Reizblase und abakterielle Prostatitis

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Reizblase, auch hyperaktive Blase genannt. Dahinter steht ein chronischer Reizzustand des unteren Harntrakts, meist verbunden mit erhöhter Sensibilität und Erregbarkeit des Detrusors (Blasenschließmuskel), der bereits bei geringem Füllungszustand der Blase einen Reiz meldet.

Die chronische bzw. abakterielle Prostatitis beim Mann – eine Entzündung ohne Erregernachweis, anders als die akute, eitrige, fieberhafte Form – entspricht der Reizblase der Frau und wird auch als Prostataneurose bezeichnet.

Symptome

  • Vermehrter, quälender Harndrang mit nur geringen Harnportionen und teils starken Schmerzen
  • Die Beschwerden ähneln einer Zystitis, doch lassen sich keine Erreger nachweisen: Der Harn ist klar, das Sediment ohne krankhaften Befund

Abakterielle Prostatitis:

  • Druck- oder Spannungsgefühl
  • Vermehrter Harndrang
  • Brennen in der Harnröhre
  • Probleme beim Wasserlassen

Ursachen

Die Reizblase weist auf eine Funktionsstörung im Zusammenspiel von Blase und Beckenboden hin, oft begleitet von vegetativer Labilität, seelischem Stress oder Hormonschwankungen (prämenstruelles Syndrom, Klimakterium). Immer wieder verspannt sich die Blasenmuskulatur und meldet dem Gehirn fälschlich das Signal für Harndrang – selbst wenn die Blase nahezu leer ist.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Hormonelle Veränderungen in Schwangerschaft oder Wechseljahren begünstigen die Beschwerden ebenso wie Kälte- und Nässereize oder psychische Belastungen.

Die abakterielle Prostatitis geht meist auf Stress, psychosomatische Ursachen und Blasenentleerungsstörungen zurück.

Phytotherapeutika

Ziel der naturheilkundlichen Behandlung ist, den Blasenmuskel zur Entspannung zu bringen und das Gespür für den Füllungszustand der Blase über Blasentraining und Entspannungstechniken wiederherzustellen.

Eingesetzt werden weitgehend die gleichen aquaretischen und miktionsbeeinflussenden Arzneidrogen wie bei einer gutartigen Prostatavergrößerung:

  • Brennnesselwurzel
  • Kürbissamen
  • Sägepalmenfrüchte

Weil dem Krankheitsgeschehen unterschiedliche, auch psychovegetative Ursachen zugrunde liegen, muss die Therapie vielseitig aufgestellt sein – ein ideales Feld für individuelle Teemischungen.

Phytotherapie bei Reizblase/abakterieller Prostatitis (> Tab. 5.4)

Wirkung Pflanzen
Blasenmuskel stärkend Brennnesselwurzel, Kürbissamen
Entzündungshemmend Goldrute, Kamille
Beruhigend / entspannend Salbei, Hopfen, Johanniskraut, Melisse
Krampflösend Gänsefingerkraut, Goldrute, Kamille, Schafgarbe
Hormonartig / tonisierend Hopfen
Aquaretisch Goldrute, Löwenzahn
Harnwegsinfekten vorbeugend Cranberrysaft (Muttersaft 3-mal tägl. 25 ml)
Adaptogen / tonisierend (evtl. als Zusatztherapie) Ginseng, Rosenwurz, Taigawurzel

Naturheilkundliche Maßnahmen (> Tab. 5.5)

Maßnahme Wirkung
Reibesitzbad (kaltes Wasser auf einer Toilettensitz-Position über die äußere Geschlechtsregion und die Innenseiten der Oberschenkel schöpfen, 3–10 Min.) Äußerlicher Reiz, der die Durchblutung der Beckenregion anregt; überraschend wohltuend
Erwärmtes Johanniskrautöl – Einreibungen der Innenseiten der Oberschenkel Durchwärmt die Region
Zink (60 mg/Tag) Beeinflusst entzündliche Prozesse und den Stoffwechsel der Blasenmuskulatur; stärkt das Immunsystem
Unterkörper stets warmhalten Vorbeugung
Warme Sitzbäder, z. B. mit Schachtelhalm Durchblutungsfördernd
Ansteigende Fußbäder Durchblutungsfördernd
Feuchtwarme Heublumenauflagen (s. S. 370) Durchblutungsfördernd
Viel warme dünne Tees trinken Spülen die Harnwege durch
Bindegewebsmassage Unterstützt den Heilungsprozess
Autogenes Training Unterstützt den Heilungsprozess

Therapiekonzept

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt (> Tab. 5.6).

Blasenmuskel kräftigende Pflanzen Beruhigend / Entspannend Aquaretika Adaptogene Hormonregulanzien
Arzneikürbis Hopfen, Melisse, Johanniskraut Siehe Therapiekonzept akute Harnwegsinfekte (Harnwegsinfekte) Therapieleitfaden Erschöpfung (S. 272) Therapiekonzept Wechseljahresbeschwerden (S. 312)
Dauer: Ca. 3 Monate Dauer: Ca. 3 Monate Dauer: Ca. 3 Monate Dauer: Ca. 3 Monate Dauer: Ca. 3 Monate

[!TIP] Praxistipp Nach Erfahrungswerten kann die Echte Goldrute auch als blasenkräftigende Pflanze bei der Reizblase verwendet werden.

Präparate

Blasenstärkende Präparate

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Granufink Blase Arzneikürbis 3–5-mal tägl. 1 Kps.
Granufink femina Arzneikürbis, Gewürzsumach, Hopfen 3-mal tägl. 1 Kps.
Nomon mono Arzneikürbis 3-mal tägl. 1 Kps.
Rhus aromatica Urtinktur (Gewürzsumach) DHU Gewürzsumach 3-mal tägl. 5 Tr.

Hinweise

  • Da ein multifaktorielles Geschehen vorliegt, sollte die Behandlung ganzheitlich erfolgen
  • Empfohlen wird eine Kombination aus Phytotherapie, physikalischen Maßnahmen (Sitzbäder, Wickel, Massagen) und Entspannungstechniken
  • Den Unterkörper konsequent warmhalten, Kälte- und Nässereize vermeiden
  • Reizblase und abakterielle Prostatitis folgen weitgehend demselben Therapieschema
  • Warme, dünne Tees in ausreichender Menge (mehr als 2 Liter pro Tag) unterstützen die Durchspülung

Zusammenfassung

Reizblase (hyperaktive Blase) und abakterielle Prostatitis sind funktionelle Beschwerden ohne Erregernachweis, die häufig mit Stress und hormonellen Schwankungen einhergehen. Die Phytotherapie setzt auf die Kräftigung des Blasenmuskels (Brennnesselwurzel, Kürbissamen, Arzneikürbis), Entzündungshemmung und Krampflösung (Goldrute, Kamille, Gänsefingerkraut, Schafgarbe), die Beruhigung des vegetativen Nervensystems (Hopfen, Melisse, Johanniskraut, Salbei) sowie die aquaretische Durchspülung (Goldrute, Löwenzahn). Ergänzt wird das Vorgehen durch naturheilkundliche Maßnahmen wie Reibesitzbäder, Johanniskrautöl-Einreibungen, Zink-Supplementierung und Wärmeanwendungen. Blasenkräftigende Pflanzen kommen über etwa 3 Monate zum Einsatz; ist eine hormonelle Beteiligung gegeben, treten Hormonregulanzien hinzu.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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