Brennnesselwurzel

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Brennnesselwurzel (Urtica dioica)

Inhaltsstoffe (Wurzel)

  • Phytosterole: 0,05-0,5 % Gesamtsterole, davon ca. 60 % 3-ß-Sitosterin, weitere: Campesterol, Stigmasterol
  • Scopoletin (0,002-0,01 %), Cumarin-Derivat
  • Polysaccharide (bis ca. 5 %), v.a. glucan- und arabinogalactanartige Schleimstoffe
  • Lignane: u.a. Secoisolariciresinol, Neo-olivil
  • Urtica-dioica-Agglutinin (UDA, ein Lektin)
  • Saponine, Sterole, Gerbstoffe (ca. 0,5 %)

Wirkungen (Wurzel)

  • Lindert Beschwerden beim Wasserlassen (Miktionsbeschwerden) und den Harnfluss
  • Verringert Restharnmenge
  • Senkt Anzahl nächtlicher Blasenentleerungen signifikant um ca. die Hälfte
  • Krampflösend, entzündungshemmend
  • Hemmung der Aromatase (Umwandlung von Testosteron in Östrogen)

Wirkmechanismen

  • Aromatasehemmung: Die Lignane und Phytosterole hemmen das Enzym Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Dadurch sinkt der lokale Östrogenspiegel im Prostatagewebe, was das hormonell getriebene Wachstum des Prostataadenoms bremst.
  • Antiphlogistische Wirkung: Hemmung der Cyclooxygenase und Lipoxygenase durch Scopoletin und Phenolcarbonsäuren → unterdrückt entzündliche Prozesse im Prostatagewebe.
  • 5α-Reduktase-Hemmung: Schwache Hemmung des Enzyms, das Testosteron in das proliferativ wirksame Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt (geringer ausgeprägt als bei der Sägepalme).
  • Lektin-vermittelte Effekte: Das Urtica-dioica-Agglutinin bindet an Prostataepithelzellen und moduliert deren Proliferationsverhalten.
  • Spasmolytisch: Direkte muskelrelaxierende Wirkung auf die glatte Muskulatur des Blasenhalses und der prostatischen Harnröhre → verbesserter Harnfluss.
  • Beeinflussung von SHBG: Phytosterole können das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) verdrängen und so die Bioverfügbarkeit freier Androgene modulieren.

Indikationen (Wurzel)

  • HMPC: Traditional-use: Linderung von Miktionsbeschwerden im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) Stadium I-II nach Alken
  • ESCOP: Symptomatische Behandlung von Miktionsbeschwerden bei BPH Stadium I-II
  • Kommission E: Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadium I-II

Wichtig: Vor Therapiebeginn muss ein Prostatakarzinom ärztlich ausgeschlossen werden. Die Brennnesselwurzel beeinflusst nur die Beschwerden, nicht die Größe der Prostata selbst.

Anwendungen

Von der Brennnessel wird die ganze Pflanze genutzt, je nach Indikation jedoch sehr verschieden:

  • Brennnesselkraut: harntreibend, rheumaschmerzlindernd
  • Wurzel: Prostatabeschwerden lindernd
  • Samen: vitalisierend

Teezubereitung (Wurzel)

  • Dekokt: 2-4 g geschnittene Wurzel mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, zum Kochen bringen, 10 Min. kochen lassen, dann abseihen
  • 3-mal täglich 1 Tasse frisch zubereiten
  • Therapiedauer: mindestens 6 Monate, da Wirkungseintritt erst nach mehreren Wochen
  • Tagesdosis: 4-6 g Droge als Tee (Kommission E: 4-6 g/Tag)

Fertigarzneimittel (Wurzel)

  • Brennnesselwurzel-Trockenextrakt (DEV 5-7,5:1, Auszugsmittel Ethanol 45-60 % V/V): 600-1200 mg täglich, aufgeteilt in 2-3 Gaben
  • Bazoton uno® (Kapseln): 1x täglich 480 mg Trockenextrakt (DEV 7,6-12,5:1)
  • Prostagutt® uno (Kapseln): 1x täglich 320 mg Brennnesselwurzel-Trockenextrakt + 320 mg Sägepalme-Extrakt (Kombipräparat)
  • Prosta-Urgenin® (Kapseln): 2x täglich 300 mg Brennnesselwurzel-Trockenextrakt
  • Harzol® (Kapseln): Brennnesselwurzel-Extrakt, 1x täglich 1 Kapsel

Weitere Anwendungsformen

  • Tinktur (Eigenherstellung): Frische Brennnesselwurzel (Herbstgrabung) mit 40-50 % Alkohol ansetzen, 4-6 Wochen ziehen lassen, 3x täglich 30-40 Tropfen

Nebenwirkungen / Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: Gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Sodbrennen. Selten allergische Hautreaktionen.

Gegenanzeigen: Keine. Keine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (mangels Daten).

Wechselwirkungen: Keine klinisch relevanten Interaktionen bekannt. Theoretische Vorsicht bei gleichzeitiger Hormontherapie.

Schwangerschaft / Stillzeit: Nicht anwenden (keine Daten, keine Indikation).

Kombinationen

  • Mit Sägepalme bei Miktionsbeschwerden durch Prostatahyperplasie (synergistisch: Aromatasehemmung + 5α-Reduktase-Hemmung)
  • Mit Kürbiskerne zur Verbesserung der Blasenentleerung
  • Mit Weidenröschen bei Reizblase und Nykturie

Siehe auch

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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