Beinwell

pflanzenprofilpflanzesymphytum officinale
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beinwell (Symphytum officinale, Boraginaceae)

  • Familie: Boraginaceae
  • Droge: Symphyti radix (Beinwellwurzel), Symphyti herba/folium (Beinwellkraut/-blätter)

Inhaltsstoffe

  • Schleimstoffe (bis 30 % in der Wurzel, 10-15 % im Kraut): stark hydrophile Polysaccharide (Fruktane, Inulin, Rhamnogalakturonane) und Pektine — bilden einen physikalischen Schutzfilm auf Haut und Schleimhaut, wirken reizmildernd, fördern die Wundheilung über Hydratation und Zellproliferation
  • Allantoin (bis 1,5 % in der Wurzel — während der Blütezeit auch bis 1,3 % in Schösslingen, Blüten, Knospen nachweisbar, in Blättern 0,15 %): Hauptwirkstoff für Wundheilung. Allantoin fördert die Zellproliferation und Epithelisierung, regt die Granulation an, wirkt keratolytisch und wundreinigend (entfernt nekrotisches Material). Beschleunigt die Zellneubildung und Kollagensynthese in Fibroblasten
  • Gerbstoffe (4-6 %): Rosmarinsäure, Lithospermatsäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure — adstringierend, entzündungshemmend, antimikrobiell, hämostyptisch
  • Cholin (0,1-0,3 %): erweitert die Arteriolen, bessert die Durchblutung und den lokalen Stoffwechsel in der Wunde, reduziert den Austritt von Gewebeflüssigkeit — wirkt antiexsudativ und lässt Hämatome schneller resorbieren
  • Rosmarinsäure (bis 3 % im Kraut — hoher Gehalt!): stark entzündungshemmend (COX- und 5-LOX-Hemmung), antioxidativ, antiviral
  • Bitterstoffe, wenig ätherisches Öl, Phytosterole (beta-Sitosterol)
  • Pyrrolizidinalkaloide (PA, in Spuren — 0,02-0,5 %): Symphytin, Echimidin, Lycopsamin und deren N-Oxide — hepatotoxisch und kanzerogen bei oraler Aufnahme. Seit 1996 Pyrrolizidinalkaloid-freie Zuchtsorten aus der Wurzel (Kytta-Schmerzsalbe) und aus Symphytum peregrinum Ledebour herba (Traumaplant) entwickelt. Wurzel der Wildpflanzen enthält mehr PA als das Kraut. PA-freie Zuchtsorten und PA-freies Traumaplant sind sicher für die äußerliche Anwendung!

[!WARNING] Pyrrolizidinalkaloide! Verwende ausschließlich PA-freie bzw. PA-arme Zuchtsorten und standardisierte Fertigpräparate (gerade bei der Wurzel). Wer Beinwell-Salben selbst aus Wildpflanzen herstellt, sollte nur Blätter verwenden (die PA-ärmer sind), ausschließlich äußerlich und niemals auf offenen Wunden.

Wirkungen

Äußerlich (NUR äußerlich!):

  • Entzündungshemmend, abschwellend, wundreinigend und lokal schmerzlindernd: Rosmarinsäure, Allantoin und Gerbstoffe greifen bei COX-2, 5-LOX und Prostaglandin E2 hemmend ein und wirken dabei zusammen
  • Reizmildernd, stellt die Beweglichkeit wieder her: Schmerz und Schwellung klingen rasch ab
  • Schnelle Wundreinigung und Geweberegeneration: Allantoin und Schleimstoffe aktivieren Fibroblasten, die Wundkontraktion und die Epithelisierung — Beinwell zählt zu den wirksamsten pflanzlichen Wundheilmitteln überhaupt
  • Unterstützt die Kallusbildung bei Brüchen (Beinwell = “Bein-weller”, das den Knochen wieder “well made” macht): über die Anregung der Osteoblasten-Aktivität wird die Knochenneubildung im Frakturspalt gefördert
  • Cholin senkt den Austritt von Gewebeflüssigkeit aus den Kapillaren (antiexsudativ), erweitert die Arteriolen und bessert die Mikrozirkulation; die Durchblutung steigt, Hämatome heilen schneller ab (Resorption)
  • Schleimstoffe befeuchten das Gewebe und fördern so die Wundheilung, zugleich wirken sie reizmildernd
  • Als Salbe dringt Beinwell tief ein: die Muskulatur entspannt sich, der Schmerz lässt nach, das Gewebe wird von innen erreicht (dank lipophiler Rosmarinsäure und lipophiler Flavonoide)
  • Kühlt entzündetes Gewebe

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC: Well-established use (äußerlich) bei stumpfen Verletzungen, Zerrungen, Verstauchungen; traditional use (äußerlich) bei Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen
  • ESCOP: Stumpfe Verletzungen (Zerrungen, Verstauchungen, Prellungen), schmerzhafte Gelenke und Muskeln

Äußerlich:

  • Schlecht heilende unblutige stumpfe Verletzungen (Quetschung, Verstauchung, Hämatom, Knochenbruch — nach der Reposition/Gipsabnahme)
  • Muskelkater, Myalgien, Myogelosen, Muskelhartspann
  • Sehnen-, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündung (Tendinitis, Tendovaginitis, Bursitis), Tennisellenbogen (Epicondylitis), Golfer-Ellenbogen
  • Knochenhautentzündung (Periostitis), Venenentzündung (Thrombophlebitis superficialis) und Nagelbettentzündung (Paronychie)
  • Narbenschmerzen, verhärtete schlecht heilende Narben, Amputationsschmerzen
  • Rückenschmerzen, Lumbago, Nackenschmerzen und Schulter-Arm-Syndrom
  • Bei schlecht heilenden Dammschnittwunden halten Beinwellsalbenauflagen das Gewebe elastisch und fördern eine gute Vernarbung
  • Postoperative Schwellungen und Weichteilödeme
  • Arthrose-Schmerzen (Kniegelenksarthrose: nachgewiesene signifikante Schmerzreduktion und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit)

[!NOTE] Studienlage Bei Sprunggelenksdistorsionen bildeten sich Hämatom, Schmerz und Schwellung nachweislich schneller zurück, die Gelenkmobilität kam rascher wieder (gegen Placebo und gegen Diclofenac-Gel in Doppelblindstudien). Die Wirksamkeit liegt auf dem Niveau von NSAR.

Anwendungen

  • Beinwellsalbe (fertig, PA-frei, standardisiert): Z. B. Kytta-Schmerzsalbe (PA-freie Beinwellwurzel), Traumaplant (PA-freier Beinwell). Mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Stellen auftragen und sanft einmassieren. Für Umschläge: 2-3 mm dick auf eine Kompresse streichen, auflegen und mit Verband fixieren. Einwirkzeit: 4-6 Std. (z. B. über Nacht). Anwendungsdauer: 2-4 Wochen, bei chronischen Beschwerden bis 6 Wochen.
  • Selbstgemachte Beinwellsalbe (aus frischen Blättern, sicherer als Wurzel): Frische, gewaschene Beinwellblätter zerschneiden, mit Schweineschmalz oder Olivenöl und Bienenwachs eine Salbe bereiten. Nur äußerlich und nur auf intakter Haut anwenden. Frisch zubereiten und kühl lagern.
  • Beinwell-Umschlag (Blätter): Frische, gewaschene Beinwellblätter mit dem Nudelholz quetschen (zerstörte Zellwände setzen Allantoin und Schleimstoffe frei), auf die betroffene Stelle auflegen und mit Verband fixieren. 2-4 Stunden einwirken lassen.
  • Beinwell-Tinktur (1:5, Ethanol 45-55 % aus PA-freien Zuchtsorten oder Blättern): Für Umschläge 1:10 mit Wasser verdünnen. Nur äußerlich!

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen:

  • Bei Verwendung PA-haltiger Wurzeln oder Blätter auf offener Haut und sehr großflächiger und langfristiger Anwendung können Pyrrolizidinalkaloide resorbiert werden und zu Leber- und Nierenschädigung führen.
  • Bei PA-freien Salben und Extrakten keine Nebenwirkungen bekannt. Sehr gut verträglich.
  • Selten allergische Hautreaktionen.

Gegenanzeigen:

  • Sicherheitshalber aufgrund der Pyrrolizidinalkaloid-Spuren (auch bei PA-freien Produkten als Vorsicht!): während Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 2 Jahren nur auf intakter Haut anwenden und nicht länger als 6 Wochen/Jahr.
  • Nicht auf offene, blutende und infizierte Wunden (insbesondere nicht bei selbst zubereiteten Produkten aus Wildpflanzen) — Infektionsrisiko und PA-Resorption.
  • Bekannte Allergie gegen Beinwell und Boraginaceae (Borretsch, Lungenkraut).

[!NOTE] PA-freie Produkte Kytta-Schmerzsalbe und Traumaplant sind PA-freie Zuchtsorten und sicher anwendbar. Bei selbst zubereiteten Produkten nur Blätter verwenden, nur äußerlich, nur auf intakter Haut, nicht länger als 4 Wochen/Jahr.

Kombinationen

  • Mit Arnika (äußerlich, verdünnt) bei stumpfen Verletzungen, Prellungen und Distorsionen (wundheilend + schmerzlindernd + resorptionsfördernd — klassisches Trauma-Duo)
  • Mit Ringelblume (äußerlich) bei Wunden, Narben und Hämatomen (wundheilend + granulationsfördernd)
  • Mit Rosskastanie (äußerlich) bei Venenentzündung, Blutergüssen und Thrombophlebitis (venentonisierend + wundheilend + resorptionsfördernd)
  • Mit Gelber Steinklee (äußerlich) bei Lymphstau und Hämatomen (lymphokinetisch + resorptionsfördernd)
  • Mit Weidenrinde (innerlich) und Beinwell (äußerlich) bei Arthrose und Gelenkschmerzen (systemisch analgetisch + lokal wundheilend-schmerzstillend)
  • Mit Johanniskraut (Rotöl) bei stumpfen Verletzungen und Muskelverspannungen (durchblutungsfördernd + nervenberuhigend)
  • Mit Afrikanische Teufelskralle (innerlich) und Beinwell (äußerlich) bei entzündlichen Gelenkerkrankungen (entzündungshemmend + wundheilend)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑