Ingwer

Ingwer (Zingiber officinale)
Inhaltsstoffe
- 1,5–3 % ätherisches Öl (Zingiberen 30–40 %, Zingiberol, β-Sesquiphellandren, α-Curcumen, Camphen, Citral, Cineol, Borneol)
- 1–4 % Scharfstoffe (nicht-flüchtig): Gingerole (v.a. [6]-Gingerol, [8]-Gingerol, [10]-Gingerol) — beim Trocknen oder Lagern wandeln sich Gingerole teilweise in die schärferen Shogaole um
- Zingiberon (entsteht beim Erhitzen/Trocknen aus den Gingerolen)
- Flavonoide, Harzsäuren
- 40–60 % Stärke, ca. 5 % Lipide, Proteine
- Mangan, Magnesium, Vitamin B6
Wirkungen
Innerlich:
- Stoffwechselanregend und verdauungsfördernd — steigert Speichel- und Magensaftsekretion sowie die Gallenproduktion
- Antiemetisch: wirksam gegen Übelkeit und Erbrechen, u.a. bei Reisekrankheit (Wirksamkeit vergleichbar mit Dimenhydrinat), bei Schwangerschaftserbrechen (HMPC-anerkannt) und bei postoperativer Übelkeit
- Karminativ, blähungslindernd — entspannt die glatte Darmmuskulatur
- Cholagog und choleretisch: regt Produktion und Ausschüttung der Galle an
- Prokinetisch: fördert die Magenentleerung (beschleunigte Magenpassage)
- Entzündungshemmend (COX-2-Hemmung durch Gingerole, vergleichbar mit NSAR, jedoch ohne deren gastrointestinale Nebenwirkungen)
- Analgetisch: lindert chronische Arthrose- und rheumatische Schmerzen sowie Menstruationsschmerzen (in Studien belegt — ca. 500–1000 mg Ingwerpulver/Tag)
- Antioxidativ und immunmodulierend
- Hypoglykämisch: senkt den Blutzuckerspiegel und verbessert die Insulinempfindlichkeit (bei Diabetes Typ 2 studiengestützt)
- Lipidsenkend (senkt Triglyzeride und LDL)
Äußerlich:
- Durchblutungsfördernd, hyperämisierend (starke lokale Wärmewirkung)
- Schmerzlindernd bei Gelenk- und Muskelschmerzen (Wärmeanwendung)
- Entzündungshemmend bei Arthrose und rheumatischen Beschwerden
Indikationen
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit; zur symptomatischen Behandlung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen
- ESCOP: Vorbeugung von Reisekrankheit; postoperative Übelkeit; dyspeptische Beschwerden; Appetitlosigkeit
- Dyspeptische Beschwerden, Völlegefühl, Blähungen
- Übelkeit und Erbrechen (Reisekrankheit, Schwangerschaftserbrechen — ab 2. Trimenon; morgendliche Übelkeit der Frühschwangerschaft vor ärztlicher Rücksprache)
- Anregung der Bauchspeicheldrüsenfunktion, Pankreasinsuffizienz
- Erkältungskrankheiten (schweißtreibend, wärmend)
- Arthrose, rheumatoide Arthritis (adjuvant, analgetisch-entzündungshemmend)
- Primäre Dysmenorrhö (Regelschmerzen)
Anwendungen
- Tee (Infus): 0,5–1 g grob gepulvertes Ingwerrhizom (ca. 2–4 cm frische Wurzel, dünn geschnitten) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Min. zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Mehrmals täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten. Tagesdosis: 2–4 g Droge.
- Frischer Ingwer als Gewürz/Tee: 3–5 g frischen Ingwer in Scheiben schneiden, mit heißem Wasser übergießen und über den Tag verteilt trinken.
- Pulver/Kapseln: Bei Reisekrankheit: 500 mg–1 g Ingwerpulver (standardisiert auf 5 % Gingerole) etwa 30 Min. vor Reiseantritt, danach alle 4 Std. Bei Arthrose: 500–1000 mg/Tag in geteilten Dosen über mehrere Wochen.
- Tinktur: Zingiberis tinctura, 3-mal täglich 20–40 Tropfen in Wasser.
- Fertigarzneimittel: Ingwerpulver-Kapseln (standardisiert), Kaugummis gegen Reisekrankheit, Kombinationspräparate für Verdauung und Immunsystem.
- Äußerlich: Frisch gepresster Ingwersaft oder Ingwerbrei als Kompresse bei chronischen Gelenkschmerzen (15–20 Min. einwirken lassen, nicht auf offene Wunden); Ingweröl in 1–5%iger Verdünnung in Trägeröl zur Massage.
- Bad: 50–100 g frischer Ingwer, gerieben oder in Scheiben, in 1 Liter Wasser 20 Min. köcheln, abseihen und dem Badewasser zusetzen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: In hohen Dosen kann Ingwer die Magenschleimhaut reizen (Sodbrennen, Aufstoßen, Magendrücken, Durchfall). Bei empfindlichen Personen gelegentlich Blähungen und Übelkeit. Die Thrombozytenaggregation kann vermindert werden (in vitro, klinische Relevanz unklar).
Gegenanzeigen: Bei Gallensteinen nur nach ärztlicher Rücksprache (choleretische Wirkung). Vorsicht bei gleichzeitiger Antikoagulanzien-Therapie (Marcumar, Warfarin, ASS) — Gerinnungswerte überwachen. In der Schwangerschaft nicht > 1 g getrocknetes Ingwerrhizom/Tag überschreiten (HMPC). In den letzten Wochen vor der Geburt sowie bei drohender Fehlgeburt und Hyperemesis gravidarum nur nach ärztlicher Rücksprache. Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren vorsichtig dosieren.
Kombinationen
- Mit Melisse und Kamille bei Schwangerschaftserbrechen und Übelkeit
- Mit Pfefferminze und Fenchel bei dyspeptischen Beschwerden und Blähungen
- Mit Weihrauch und Afrikanische Teufelskralle bei entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen
- Mit Artischocke und Mariendistel bei Fettverdauungsschwäche infolge einer Gallenfunktionsstörung
- Mit Holunder (Blüten) und Thymian als schweißtreibende Erkältungsmischung
- Mit Ringelblume und Beinwell als Wärmeanwendung bei Gelenkschmerzen (Kompresse)