Süßholz

Süßholz (Glycyrrhiza glabra, Fabaceae)
- Familie: Fabaceae
- Droge: Liquiritiae radix (Süßholzwurzel)
- Hauptkomponenten: Triterpensaponine (Glycyrrhizinsäure), Flavonoide, Polysaccharide
Inhaltsstoffe
- Triterpensaponine (2-15 %): Hauptwirkstoff ist die Glycyrrhizinsäure (Glycyrrhizin), ein Gemisch aus Kalium-, Calcium- und Magnesiumsalzen. Glycyrrhizin ist 50-mal süßer als Saccharose. Das Aglykon, die Glycyrrhetinsäure (Enoxolon), entsteht als pharmakologisch aktiver Metabolit nach Hydrolyse im Darm; sie hemmt die 11-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 und erzeugt so eine kortisonähnliche (mineralokortikoide) Wirkung
- Flavonoide (1-2 %): Liquiritin, Liquiritigenin, Isoliquiritin, Isoliquiritigenin, Glabridin, Glabren — ulkusprotektiv, antioxidativ und spasmolytisch; Liquiritin stillt den Hustenreiz (antitussiv)
- Cumarine: Umbelliferon, Herniarin, Glycycumarin
- Phytosterole (beta-Sitosterol, Stigmasterol, Campesterol)
- Polysaccharide (ca. 10 %): Schleimstoffe aus Arabinogalaktanen und Pektinen — immunmodulierend und schleimhautschützend
- Ätherisches Öl in Spuren
Wirkungen
Verdauungstrakt:
- Schleimhautschützend am Magen-Darm-Trakt (Schleimstoffe und Flavonoide legen einen Schutzfilm auf die Schleimhaut)
- Beschleunigt die Abheilung von Magengeschwüren (Ulkusprotektion): Glycyrrhetinsäure hemmt die Pepsin-Aktivität, erhöht Viskosität und Menge des Magenschleims, reduziert die Salzsäuresekretion und fördert die Zellregeneration der Magenschleimhaut (über Prostaglandin E2)
- Entzündungshemmend durch Hemmung von Cyclooxygenase und Lipoxygenase; Leukotrien- und Prostaglandinbildung gehen zurück, dazu cortisonähnliche Wirkung (Hemmung der Phospholipase A2)
- Krampflösend und blähungstreibend (karminativ)
Atemwege:
- Sekretlösend, hustenreizlindernd und expektorierend: Saponine verflüssigen zähes Bronchialsekret, Flavonoide beruhigen den Hustennerv (Liquiritin wirkt zentral und peripher antitussiv), Schleimstoffe legen sich schützend auf die Rachenschleimhaut
- Entzündungshemmend auf Bronchial- und Rachenschleimhaut
- Schleimhautschützend und reizmildernd bei Heiserkeit und Reizhusten
Antimikrobiell:
- Antibakteriell (in vitro gegen Helicobacter pylori, Staphylococcus aureus und Streptococcus mutans — relevante Anti-Karies-Wirkung!)
- Antiviral: Glycyrrhizin hemmt die Vermehrung von Herpes-simplex-, Varizella-Zoster-, Hepatitis-B/C-, Influenza-, SARS-CoV- und HIV-Viren
- Pilzwidrig (gegen Candida albicans)
Weitere Wirkungen:
- Immunmodulierend und antiallergisch: Polysaccharide stimulieren Makrophagen und natürliche Killerzellen; Glycyrrhetinsäure hemmt Mastzelldegranulation und Histaminfreisetzung
- Leberschützend (antihepatotoxisch): Glycyrrhizin reduziert die Leberzellnekrose und senkt die Transaminasen bei chronischer Hepatitis signifikant
- Kortisonähnlich (Mineralokortikoid-Effekt): Natriumretention und Kaliumausscheidung (siehe Nebenwirkungen)
Indikationen
HMPC/ESCOP:
- HMPC: Well-established use bei Entzündungen der oberen Atemwege, Husten und Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis)
- ESCOP: Katarrhe der oberen Atemwege, Gastritis, Magengeschwür, chronische Hepatitis
Innerlich:
- Beschleunigte Abheilung von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi/duodeni, adjuvant bei Helicobacter pylori)
- Entzündungen der Magenschleimhaut, Sodbrennen, Gastritis und Reizmagen
- Darmentzündung und Reizdarm
- Auswurfförderung bei Husten und Bronchitis (produktiver und Reizhusten)
- Reizlinderung bei Heiserkeit, Laryngitis und Pharyngitis
- Adjuvans bei chronischer Hepatitis B und C (Studien belegen gesenkte Transaminasen und reduzierte Leberfibrose)
- Adjuvans bei der Helicobacter-pylori-Eradikation (antibakteriell plus ulkusprotektiv)
- Prophylaxe und Therapie von Karies durch Hemmung des Streptococcus-mutans-Biofilms
Äußerlich (in Salben und Lotionen):
- Entzündliche Hauterkrankungen (Ekzeme, atopische Dermatitis)
- Juckreizlindernd (Glycyrrhetinsäure hemmt die Histaminfreisetzung)
- Photoprotektiv (UV-Schutz und Entzündungshemmung nach Sonnenexposition)
Anwendungen
- Tee: 1 TL (2-3 g) geschnittene Süßholzwurzel mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen und 10-15 Min. ziehen lassen (oder für eine höhere Glycyrrhizin-Extraktion 5-10 Min. kochen); 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Tagesdosis: 5-15 g Droge (entsprechend 200-600 mg Glycyrrhizin).
- Kaltauszug (Mazerat): 1-2 TL auf 150 ml kaltes Wasser, 8-10 Stunden ziehen lassen, abseihen und leicht erwärmt trinken.
- Tinktur (1:5, Ethanol 50-60 %): 3-mal täglich 20-30 Tropfen.
- Fertigarzneimittel (standardisiert): Succholin (Glycyrrhizinsäure + Schleimstoffe); diverse Hustensäfte und Bronchialtees mit Süßholzwurzel.
- Lutschpastillen bei Heiserkeit und Halsschmerzen.
- Anwendungsdauer: Als Einzelpflanze nicht länger als 4-6 Wochen einnehmen.
[!NOTE] Tagesdosis beachten Tagesdosis von Süßholz beachten: 5-15 g Droge = 200-600 mg Glycyrrhizin. Lakritzliebhaber sollten nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizinsäure/Tag (ca. 50 g Lakritze) aufnehmen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Bei zu langer Anwendung oder zu hoher Dosierung (Tagesdosis über 600 mg Glycyrrhizin) treten durch die Hemmung der 11-beta-HSD2 kortisonähnliche Effekte auf: mineralokortikoide Wirkung → Natrium-Wasser-Retention → Ödeme, Hypertonie (Bluthochdruck) und Hypokaliämie (Kaliumverlust). Durch den Kaliumverlust steigt die Giftwirkung von Digitalis (Herzglykoside) — gefährliche Herzrhythmusstörungen sind möglich! Symptome: Kopfschmerzen, Lethargie, Muskelschwäche, Bluthochdruck mit Natrium- und Wasserretention.
Gegenanzeigen:
- Schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, Leberzirrhose
- Arterielle Hypertonie
- Hypokaliämie
- Schwangerschaft (Glycyrrhizin ist plazentagängig; erhöhtes Risiko einer fetalen Mineralokortikoid-Exposition)
- Kinder unter 6 Jahren (nicht länger als 1 Woche und nur niedrig dosiert — Reizhusten)
- Cholestatische Lebererkrankungen und Gallensteine (Saponine erhöhen den Gallenfluss — Stau möglich)
Wechselwirkungen:
- Bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika) verstärkte Kaliumverluste
- Abschwächung der Wirkung von Antihypertensiva und Antidiabetika
- Erhöhte Gefahr von Herzglykosid-Intoxikationen (durch Hypokaliämie)
- Interaktion mit Corticosteroiden (additive Mineralokortikoid-Wirkung)
Kombinationen
- Mit Eibisch und Spitzwegerich bei Reizhusten und Heiserkeit (schleimhautschützende, reizmildernde und expektorierende Synergie)
- Mit Thymian und Anis bei produktivem Husten (Saponine + ätherische Öle — bewährte expektorierend-spasmolytische Kombination)
- Mit Kamille und Melisse bei Gastritis und Magengeschwüren (entzündungshemmend, ulkusprotektiv und beruhigend)
- Mit Salbei bei Rachenentzündung und Heiserkeit (antiseptisch plus schleimhautschützend)
- Mit Mariendistel bei chronischer Hepatitis (hepatoprotektiv und antiviral — synergistischer Leberschutz)
- Mit Fenchel und Kümmel bei Reizhusten und Bronchitis (expektorierend plus karminativ — Fenchel überdeckt als Geschmackskorrigens für Kinder den lakritzartigen Geschmack)
- Mit Pestwurz bei spastischer Bronchitis und Heuschnupfen (spasmolytisch, schleimhautschützend und antiallergisch)