aber sparsam als Salat- und Gemüsebeigabe verwenden oder einfach kleingehackt auf das Butterbrot oder im Pfannkuchenteig ausgebacken. Gut als Soße, Suppe, Butter oder Kräutersalz.
Scharbockskraut Blätter etwas scharf, nur vor der Blüte verwenden
Brut- und Wurzelknöllchen nach der Blüte gekocht, mehlig-mild, vitaminreich
Vorsicht, die Blüten sind giftig!
Schlangenknöterich Blätter schmecken besser als Spinat, reichlich verwenden
Spitzwegerich Blätter leicht herb bis salzig. Im Frühjahr viel, später im Jahr weniger zu Salat oder Suppe verwenden (mindestens 20 Min. gekocht, schmeckt sie wie Champignonsuppe!).
ganze Pflanze und Knospen duften beim Zerreiben nach Champignons
Samen können wie Leinsamen verwendet werden
Vogelmiere Trieb samt Blüte, nur die obersten 2 cm schmeckt köstlich nach rohen Maiskölbchen, reichlich zu verwenden, aber die Pflanze liebt Stickstoff!
Wegwarte junge Blätter mild, als Salat
ältere Blätter bitter (mit der Zichorie verwandt), deshalb sparsam einsetzen
Wurzel bitter; wie Schwarzwurzel oder geröstet und gemahlen als Kaffee-Ersatz
Weidenröschen Sprosse und Blätter schmecken zart sauerlich als Salat oder Mischgemüse
Wiesenbärenklau junge Blätter und Triebe mild, süßlich-aromatisch, als Gemüse oder wie Spargel
Knospen, noch in der Blattscheide eingehüllt wie Broccoli zubereiten
Achtung: Wiesenbärenklau nicht mit Riesenbärenklau verwechseln, der eine ausgeprägte Wiesendermatitis auslösen kann!
Wiesenbocksbart Wurzel wie Schwarzwurzel (traditionelles Wildgemüse)
junge Sprosse spargelähnlich
Blätter roh geknabbert oder gekocht mild-süßlich, sehr fein
Blütenknospen pur oder in Teig ausgebacken als Leckerei genießen!
Wiesenlabkraut obere Triebe milde Gemüsebeigabe, üppig verwenden
Wiesenschaumkraut blühender Trieb, obere 2-5 cm nur roh essen, wunderbar milde, köstliche Schärfe, meerrettichähnlich! Macht sich gut zu Obst, im Salat, in Quark und in Joghurt!

Praktische Tipps

  • Wildkräuter auf Märkten: Wer keine Möglichkeit hat, die grünen Wilden selbst zu ernten, findet Wildkräuter heute auch auf Wochenmärkten.
  • Eigenanbau: Balkon, Fensterbrett, Dachterrasse oder Garten zum Eigenanbau nutzen – Wildkräuter gedeihen quasi von alleine.
  • Urban Gardening: In vielen Städten gibt es freies Gärtnern von allen für alle – einfach umschauen.

Siehe auch

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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