Umschläge und Kompressen
Definition und Abgrenzung
Umschläge, Kompressen, Wickel und Auflagen bringen Pflanzenteile, Kräuterauszüge oder andere Substanzen direkt oder vermittelt auf die Haut. Sie zählen zu den ältesten Heilverfahren der Menschheit und punkten mit Einfachheit, Wirksamkeit und wenigen Nebenwirkungen.
Begriffsabgrenzung
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Umschlag | Ein feuchtes Tuch, getränkt mit einem Kräuterauszug (Tee, Tinktur, Essigwasser), das auf die Haut gelegt und mit einem trockenen Tuch abgedeckt wird. Auch Kräuterbreie, die in ein Tuch eingeschlagen werden, heißen Umschlag. |
| Kompresse | Ein mehrfach gefaltetes Tuch oder eine Mullbinde, mit Auszug getränkt und direkt auf die Hautstelle aufgelegt. Meist kleiner und lokaler als ein Umschlag. |
| Wickel | Ein um eine Körperpartie (Gelenk, Hals, Brust, Wade) gewickeltes feuchtes Tuch, das spiralförmig oder zirkulär angelegt wird. Der Wickel umschließt das Körperteil. |
| Auflage | Eine Schicht aus pflanzlichem Material, Quark, Lehm, Kohlblättern o.ä., die direkt auf die Haut aufgebracht und mit einem Tuch fixiert wird. Die Auflage liegt ohne weitere Tränkung auf. |
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe oft synonym verwendet – die zugrundeliegenden Prinzipien sind verwandt.
Heiße vs. kalte Anwendungen
Ob ein Umschlag warm oder kalt angewendet wird, entscheidet maßgeblich über seine physiologische Wirkung.
Warme und heiße Anwendungen
- Temperaturbereich: 38-45 °C (warm) bis 50 °C (heiß, Vorsicht: Verbrennungsgefahr)
- Wirkung: Gefäßerweiterung (Vasodilatation), Durchblutungsförderung, Muskelentspannung, Schmerzlinderung, Krampflösung, Förderung von Entzündungsauflösung (bei chronischen Entzündungen)
- Anwendungsbereiche:
- Muskelverspannungen, Rückenschmerzen
- Menstruationsbeschwerden (Warmwasserflasche mit Kräuterwickel)
- Chronische Gelenkbeschwerden (Arthrose)
- Blasenentzündung (Warmwasserwickel auf den Unterbauch)
- Abszesse und Furunkel zur Reifung (Heublumensack)
Kalte Anwendungen
- Temperaturbereich: 0-18 °C (kühl bis kalt)
- Wirkung: Gefäßverengung (Vasokonstriktion), Entzündungshemmung, Schmerzlinderung (durch Kühlung der Nervenenden), Abschwellung, Blutstillung
- Anwendungsbereiche:
- Akute Verletzungen (Prellungen, Verstauchungen, Insektenstiche) – kalt sofort nach dem Trauma
- Akute Entzündungen (heiße, rote, geschwollene Gelenke)
- Kopfschmerzen (kalte Stirnkompresse)
- Fieber (Wadenwickel)
- Venenleiden, schwere Beine
- Insektenstiche (kühlende Spitzwegerich-Kompresse)
Wechselanwendungen (warm/kalt)
Der Wechsel von warm und kalt macht die Gefäßwand regelrecht „gymnastisch" (Kneipp’sche Reizwirkung: warm → Gefäßerweiterung, kalt → Gefäßverengung). Diese „Gefäßgymnastik" eignet sich bei chronischen Beschwerden und zur Stärkung des Immunsystems:
- Warmen Umschlag 5-10 Minuten auflegen.
- Umschlag entfernen, kurz abtrocknen.
- Kalten Umschlag 1-3 Minuten auflegen.
- 2-3 Wiederholungen, immer mit kalt abschließen.
Kräuterumschlag: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Ein Kräuterumschlag verwendet einen frisch zubereiteten, konzentrierten Kräutertee (Infus oder Dekokt), mit dem ein Tuch getränkt wird.
-
Kräutertee zubereiten: Einen konzentrierten Aufguss oder eine Abkochung herstellen – etwa die doppelte Kräutermenge im Vergleich zum Trinktee (3-4 Teelöffel auf 250 ml Wasser). Ziehzeit entsprechend der verwendeten Pflanzen (siehe Infus und Dekokt).
-
Tee abseihen: Den fertigen Tee gründlich abseihen, damit keine Pflanzenteilchen auf der Haut zurückbleiben und irritieren.
-
Temperatur einstellen: Den Tee auf die gewünschte Anwendungstemperatur bringen:
- Warm: Auf ca. 38-45 °C abkühlen lassen (testen am Handgelenk oder mit Thermometer).
- Kalt: Auf Raumtemperatur abkühlen lassen oder kurz in den Kühlschrank stellen.
-
Tuch vorbereiten: Ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch (Geschirrtuch, Mullwindel, Taschentuch) mehrfach falten, sodass es die zu behandelnde Fläche bedeckt. Das Tuch sollte saugfähig und hautfreundlich sein.
-
Tuch tränken: Das gefaltete Tuch in den Tee tauchen, vollständig durchtränken und anschließend leicht auswringen, sodass es nicht mehr tropft, aber noch gut feucht ist.
-
Auflegen: Das getränkte Tuch faltenfrei auf die Hautstelle legen. Es soll gleichmäßig und vollflächig aufliegen.
-
Abdecken und fixieren:
- Ein trockenes Außentuch (Frottee, Wolle, Flanell) über das feuchte Innentuch legen. Das Außentuch schützt vor Auskühlung und hält die Wärme bei warmen Umschlägen.
- Bei Bedarf mit einer Mullbinde oder einem elastischen Wickel fixieren, aber nicht zu stramm – die Durchblutung muss erhalten bleiben.
-
Einwirken lassen: Den Umschlag für die angegebene Zeit einwirken lassen:
- Warme Umschläge: 15-30 Minuten, bei Angenehmheitsgefühl auch länger (bis 45 Minuten). Sobald der Umschlag unangenehm kühl wird, erneuern.
- Kalte Umschläge: 10-20 Minuten, sobald er sich erwärmt hat, erneuern.
-
Entfernen und Nachruhe: Den Umschlag entfernen, die Haut vorsichtig abtrocknen und die behandelte Stelle 10-15 Minuten nachruhen lassen (warm zudecken).
Spezielle Umschläge, Wickel und Auflagen
Leinsamenkompresse
Beim Aufkochen verwandeln sich Leinsamen in eine schleimig-gelartige Masse, die Wärme sehr gut speichert und langsam abgibt – die Leinsamenkompresse wird so zum intensiven Wärmespender.
Anwendung: Chronische Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen, Furunkel und Abszesse (zur Reifung), Nebenhöhlenentzündung (auf Wangen und Stirn auflegen).
Zubereitung:
- 3-4 Esslöffel (ca. 30-40 g) ganze oder geschrotete Leinsamen mit 250-350 ml kaltem Wasser in einen Topf geben.
- Unter Rühren langsam aufkochen, bis ein dickflüssiger, schleimiger Brei entsteht (ca. 2-4 Minuten kochen).
- Den heißen Brei fingerdick in die Mitte eines Leinentuchs oder einer Mullkompresse streichen.
- Die Ränder des Tuchs einschlagen, ein flaches Päckchen formen. Das Päckchen muss dicht sein, damit kein Brei ausläuft.
- Auf die gewünschte Temperatur abkühlen lassen (testen am Handgelenk – heiß, aber nicht verbrennend!) und auflegen.
- Mit einem trockenen Woll- oder Frotteetuch abdecken und fixieren.
- Einwirkzeit: 20-40 Minuten, bis die Wärme nachlässt.
Quarkwickel
Quarkwickel kühlen, hemmen Entzündungen und schwellen ab – eines der einfachsten und zugleich wirksamsten Hausmittel.
Anwendung: Akute Entzündungen, Insektenstiche, Sonnenbrand, Gelenkentzündungen, Halsschmerzen (Halswickel), Venenentzündung, Prellungen.
Zubereitung:
- Magerquark (Zimmertemperatur oder leicht gekühlt) etwa fingerdick auf ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch oder direkt auf die Haut streichen.
- Das Tuch falten oder umklappen, sodass der Quark eingeschlossen ist.
- Auf die betroffene Stelle auflegen.
- Mit einem trockenen Tuch abdecken, bei Bedarf mit einer Mullbinde fixieren.
- Einwirkzeit: 15-30 Minuten, bis der Quark getrocknet und bröckelig ist.
- Entfernen, Haut mit lauwarmem Wasser abwaschen und abtrocknen.
Tipp: Quark nicht direkt aus dem Kühlschrank verwenden, da der Kälteschock zu stark sein kann. Etwa 30 Minuten vorher herausnehmen und auf Zimmertemperatur kommen lassen.
Kohlauflage (Kohlwickel)
Kohlblätter gelten seit alters als Mittel bei Entzündungen, Gelenkschmerzen und schmerzhaften Schwellungen – bewährt haben sich Weißkohl und Wirsing.
Anwendung: Arthrose, Gelenkschmerzen, geschwollene Knie oder Knöchel, Milchstau (Brustwickel bei Stillenden), Venenentzündung, Gicht.
Zubereitung:
- Große, saubere Außenblätter vom Kohlkopf lösen, waschen und trockentupfen.
- Die dicken Blattrippen mit einem scharfen Messer flach abschneiden oder mit einem Nudelholz/Wallholz flach rollen, bis die Blätter weich sind und etwas Saft austritt.
- Die Blätter mehrlagig (3-4 übereinander) auf die betroffene Körperstelle legen, mit den flachgeklopften Rippen nach innen.
- Mit einem Tuch oder einer Mullbinde fixieren, jedoch nicht einschnüren.
- Einwirkzeit: 1-3 Stunden (auch über Nacht möglich). Erneuern, wenn der Kohl trocken und warm geworden ist.
Heublumensack
Heublumen – das Gemisch aus getrockneten Gräsern, Kräutern und Blütenresten der Heuernte – stecken voller pflanzlicher Wirkstoffe und speichern Wärme hervorragend.
Anwendung: Chronische Muskel- und Gelenkschmerzen, Verspannungen, Hexenschuss, Arthrose.
Zubereitung:
- 200-300 g Heublumen in einen Leinen- oder Baumwollbeutel (oder ein Geschirrtuch, das zu einem Säckchen verknotet wird) füllen.
- Den Beutel auf einem Dampfsieb oder in einem Sieb über kochendem Wasser 15-20 Minuten dämpfen, bis er gut durchfeuchtet und heiß ist. Nicht im Wasser kochen.
- Auf eine erträgliche Temperatur abkühlen lassen (testen am eigenen Handgelenk!).
- Auf die schmerzende Stelle auflegen, mit einem trockenen Wolltuch abdecken.
- Einwirkzeit: 30-45 Minuten. Der Heublumensack kann 2-3 Mal wiederverwendet werden (erneut dämpfen).
Zwiebelauflage
Anwendung: Ohrenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, Insektenstiche.
Zubereitung:
- Eine Zwiebel fein würfeln oder hacken.
- Die Zwiebelwürfel in ein dünnes Baumwolltuch oder eine Mullkompresse geben, zu einem flachen Päckchen formen.
- Bei Ohrenschmerzen das Päckchen auf das schmerzende Ohr legen und mit einer Mütze oder einem Stirnband fixieren.
- Bei Halswickel das Päckchen um den Hals legen und mit einem Schal fixieren.
- Einwirkzeit: 20-30 Minuten.
Wickel nach der Traditionellen Naturheilkunde (nach Bühring)
Wickel spielen auch heute noch ihre Stärken aus. Neben ihrer therapeutischen Eigenschaft schenken sie aufmerksame Zuwendung, Berührung und Nähe, sprechen die Sinne über feine Düfte und angenehme Wärme an und vermitteln Geborgenheit – all das kommt der Genesung zugute.
Bei Wickeln kommt nicht nur die Substanzwirkung (pflanzlicher Zusätze) zum Tragen, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Wirkprinzipien:
- Physikalische Wirkung von Wärme oder Kälte: Bewirkt z.B. vermehrte Durchblutung, Muskelentspannung, Schmerzlinderung oder verbesserte Stoffwechselsituation.
- Physikalische Wirkung von trockenen oder feuchten Anwendungen: Dadurch kann man Wärme erhalten und aufbauen oder entziehen und ableiten.
- Reflektorische Wirkung: Je nach Lokalisation der Anwendung und Größe der Auflagefläche werden gezielte reflektorische Wirkungen ausgelöst (über die Head’schen Zonen zur spinalen Reflexleitung zu einem inneren Organ), das unterstützt/fördert die entsprechende Organfunktion.
Definitionen
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Wickel | Zirkuläres Anlegen eines oder mehrerer Tücher um einen Körperteil oder den ganzen Körper. Das innerste Tuch ist Träger der Wirksubstanz. |
| Auflagen | Bedecken größere Flächen wie Bauch oder Nieren. |
| Kompressen | Legt man auf kleinere Partien (Augen, Ohren, Herz). |
| Kataplasmen | Brei- oder Pasten-Auflagen aus Pflanzenpulver oder zerquetschten Kräutern (z.B. Bockshornklee, Leinsamen). Umgangssprachlich nennt man sie meist einfach “Päckchen”. |
Materialien und Schichten
- Innentuch (Baumwolle, Leinen): Träger der Wirksubstanz, d.h. es wurde getränkt in Tee, verdünnter Tinktur oder mit Öl beträufelt. Je nach Indikation ist es trocken, feucht, warm oder kalt.
- Zwischentuch (Baumwoll-, Leinen- oder Frottiertuch): Manchmal erforderlich; es sollte etwas größer sein als das Innentuch.
- Außentuch (Frottier- oder dickes Moltontuch, Wolle/Wollschal oder Rohwolle): Bedeckt beide Tücher vollständig. Es überragt das Innentuch um 2-3 cm und wird um den betroffenen Körperteil gewickelt. Wichtig ist faltenfreies und dichtes Anliegen.
- Stoffe mit natürlichen Fasern: Leinen, Baumwolle, Seide oder Wolle. Wolle dient als Wärmespeicher, sie kann bis zu 30 % ihres Eigengewichts an Wasserdampf aufnehmen. Baumwolle leitet Wärme schnell ab.
Allgemeine Kontraindikationen
- Keine intensiv heißen bzw. hautreizenden Anwendungen oder intensiv-kalte Anwendungen bei Sensibilitätsstörungen, Lähmungen, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheitszuständen.
- Nicht bei alten Menschen, kleinen Kindern und Säuglingen anwenden.
- Keine intensiv heißen Anwendungen bei akut-entzündlichen Prozessen, Gefäßschädigungen, Blutungsneigung oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Keine intensiv kalten Anwendungen bei Gefäßschädigungen oder bei Wärmemangel.
Wichtig: Vor jeder Wickelanwendung genau über Kontraindikationen informieren!
Spezielle Wickel und Auflagen (nach Bühring)
Heublumenauflage
Heublumen (Blüten, Samen, Stängel und Blätter von Gräsern und Kräutern, die nach dem Ernteschnitt das Heu bilden) sind Wärmeträger par excellence. Ihre Wirkstoffe werden direkt resorbiert und wirken lokal und zugleich generalisierend schmerzlindernd und entspannend; über kutiviszerale Reflexe wird auch die Durchblutung der inneren Organe verbessert. Heublumen gelten als „Morphium der Naturheilkunde".
Zubereitung:
- 200-300 g Heublumen (lose oder in Pulverform aus der Apotheke) im Wasserdampf 15 Min. erhitzen.
- In einen Leinenbezug füllen (oder als Fertigpräparat aus der Apotheke).
- Auf die schmerzende Stelle legen; mit einem Wolltuch straff fixieren.
- Einwirkzeit: solange sie angenehm ist (etwa 40 Min.).
Kartoffelauflagen
Kartoffelauflagen wärmen anhaltend und in die Tiefe, wirken abschwellend (antiödematös) und lindern Arthroseschmerz – besonders geeignet bei Sinusitis.
Zubereitung:
- Pellkartoffeln mit Schale kochen, schälen und zerdrücken.
- Den Brei zu einer 2-3 cm dicken Auflage formen, die so groß sein soll wie die zu behandelnde Stelle.
- Vor dem Auflegen sorgfältig überprüfen, ob die Hitze verträglich ist (Kartoffelauflagen sind sehr, sehr heiß!).
- Die Auflage mit einem wollenen Außentuch straff und ohne „Luftlöcher" fixieren.
- Die Auflage bleibt liegen, solange es als angenehm empfunden wird (15 Min. bis mehrere Std. bzw. die ganze Nacht).
- Nach dem Abnehmen nachruhen.
Leinsamenkompressen (bei Sinusitis)
Leinsamen packen viel Wärme in kleines Volumen und haben sich besonders bei Sinusitis bewährt. Sie fördern die Durchblutung der entzündeten Region, damit das Nasensekret besser abfließt, und mildern den typischen Druckschmerz bei einer Nasennebenhöhlenentzündung.
Zubereitung:
- Ca. 3 Tassen Leinsamen mit 4 Tassen Wasser zu einem dicken, zähen Brei kochen.
- Je 1 EL Brei in einen Teefilterbeutel füllen (oder in ein Tempo-Taschentuch einpacken).
- Am besten gleich mehrere solcher Auflagen zubereiten und warmhalten, indem man sie zwischen 2 mit heißem Wasser gefüllte Wärmflaschen legt.
- Jeweils 2 Päckchen auf die betroffenen Stirnhöhlen legen und mit der Hand festhalten, so lange bis es abkühlt (5-7 Min.).
- Dann wechseln: ca. alle 7 Min. ein neues Päckchen auflegen.
Praxis-Tipp: Nachdem der Patient das letzte Päckchen der Leinsamenkompresse entfernt hat, soll er noch so lange nachruhen und sich keinesfalls kühler Luft oder Zugluft aussetzen, bis die Gesichtshaut wieder die normale Temperatur angenommen hat.
Meerrettich-Nackenauflagen
Diese „scharfen" Auflagen bewirken bei Sinusitis reflektorisch eine vermehrte Durchblutung der Nasennebenhöhlenschleimhäute und lassen das Sekret besser abfließen.
Zubereitung:
- Eine pflaumengroße Menge frisch geriebenen Meerrettich in ein Taschentuch einwickeln, sodass auf einer Seite der Meerrettich nur von einer Stofflage bedeckt ist.
- Mit dieser Seite die Kompresse für 2-5 Min. auf den Nacken legen.
- Sobald die Auflage intensives Brennen hervorruft, die Kompresse entfernen und die gerötete Haut mit einem Pflegeöl einölen.
- Alle 1-2 Tage die Auflage wiederholen (insgesamt maximal 3 Tage) und bei guter Verträglichkeit bis höchstens 15 Min. auf dem Nacken belassen.
Senfmehlauflagen
Senfmehl wirkt schnell und kräftig durchblutungsfördernd, schmerzlindernd und leicht antibiotisch. Reflektorisch wird die Durchblutung tiefer gelegener Körperschichten gesteigert, und schmerzauslösende Substanzen werden schneller abtransportiert.
Anwendungen: Bei rheumatischen Beschwerden, Bronchopneumonie (3-10-minütige Brustauflage) und Muskelschmerzen.
Zubereitung: 3-4 EL Senfmehl mit warmem Wasser (unter 45 °C) zu einem Brei verrühren, auf ein Tuch streichen, mit einer Lage Stoff bedecken und auf die gewünschte Stelle legen. Nach 5 bis maximal 15 Min. abnehmen, die Stelle abwaschen und mit Johanniskrautöl pflegen.
Achtung: Senfmehlauflage nicht länger als 5-10, maximal 15 Min. auf der Haut belassen oder auf großen Hautflächen anwenden! Sonst kommt es zu Schmerzen, Entzündungen bis zu Blasenbildung. Nie zu lange auf der Haut belassen! Patienten nie allein lassen und nicht bei Kindern unter 6 Jahren anwenden! Insgesamt nicht länger als 2 Wochen hintereinander anwenden!
Senffußbäder, mit warmem Wasser zubereitet, lindern Kopfschmerzen und eignen sich als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Blutdruckkrisen und Glaukom.
Zwiebelpäckchen (bei Mittelohrentzündung)
Bei Mittelohrentzündung (Otitis media) ist das Zwiebelpäckchen altbewährt: Der intensive Schmerz lässt überraschend schnell und wirksam nach.
Zubereitung:
- Eine ganze Zwiebel in grobe Scheiben schneiden und in ein Küchenpapier einwickeln.
- Dieses Päckchen über Wasserdampf oder zwischen 2 Wärmflaschen erwärmen (damit die Wärmflaschen den Zwiebelgeruch nicht annehmen, das Zwiebelpäckchen zum Erwärmen in eine kleine Plastiktüte stecken).
- Danach auf das Zwiebelpäckchen drücken, sodass der Zwiebelsaft frei wird, das Päckchen aus der Tüte nehmen, auf das schmerzende Ohr legen und mit einer Mütze oder einem Stirnband fixieren.
- Einwirkzeit: 20-30 Min.
Geeignete Kräuter für Umschläge
| Pflanze | Anwendungsform | Hauptanwendung |
|---|---|---|
| Kamille | Infus, warm | Entzündungen, Wundheilung, Hautirritationen |
| Ringelblume | Infus, kalt/warm | Wundheilung, Ekzeme, Entzündungen |
| Salbei | Infus, warm/kalt | Halsschmerzen (Halswickel), Wunden, Insektenstiche |
| Thymian | Infus, warm | Erkältung, Bronchitis (Brustwickel) |
| Schafgarbe | Infus, warm/kalt | Wunden, Venenleiden, Hämorrhoiden |
| Arnika | Infus/Tinktur, kalt | Prellungen, Verstauchungen, Muskelkater (nur verdünnt, nur äußerlich!) |
| Spitzwegerich | Frischblatt oder Infus, kalt | Insektenstiche, kleine Wunden |
| Eichenrinde | Dekokt, kalt | Entzündungen, nässende Ekzeme, Hämorrhoiden |
| Bockshornkleesamen | Brei, warm | Entzündungen, Abszesse, Furunkel |
| Melisse | Infus, kalt | Herpes, Lippenbläschen, Insektenstiche |
| Lavendel | Infus, warm | Beruhigung, Einschlafhilfe, Hautpflege |
Anwendungsdauer und Häufigkeit
- Akute Beschwerden (Insektenstich, Prellung): 1-3 Anwendungen täglich, solange die Symptome bestehen.
- Chronische Beschwerden (Arthrose, Verspannungen): Täglich oder jeden zweiten Tag, über 2-4 Wochen.
- Wickel als Kur: 1-2 Anwendungen täglich über 10-14 Tage (z. B. Kohlwickel bei Arthrose).
Dauer pro Anwendung:
- Warme Umschläge: 15-45 Minuten
- Kalte Umschläge: 10-20 Minuten
- Kohlauflagen: 1-3 Stunden
- Quarkwickel: 15-30 Minuten
- Leinsamenkompresse: 20-40 Minuten
Warnsignale zum Abbrechen: Bei zunehmenden Schmerzen, Hautrötungen, Brennen, Schwellung oder Unwohlsein den Umschlag sofort entfernen und die Haut kühl abwaschen.
Praktische Tipps
- Temperatur immer testen: Vor dem Auflegen die Temperatur am eigenen Handgelenk oder Unterarm testen – gerade bei warmen und heißen Anwendungen. Verbrennungsgefahr!
- Nicht zu stramm fixieren: Wickel und Bandagen dürfen die Durchblutung nicht abschnüren. Die Haut unter dem Wickel muss warm und normal durchblutet bleiben (nicht blau oder kalt werden).
- Offene Wunden: Keine unbehandelten Kräuterumschläge auf offene Wunden legen – Infektionsgefahr. Hier ausschließlich sterile Kompressen mit verdünnten Tinkturen oder spezielle Wundauflagen auflegen.
- Ruhe nach der Anwendung: Nach jedem Umschlag oder Wickel 10-15 Minuten Ruhe halten (im Liegen oder Sitzen), damit der Körper auf den Reiz reagieren und die Wirkung sich entfalten kann.
- Unverträglichkeiten beachten: Vor der ersten großflächigen Anwendung eine neue Pflanze an einer kleinen Hautstelle testen und 24 Stunden warten, ob eine Reaktion auftritt.
- Materialien: Geeignete Tücher sind Baumwolle, Leinen, Mull (feuchtes Innentuch) sowie Wolle, Frottee, Flanell (trockenes Außentuch). Synthetikstoffe sind ungeeignet, da sie nicht atmen und die Haut dämpfen können.
- Fertige Wickel vorbereiten: Bei regelmäßiger Anwendung lassen sich trockene Kräutermischungen, abgepackte Leinsamenportionen oder Heublumensäckchen auf Vorrat vorbereiten.
Siehe auch
- Infus und Dekokt – Basis für Kräuterumschläge
- Zubereitungsarten von Tinkturen – Tinkturen für Kompressen
- Ölauszüge – Heilöle als Alternative zum wässrigen Umschlag
- Salben – Feste Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung
- Dampfbad und Inhalation – Inhalative Anwendungen