Waschungen
Definition und Prinzip
Waschungen spülen den Körper ganz oder teilweise mit Wasser – häufig angereichert mit einem Heilpflanzenauszug. Sie haben sich nicht nur in naturheilkundlich orientierten Kliniken, in Kur-, Palliativ-, Alten- und Pflegeheimen bewährt, sondern auch in der Haus- und Selbstpflege (z.B. Salbeiteewaschung in den Wechseljahren). Waschung ist mehr als Körperpflege oder bloß therapeutische Maßnahme – sie ist ein kleines Wohlfühlritual, eine aufmerksame Zuwendung und „medizinische Berührung", mag auch die Wirkstoffaufnahme über die Haut eher gering ausfallen.
Wirkprinzipien
Waschungen wirken über drei Mechanismen:
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Das reizableitende Wasser und die Wassertemperatur, die die Wärme- oder Kälterezeptoren der Haut anspricht und reflektorische Wirkungen auslöst.
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Den mechanischen Reiz durch den Waschlappen, über die entsprechende Waschrichtung (eher vagoton oder eher sympathikoton).
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Die Inhaltsstoffe, die entsprechende Rezeptoren an der Hautoberfläche reizen können (z.B. verschafft eine Pfefferminzwaschung ein kühles Empfinden, Malvenblüten lindern Juckreiz und schenken Feuchtigkeit).
So geht es
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Waschlappen ausdrücken: Den Waschlappen gut ausdrücken, damit die Haut benetzt, aber nicht triefnass wird. Die Waschung zügig durchführen und anschließend wärmeschützend abtrocknen bzw. abdecken.
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Reihenfolge: Mit dem Gesicht beginnen, dann die Arme (erst rechts, dann links), Oberkörper-Vorderseite, Bauch, Rücken, Beine und Füße.
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Wärmeentzug (z.B. bei Fieber): Nur wenn ein Wärmeentzug gewünscht wird, lässt man die Haut nach dem Befeuchten an der Luft trocknen – aber immer nur einzelne Gliedmaßen und Körperpartien, der Rest bleibt solange leicht abgedeckt, um die entstehende Verdunstungskälte zu nutzen. Es sollte aber nicht bis zum Frösteln kommen.
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Anregende Waschungen (sympathikoton): Bevorzugt vormittags durchführen: Bewegungsrichtung von der Peripherie zum Zentrum (herzwärts) mit leicht kreisenden Bewegungen und aktivierender Berührungsqualität. Wassertemperatur: lauwarm, 35-36 °C – erfrischend, belebend.
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Entspannende, beruhigende Waschungen (vagoton): Eher am späten Nachmittag und Abend durchführen: Bewegungsrichtung vom Zentrum zur Peripherie mit langsamen, ausstreichenden Bewegungen und mit weicher, beruhigender Berührungsqualität. Wassertemperatur ca. 40 °C – wärmend, entspannend.
Heilpflanzen für das Waschwasser
Heilpflanzen für das Waschwasser als Tee ansetzen: 5-7 EL Teedroge mit 1 l heißem Wasser überbrühen, bedeckt 10 Min. ziehen lassen, abgießen und dem Waschwasser zufügen. Mucilaginosa (Schleimstoffpflanzen) 1 Stunde lang kalt ausziehen, danach abgießen und dem körperwarmen Waschwasser zugeben.
Waschzusätze
| Heilpflanze/Zubereitung | Wirkung/Anwendung | Hinweise |
|---|---|---|
| Ackerstiefmütterchen: Infus | juckreizlindernd, antioxidativ, hautpflegend, entzündungshemmend; zur Hautpflege bei Problemhaut und Seborrhö | Klassiker der Kinderheilkunde, bereits im Babyalter anwendbar |
| Grüntee/Schwarztee: Infus, 10-15 Min. ziehen lassen | austrocknend, antibakteriell, entzündungshemmend; bewährt bei Strahlenpatienten, bei nässenden Wunden, wenn Patienten viel schwitzen | Grüntee enthält mehr Bioflavonoide als Schwarztee |
| Malve: Mazerat | entzündungshemmend, juckreizlindernd; lindert und pflegt die Haut bei Altersjuckreiz | Malve lindert mit ihren kühlenden und beruhigenden Schleimstoffen trockene Ekzeme |
| Hamamelis: Infus | lindert schnell den Juckreiz, oberflächlich schmerzlindernd; Hamamelis sorgt für eine gute Hautintegrität | |
| Pfefferminze: Infus | entzündungshemmend, fiebersenkend; bei Fieber, übermäßiger Schweißbildung, bei Juckreiz | |
| Ätherisches Pfefferminzöl: 3-5 Tr./l Wasser, in 1 EL Salz, Honig, (Kondens-)Milch oder Sahne emulgiert | Nur emulgiert und verdünnt dem Waschwasser zufügen! | |
| Salbei: Infus, 10 Min. gezogen; lauwarm abwaschen, oder Tee in Pumpspray | schweißhemmend, verbessert Hautintegrität, desodorierend, keimwidrig; bei Hitzewallungen, übermäßiger Schweißbildung, Nachtschweiß und Fieber | Unterstützend dazu lauwarmen Salbeitee trinken: 3-5 Min. abgedeckt gezogen und mit 15 Tr. Salbeitinktur „aufgepeppt" (ätherische Öle lösen sich besser in Alkohol) |
| Zistrosen: Infus | entzündungshemmend, juckreizlindernd, antibakteriell; Hautpflege bei Neurodermitis | Gute Erfahrungen liegen bei Neurodermitis und in der Dammpflege nach Geburten vor |
| Fettes Waschwasser: 2 Becher Kondensmilch mit 2 EL fettem Öl kräftig schütteln, gleich ins Waschwasser geben | pflegt, fettet trockene Haut; hinterlässt ein sehr angenehmes Hautgefühl. Waschen, Pflegen und Eincremen in einem: Highlight für Pflegepersonal und Patienten | Fette Öle: Oliven-, Mandel-, Johanniskraut-, Ringelblumen-, Massageöl usw. Auf Wunsch ätherische Öle dazu |
| Honig pur: 2-3 EL Bio-Honig; oder 3-5 Tr. Benzoe mit 2-3 EL Bio-Honig emulgiert ins Waschwasser | regt Hautstoffwechsel an, feuchtigkeitsbindend, antibakteriell; bei trockener und empfindlicher Haut | Honig wirkt fühlbar „einhüllend" und ist zugleich Emulgator für ätherische Öle und Harze |
Praktische Tipps
- Waschungen eignen sich sehr gut als Anwendung, die man Patienten für die Selbstpflege zuhause mitgeben kann.
- Die Waschrichtung (sympathikoton oder vagoton) je nach Tageszeit und gewünschtem Effekt wählen.
- Nach der Waschung immer wärmeschützend abtrocknen und kurz nachruhen.
Siehe auch
- Umschläge und Kompressen – Verwandte äußerliche Anwendungen
- Infus und Dekokt – Grundlage für das Waschwasser
- Kaltmazerat – Für Schleimstoffpflanzen als Waschzusatz
- Dampfbad und Inhalation – Weitere hydrotherapeutische Anwendung