Salicin
Salicin (Salicylate)
Vorkommen
Pflanzen mit höheren Salicylatgehalten gedeihen bevorzugt in feuchten Lebensräumen – ausgerechnet dort, wo auch die Leiden entstehen, gegen die sie helfen (Erkältung, Rheuma): ubi morbus ibi remedium. Wird eine Pflanze von einem Erreger befallen, steigt ihr Salicylatspiegel um ein Vielfaches. Zudem sind Pflanzen während der Knospenentwicklung in der kritischen Phase in der Lage, ihre Temperatur anzuheben und tragen so zur Abwehr der Flora bei. Mit diesem pflanzlichen „Fieber", das zuweilen bis 20°C über der Umgebungstemperatur liegt, wehren sie sich gegen Viren, Bakterien und Pilze.
Chemie
Als Glykosid liegt Salicin in der Pflanze in einer inaktiven Form vor, die man als „Prodrug" bezeichnet. Erst im Darm spalten Enzyme (Glucosidasen) die Verbindung und setzen daraus die wirksame Salicylsäure frei. Der frei gewordene Salicylalkohol wird zügig aufgenommen und in der Leber zur aktiven Salicylsäure umgewandelt (hierfür ist eine intakte Bakterienflora im Darm Voraussetzung). Diese hemmt gezielt die Entstehung der Entzündungsbotenstoffe (Prostaglandine).
Der Wirkungseintritt dauert rund 2-3 Std., weshalb pflanzliche Salicylpräparate nicht als Sofortmittel taugen. Dafür hält die Wirkung ungefähr 12 Std. an. Bei morgendlicher und abendlicher Gabe ergibt sich ein schmerzlindernder sogenannter „Rund-um-die-Uhr-Effekt" – ganz ohne Nebenwirkungen!
Wirkungen
- Antiphlogistisch (entzündungshemmend)
- Schmerzlindernd (analgetisch)
- Antirheumatisch
- Fiebersenkend
Im menschlichen Körper wirkt Salicylsäure vor allem fiebersenkend und unterdrückt gezielt die Prostaglandinbildung (Entzündungsmediatoren).
Indikationen
- Fieberhafte Infekte
- Rheumatische Beschwerden
- Schmerzzustände allgemeiner Art
- Länger dauernde Kopf- und Rückenschmerzen
- „Kater" nach Alkoholgenuss
Nebenwirkungen
Eine Überempfindlichkeit gegen Salicylsäure kommt vor (bei ca. 0,2 % der Bevölkerung); Weidenrinde wird dabei besser vertragen als die nach ihrem Vorbild synthetisch erzeugte Acetylsalicylsäure.
Wichtige Drogen/Pflanzen
| Pflanze | Botanischer Name | Drogenbezeichnung |
|---|---|---|
| Mädesüß | Filipendula ulmaria | Spiraeae herba/flos |
| Stiefmütterchen | Viola tricolor ssp. | Violae tricoloris herba |
| Weide | Salix alba, S. purpurea, S. daphnoides | Salicis cortex |