Zwiebel

pflanzenprofilpflanzeallium cepa
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Zwiebel (Allium cepa, Alliaceae)

  • Familie: Alliaceae
  • Droge: Allii cepae bulbus (Zwiebel)
  • Hauptkomponenten: Alliin/Alliinasen (schwefelhaltige Verbindungen), Quercetin, Diphenylamin-Derivate

Inhaltsstoffe

  • Schwefelhaltige Verbindungen (ca. 1 %): Alliin (S-Allyl-L-Cysteinsulfoxid) als Vorstufe des Allicins. Beim Schneiden spaltet die Alliinase das Alliin in die Tränen reizenden Thiopropanal-S-oxid-Verbindungen und in Allicin (typischer beißender Geruch). Allicin und seine Abbauprodukte (Diallyldisulfid, Ajoene, Vinyl-Dithiine) tragen die meisten pharmakologischen Wirkungen: antimikrobiell, lipidsenkend, antithrombotisch, antiasthmatisch
  • Weitere Schwefelverbindungen: Thiosulfinate und Cepaene (α-Sulfinyldisulfide — antiasthmatisch, antiallergisch, COX- und 5-LO-Hemmer), dazu γ-Glutamylpeptide (geruchlos, dienen als Speicherform und werden zu Alliin und Allicin umgewandelt)
  • Flavonoide (0,5–2 %): Quercetin (freies Quercetin, Quercetin-4’-O-glucosid = Spiraeosid sowie Quercetin-3,4’-diglucosid — die Hauptflavonoide der Zwiebel). Quercetin wirkt antientzündlich, antiallergisch (Mastzellstabilisator), antiasthmatisch und lipidsenkend
  • Ätherisches Öl und Diphenylamin-Derivate (in der Schale)
  • Vitamin C (5–12 mg/100 g), B-Vitamine (B1, B2, B6, Biotin) und Folsäure; Mineralstoffe: Kalium, Selen, Calcium, Magnesium, Phosphor, Eisen
  • Zucker: Glucose, Fructose, Saccharose (Zwiebeln sind zuckerhaltig!)

Wirkungen

Innerlich:

  • Antiinfektiös: beugt Grippe, Schnupfen, Halsentzündung und Husten vor. Antibakteriell gegen grampositive (Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken) und gramnegative Keime (E. coli, Haemophilus influenzae), virustatisch gegen Influenzaviren und antimykotisch gegen Candida albicans
  • Schleimlösend und expektorierend bei Bronchialerkrankungen, Schnupfen und Sinusitis: Thiosulfinate und Sulfide steigern die Sekretion und verflüssigen zähen Schleim (sekretolytisch), erleichtern den Auswurf und beruhigen die Bronchialschleimhaut
  • Krampflösend bei Asthma: Thiosulfinate und Quercetin entspannen die Bronchialmuskulatur, hemmen die allergische Reaktion und die Mastzelldegranulation — klinisch als Adjuvans bei allergischem Asthma bronchiale
  • Antiallergisch: Quercetin hemmt die Histamin-Freisetzung aus Mastzellen und Basophilen (Mastzellstabilisator) und blockiert die Bildung von Leukotrienen und Prostaglandinen (COX- und 5-LO-Hemmung)
  • Beugt altersbedingten Gefäßveränderungen vor: Gesamtcholesterin und LDL sinken, HDL steigt, Triglyceride gehen zurück (lipidsenkend); milde Blutdrucksenkung (diuretisch und vasodilatatorisch); Schutz vor Lipidperoxidation in der Gefäßwand und vor Ox-LDL (antioxidativ); Hemmung der Thrombozytenaggregation (Allicin und Cepaene hemmen die Thromboxan-A2-Synthese) → das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßerkrankungen sinkt um 10–30 %
  • Verdauungsanregend und appetitsteigernd (durch die Schwefel-Bitterstoffe)
  • Harntreibend (mild diuretisch — Flavonoide und Kalium)

Äußerlich:

  • Abschwellend auf Nasen- und Rachenschleimhäute bei Schnupfen, Sinusitis und Otitis media: flüchtige Schwefelverbindungen wirken lokal sekretionssteigernd und abschwellend, lassen das Sekret “fließen”, verhindern Sekretstau und lindern Druck- und Entzündungsschmerz
  • Wundheilungsfördernd, bakterizid und entzündungshemmend (Zwiebelsaft bei Insektenstichen und kleinen Wunden)
  • Schmerzlindernd bei Otitis media (Zwiebelauflage)

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC: Traditional use bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen), leichten Infekten der Atemwege und Appetitlosigkeit sowie zur Vorbeugung von Gefäßalterung und Arteriosklerose
  • ESCOP: Appetitlosigkeit, leichte Infekte der Atemwege, Husten und Schnupfen

Innerlich:

  • Erkältungskrankheiten: Schnupfen, Bronchitis, Sinusitis, Kopfschmerzen und Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Asthma bronchiale (Anfalls-Linderung, adjuvante entzündungshemmende Therapie)
  • Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen samt Folgeerkrankungen: Hypertonie, Hyperlipidämie, Arteriosklerose sowie KHK-, Herzinfarkt- und Schlaganfall-Prophylaxe
  • Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden

Äußerlich:

  • Mittelohrentzündung: die warme Zwiebelauflage (siehe Anwendungen) lindert den Schmerz und wirkt abschwellend und antimikrobiell
  • Schnupfen: gehackte Zwiebel neben das Bett stellen (flüchtige Schwefelverbindungen schwellen die Nasenschleimhäute ab)
  • Insektenstiche (Zwiebelsaft lokal auftragen)
  • Narbenpflege (roter Zwiebelextrakt in Narbengelen)

Anwendungen

  • Zwiebelfrischpresssaft: 50 g Zwiebeln zerkleinern, durch ein Tuch auspressen und 3-mal täglich 1 EL einnehmen. Bei Husten und Bronchitis.
  • Zwiebelsirup (selbst gemacht): Kleingeschnittene Zwiebel mit 2 EL Honig (oder Kandiszucker) ansetzen und nach 3 Stunden zugedeckt im Kühlschrank ziehen lassen. Den entstandenen Sirup über den Tag verteilt löffelweise einnehmen.
  • Warme Zwiebelauflage bei Ohrenschmerzen (Otitis media): Eine halbe Zwiebel leicht zerdrücken und im Backofen kurz erwärmen (nicht heiß!). In ein Baumwolltuch einschlagen, auf das schmerzende Ohr legen und mit Stirnband oder Mütze fixieren. 30–60 Min. einwirken lassen und mehrmals täglich wiederholen. Lindert Schmerz und Entzündung.
  • Zwiebelsäckchen bei Schnupfen und Sinusitis: Gehackte Zwiebel in ein Säckchen, neben das Kopfkissen legen oder kurz vor die Nase halten.
  • Als Gewürz/Nahrungsmittel: Regelmäßig roh oder gegart in die tägliche Nahrung einbeziehen. Zur Gefäßprophylaxe: mindestens ½ Zwiebel täglich roh oder gegart. Studien zeigen, dass eine tägliche Zwiebel den HDL-Spiegel hebt und das Thromboserisiko senkt.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: Nicht bekannt. In hoher Dosierung sind Blähungen und Aufstoßen möglich. Äußerlich gelegentlich Hautreizung durch Schwefelverbindungen bei langer Auflagen-Dauer. Allergien sind äußerst selten.

Gegenanzeigen: Keine bekannt. Die Zwiebel zählt zu den sichersten Nahrungs- und Heilpflanzen. Vorsicht bei Hunden und Katzen — Zwiebel (roh wie gekocht) ist für sie giftig und verursacht eine hämolytische Anämie (Nahrungsmittel-Achtung!).

Kombinationen

  • Mit Thymian und Spitzwegerich bei Bronchitis und Husten (antimikrobiell, expektorierend und reizlindernd)
  • Mit Knoblauch bei Infektprophylaxe und für die Gefäßgesundheit (doppelte Sulfid-Wirkung, antimikrobiell plus lipidsenkend — synergistisch)
  • Mit Holunder und Kamille bei fieberhaften grippalen Infekten (schweißtreibend, entzündungshemmend und antiinfektiös)
  • Mit Meerrettich und Kapuzinerkresse bei Sinusitis und Atemwegsinfekten (antimikrobiell plus sekretlösend)
  • Mit Weißdorn bei arterieller Hypertonie und KHK-Prophylaxe (lipidsenkend, herzstärkend und blutdrucksenkend)
  • Mit Pfefferminze (bei Schnupfen) — abschwellende Inhalation
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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