Schnupfen und Sinusitis
Beschreibung
Akute Sinusitis
Die akute Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, die sich meist aus einem Schnupfen entwickelt hat. Typisch sind ein massiver Sekretfluss, ein nachlassender Geruchs- und Geschmackssinn, häufig Zahnschmerzen und ein Klopfschmerz über den Nebenhöhlen. Dazu kommen Fieber und Abgeschlagenheit.
Eine akute Sinusitis sollte innerhalb von 3 Wochen komplikationslos ausheilen. Leider machen Sinusitiden dazu Neigung, chronisch zu werden. Die ödematösen Schleimhautschwellungen beeinträchtigen dann die Belüftung und behindern zunehmend den Sekretabfluss. Im gestauten Sekret finden krankmachende Keime gute Wachstumsbedingungen.
Chronische Sinusitis
Die chronische Sinusitis macht oft weniger Beschwerden als die akute Form, setzt aber auf Dauer dem Abwehrsystem und der Lebensqualität zu – das wird häufig unterschätzt. Im Vordergrund stehen Abgeschlagenheit, erhöhte Infektanfälligkeit, eine behinderte Nasenatmung, Kopfschmerzen, Druck- und Schwellungsgefühl sowie Riechstörungen.
[!TIP] Praxistipp Den nächsten akuten Schnupfen konsequent behandeln, dann ist die Chance auf Ausheilung am größten. Auf befeuchtete Raumluft und ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und kalte Zugluft meiden.
Ursachen: Anatomische Besonderheiten in der Nase, Polypen, Allergien oder Unverträglichkeiten.
Phytotherapeutika
Sekretlösende Mukolytika
| Pflanze | Wirkung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Anis | Sekretlösend, expektorierend, abschwellend | Angestoßen verwenden |
| Eukalyptus | Sekretlösend, antimikrobiell, abschwellend | Als Öl zur Inhalation, auch Kapseln |
| Fenchel | Sekretlösend, abschwellend | Angenehmer Geschmack |
| Schlüsselblume | Sekretolytisch, expektorierend | Bewährt bei Sinusitis |
| Süßholz | Sekretlösend, entzündungshemmend | |
| Königskerze | Reizlindernd, sekretlösend | |
| Thymian | Sekretlösend, antibakteriell, antiviral | Vielseitig einsetzbar |
| Zwiebel | Schleimlösend, antibakteriell, antiviral | Abschwellend auf den Nasenschleimhäuten |
| Holunderblüten | Abschwellend, sekretlösend, lassen „fließen" | Verhindern den Sekretstau |
Keimwidrige Phytobiotika
| Pflanze | Wirkung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Kapuzinerkresse | Keimwidrig, immunstimulierend | Verhindert die bakterielle Superinfektion |
| Meerrettich | Keimwidrig, durchblutungsfördernd | Nackenauflage, reflektorische Wirkung |
Immunstimulanzien (bei chronischer Sinusitis)
| Pflanze | Wirkung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Sonnenhut (Echinacea) | Immunstimulierend, antiviral | Intervalltherapie max. 6-8 Wochen |
| Engelwurz | Lymphokinetisch, umstimmend | Fördert den Lymphabfluss |
Pflanzenporträts
Zwiebel
Therapiekonzept akute Sinusitis
Die Therapieschritte werden parallel durchgeführt.
| Mukolytika | Phytobiotika | Abwehrstärkung mit Immunstimulanzien |
|---|---|---|
| Holunderblüten, Schlüsselblume, Thymian | Therapiekonzept akute Bronchitis | Therapiekonzept Erkältung |
| Dauer: mehrere Tage bis 2 Wochen | Dauer: mehrere Tage bis 2 Wochen | Dauer: mehrere Tage bis 2 Wochen |
Mukolytika-Tee
- Sambuci flos (Holunderblüten) 30 g
- Thymi herba (Thymiankraut) 30 g
- Primulae radix (Schlüsselblumenwurzel) 20 g
- Anisi fruct. contusa (Anis, angestoßen) 20 g
M.D.S. 2 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 15 Min. ziehen lassen und 3-5-mal tägl. 1 Tasse trinken.
Therapiekonzept chronische Sinusitis
| Immunstimulanzien | Chronisch-rezidivierende Tonsillitis-Therapie | Mukolytika und Phytobiotika |
|---|---|---|
| Therapiekonzept Infektanfälligkeit (6-8 Wochen) | 3-6 Monate | Therapiekonzept akute Bronchitis (4 Wochen) |
[!TIP] Praxistipp Bei chronischer Sinusitis bewährt sich, in den ersten 1-2 Wochen täglich eine Meerrettich-Nackenkompresse anzuwenden. Bei empfindlicher Haut nur alle 2-3 Tage, dann aber eher über 2 Wochen.
[!TIP] Praxistipp Nasendusche Bei chronischer Sinusitis hat sich das tägliche Spülen der Nasennebenhöhlen per Nasendusche bewährt: 10 ml Kamillentinktur (nach 4 Wochen weglassen), 1 Beutel Emsersalz und Wasser in die Nasendusche geben. Mindestens 3 Monate lang 1-mal täglich spülen.
Äußerliche Anwendungen
Dampfinhalationen
- Mit Kamillen-, Fenchel- oder Zwiebeltee: halten den Schnupfen „am Laufen", wirken intensiv entzündungshemmend
- Mit 1-2 Tr. ätherischem Pfefferminz-, Kampfer- oder Eukalyptusöl: erregen die Kälterezeptoren der Riechnerven, wirken kühlend und „nasenerweiternd", verbessern die Nasenluftpassage
- Für die Nacht 1 Tr. ätherisches Öl auf Kopfkissen oder Taschentuch
Inhalation mit Kamille
10 ml Kamillentinktur mit 1 l heißem Wasser übergießen und 2-mal tägl. je 10 Min. inhalieren.
Feuchtwarme Leinsamenkompressen
Insgesamt 3 Tassen Leinsamen mit 4 Tassen Wasser zu einem dicken, zähen Brei kochen. Je 1 EL des Breis in ein Teefilterbeutel füllen (oder in ein Papiertaschentuch wickeln), mehrere solcher Auflagen vorbereiten und zwischen 2 mit heißem Wasser gefüllten Wärmflaschen warm halten. Alle 10 Min. ein neues Päckchen auflegen.
Nach dem Entfernen des letzten Päckchens nachruhen und sich auf keinen Fall kühler Luft oder Zugluft aussetzen, bis die Gesichtshaut wieder normale Temperatur angenommen hat.
Leinsamenpackungen speichern Wärme hervorragend. Sie fördern die Durchblutung der entzündeten Region und damit den Abfluss des Nasensekrets und mindern den typischen Druckschmerz.
Meerrettich-Nackenauflage
Eine pflaumengroße Menge frisch geriebenen Meerrettich in ein Taschentuch wickeln, sodass auf einer Seite nur eine Stofflage den Meerrettich bedeckt. Mit dieser Seite die Kompresse ca. 2-5 Min. lang auf den Nacken legen. Sobald die Auflage intensives Brennen verursacht, die Kompresse entfernen und die gerötete Haut mit einem Pflegeöl einölen. Alle 1-2 Tage wiederholen (insgesamt maximal 15 Tage) und bei guter Verträglichkeit bis zu 15 Min. auf dem Nacken liegen lassen. Sie bewirkt reflektorisch eine vermehrte Durchblutung der Nasennebenhöhlenschleimhäute, sodass das Sekret besser abfließt.
[!WARNING] Beachte Meerrettich-Nackenauflage erst ab 12 Jahren!
Weitere Maßnahmen
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Fußbäder, ansteigende/Wechsel- oder Senf-Fußbäder | Steigern die Abwehrkraft; fördern die periphere Durchblutung und reflektorisch die Atemfunktion |
| Heiße Hühnerbrühe und Wärme von innen durch scharf gewürzte Speisen | Kurbeln den Stoffwechsel an; verbessern die Schleimhautimmunität; lassen die Nasenschleimhäute abschwellen |
| Infrarot-Behandlungen (auch am Hinterkopf) | Durchwärmen das Gebiet |
| Halswickel mit Kamille oder Quark | Unterstützen die Behandlung; lindern und lösen die Sekrete |
| Nasenspülen mit Salzlösung (Emser Salz, physiologische 0,9%ige Kochsalzlösung) | Lindert die trockene/verstopfte Nase; regt als hypertoner Reiz die Sekretion an |
| Bei Säuglingsschnupfen: Kamillen-, Fenchel-, Holunderblütentee | Wirkt sekretlösend |
| Zur Vorbeugung von Ohrenschmerzen: Kochsalz-Nasentropfen oder über die Wiege gehängte Zwiebelsäckchen | Lässt Sekrete fließen, nimmt Druck und lindert Ohrenschmerzen |
Präparate
- Sinupret forte, Sinupret extract (Enzian, Eisenkraut, Holunder, Sauerampfer, Schlüsselblume): 3-mal tägl. 1 Tbl.
- Otovowen (Kamillen, Echinacea, Holunder, Sanguinaria canadensis, Aconitum D6, Capsicum D4 u. a.): alle ½-1 Std., maximal 12-mal tägl. 12-15 Tr.
- Gelomyrtol-forte (1,8-Cineol): Kinder von 6-12 Jahren: 1-3-mal tägl. 1 Kps.; Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-4-mal tägl. 1 Kps.
- Soledum junior (Eukalyptus/1,8-Cineol): Kinder von 2-12 Jahren: 3-mal tägl. 1 Kps.
- Soledum-forte (1,8-Cineol): Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-4-mal tägl. 1 Kps.
Hinweise
- Direkt zu Beginn der Sinusitis mit der Therapie starten – dann sind die Aussichten auf Erfolg am größten.
- Bei chronischer Sinusitis zusätzlich Immunstimulanzien und Lymphokinetika (Engelwurz) einsetzen.
- Stets für befeuchtete Raumluft sorgen.
- Inhalationen mit 0,9%iger isotonischer Kochsalzlösung bei Sinusitis, Schnupfen, Bronchitis und Asthma: entzündungshemmend, lässt die Schleimhaut abschwellen, löst Sekrete, verdünnt den Schleim, reinigt die Atemwege und dämpft den Hustenreiz.