Harnwegsinfekte

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Ein Harnwegsinfekt ist eine Infektion der ableitenden Harnwege – der Harnblase (Zystitis) beziehungsweise der Harnröhre (Urethritis) –, hervorgerufen durch Krankheitserreger. Betroffen sind vor allem Frauen (wegen der deutlich kürzeren Harnröhre); die Infekte neigen dazu, chronisch zu werden. Häufige Auslöser sind Kälte, Nässe und Stress, begünstigend wirken unter anderem Diabetes mellitus, eine Immunsuppression oder Katheterisierungen.

Symptome

Beim Wasserlassen treten Brennen, Schmerzen und Harndrang auf, manchmal auch Krämpfe. Erkrankungen der Nieren selbst verlaufen zumindest im Anfangsstadium meist „stumm", verursachen also keine Beschwerden und entziehen sich so oft einer rechtzeitigen Diagnose.

[!CAUTION] Ärztliche Behandlung Schwere fieberhafte Harnwegserkrankungen mit Blut und Bakterien im Urin, anhaltende Beschwerden mit Fieber sowie jede Beteiligung der Niere müssen zwingend ärztlich behandelt werden. Die Arzneidrogen kommen nur unterstützend zum Einsatz.

Vorbeugung von Harnwegsinfekten

  • Ausreichend warme, dünne Teemischungen trinken – die kurze Harnverweildauer verhindert die Keimvermehrung
  • Eine Trinkmenge von mehr als 2 Litern pro Tag reduziert die Ausbreitung einer Infektion zuverlässig
  • Ansteigende Fußbäder oder Sitzbäder (Ackerschachtelhalm) regen die Durchblutung des Beckens und dadurch die Immunabwehr an

Phytotherapeutika

Akute Harnwegsinfekte

Die Behandlung folgt einem dreigleisigen Prinzip (> Tab. 5.2); alle Therapieschritte laufen parallel:

Gruppe Pflanzen Wirkungen Dauer Darreichung
Phytobiotika / Harnwegsdesinfizienzien Bärentraube, Brunnenkresse, Meerrettich, Kapuzinerkresse Antibakteriell, antimikrobiell, keimreduzierend Etwa 1 Woche Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel
Aquaretika Ackerschachtelhalm, Birke, Brennnessel, Dorniger Hauhechel, Goldrute, Liebstöckel, Löwenzahn, Orthosiphon, Petersilie, Spargel, Wacholder Durchspülend, harntreibend, Keimausschwemmung Mindestens 2 Wochen Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel
Spasmolytika / Schmerzlinderung Eukalyptusöl (Kompresse) Krampflösend, schmerzlindernd Einige Tage, bis zur Beschwerdelinderung Äußere Anwendung (Kompresse)

Wirkweise der Aquaretika

  • Schwemmen die Keime auf natürlichem Weg aus
  • Verdünnen den Harn und verkürzen seine Verweildauer: Die Keime können sich nicht vermehren und nicht am Schleimhautepithel anheften
  • Bei stark verdünntem Harn kristallisieren die Harnsalze nicht aus
  • Steigern die Nierendurchblutung → glomeruläre Filtrationsrate → Primärharnbildung → Harnausscheidung
  • Verdünnungsdiurese (vermehrte Wasserausscheidung ohne Elektrolytverlust)

[!IMPORTANT] Beachte Wer Aquaretika einnimmt, muss zusätzlich und gleichzeitig ausreichend trinken. Empfohlen wird warme, dünne Flüssigkeit; auf Instanttees ist zu verzichten.

Indikationen

  • Unkomplizierte Harnwegsinfekte und Rezidivprophylaxe
  • Reizblase
  • Abakterielle Prostatitis
  • Vorbeugung gegen Harn- und Nierensteine
  • Prophylaxe/Begleitbehandlung bei: stoffwechselbedingten Hauterkrankungen, rheumatischen Erkrankungen, Entgiftungskur, Frühjahrskur

Kontraindikationen

  • Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit
  • Vermehrte Flüssigkeitszufuhr ist kontraindiziert bei Neigung zu Ödembildung, Hypertonie und Niereninsuffizienz

Chronisch-rezidivierende Harnwegsinfekte

Alle Therapieschritte laufen parallel ab (> Tab. 5.3).

Gruppe Pflanzen Dauer Darreichung
Harnwegsdesinfizienzien / Phytobiotika Cranberry, Kapuzinerkresse, Kürbis, Meerrettich In beschwerdefreien Zeiten zur Vorbeugung über ca. 3 Monate Präparate, Nahrungsergänzungsmittel
Aquaretika Ackerschachtelhalm, Birke, Brennnessel, Dorniger Hauhechel, Goldrute, Liebstöckel, Löwenzahn, Orthosiphon, Petersilie, Spargel, Wacholder In beschwerdefreien Zeiten zur Vorbeugung über ca. 3 Monate Präparate
Immunmodulatoren Purpurfarbener Sonnenhut Ca. 6 Wochen Präparate

Pflanzenporträts

Goldrute

Kapuzinerkresse

[!NOTE] Cranberry-Hinweis Eine zuverlässige Wirkung der Cranberry setzt erst ab einer Einnahme von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) ein.

Therapiekonzept

Therapiekonzept akute Harnwegsinfekte

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt (> Tab. 5.2).

Phytobiotika / Harnwegsdesinfizienzien Aquaretika Krampflösung / Schmerzlinderung
Bärentraube Ackerschachtelhalm Ätherisches Eukalyptusöl
Brunnenkresse Birke Kompresse
Meerrettich Brennnessel
Kapuzinerkresse Dorniger Hauhechel
Goldrute
Liebstöckel
Löwenzahn
Orthosiphon
Petersilie
Spargel
Wacholder
Dauer: Etwa 1 Woche Dauer: Mindestens 2 Wochen Dauer: Einige Tage, bis zur Beschwerdelinderung
Tees, Präparate Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Äußere Anwendung

Therapiekonzept chronisch-rezidivierende Harnwegsinfekte

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt (> Tab. 5.3).

Harnwegsdesinfizienzien / Phytobiotika Aquaretika Immunmodulatoren
Cranberry Ackerschachtelhalm Purpurfarbener Sonnenhut
Kapuzinerkresse Birke
Kürbis Brennnessel
Meerrettich Dorniger Hauhechel
Goldrute
Liebstöckel
Löwenzahn
Orthosiphon
Petersilie
Spargel
Wacholder
Dauer: In beschwerdefreien Zeiten zur Vorbeugung über ca. 3 Monate Dauer: In beschwerdefreien Zeiten zur Vorbeugung über ca. 3 Monate Dauer: Ca. 6 Wochen
Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Präparate Präparate

Teemischungen und Rezepte

Blasen-Tee (akuter Harnwegsinfekt)

  • Uvae ursi folium (Bärentraubenblätter) 40 g
  • Betulae folium (Birkenblätter) 20 g
  • Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) 20 g
  • Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

[!IMPORTANT] Beachte Bärentraubenblätter-Zubereitungen nicht länger als 1 Woche einnehmen.

Durchspülender Tee

  • Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) 40 g
  • Urticae herba (Brennnesselkraut) 20 g
  • Betulae folium (Birkenblätter) 20 g
  • Juniperi fructus cont. (Wacholderbeeren, angestoßen) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 20 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

Durchspülender, krampflösender Tee

  • Betulae folium (Birkenblätter) 30 g
  • Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) 30 g
  • Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 20 g
  • Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 10 g
  • Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

Eukalyptusöl-Blasenkompresse (Schmerzlinderung, Krampflösung)

Insgesamt 40 Tr. eines 2–5 %igen Eukalyptusöl-Gemischs (das entspricht 20–50 Tr. Eukalyptusöl auf 50 ml fettes Öl, z. B. Sonnenblumenöl) auf eine Kompresse träufeln und auf die Blasenregion legen. Mit Handtuch und Wärmflasche abdecken und mindestens ½ Std. (bis mehrere Std.) Bettruhe halten.

Über die transdermale Resorption entfalten sich die antiseptischen, krampflösenden und harntreibenden Eigenschaften.

Präparate

Phytobiotika / Harnwegsdesinfizienzien (akut)

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Angocin Anti-Infekt N Meerrettich, Kapuzinerkresse 3–5-mal tägl. 3–5 Drg.
Cystinol akut Dragees Bärentraube 3-mal tägl. 2 Drg.
Uvalysat Bürger Dragees Bärentraube Bis 4-mal tägl. 2–3 Drg.
Uvalysat S Bürger Lösung Bärentraube 3–4-mal tägl. 40–90 Tr.

Nahrungsergänzungsmittel (akut)

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Brunnenkresse Naturreiner Heilpflanzensaft Schoenenberger Brunnenkresse Mind. 3-mal tägl. 20 ml nach den Mahlzeiten
Cynobal Kapuzinerkresse, Vitamin C, Zink 3-mal tägl. 2 Kps.

Aquaretika-Präparate

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Aqualibra Goldrute, Orthosiphon, Hauhechel 3-mal tägl. 2 Tabl.
Asparagus-P Petersilie, Spargel 3-mal tägl. 4 Tbl.
Canephron N Liebstöckel, Rosmarin, Tausendgüldenkraut 3-mal tägl. 2 Drg. oder 5 ml
Carito mono Orthosiphonblätter 3-mal tägl. 2 Kps.
HanoNephrin Equisetum arvense, Uva ursi, Juniperus communis 3-mal tägl. 20 Tr.
Nephroselect M Liquidum Birke, Goldrute, Hauhechel, Liebstöckel, Sägepalme, Schachtelhalm, Kapuzinerkresse 3-mal tägl. 15 ml vor den Mahlzeiten
Solidagoren liquid Goldrute, Ackerschachtelhalm, Gänsefingerkraut 3-mal 20–30 Tr.

Nahrungsergänzungsmittel Aquaretika

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Birke Naturreiner Heilpflanzensaft Schoenenberger Birke Mind. 3-mal tägl. 20 ml nach den Mahlzeiten
Brennnessel Naturreiner Heilpflanzensaft Schoenenberger Brennnessel Mind. 3-mal tägl. 20 ml nach den Mahlzeiten
Löwenzahn Naturreiner Heilpflanzensaft Schoenenberger Löwenzahn Mind. 3-mal tägl. 20 ml nach den Mahlzeiten
Zinnkraut Naturreiner Heilpflanzensaft Schoenenberger Ackerschachtelhalm (Zinnkraut) Mind. 3-mal tägl. 20 ml nach den Mahlzeiten

Phytobiotika / Harnwegsdesinfizienzien (Rezidivprophylaxe)

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Angocin Anti-Infekt N Meerrettich, Kapuzinerkresse Zur Vorbeugung 1-mal tägl. 2 Drg.
Cynobal Kapuzinerkresse, Vitamin C, Zink Zur Vorbeugung 3-mal tägl. 1 Kps.

Cranberry-Präparate (ab 36 mg PAC)

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Avitale Cranberry Kapseln Cranberry 2-mal tägl. 1 Kps.
Doppelherz Cranberry Cranberry 1-mal tägl. 1 Kps.
Granufink Cranberry Kürbis plus Cranberry, Kürbis, Kapuzinerkresse, Vitamin C und D 2-mal tägl. 1 Tabl.

Aquaretika-Präparate (Rezidivprophylaxe)

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Betula alba Urtinktur (Birke) DHU Birke 3-mal tägl. 5 Tr.
Betula Urtinktur (Birke) Ceres Birke 3-mal tägl. 3 Tr.
Cystinol long Echte Goldrute 3-mal tägl. 1 Drg.
Cysto Fink mono Echte Goldrute 3-mal tägl. 1 Kps.
Equisetum Urtinktur Ceres/DHU Ackerschachtelhalm 3-mal tägl. 3–5 Tr.
Solidagoren mono Echte Goldrute 3-mal tägl. 1 Drg.
Solidago Urtinktur Ceres/DHU Echte Goldrute 3-mal tägl. 3–5 Tr.

Immunmodulatoren

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Echinacin Capsetten Echinacea Kinder ab 12 J. und Erw.: 3–4-mal tägl. 1 Lutschpastille
Echinacin Liquidum Echinacea Kinder ab 12 J. und Erw.: 3-mal tägl. 2,5 ml
Echinacin Saft Echinacea Kinder ab 12 J. und Erw.: 3-mal tägl. 5 ml
Esberitox Mono Echinacea 3-mal tägl. 4 ml
Resistan mono Echinacea 3-mal tägl. 40–50 Tr.
Ceres Echinacea Urtinktur Echinacea 3-mal tägl. 3–5 Tr.
Esberitox Echinacea, Thuja, Baptisia Kinder ab 12 J. und Erw.: 3-mal tägl. 4–6 Tbl.

[!IMPORTANT] Intervalltherapie Echinacea Echinacea-Zubereitungen bis maximal 6 Wochen einsetzen und innerhalb dieser Zeit in Intervallen nehmen: einige Tage anwenden, dann einige Tage pausieren. Mögliche Intervalle: 3 Tage Einnahme, 3 Tage Pause; 5 Tage Einnahme, 2 Tage Pause; 7 Tage Einnahme, 7 Tage Pause.

Hinweise

  • Bärentraubenblätter-Zubereitungen nicht länger als 1 Woche einnehmen
  • Bei der Einnahme von Aquaretika immer zusätzlich und gleichzeitig ausreichend trinken
  • Warme, dünne Flüssigkeit wird empfohlen
  • Die Trinkmenge von mehr als 2 Litern pro Tag reduziert die Ausbreitung einer Infektion zuverlässig
  • Keine Instanttees verwenden
  • Nach Abklingen der akuten Symptome: nach 3–4 Wochen mit Aquaretika nachbehandeln

Zusammenfassung

Die Phytotherapie der Harnwegsinfekte unterscheidet akute von chronisch-rezidivierenden Verläufen. Bei akuten Infekten steht die Dreifachstrategie aus Harnwegsdesinfizienzien (Bärentraube, Kapuzinerkresse, Meerrettich – ca. 1 Woche), Aquaretika (Goldrute, Birke, Brennnessel u. a. – mindestens 2 Wochen) und krampflösender Schmerzlinderung (Eukalyptusöl-Kompresse) im Vordergrund. Bei rezidivierenden Infekten erweitert sich die Therapie um Cranberry (ab 36 mg PAC), Immunmodulatoren (Echinacea als Intervalltherapie über 6 Wochen) und eine verlängerte Aquaretika-Gabe über ca. 3 Monate. Bewährt haben sich der Blasen-Tee mit Bärentraube sowie durchspülende Tees mit Goldrute, Birke und Brennnessel. Fiebrige Infekte oder solche mit Nierenbeteiligung gehören zwingend in ärztliche Behandlung.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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