Kapuzinerkresse

pflanzenprofilpflanzetropaeolum majus
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus, Tropaeolaceae)

  • Familie: Tropaeolaceae
  • Droge: Tropaeoli maji herba

Inhaltsstoffe

  • Senfölglykoside (vor allem Glucotropaeolin): erst nach enzymatischer Spaltung entsteht das antimikrobielle Benzylsenföl (Benzylisothiocyanat, BITC), das auch über Lunge und Nieren ausgeschieden wird und dort lokal keimwidrig wirkt
  • Flavonoide (Quercetin, Kämpferol-Glykoside, Isoquercitrin)
  • Ascorbinsäure (Vitamin C): 0,2–0,5 % (sehr hoher Gehalt)
  • B-Vitamine (B1, B2, B6), Carotinoide (Provitamin A)
  • Mineralstoffe: Eisen (Fe), Calcium (Ca), Magnesium (Mg), Phosphor (P), Schwefel (S)
  • Oxalsäure, Spuren von Oxalaten

Wirkungen

Innerlich:

  • Antimikrobiell mit breitem Wirkspektrum: bakterizid und bakteriostatisch gegen grampositive (Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken) und gramnegative Keime (E. coli, Proteus, Pseudomonas, Klebsiellen, Haemophilus influenzae); virustatisch (gegen Influenzaviren, Coxsackie-Viren); antimykotisch (gegen Candida albicans, Histoplasma capsulatum). Die antibiotischen Substanzen sind zwar schwächer als Penicillin und Streptomycin, belasten dafür aber nicht die Darmflora — sie werden bereits im Duodenum resorbiert und über Nieren sowie Atemwege ausgeschieden
  • Immunstimulierend: aktiviert Makrophagen und T-Lymphozyten, steigert die Phagozytose-Aktivität
  • Antikarzinogen: Benzylsenföl induziert entgiftende Phase-II-Enzyme (Glutathion-S-Transferasen) und hemmt die Bildung von Nitrosaminen
  • Durchblutungsfördernd, mild hyperämisierend auf den Schleimhäuten

Äußerlich:

  • Antiseptisch, wundheilungsfördernd

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC: Traditional use bei Infektionen der Harnwege und Atemwege
  • ESCOP: Infektionen der ableitenden Harnwege; Katarrhe der Luftwege

Innerlich:

  • Begleittherapie bei Infektionen der ableitenden Harnwege (Cystitis, Urethritis), besonders bei rezidivierenden Harnwegsinfekten
  • Infekte der Luftwege (akute und chronische Bronchitis, Husten, Tonsillitis, Sinusitis, grippale Infekte)
  • Prophylaxe von Harnwegsrezidiven
  • Darmmykosen (Candidabesiedlung), begleitend zur Darmsanierung
  • Stärkung der körpereigenen Abwehrkraft, Infektanfälligkeit

Äußerlich:

  • Wunddesinfektion (Spülung)

Anwendungen

  • Frischpflanzentinktur (Urtinktur): 3-mal täglich 20–30 Tropfen in etwas Wasser, nach dem Essen einnehmen. Ab 4 Jahren: 3-mal täglich 5–10 Tropfen.
  • Frischpflanzensaft (Presssaft): 3-mal täglich 5–10 ml, nach dem Essen.
  • Tee (frisches oder getrocknetes Kraut): 1–2 TL Kraut auf 150 ml kochendes Wasser, 5–10 Min. ziehen lassen, 3 Tassen täglich.
  • Kombinationspräparat mit Meerrettich (Angocin®): 3-mal täglich 4 Tabletten bei akuten Infekten, Erhaltungsdosis 3-mal 2 Tabletten.
  • Anwendungsdauer: Akut 1–2 Wochen, prophylaktisch bis zu mehreren Monaten möglich.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen:

  • Bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Magendrücken) durch die Senföl-Freisetzung — daher die Einnahme nach dem Essen
  • Äußerlich: Kontaktallergie (selten), Haut- und Schleimhautreizungen möglich
  • Bei Überdosierung Reizung der Nieren möglich (durch die Senföl-Ausscheidung)

Gegenanzeigen:

  • Magen-Darm-Geschwüre (Ulcus ventriculi/duodeni)
  • Schwere Nierenerkrankungen, Niereninsuffizienz
  • Säuglinge und Kleinkinder unter 4 Jahren
  • Schwangerschaft und Stillzeit (mangels Daten, vorsichtshalber)

Wechselwirkungen: Während der Therapie keinen Alkohol trinken — Benzylsenföl senkt die Alkoholtoleranz (Hemmung der Alkoholdehydrogenase).

[!TIP] Praxistipp Kapuzinerkresse + Meerrettichwurzel ist eine bewährte Kombination bei Harnwegs- und Atemwegsinfekten. Die Senföle beider Pflanzen ergänzen sich synergistisch.

Kombinationen

  • Mit Meerrettich bei Harnwegs- und Atemwegsinfekten (Angocin®-Kombination: synergistische Senföl-Wirkung)
  • Mit Bärentraube und Goldrute bei rezidivierenden Harnwegsinfekten (antimikrobiell + desinfizierend + durchspülend)
  • Mit Sonnenhut zur Infektprophylaxe und Immunkräftigung (unspezifisch + spezifisch)
  • Mit Holunder bei grippalen Infekten (antiviral + schweißtreibend)
  • Mit Thymian und Eibisch bei Bronchitis (antimikrobiell + expektorierend + reizlindernd)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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