Herzinsuffizienz - Herzschwäche, funktionelle Herzbeschwerden, Altersherz

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Herzinsuffizienz

Von Herzinsuffizienz spricht man, wenn die Pumpleistung des Herzens nachlässt: Das Blut lässt sich nicht mehr bedarfsgerecht durch den Lungen- oder Körperkreislauf fördern. In der Frühphase gleicht das Herz die verminderte körperliche Leistungsfähigkeit über eine erhöhte Schlagfrequenz aus. Im Lauf des langen Lebens haben sich die Gefäße zunehmend arteriosklerotisch verändert: Sie sind verengt und weniger elastisch geworden. Erste Anzeichen sind schnellere Ermüdung, körperliche Schwäche und Atemnot bei Belastung.

[!IMPORTANT] Beachte Die Phytotherapie ist nicht für die akute, sondern für die chronische, leichtere Herzinsuffizienz NYHA I-II gedacht (evtl. begleitend auch III) sowie für das Altersherz zur Vorbeugung altersbedingter degenerativer Veränderungen an Herzmuskel und Koronarien. Die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen.

Funktionelle Herzbeschwerden

Unter “funktionellen” Herzbeschwerden versteht man eine gestörte Herzfunktion mit Herzsymptomen, ohne dass eine organische Erkrankung vorliegt. Solche Herzbeschwerden müssen ernst genommen, abgeklärt und behandelt werden – auch ohne organischen Befund.

Symptome

  • Herzjagen, Herzstolpern, Herzklopfen
  • Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Stressempfinden
  • Pektanginöse, herzinfarkt-ähnliche Beschwerden (nicht auf der Herzseite liegen können, Ziehen und Schmerzen an Herz und Arm)
  • Enge- oder Beklemmungsgefühl, verbunden mit Angst

[!TIP] Unterscheidungsmerkmal zur Angina pectoris Funktionelle Herzbeschwerden wirken eher lästig als stark oder unerträglich, bessern sich meist bei Belastung und sprechen nicht auf Nitropräparate an.

Ursachen

Belastung, ein überreaktives vegetatives Nervensystem, hormonelle Umbruchsituationen (Pubertät, Klimakterium) oder hormonelle Dysregulationen (Schilddrüsenüberfunktion). Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose.

Phytotherapeutika

Phytokardiaka bei funktionellen Herzbeschwerden und Rhythmusstörungen

Pflanze Wirkung Besonderheit
Weißdorn (Crataegus) Wichtigstes Phytokardiakum; kräftigt den Herzmuskel, fördert Durchblutung der Herzkranzgefäße, wirkt ausgleichend auf Blutdruck und Herzrhythmus Beste Verträglichkeit, für Langzeitanwendung prädestiniert
Herzgespann (Leonurus cardiaca) Ökonomisiert die Herzleistung, beruhigt baldrianähnlich Bei eher hohem Blutdruck und tachykardem Puls
Rosmarin (Rosmarinus officinalis) Positiv inotrop Kreislaufanregend
Besenginster (Cytisus scoparius) Herzrhythmusstabilisierend Bei eher niedrigem Blutdruck und bradykardem Puls

Adjuvante Phytotherapeutika nach Beschwerdebild

Kategorie Heilpflanzen Wirkung
Bitterstoffe (“Bitter ist gut für das Herz”) Enzian, Hopfen, Ingwer, Wermut Tonisieren, verbessern Durchblutung der Herzkranzgefäße
Sedativa Baldrian, Eisenkraut, Hopfen, Johanniskraut, Lavendel, Melisse, Passionsblume Entspannen, mindern Angst
Karminativa (bei Roemheld-Syndrom) Fenchel, Kümmel Lindern Blähungen, die zu Herzbeklemmung führen
Antidepressiva Johanniskraut, Passionsblume Hellen die Stimmung auf

Mittel der Wahl bei Herzinsuffizienz NYHA I-II

Pflanze Wirkung Dosierung
Weißdorn Ökonomisiert die Herzarbeit, lindert Beschwerden Hoch dosiert beginnen, langsam reduzieren; Wirkungseintritt erst nach Wochen
Digitaloide (Herzglykoside 2. Ordnung) Adonisröschen, Maiglöckchen, Meerzwiebel Exakt eingestellte, normierte Präparate; bei NYHA I-II, evtl. III

[!WARNING] Grundsatz der Herzinsuffizienztherapie

  • Hoch dosiert beginnen und langsam (mit zunehmender Kompensation) reduzieren
  • Bei bereits laufender Therapie mit Digitalis (synthetischen Fertigpräparaten) dürfen Digitaloide nicht zusätzlich eingesetzt werden – Gefahr der Überdigitalisierung!
  • Weißdorn dagegen lässt sich wegen der unterschiedlichen pharmakologischen Angriffsstoffe sehr gut mit Digitalis/Digitaloiden kombinieren und verbessert deren Verträglichkeit.

Pflanzenporträts

Weißdorn

Herzgespann

Maiglöckchen

Therapiekonzept

Funktionelle Herzbeschwerden und Rhythmusstörungen

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt; Dauer: ca. 3 Monate.

1. Herzstärkung, Eurhythmisierung (ca. 3 Monate)

  • Phytokardiaka: Weißdorn, Herzgespann, Besenginster

2. Stabilisierung des vegetativen Nervensystems (ca. 3 Monate)

  • Sedativa: Eisenkraut, Wolfstrapp
  • Anxiolytika: Baldrian, Passionsblume, ätherisches Lavendelöl
  • Antidepressiva: Johanniskraut, Passionsblume

3. Hormonelle Regulation (ca. 3 Monate)

[!WARNING] Wolfstrapp-Hinweis Wolfstrapp nicht gleichzeitig mit Schilddrüsenhormonpräparaten einnehmen. Vor einer Schilddrüsenszintigrafie muss der Arzt auf die Einnahme hingewiesen werden – Wolfstrapp kann die Untersuchungsergebnisse beeinflussen.

Altersherz und Herzinsuffizienz NYHA I-II

Therapieziel: Herzstärkung durch Weißdorn, Maiglöckchen, Adonisröschen und Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) Dauer: Langzeittherapie über Monate bis Jahre

Teemischungen und Rezepte

Herzstärkende, rhythmusausgleichende Teemischung

  • Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore): 40 g
  • Schafgarbenkraut (Millefolii herba): 20 g
  • Löwenzahnwurzel mit -kraut (Taraxaci radix cum herba): 20 g
  • Melissenblätter (Melissae folium): 20 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. 2-3 Tassen täglich trinken.

Teemischung für verdauungsbedingte Arrhythmien (Roemheld-Syndrom)

  • Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore): 30 g
  • Herzgespannkraut (Leonuri cardiacae herba): 30 g
  • Kümmel, angequetscht (Carvi fructus cont.): 15 g
  • Wermutkraut (Absinthii herba): 10 g
  • Melissenblätter (Melissae folium): 10 g
  • Lavendelblüten (Lavandulae flos): 5 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. 2-3 Tassen täglich nach den Mahlzeiten trinken.

Teemischung für stressbedingte Herzbeschwerden

  • Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore): 40 g
  • Passionsblumenkraut (Passiflorae herba): 20 g
  • Melissenblätter (Melissae folium): 20 g
  • Lavendelblüten (Lavandulae flos): 10 g
  • Orangenblüten (Auranti flos): 10 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. 2-3 Tassen täglich trinken.

Teemischung bei klimakterisch bedingten Herzstörungen

  • Herzgespannkraut (Leonuri cardiacae herba): 25 g
  • Frauenmantelkraut (Alchemillae herba): 25 g
  • Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore): 25 g
  • Melissenblätter (Melissae folium): 25 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. 2-3 Tassen täglich trinken.

Teemischung für das nervöse Schilddrüsenherz

  • Eisenkraut (Verbenae herba): 20 g
  • Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore): 20 g
  • Herzgespannkraut (Leonuri cardiacae herba): 20 g
  • Wolfstrappkraut (Lycopi herba): 20 g
  • Melissenblätter (Melissae folium): 20 g

Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. 2-3 Tassen täglich trinken.

[!TIP] Rosenblüten-Herzkompresse Eine bewährte Wohltat beim “Stressherz”: 1-2 EL Wildrosenöl (Weleda) gleichmäßig auf ein handgroßes Tüchlein tropfen und auf die Herzregion auflegen. Mit einem Wärmepolster (Rohwolle, Watte, warmer kleiner Wollschal) bedecken und mehrere Stunden liegen lassen. Nach Wunsch kommt darüber eine dünn gefüllte Wärmflasche oder ein leicht angewärmtes Körnerkissen. Lindert Herzbeschwerden und Ängste auf angenehmste Weise.

Präparate (Auswahl)

Funktionelle Herzbeschwerden / Rhythmusstörungen:

  • Cor-Vel Truw Herzsalbe (Rosmarin, Fichtennadelöl, Kampfer, Menthol): 2-3-mal täglich 1-2 cm Salbe in die über dem Herzen liegenden Hautbezirke einreiben
  • Leonurus cardiaca Urtinktur (Herzgespann) DHU, Weleda: 3-mal täglich 5 Tr.
  • Oxacant sedativ liquid (Weißdorn, Herzgespann, Melisse, Baldrian): 3-mal täglich 2 Tbl.
  • Rytmopasc (Weißdorn, Besenginster, Lilium tigrinum, Cheirantus cheiri, Apocynum, Gelsemium D2, Veratrum D3): 3-mal täglich 20 Tr.
  • Spartiol Cardio (Besenginster): akut 6-mal täglich 5 Tr., chronisch 1-3-mal täglich 5 Tr.
  • Spartium scoparium Urtinktur (Besenginster) DHU: 3-mal täglich 5 Tr.

Stabilisierung des vegetativen Nervensystems:

  • Aurum/Lavandula comp. Herzsalbe (Aurum D4, ätherisches Lavendel- und Rosenöl): 1-2-mal täglich 0,5-1 cm Creme in der Herzgegend einreiben
  • Dysto-loges (Passiflora incarnata, Gelsemium D4, Reserpinum D6, Coffea D6, Veratrum D6): 3-mal täglich 1 Tabl. oder 3-mal täglich 10 Tr.
  • Euvegal 320/160 mg (Baldrian, Melisse): Kinder 6-12 Jahre: 1-mal täglich 1 Tabl.; ab 12 Jahren und Erwachsene: 2-mal täglich 1 Tabl.
  • Klosterfrau Melissengeist (Melisse, Alant, Angelika, Ingwer, Gewürznelke, Galgant, Schwarzer Pfeffer, Enzian, Muskat, Pomeranze, Zimt, Kardamom): 1-3-mal täglich 5-10 ml mit Wasser verdünnt
  • Kytta sedativum Dragees (Baldrian, Hopfen, Passionsblume): Kinder 3-12 Jahre: 1-2-mal täglich 1 Tabl.; ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-mal täglich 1 Tabl.
  • Passiflora Nerventonikum (Passionsblume, Weißdorn, Baldrian, Hopfen, Johanniskraut D2, Weide D2): 3-mal täglich 2 TL
  • Phytonoctu (Baldrian, Melisse, Passionsblume): 2-mal täglich 2 Tabl.
  • Sedacur forte Beruhigungsdragees (Baldrian, Hopfen, Melisse): 2-3-mal täglich 2 Tabl.
  • Sumbulus-Komplex-Hanosan (Cactus, Ginseng, Hypericum perforatum, Passiflora incarnata, Sumbulus moschatus, Nux vomica, Lupulus, Gentiana lutea): 3-mal täglich 10-20 Tr.

Hormonelle Regulation:

  • Lycopus virginicus Urtinktur (Wolfstrapp) DHU: 3-mal täglich 10 Tr.
  • Thyreogutt Mono (Wolfstrapp): 3-mal täglich 1 Tabl. bzw. 9-10 Tr.
  • Thyreologes Tabletten (Wolfstrapp): 2-mal täglich 1 Tabl.

Altersherz / Herzinsuffizienz:

  • Cactus-Complex-Hanosan (Crataegus, Convallaria majalis D2, Adonis vernalis, Cactus, Lobelia inflata, Spigelia anthelmia D1): bei Herzschwäche mit niedrigem Blutdruck: 3-mal täglich 5-10 Tr.
  • Convallaria majalis Urtinktur (Maiglöckchen) DHU: 3-mal täglich 5 Tr.
  • Convallysan N (Adonis vernalis, Apocynum cannabinum D1, Arnica montana, Convallaria majalis D2, Crataegus): 10-20 Tr.
  • Confludin N (Convallaria majalis D4, Crataegus, Spigelia anthelmia D2, Urginea maritima D4): in schweren Fällen bis zu 3-mal täglich 30-40 Tr.
  • Crataegus Urtinktur Ceres/DHU (Weißdorn): 3-mal täglich 3 Tr. bzw. 2-mal täglich 10 Tr.
  • Crataegus Tropfen Weleda (Weißdorn): zu Beginn 3-mal täglich 20 Tr., bei Besserung 3-mal täglich 10 Tr.
  • Crataegutt novo 450 mg (Weißdorn): 2-mal täglich 1 Tabl.
  • Esbericard novo (Weißdorn): 2-mal täglich 1-2 Drg.
  • Faros 300 (Weißdorn): 3-mal täglich 1 Tabl.
  • Natucor 450 mg (Weißdorn): 2-mal täglich 1 Tabl.

Hinweise und Warnungen

[!WARNING] Herzmedikamenten-Interaktionen

  • Digitaloide (Adonisröschen, Maiglöckchen, Meerzwiebel) sind verschreibungspflichtig und dürfen niemals zusätzlich zu synthetischen Digitalispräparaten eingenommen werden – Gefahr der Überdigitalisierung mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen!
  • Weißdorn dagegen lässt sich gefahrlos mit Digitalis kombinieren und verbessert sogar die Verträglichkeit.
  • Weißdornpräparate brauchen eine Anlaufzeit von 5-6 Wochen bis zur vollen Wirksamkeit – Patienten darüber aufklären!
  • Bei Verdacht auf eine organische Herzerkrankung immer zuerst fachärztliche Abklärung!
  • Maiglöckchen-Präparate können Übelkeit und Erbrechen verursachen; bei Kaliummangel kontraindiziert.
  • Wolfstrapp nicht gleichzeitig mit Schilddrüsenhormonpräparaten einnehmen; vor Szintigrafie Arzt informieren.
  • Herzgespann nicht in der Schwangerschaft anwenden (uteruskontrahierend).

Zusammenfassung

Die Pflanzenheilkunde bei Herzinsuffizienz konzentriert sich auf die leichten Formen (NYHA I-II) und das Altersherz. Mit Abstand wichtigstes Phytokardiakum ist der Weißdorn: Er kräftigt den Herzmuskel, verbessert die Koronardurchblutung, reguliert Blutdruck und Herzrhythmus und schützt als Radikalfänger vor Arteriosklerose. Die volle Wirkung stellt sich erst nach 5-6 Wochen ein – eine Langzeittherapie über Monate bis Jahre ist daher unerlässlich. Begleitend kommen Herzgespann, Maiglöckchen und Besenginster zum Einsatz. Bei funktionellen Herzbeschwerden spielen zusätzlich Sedativa und Bitterstoffe eine wichtige Rolle. Maßgeblich für den Erfolg ist die Kombination mit Stressreduktion und einer gesunden Lebensführung.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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