Johanniskraut

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskrautöl (äußerlich)

Familie: Hypericaceae Droge: Hyperici oleum

Beachte: Informationen zum Johanniskraut befinden sich auch im Kapitel Erkrankungen des Nervensystems und Psyche.

Inhaltsstoffe:

  • 0,05–0,3 % Hypericin (Naphthodianthron-Derivat: antiviral, phototoxisch, wasserlöslich; geht nicht ins Öl über, weshalb das Rotöl nicht lichtempfindlich ist!)
  • 2–5 % Hyperforin (Phloroglucin-Derivat: fettlöslich, antibakteriell, entzündungshemmend, antineoplastisch; geht ins Öl über)
  • Flavonoide 2–4 % (Hyperosid, Rutin, Quercetin, Biapigenin, Quercitrin)
  • 6–15 % Gerbstoffe (vorwiegend kondensierte Catechingerbstoffe/Proanthocyanidine)
  • 0,05–0,2 % ätherisches Öl (Caryophyllen, Humulen, Pinene)
  • Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure)
  • Xanthone (in geringen Mengen)

Wirkungen (äußerlich):

  • Mild durchblutungsfördernd, wärmend (Hyperämie über indirekte Vasodilatation)
  • Entzündungshemmend: hemmt COX und 5-Lipoxygenase (Flavonoide, Hyperforin)
  • Antioxidativ
  • Schmerz- und juckreizstillend (mild analgetisch)
  • Keimwidrig: Hyperforin wirkt als “Breitbandantibiotikum” gegen grampositive Bakterien (multiresistente Staphylokokken [MRSA], penicillinresistente Staphylococcus-aureus-Stämme), gegen bestimmte gramnegative Bakterien, Viren und Pilze
  • Fördert die Wundheilung: regt Zellproliferation, Kollagensynthese, Angiogenese und Granulation an und begünstigt eine gute Narbenbildung (epithelisierend)
  • Hyperforin fördert die Regeneration der oberen Hautschicht und stützt die Hautbarriere (bei Psoriasis, Neurodermitis)
  • Kühlt die Haut (das Öl verdunstet langsam und wirkt rückfettend)
  • Reduziert die Staphylokokken-Besiedlung der Haut um ca. 50 % (selektiv antibakteriell, dabei mild zur gesunden Haut)

Wirkungen (innerlich von Johanniskrautöl):

  • Wundheilungsfördernd (als Einreibung von Ulzera/Druckstellen)
  • Narben heilend und narbenpflegend

Indikationen (äußerlich):

  • Schnitt- und Schürfwunden
  • Prellungen, Verstauchungen, Verrenkungen, Blutergüsse (beschleunigt die Hämatom-Resorption)
  • Verbrennungen 1. Grades, Sonnenbrand (kühlend, entzündungshemmend)
  • Nervenschmerzen, Hexenschuss/Lumbago, Ischialgie, Neuralgien (Durchwärmung, leichte Analgesie)
  • Begleitend bei Herpes Zoster (Gürtelrose) — zur Schmerzlinderung und Hautpflege nach dem Abheilen
  • Verspannte Muskulatur, Myalgie, rheumatische Beschwerden (Massageöl)
  • Vorbeugung und Therapie bei Dekubitus (Wundliegen) und Ulcus cruris (offenes Bein)
  • Neurodermitis, Psoriasis, Ekzeme mit trockener und entzündeter Haut
  • Eine Behandlung mit Johanniskrautöl bessert die Staphylokokken-Besiedelung der Haut um ca. 50 % und unterstützt die Hautbarrierefunktion
  • Trockene, spröde, rissige Haut; Sonnenbrand-Pflege nach dem Akutstadium
  • Pflege alter Narben, Geschmeidigmachen von Narbengewebe
  • Amputationsbeschwerden (Stumpfpolitur mit Rotöl)

Indikationen (innerlich von Johanniskrautöl):

  • Reizmagen (mild reizlindernd, entzündungshemmend)
  • Sodbrennen, zur Ausheilung von Magen-Darm-Geschwüren (3-mal tägl. 1 TL zwischen den Mahlzeiten)

Nebenwirkungen: Bei äußerlicher Anwendung von Johanniskrautöl tritt nachweislich keine Photosensibilisierung auf; trotzdem sollte direkte Sonnenbestrahlung nach dem Einreiben vermieden werden (Brennglaseffekt — das Öl wirkt wie ein Vergrößerungsglas auf der Haut, nicht durch Hypericin!).

Johanniskraut (innerlich)

Droge: Hyperici herba (Johanniskraut)

Inhaltsstoffe (Kraut):

  • 0,05–0,3 % Hypericin, Pseudohypericin
  • 2–5 % Hyperforin, Adhyperforin
  • 2–4 % Flavonoide (Hyperosid, Rutin, Quercetin, Quercitrin, Biapigenin)
  • 6–15 % Gerbstoffe, Xanthone, Phenolcarbonsäuren
  • 0,05–0,2 % ätherisches Öl

Wirkungen (innerlich):

  • Stimmungsaufhellend: hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA und Glutamat → die Neurotransmitter bleiben länger im synaptischen Spalt. Zugleich reguliert es die Expression und Empfindlichkeit von β-Rezeptoren und 5-HT2A-Rezeptoren (Serotonin-Rezeptoren) herunter. Das bekannte synthetische Standardantidepressivum Imipramin zeigt ein ähnlich breites Wirkungsspektrum — allerdings mit den typischen Nebenwirkungen!
  • Anxiolytisch (angstlösend), beruhigend
  • Herzunterstützend (Tonisierung, bessere kardiale Belastbarkeit)
  • Leistungsfördernd (verbessert Reaktionsgeschwindigkeit sowie kognitive und affektive Belastbarkeit)
  • Antidiarrhoisch (Tee — dank des hohen Gerbstoffgehalts von 6–15 %)
  • Antiviral (Hypericin wirkt in vitro gegen behüllte Viren; eine phototoxische Problematik besteht bei innerlicher Anwendung nicht)
  • Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd

Wirkungsmechanismus (Details): Johanniskrautextrakt hemmt die synaptosomale Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA (γ-Aminobuttersäure) und, etwas schwächer, von Glutamat und verlängert so deren Verweildauer im synaptischen Spalt. Das bekannteste synthetische Standardantidepressivum wirkt ebenso breit!

Indikationen (innerlich):

  • HMPC (bei leichten Depressionen): Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung leichter bis mittelschwerer depressiver Episoden (mindestens 6-wöchig); zur kurzzeitigen Behandlung von Symptomen leichter depressiver Verstimmungen (nicht länger als 2 Wochen ohne ärztlichen Rat)
  • ESCOP: Leichte bis mäßig schwere Depressionen (standardisierte Extrakte, Langzeittherapie)
  • Depressive Verstimmung, Winterdepression (SAD — saisonal-affektive Störung)
  • Leichte bis mittelschwere Depressionen (in der Wirkstärke der synthetischen Konkurrenz ebenbürtig)
  • Körperliche Begleitsymptome der Depression: Schlafstörungen, chronische Rückenschmerzen, Kopfschmerz, Müdigkeit, Magen-/Herzbeschwerden
  • Angstzustände, nervöse Unruhe, Erschöpfung, Burn-out
  • Somatoforme Störungen: Rücken- und Kopfschmerz im Zusammenhang mit psychosomatischen Erkrankungen
  • Wechseljahresbeschwerden (insbesondere mit depressiver Komponente und Schlafstörungen)
  • Wetterfühligkeit, Migräne, Reizblase
  • Tonikum/Energielieferant in der Rekonvaleszenz, bei Schwächezuständen (Tee)
  • Leichter Durchfall (Magen-Darmtee mit Johanniskraut)

Anwendungen

  • Johanniskrautöl (Rotöl) selbst herstellen: Frische Johanniskrautblüten (Blüten + Knospen ± etwas Kraut) in ein Schraubglas füllen, mit kaltgepresstem Oliven- oder Sonnenblumenöl übergießen, verschließen und 4–6 Wochen an die Sonne stellen (oder im Wasserbad bei 40 °C erwärmen). Abfiltern, in dunkle Flaschen abfüllen (max. 12 Monate haltbar). Das fertige Öl ist tiefrubinrot.
  • Johanniskrautöl (äußerlich): Dünn auf die betroffene Hautstelle auftragen und sanft einmassieren, 2–3-mal täglich. Bei Wunden und Verbrennungen: Öl auf eine sterile Kompresse auftragen und lose verbinden.
  • Johanniskrautöl (innerlich bei Magengeschwür/Sodbrennen): 3-mal täglich 1 TL Rotöl zwischen den Mahlzeiten im Mund zergehen lassen oder in etwas warmer Milch einnehmen (Achtung: bei innerlicher Einnahme ist Phototoxizität möglich — Sonnenexposition meiden).
  • Tee (Infus) gegen leichte Verstimmung und Durchfall: 2 TL (ca. 2–4 g) Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. 2–3 Tassen täglich. Tagesdosis Tee: 2–12 g Droge.
  • Fertigarzneimittel (innerlich, bevorzugt): Standardisierte Trockenextrakte (z.B. STW 3-VI, STW 4-VI, standardisiert auf 0,05–0,3 % Hypericin oder 1–5 % Hyperforin), typische Dosis: 300–900 mg Extrakt/Tag in 2–3 Einzeldosen. Bekannte Präparate: Jarsin, Remotiv, Laif, Hyperforat, Esbericum. Bei Depressionen bis zum Wirkungseintritt mindestens 14 Tage einplanen, die volle Wirkung zeigt sich nach 3–4 Wochen. Einnahmedauer mindestens 6–8 Wochen.
  • Tinktur: Hyperici tinctura, 3-mal täglich 20–30 Tropfen in Wasser.

Nebenwirkungen: Bei innerlichem Einsatz ist Photosensibilisierung möglich (sehr selten, in Teemischungen unwahrscheinlich). Tagesdosen unter 900 mg Extrakt sind bezüglich Photosensibilisierung in der Regel unbedenklich. Gelegentlich Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (meist mild und vorübergehend).

Gegenanzeigen: Außer einer Überempfindlichkeit gegen Johanniskraut bestehen keine relevanten Gegenanzeigen. Bei schweren Depressionen nur in ärztlicher Begleitung einsetzen!

[!NOTE] Beachte Johanniskraut ist den synthetischen Antidepressiva bei weniger Nebenwirkungen ebenbürtig. Unabhängig davon gilt: Depressionen müssen immer ärztlich betreut werden!

[!WARNING] Wechselwirkungen (ab 900 mg Extrakt/Tag!) Johanniskraut induziert Cytochrom-P450-Enzyme (CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19) und P-Glykoprotein → die Wirksamkeit folgender Mittel kann vermindert werden:

  • Immunmodulatoren und Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus)
  • AIDS-Medikamente (Indinavir, Nelfinavir)
  • Herzmittel (Digoxin, Digitoxin, Warfarin/Phenprocoumon)
  • Asthmamedikamente (Theophyllin)
  • Blutdrucksenker (Amlodipin, Nifedipin, Verapamil)
  • Antidepressiva (Amitriptylin, SSRI — Serotoninsyndrom möglich!)
  • Zytostatika (Irinotecan, Imatinib, Tamoxifen)
  • Orale Kontrazeptiva (Wirksamkeitsverlust → ungewollte Schwangerschaft!)
  • Schilddrüsenhormone
  • Antiepileptika Bei traditionellen, niedrigen Teedosierungen (< 900 mg/Tag) wurden in der klinischen Praxis keine Wechselwirkungen beobachtet. Dennoch vor jeder Einnahme hochdosierter Johanniskraut-Extrakte alle begleitenden Medikamente mit dem Arzt oder Apotheker prüfen!

Kombinationen

Für die Psyche:

  • Mit Baldrian und Melisse bei leichten depressiven Verstimmungen mit Schlafstörungen und Unruhe
  • Mit Rosenwurz als Motivations-Energie-Kombination bei Erschöpfungsdepression und Burn-out
  • Mit Weißdorn bei depressiven Zuständen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden (Herzneurose, funktionelle Herzbeschwerden mit depressiver Komponente)
  • Mit Passionsblume bei leichter Depression mit Angst- und Unruhezuständen

Für Wundheilung (äußerlich):

  • Mit Ringelblume und Kamille als klassische Wundheil-Öl-Kombination
  • Mit Beinwell (Beinwellsalbe + Rotöl) bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelschmerzen und Blutergüssen
  • Mit Lavendel (ätherisches Öl) im Rotöl bei Juckreiz, Neurodermitis und zur Wundpflege
  • Mit Schafgarbe und/oder Spitzwegerich bei infizierten und schlecht heilenden Wunden

Für Magen-Darm:

  • Mit Kamille und Süßholz bei Reizmagen und Sodbrennen (Rotöl innerlich)
  • Mit Melisse bei stressbedingten Magenbeschwerden und nervösen Durchfällen
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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