Wundbehandlung – Wunden, offene und stumpfe Verletzungen
Beschreibung
Zur Kunst der Wundtherapie gehört die differenzierte, auf den einzelnen Patienten abgestimmte Versorgung offener und geschlossener Wunden mit pflanzlichen Heilmitteln.
Offene Verletzungen (Akute Wunden)
Akute Wunden sind offene Verletzungen oberflächlicher oder tieferer Hautschichten durch spitze oder stumpfe Gewalteinwirkung (Schürf-, Schnitt-, Riss-, Quetsch- oder Kratzwunden), durch thermische Ursachen wie Verbrennungen oder durch chemische Einwirkung wie Verätzungen. Es handelt sich um Substanzdefekte der Haut, die normalerweise gut heilen.
Chronische Wunden
Chronische Wunden zeichnen sich durch eine verlangsamte, schlechte Heilungstendenz oder durch Wundkomplikationen aus.
Geschlossene Verletzungen (Stumpfe Traumen)
Geschlossene Verletzungen entstehen durch stumpfe Gewalt, ohne dass die oberflächliche Hautdecke verletzt wird; dennoch ist das Gewebe traumatisiert. Sie werden grundsätzlich anders behandelt als offene Wunden. Dazu zählen:
- Hämatom (Bluterguss)
- Distorsion (Verstauchung, Zerrung)
- Kontusion (Prellung)
- Kompression (Quetschung)
- Posttraumatisches Ödem (Schwellung nach Verletzung)
Achtung: Schwere Verletzungen – etwa stark blutende Wunden, Bisswunden, nicht bzw. schlecht heilende Wunden mit klopfenden Schmerzen, bläulichem Aussehen oder einem roten Strich, der von der Verletzung Richtung Herz zieht – gehören in ärztliche Behandlung (Nähen, Röntgen, bei Bedarf Antibiose u. a.). Das gilt auch für Wunden, bei denen eine Narbenbildung (v. a. im Gesicht!) zu erwarten ist.
Phytotherapeutika
Wichtige Heilpflanzen bei offenen Wunden
| Pflanze | Wirkung | Anwendung |
|---|---|---|
| Ringelblume | Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, granulationsfördernd | Tiefe, sekundär infizierte Wunden, Wundreinigung |
| Kamille | Entzündungshemmend, wundreinigend | Oberflächliche Wunden, unsaubere Wunden |
| Johanniskrautöl | Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, keimwidrig | Schmierige, schlecht heilende Wunden, infizierte Wunden |
| Blutwurz | Blutstillend, entzündungshemmend | Blutende Wunden |
| Hirtentäschel | Blutstillend | Blutende Wunden |
| Zaubernuss | Entzündungshemmend | Nässende Wunden, unsaubere Wunden |
| Spitzwegerich | Wundheilend, antibakteriell | Oberflächliche Wunden |
| Ackerschachtelhalm | Bindegewebsneubildung regulierend, granulationsfördernd | Granulationsphase |
| Birkenkork (Betulin) | Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, granulationsfördernd | Wundreinigung, Desinfektion |
| Sanddornöl | Hautregenerierend | Narbenheilung |
| Zwiebel | Narbenheilend | Narbenheilung |
| Kohl | Wundheilungsfördernd | Schmierige, schlecht heilende Wunden |
Differenzierte Behandlung nach Wundart
| Wundart | Empfohlene Heilpflanzen |
|---|---|
| Offene Wunden | Blutwurz, Ringelblume, Kamille, Spitzwegerich, Zaubernuss |
| Oberflächliche Wunden | Kamille |
| Tiefe Wunden | Ringelblume |
| Blutende Wunden | Blutwurz, Hirtentäschel |
| Nässende Wunden | Kamille, Zaubernuss, Ackerschachtelhalm |
| Unsaubere Wunden | Ackerschachtelhalm, Kamille, Ringelblume, Zaubernusstee |
| Schmierige, schlecht heilende Wunden | Johanniskrautöl, Kamille, Weißkohl |
| Infizierte Wunden | Johanniskrautöl, Zaubernussblätter und -rinde, Kamille, Ringelblume |
Wichtige Heilpflanzen bei stumpfen Traumen
| Pflanze | Wirkung |
|---|---|
| Ätherisches Pfefferminzöl | Schmerzlindernd |
| Arnika | Entzündungshemmend, schmerzlindernd, antiödematös |
| Beinwell | Schmerzlindernd, entzündungshemmend, abschwellend, granulationsfördernd |
| Johanniskrautöl | Entzündungshemmend, schmerzlindernd, antiödematös |
| Rosskastanie | Entzündungshemmend |
| Steinklee | Entzündungshemmend, schmerzlindernd, antiödematös, lymphabflussfördernd |
Pflanzenporträts
Therapiekonzept
Anwendungsformen nach Heilungsphase
| Phase | Anwendungsform | Wirkung |
|---|---|---|
| Akute Phase | Feuchte Anwendung | Wundreinigung |
| Ausheilungsphase | Lotionen, Gele, Cremes | Heilungsförderung |
| Nachbehandlung | Salben | Regeneration, Narbenheilung |
PECH-Regel bei stumpfen Traumen
- Pause – Den verletzten Körperteil schnellstmöglich ruhig stellen
- Eis (Kälte) – Eisbeutel gleich zu Beginn 15–20 Min. auf verletzte Stelle legen. Kälte lindert Schwellung und Schmerz, verengt die Blutgefäße, verlangsamt den Stoffwechsel im Gewebe, vermindert weitere Blutungen, beschleunigt die Resorption des Hämatoms und verbessert die Beweglichkeit
- Compression – Ein gut angelegter (nicht zu straff gewickelter!) Kompressionsverband drückt das verletzte Gewebe gerade so weit zusammen, dass keine weitere Blut- oder Gewebsflüssigkeit ins umliegende Gewebe austreten kann
- Hochlagerung – Den verletzten Körperteil hochlagern (höher als das Herz). Verringert die Blutzufuhr und hilft, ausgetretene Flüssigkeit abzutransportieren
Therapieziele stumpfe Verletzungen
- Entzündungshemmung und Schmerzlinderung durch Arnika, Beinwell, Enzyme, Johanniskrautöl und Rosskastanie
- Dauer: Je nach Beschwerdebild Tage bis Wochen
Rezepte und Zubereitungen
Auflage mit Kamillentee (chronische Wunden)
1 TL Kamillenblüten mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 5 Min. bedeckt ziehen lassen. Abgießen und auf Körpertemperatur abkühlen lassen, mit 3 ml Kamillentinktur anreichern.
Anwendung: Sterile Mullkompresse tränken und auf die Wunde legen. Feuchte Auflagen benutzt man am besten offen (nicht abdecken).
Auflage mit Johanniskrautöl (chronische Wunden)
Sterile Mullkompresse mit Johanniskrautöl (hergestellt nach DAB, Rotöl) tränken, ca. 8 Std. (z. B. über Nacht) auf entzündete, offene Stellen legen. Wird mit Erfolg in der Universitäts-Hautklinik Freiburg durchgeführt.
Auflage mit Sanddornfruchtfleischöl
Mit Johanniskrautöl verdünnt (2–10%ig) oder auf kleinere Wundstellen pur auftragen. Mit einer sterilen Kompresse bedecken.
Beinwellwurzel-Auflage (stumpfe Traumen)
Je nach zu behandelnder Körperfläche 1–2 EL Beinwellwurzelpulver (Radix consolidae pulv.) mit lauwarmem Wasser zu einem Brei anrühren. Auf ein Stück Tuch oder Papiertaschentuch streichen, mit der Stoffseite auflegen und mit einer Binde fixieren und über Nacht liegen lassen.
Coolpacks und Kälteanwendungen
- Kälte nie bei offenen Wunden anwenden, niemals direkt auf die Haut legen – immer zuerst die Stelle mit einem Tuch abdecken
- Quark als „Coolpack" (nie direkt aus dem Kühlschrank!): Messerrückendick auf Kompresse streichen, mit 1 EL Arnikatinktur oder 1 EL Arnikagel unterrühren. Nach 20 Min. entfernen und abwaschen
- Körnerkissen: Kleine Kissen mit Kirschkernen oder Trockenerbsen füllen und mindestens 2 Std. im Gefrierfach durchkühlen lassen
- Salzkältewaschlappen: 2 EL Salz mit 100 ml Wasser mischen, Waschlappen darin tränken, im Gefrierfach (geschützt durch Plastiktüte) kühlen lassen. Bleibt durch Salz auch in gefrorenem Zustand gut formbar
- Pfefferminz-Spray: 3 Tr. ätherisches Pfefferminzöl in 3 ml 96%igem Alkohol (Apotheke) oder ein Stück Zucker lösen, in Sprühflasche mit 100 ml Pfefferminzwasser oder gekühltem Pfefferminztee geben. Gut durchschütteln und auf (geschlossene!) Verletzung sprayen
Bestbewährte Heilsalben-Mischung
Je 10 Tr. ätherisches Öl von Immortelle, Zitronenstrauch, Zistrose in 50 ml Johanniskrautöl traufeln und 3-mal tägl. behutsam auf die Verletzung einmassieren.
Präparate
Offene Wunden
Salben und Cremes, soweit nicht anders erwähnt, 2–3-mal tägl. auf den Wundrand auftragen:
| Präparat | Inhalt | Anwendung |
|---|---|---|
| Calcea Wund- und Heilcreme | Purpurroter Sonnenhut, Ringelblume | Direkt auftragen |
| Calendumed Gel, Creme, Salbe | Ringelblume | Direkt auftragen |
| Calendula Salbe Heel | Ringelblume | Direkt auftragen |
| Calendula Essenz Wala, Weleda | Ringelblume | Sterile Mullkompresse mit 10%iger Verdünnung tränken, 2-mal tägl. auf die Wunde legen |
| Calendula Gel 10% Weleda | Ringelblume | Direkt auftragen |
| Calendula Wundsalbe Weleda | Ringelblume | Direkt auftragen |
| Echinachin Salbe | Purpurroter Sonnenhut | Direkt auftragen |
| Kamillosan Konzentrat Lösung | Kamille | Sterile Mullkompresse mit 10%iger Verdünnung tränken, 2-mal tägl. auf die Wunde legen |
| Kamillosan Creme, Salbe | Kamille | Direkt auftragen |
| Kamillin Robugen Konzentrat | Kamille | Sterile Mullkompresse mit 10%iger Verdünnung tränken, 2-mal tägl. auf die Wunde legen |
Stumpfe Traumen
| Präparat | Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Arnika Salbe 10% und 30% | Arnika | Direkt auftragen |
| Kneipp Arnika Salbe S | Arnika | Direkt auftragen |
| Kytta-Plasma f Umschlagpaste | Beinwell | Umschlag |
| Kytta Schmerzsalbe | Beinwell (PA-frei) | 2–3-mal tägl. einreiben |
| Profelan | Arnika | Direkt auftragen |
| DOLO-CYL Öl | Arnika | Einreibung |
| Reparil Dragees | Rosskastanie | 3-mal tägl. 2 Drg. |
| Reparil-Gel N | Rosskastanie, Diethylaminsalicylat | Einreiben |
| Reparil Ice Spray | Rosskastanie, Kampfer, Menthol | Aufsprühen |
| Röwo Sportgel Spray | Arnika, Menthol, Minzöl, Kamille, Echinacea, Hamamelis | Aufsprühen |
| Traumaplant Salbe | Beinwell (PA-frei) | 2–3-mal tägl. einreiben |
Praxistipp: Bei stumpfen Verletzungen 2–3-mal täglich mit Gel, Salbe oder Öl einreiben. Salben zu Beginn auch über mehrere Tage wiederholt als Salbenumschlag über Nacht anlegen.
Nahrungsergänzungsmittel (Enzymtherapie)
| Präparat | Inhalt | Dosierung |
|---|---|---|
| Phlogenzym aktiv | Bromelain, Papain, Trypsin, Chymotrypsin u.a. | 3-mal 2 Tabl. |
| Regazym plus | Enzyme aus Aspergillus oryzae, Ananas-, Feigen-, Kiwi- und Papayafruchtpulver | 3-mal tägl. 2 Tabl. |
| Wobenzym N | Bromelain, Pankreasenzym, Rutosid | 1. Woche: 2-mal 6 Tabl. oder 3-mal 4 Tabl., dann 2-mal 3 Tabl. oder 3-mal 2 Tabl. |
Äußerliche Anwendungen
Salben
In der Nachbehandlung und chronischen Pflege von Wunden werden Salben 2–3-mal tägl. dünn aufgetragen. Bei stumpfen Verletzungen können sie auch über Nacht als Salbenumschlag angelegt werden.
Ölauszüge
Johanniskrautöl und Sanddornfruchtfleischöl sind besonders wichtige Ölauszüge in der Wundbehandlung. Sie lassen sich pur oder verdünnt auftragen bzw. als getränkte Kompressen auflegen.
Umschläge und Kompressen
Feuchte Auflagen unterstützen die Wundreinigung in der akuten Phase. Dazu werden sterile Mullkompressen mit Teeauszügen oder Tinkturverdünnungen getränkt und 2-mal täglich gewechselt.
Hinweise
- Bei chronischen Wunden zunächst sorgfältige Reinigung der Wunde, Förderung der Desinfektion mit Birkenkork/Betulin, Johanniskraut, Kamille, Purpurrotem Sonnenhut, Ringelblume oder Sanddornfruchtfleischöl
- Bei schwereren Verletzungen (Verdacht auf Frakturen, Sehnenrisse etc.) ärztlich abklären lassen
- Bei stumpfen Verletzungen zu Beginn kühlende Umschläge mit entzündungshemmenden, abschwellenden, schmerzlindernden und ödemprotektiven Arzneidrogen einsetzen
- Bei stark entzündlichen und ödematösen Prozessen im Verlauf: Enzymtherapie lässt Entzündung und Ödeme schneller abklingen
Zusammenfassung
Die phytotherapeutische Wundbehandlung spannt einen weiten Bogen: von der Akutversorgung offener Verletzungen über die Behandlung stumpfer Traumen bis zur Nachsorge chronischer Wunden. Bewährte Heilpflanzen wie Ringelblume, Kamille, Johanniskrautöl, Arnika und Beinwell sind wirksame Alternativen zu synthetischen Präparaten. Die Anwendung richtet sich nach Wundart und Heilungsphase: feuchte Anwendungen zur Wundreinigung in der akuten Phase, Lotionen, Gele oder Cremes in der Ausheilungsphase und Salben zur Nachbehandlung.