Holunder

pflanzenprofilpflanzesambucus nigra
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Holunder (Sambucus nigra, Adoxaceae)

  • Familie: Adoxaceae (früher Caprifoliaceae)
  • Droge: Sambuci flos (Holunderblüten), Sambuci fructus (Holunderbeeren)

Inhaltsstoffe

Blüten (Sambuci flos):

  • Flavonoide (bis 3,5 %): Rutin, Isoquercitrin, Hyperosid, Astragalin, Quercetin-Derivate (entzündungshemmend, antiviral, kapillarabdichtend)
  • Ätherisches Öl (bis 0,2 %): freie Fettsäuren (Palmitinsäure, Linolsäure), Alkane, Alkanole, Nerolidol, Linalool
  • Phenolcarbonsäuren: Chlorogensäure, Kaffeesäure, Kaffeesäureester, p-Cumarsäure, Ferulasäure
  • Gerbstoffe (1–3 %), Schleimstoffe, Triterpene (α-Amyrin, β-Amyrin, Ursolsäure, Oleanolsäure)
  • Phytosterine (β-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol), Mineralstoffe (v. a. Kalium)

Beeren (Sambuci fructus):

  • Anthocyane (Cyanidin-3-glucosid, Cyanidin-3-sambubiosid, Chrysanthemin — verantwortlich für die tiefviolette Farbe und die kräftige antioxidative Wirkung)
  • Flavonoide: Quercetin, Rutin, Kämpferol (antioxidativ und antientzündlich)
  • Ätherisches Öl, Gerbstoffe
  • Vitamine: Vitamin C (Ascorbinsäure, 10–60 mg/100 g), Provitamin A (β-Carotin), Vitamine B1, B2, B6, Folsäure
  • Aminosäuren, organische Säuren (Apfelsäure, Zitronensäure), Kalium, Kalzium, Phosphor
  • Sambunigrin (cyanogenes Glykosid — in unreifen Beeren! Kochhitze zerstört es)

Wirkungen

Blüten innerlich:

  • Schweißtreibend (diaphoretisch — die Hauptwirkung!): die Schweißsekretion steigt um ca. 20–40 %. Über die Wärmeabgabe auf der Hautoberfläche wird Fieber gesenkt — Holunderblütentee zählt zu den wirksamsten pflanzlichen Diaphoretika und ist ein ideales fiebersenkendes Mittel bei Kindern und Erwachsenen
  • Erhöht die unspezifische Widerstandskraft gegen Infekte (immunmodulierend)
  • Entzündungshemmend: die Blütenflavonoide hemmen die Prostaglandin- und Leukotrien-Synthese
  • Verbessert die Bronchialsekretion (sekretomotorisch), vermehrt bei trockenem Husten den Bronchialschleim und erleichtert den Auswurf (expektorierend)
  • Bei Bronchitis und Sinusitis sekretlösend und abschwellend auf den Schleimhäuten
  • Mild harntreibend (Kalium-Flavonoid-Effekt) — unterstützt die Ausschwemmung

Beeren:

  • Stark antioxidativ (extrem hoher ORAC-Wert!), antiviral gegen verschiedene Influenzavirus-Stämme (H1N1, H5N1 — in vitro blockieren Anthocyane virale Hüllproteine und Neuraminidase)
  • Entzündungshemmend, immunstärkend
  • Erhöhen die Widerstandskraft gegen Infekte, Allergien und krebserregende Stoffe
  • Die Beeren-Flavonoide schützen das Kapillarendothel und senken die Gefäßdurchlässigkeit

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC (Blüten): Well-established use bei Erkältungskrankheiten (als schweißtreibendes Mittel); traditional use bei leichten Schleimhautentzündungen des Mund- und Rachenraums sowie leichten Katarrhen der oberen Atemwege
  • HMPC (Beeren): Traditional use bei Erkältungskrankheiten
  • ESCOP (Blüten): Erkältungskrankheiten, begleitende Therapie bei fieberhaften grippalen Infekten

Blüten:

  • Als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten und fieberhaften grippalen Infekten (Diaphorese → Fiebersenkung)
  • Unspezifische Resistenzsteigerung, Infektprophylaxe
  • Atemwegsentzündungen, die zur Chronifizierung neigen, chronische Sinusitis, Raucherhusten
  • Trockener Reizhusten, beginnende Erkältung

Beeren:

  • Erkältungskrankheiten, fieberhafte grippale Infekte, Grippe-Influenza (antiviral + Vitamin C)
  • Krebsprävention: antioxidative Flavonoide und Anthocyane (Radikalfänger, DNA-Schutz)
  • Immunschwäche, Infektanfälligkeit im Winter

Anwendungen

  • Holunderblütentee (Diaphorese): 2–3 TL (3–5 g) getrocknete Holunderblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 5–10 Min. zugedeckt ziehen lassen (zugedecktes Gefäß — ätherisches Öl!), abseihen. 3- bis 5-mal täglich möglichst heiß trinken — dann sofort ins Bett, warm zudecken und das Schwitzen abwarten. Wichtig: bei Fieber nur so lange einsetzen, bis der Schweißausbruch erfolgt und das Fieber sinkt. Ideal in Kombination mit Lindenblüten (Tilia cordata)!
  • Kalter Holunderblüten-Auszug (bei trockenem Reizhusten): 2 TL Holunderblüten mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen, 6–8 Stunden ziehen lassen, dann abseihen und leicht erwärmen; über den Tag schluckweise trinken.
  • Holunderbeerensaft/Muttersaft: 100–150 ml Holunderbeerensaft täglich trinken (ungesüßt, erhitzt — aus reifen Beeren!). In der Erkältungssaison: 1–2 EL Sirup in heißem Wasser mehrmals täglich.
  • Holunderbeeren-Tee: 1–2 TL getrocknete Holunderbeeren mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen.
  • Gurgellösung: bei Rachenentzündung mehrmals täglich mit Holunderblütentee gurgeln.
  • Schwitzkur nach Kneipp: Holunderblüten + Lindenblüten (aa partes), 1 EL auf 250 ml, heiß trinken, Bettruhe.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Blüten: Nicht bekannt. Keine Toxizität, auch für Kinder und ältere Menschen geeignet.

Beeren:

  • Unreife Beeren sind giftig (Sambunigrin ist ein cyanogenes Glykosid, das Blausäure abspaltet → Übelkeit, Erbrechen, Durchfall)! Reife Beeren sind unbedenklich. Kochhitze > 80°C baut Sambunigrin ab — deshalb die Beeren immer gekocht genießen bzw. als Saft aus erhitzten Beeren konsumieren. Roh nur vollreife, tiefschwarze Beeren verwenden. Gegenanzeige: unreife, rote Beeren.

[!WARNING] Wichtig! Blätter, unreife Früchte und Rinde des Holunders sind giftig (Sambunigrin). Es dürfen nur Blüten und vollreife Beeren verwendet werden. Für Schwangere und Stillende in üblicher Dosierung unbedenklich.

Kombinationen

  • Mit Lindenblüten bei fieberhaften Erkältungen (klassische schweißtreibende Kombination, da sich die Diaphorese gegenseitig verstärkt)
  • Mit Kamille und Pfefferminze (Erkältungstee-Trias) bei fieberhaften Infekten (schweißtreibend, entzündungshemmend und krampflösend zugleich)
  • Mit Thymian und Spitzwegerich bei Bronchitis und Reizhusten (expektorierend, antimikrobiell und reizmildernd)
  • Mit Zistrose bei Grippe und grippalen Infekten (antiviral und immunstärkend)
  • Mit Sonnenhut zur Infektprophylaxe und Immunstärkung (unspezifische und spezifische Immunabwehr)
  • Mit Hagebutte und Sanddornöl bei Vitamin-C-Mangel und Infektanfälligkeit (reich an Vitamin C und antioxidativ)
  • Mit Weidenrinde bei fieberhaften Erkältungen (schweißtreibend, fiebersenkend und entzündungshemmend)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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