Afrikanische Teufelskralle

pflanzenprofilpflanzeharpagophytum procumbens
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Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens, Pedaliaceae)

  • Familie: Pedaliaceae
  • Droge: Harpagophyti radix (Teufelskrallenwurzel)
  • Hauptkomponenten: Iridoidglykoside (Harpagosid), Bitterstoffe, Flavonoide

Inhaltsstoffe

  • Iridoidglykoside (1-3 %): Harpagosid (Hauptwirkstoff und Leitsubstanz — mind. 1,2 % Harpagosid gefordert für wirksame Präparate), Harpagit (Iridoid), Prokumbit, Procumbosid (nur in H. procumbens, nicht in H. zeyheri). Harpagosid ist ein Prodrug — wird im Magen zu Harpagogenin, dem aktiven entzündungshemmenden Metaboliten, hydrolysiert
  • Bitterstoffe (Bitterwert 5.000-12.000 — zählt zu den bittersten Drogen überhaupt): Harpagid, Procumbid, Harpagosid selbst ist extrem bitter. Bitterwirkung: regt Speichel-, Magensaft- und Pankreassekretion reflektorisch an
  • Flavonoide (Luteolin, Kämpferol), Phenolglykoside (Acteosid = Verbascosid — stark antioxidativ, entzündungshemmend, hat ähnliche Wirkung wie Harpagosid)
  • Phytosterine (beta-Sitosterol, Stigmasterol — antiphlogistisch)
  • Triterpene (Oleanolsäure, Ursolsäure), ungesättigte Fettsäuren
  • Freie Säuren: Zimtsäure, Chlorogensäure (Kaffeesäurederivat), Kaffeesäure — antioxidativ und entzündungshemmend
  • Schleimstoffe, Chinone (Harpagochinon)

Wirkungen

Innerlich (hohe Dosis: ca. 4,5 g Droge = mind. 50 mg Harpagosid/Tag):

  • Antiarthrotisch: Die Funktions- und Bewegungsfähigkeit der Gelenke bessert sich deutlich. Randomisierte klinische Studien belegen, dass 50-100 mg Harpagosid täglich über 8-12 Wochen bei Arthrose und Rückenschmerzen ähnlich wirkt wie synthetische NSAR. Durch die Anregung des Gelenkstoffwechsels (Chondrozyten-Aktivierung, Hemmung knorpelabbauender Enzyme) schreitet der Knorpelabbau langsamer voran
  • Schmerzlindernd: peripher wie zentral analgetisch, die Wirkstärke steigt mit der Dosis. Erst nach 1-2 Wochen setzt der Effekt ein, bleibt dann aber über längere Zeit bestehen
  • Entzündungshemmend: hemmt die Cyclooxygenase-2 (COX-2), die Lipoxygenase sowie die Bildung von Leukotrienen, Prostaglandin E2 und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha). Das bremst die Entzündung, mildert Schmerzen und drosselt die kollagenzerstörenden Enzyme (Matrix-Metalloproteinasen, Elastase) → der Gelenkknorpel wird vor weiterem Zerfall bewahrt
  • Harnsäuresenkend: leicht urikosurisch — mehr Harnsäure wird ausgeschieden, der Blutspiegel sinkt → bei Gicht von Nutzen
  • Ödemhemmend: Gelenkentzündungen und periartikuläre Schwellungen gehen deutlich zurück, die Synovialflüssigkeit nimmt ab, das entzündete Gelenk wird antiödematös entlastet

Innerlich (niedrige Dosis: ca. 1,5 g Droge/Tag):

  • Verdauungsfördernd und appetitanregend: als kräftiges Bittermittel — steigert reflektorisch Speichel-, Magensaft- (HCl, Pepsinogen), Galle- und Pankreassekretion. Fördert Magen-Darm-Peristaltik

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC: Well-established use bei Gelenkschmerzen und leichten Verdauungsstörungen
  • ESCOP: Schmerzhafte Arthrosen, chronische Gelenkentzündungen, chronische Rückenschmerzen, Tendinitis (Sehnen- und Sehnenscheidenentzündung), sowie Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden

Hohe Dosierung (4,5 g Droge / 50-100 mg Harpagosid/Tag):

  • Rheumatische Erkrankungen, Arthrose und Arthritis (degenerative und entzündliche), Gelenkverschleiß, Osteoarthrose der Knie-/Hüft- und Handgelenke
  • Chronische Rückenschmerzen (Lumbalgie, Lumbago, chronische Bandscheibenschäden, Ischialgie, ISG-Arthrose)
  • Degenerative Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates (Spondylarthrose, degenerative Wirbelsäulensyndrome — HWS, BWS, LWS)
  • Muskelschmerzen und Weichteilrheuma (Fibromyalgie, Periarthropathia humeroscapularis)
  • Sehnen- und Sehnenscheidenentzündung (Tendinitis, Tendovaginitis), Tennisellenbogen (Epicondylitis)
  • Adjuvant bei Gicht (harnsäuresenkend)
  • Kopfschmerz vom Spannungstyp

Niedrige Dosierung (1,5 g Droge/Tag = Bitterdosis):

  • Appetitlosigkeit, Magenschwäche, dyspeptische Beschwerden, Völlegefühl, Blähungen
  • Hypochlorhydrie (zu wenig Magensäure) und Pankreasschwäche

Anwendungen

  • Hohe Dosierung (antiarthrotisch):
    • Trockenextrakt-Tabletten/-Kapseln standardisiert auf 50-100 mg Harpagosid/Tag (5 % Harpagosid auf Extrakt): entspricht ca. 600-1200 mg Trockenextrakt 2-3-mal täglich (z. B. Harpagosid-Tabletten 480 mg 2-mal täglich = 48 mg Harpagosid). Bekannte Präparate: Doloteffin®, Flexi-Loges®, Arthroset®.
    • Tee: 4,5 g Droge = etwa 1-2 TL grob zerkleinerte Teufelskrallenwurzel mit 300 ml kochendem Wasser überbrühen, 8-10 Stunden ziehen lassen (Dekokt/Kaltauszug bevorzugt, da Harpagosid hitzeempfindlich! Maximal 60 °C), abseihen und in 3 Portionen über den Tag verteilt zu den Mahlzeiten trinken.
  • Niedrige Dosierung (Bittermittel):
    • 1,5 g Droge/Tag als Kaltauszug oder 3-mal täglich 0,5 g als Pulver vor den Mahlzeiten im Mund zergehen lassen (Bitterreiz über Zunge!)
    • Tee: 0,5 g Droge mit 150 ml heißem Wasser überbrühen, 5 Min. vor dem Essen.
    • Tinktur (1:5, Ethanol 45-60 %): 3-mal täglich 10-20 Tropfen vor den Mahlzeiten.
  • Wichtiger Hinweis zum Kaltauszug: Durch Kochen und starkes Erhitzen werden Harpagosid und die aktiven Iridoidglykoside teilweise zerstört. Ein Kaltauszug (8-10 Stunden, über Nacht) oder eine schonende Tinktur ist daher einem heißen Dekokt klar überlegen.
  • Therapiedauer: chronische Erkrankungen über mindestens 2-3 Monate; bei akuten Beschwerden 1-2 Wochen bis zum Wirkungseintritt.

[!NOTE] Hinweis Chronische Krankheitsbilder lassen sich mit Teufelskralle besser behandeln als akut-entzündliche Beschwerden. Der Effekt stellt sich verzögert ein (nach 1-2 Wochen), hält dann aber lange an. Teufelskralle wirkt sowohl Kortison- als auch NSAR-sparend.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: Bei bestimmungsgemäßer Dosierung nicht bekannt. Selten treten bei hohen Dosen leichte Magen-Darm-Störungen, Durchfall und Übelkeit auf (Bitterstoffe und Saponine). Vereinzelt Kopfschmerzen und Schwindel.

Gegenanzeigen:

  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus ventriculi/duodeni — Bitterstoffe und Saponine können die Magenschleimhaut reizen)
  • Gallensteinleiden: ärztliche Rücksprache nötig (weil die choleretische Wirkung den Gallenfluss steigert und bei Steinabgang eine Gallenkolik auslösen kann)
  • Schwangerschaft und Stillzeit (mangels Daten, vorsichtshalber keine hohen Dosen)
  • Kinder unter 12 Jahren (mangels klinischer Daten)

Kombinationen

  • Bei Arthrose und chronischen Rückenschmerzen zusammen mit Weidenrinde: Entzündungshemmung plus Schmerzlinderung greifen bei entzündlich-degenerativen Gelenkleiden bewährt ineinander
  • Bei rheumatoider Arthritis und Arthrose mit Weihrauch (Boswellia): 5-LO- und COX-2-Hemmung kombiniert mit knorpelschützenden Effekten
  • Gegen Arthroseschmerzen mit Gelbwurz / Gelbwurz: beide hemmen die Entzündung über NF-kappaB und COX-2 synergistisch
  • Bei Gicht mit Brennnessel: harnsäuresenkende, diuretische und entzündungshemmende Wirkung ergänzen sich
  • Bei Arthroseschmerz und Gelenkschwellung mit Beinwell (äußerlich als Salbe, Kytta-Salbe): innerlich Teufelskralle, äußerlich Symphytum — eine kombinierte Therapie
  • Bei schweren, geschwollenen Beinen und Krampfadern mit Begleitarthrose mit Mäusedorn (Ruscus aculeatus): entzündungshemmend plus venentonisierend
  • Gegen Appetitlosigkeit und Magenschwäche mit Enzian und Wermut als Bittermittel-Trias (reflektorische Sekretionssteigerung)
  • Bei Entzündungsneigung und Arthrose mit Ingwer: additive COX/LOX-Hemmung; zugleich schützt Ingwer den Magen und wirkt der durch Teufelskralle ausgelösten Übelkeit entgegen
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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