Chronische Gastritis und Magengeschwür

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Chronische Gastritis, Magengeschwür und Sodbrennen

Beschreibung

Dass diese drei Symptome beziehungsweise Erkrankungen hier für die – begleitende – Phytotherapie zusammengefasst werden, liegt an der gemeinsamen Ursache: In allen Fällen ist das Säureschutzsystem des Magens in seiner Funktion beeinträchtigt.

Sodbrennen (Refluxkrankheit)

Beim Sodbrennen, dem Leitsymptom der Refluxkrankheit, gelangt saurer Magensaft zurück in die Speiseröhre, die anders als die Magenwand keinen spezifischen Säureschutz aufweist. Zu den Symptomen zählt ein brennender Schmerz in der Magengegend, in der Speiseröhre und hinter dem Brustbein.

Ursachen:

  • Verdauungs-/Motilitätsstörung des Magens/Ösophagussphinkters (bei verzögerter Magenentleerung staut sich säurehaltiger Speisebrei und steigt in die Speiseröhre zurück)
  • Übersäuerung des Magens, Fehlernährung (verstärkte Säureproduktion)
  • Schwangerschaft, Adipositas, Stress u.a.

Chronische Gastritis

Die chronische Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut, die sich über Wochen oder Jahre hinzieht und häufig kaum Beschwerden bereitet; diagnostiziert wird sie oft als Gelegenheitsbefund, da die Symptome unspezifisch ausfallen: Druck- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Aufstoßen und Unverträglichkeit schwerverdaulicher Nahrung.

Typen der Gastritis:

  • A-Gastritis: Autoimmunbedingt
  • B-Gastritis: Bakterielle Ursache, v.a. durch Helicobacter pylori (über 80 % der Fälle)
  • C-Gastritis: Chemisch-toxischer Ursache (wie chronischer Alkohol-/Nikotinkonsum, magenschleimhautschädigende Medikamente, chronischer Stress)

Magengeschwür (Ulcus ventriculi/duodeni)

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre gehen mit einem (gutartigen) Substanzdefekt in den Wandschichten der Magen-/Dünndarmschleimhaut einher. Aufgefallen sind Schmerzen unterhalb des Brustbeins, Appetitlosigkeit und Sofortschmerz nach dem Essen (Ulcus ventriculi) oder Nüchternschmerz (Ulcus duodeni). Begleitet wird das von Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Druckgefühl im Oberbauch und Unverträglichkeit von Kaffee, Süßigkeiten oder Alkohol.

Ursachen:

  • Langdauernde psychische Anspannung, Stress
  • Infektionen mit Helicobacter pylori
  • Erhöhte Salzsäure-/Pepsinproduktion
  • Reflux von gallehaltigem Duodenalinhalt in den Magen
  • Übermäßiger Kaffeegenuss, Nikotin und Medikamente (Kortison, NSAR)

Phytotherapeutika

Tab. 2.2: Phytotherapie bei Gastritis und Magengeschwür

Wirkstoffgruppe Pflanzen Wirkung
Mucilaginosa Eibisch, Lein, Malve Schleimhautschützend und reizmildernd
Antiphlogistika Kamille, Mädesüß, Ringelblume, Süßholz Entzündungshemmend, geschwürschützend
Sedativa und Spasmolytika Kamille, Lavendel, Melisse Beruhigend, entspannend, krampflindernd
Antiemetika Ingwer Brechreizlindernd

Kamille

Süßholz

Eibisch, Mädesüß, Ringelblume, Lavendel, Melisse

Hausmittel

Tab. 2.3: Hausmittel und Phytotherapie bei Sodbrennen, Gastritis und Magengeschwür

Erkrankung Hausmittel / Arzneidrogen Wirkung/Symptomlinderung
Sodbrennen Häufig kleine Portionen Wasser/Milch, gut gekautes Brot, Zwieback, Nüsse oder Kartoffelstückchen Soforthilfe
3-mal tägl. 1 TL Heilerde, Kieselgel/Basenmischungen Binden/puffern Säure
Nach dem Essen Bewegung: dann entleert sich der Magen zügig! Mechanisch
Meiden: Stress, große Mahlzeiten, fette/süße Speisen, Rauchen, Verstopfung (bewirkt erhöhten Druck im Oberbauch) Prävention
Abends keinen Pfefferminztee: dieser entkrampft den Magenpförtner, wodurch die Magensäure vermehrt austreten kann Vermeidung
Gastritis Kamille: besonders empfehlenswert bei Reizzuständen/Entzündungen des Magens mit vermehrter Säurebildung Antiphlogistisch
Bewährt als Rollkur Lokale Anwendung
Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür Heidelbeeren: antioxidative, gefäßschützende Anthocyane lindern Magengeschwüre (Studien) Ulkusprotektiv
Angurate-Tee: reguliert den Säurehaushalt Säureregulierend
Johanniskrautöl: 3-mal tägl. 1–2 TL zwischen den Mahlzeiten einnehmen: unterstützt Abheilungstendenz und Narbenheilung Wundheilung
Süßholz, dessen Flavonoide und Glycyrrhizin wirken krampflösend und dämpfen die Pepsinproduktion Krampflösend, ulkusprotektiv

Therapiekonzept Chronische Gastritis, Magengeschwür und Sodbrennen

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt.

Tab. 2.4: Therapieziele

Beschwerdelinderung durch Antiphlogistika Beschwerdelinderung durch Spasmolytika Regulation der Säureproduktion Stressabbau mit Adaptogenen Konstitutionstherapie: Magenkräftigung
Kamille Fenchel Kamille Therapiekonzept Erschöpfung und Burn-out Condurango
Mädesüß Gänsefingerkraut Kartoffel Engelwurz
Leinsamen Kamille Süßholz Enzian
Ringelblume Kümmel Weißkohl Kalmus
Süßholz Pfefferminze Tausendgüldenkraut
Wermut Wermut
Zahnstocherkraut/Ammi visnaga
Dauer: 4–6 Wochen Dauer: 4–6 Wochen Dauer: 4–6 Wochen Dauer: über mehrere Monate Dauer: über mehrere Monate
Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Tees, Präparate, Auflagen Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Tees, Präparate

Beschwerdelinderung durch Antiphlogistika

Leinsamen-Mazerat

2–3 EL unzerkleinerter Goldleinsamen (z.B. Linusit) mit 200 ml kaltem Wasser 1–2 Std. ansetzen, immer wieder umrühren, abgießen und den Schleim zwischen den Mahlzeiten trinken. Tee 2–3-mal tägl. frisch zubereiten.

Magenberuhigender Tee (nach Karl)

  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g
  • Liquiritiae radix (Süßholzwurzel) 20 g
  • Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 20 g
  • Semen Lini conc. (geschroteter Leinsamen) 40 g

M.D.S. 1 EL mit 200 ml Wasser kurz aufkochen, abgießen und mehrmals tägl. zwischen den Mahlzeiten trinken.

Entzündungshemmender, krampflösender Blütentee

  • Millefolii flos (Schafgarbenblüten) 30 g
  • Filipendulae ulmariae flos (Mädesüßblüten) 30 g
  • Calendulae flos (Ringelblumenblüten) 10 g

1 EL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Die Kamillen-Rollkur

Kamillenblüten mit 1 l heißem Wasser überbrühen, bedeckt ziehen lassen, nach 5 Min. abgießen. Pro Tasse mit 15–20 Tr. Kamillentinktur verstärken (damit der Gesamtkomplex der Kamillenwirkstoffe zum Einsatz kommt).

Früh nüchtern noch im Bett 2 Tassen trinken und jeweils 5–10 Min. auf den Rücken, dann auf die linke Seite, den Bauch und zum Schluss auf die rechte Seite (Magenausgang) “rollen”, damit die Magenschleimhaut von allen Seiten benetzt wird. Möglichst eine halbe Stunde nachruhen mit einem warmen Leibwickel. Nachmittags und vor dem Schlafengehen den Rest der Teezubereitung trinken; 8–10 Tage hintereinander durchführen. Bei starken Reizbeschwerden kann der Tee auch mit 250 ml Leinsamenschleim angereichert werden.

Beschwerdelinderung durch Spasmolytika

Krampflösende Teemischung

  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 40 g
  • Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 30 g
  • Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 30 g

M.D.S. 1 EL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.

Regulation der Säureproduktion

Teemischung bei Sodbrennen

  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 30 g
  • Liquiritiae radix (Süßholzwurzel) 20 g

M.D.S. 1 gehäufter TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Magenkräftigung (Konstitutionstherapie)

Beim konstitutionell bedingten schwachen, atonischen Altersmagen ist eine Kräftigungskur über mehrere Monate durchzuführen. Diese stoppt nicht nur die Symptome, sondern erhöht die Magenfunktion nachhaltig.

Teemischung bei schwachem Magen

  • Centaurii herba (Tausendgüldenkraut) 20 g
  • Calami rhizoma (Kalmuswurzel) 20 g
  • Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale) 20 g
  • Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 5 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1/2–1/4 Stunde vor den Mahlzeiten 1 Tasse trinken.

Präparate-Empfehlungen

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Chamomilla Urtinktur (Kamille) Ceres/DHU Kamille 3-mal tägl. 3–5 Tr. nach den Mahlzeiten
Absinthium Urtinktur (Wermut) Ceres/DHU Wermut 3-mal tägl. 3–5 Tr. vor den Mahlzeiten
Gasteo Gänsefingerkraut, Kamille, Süßholz, Engelwurz, Benediktenkraut, Wermutkraut 3-mal tägl. 30 Tr. zu oder nach den Mahlzeiten
Gastritol liquid Gänsefingerkraut, Kamille, Süßholz, Engelwurz, Benediktenkraut, Wermutkraut 3-mal tägl. 20–30 Tr. zu den Mahlzeiten
Iberogast Iberis amara, Angelikawurzel, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten
Ullus Magenkapseln N Kamille, Süßholz 3-mal tägl. 1–2 Kps. zwischen den Mahlzeiten
Gentiana Urtinktur (Enzian) Ceres/DHU Enzian 3-mal tägl. 10 Tr.
Condurango Urtinktur DHU Condurango 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.

Nahrungsergänzungsmittel

  • Linusit Magenschutz-Aufgussbeutel (Leinsamen): 3-mal tägl. 1 Beutel vor den Mahlzeiten
  • Kartoffelsaft Biotta: 3-mal tägl. zwischen den Mahlzeiten
  • Kartoffelsaft Schoenenberger: nach Anweisung
  • Weißkohlsaft Schoenenberger: nach Anweisung

Zusammenfassung

Bei chronischer Gastritis, Magengeschwür und Sodbrennen verfolgt die Phytotherapie einen mehrgleisigen Ansatz: Entzündungshemmung (Antiphlogistika: Kamille, Mädesüß, Ringelblume, Süßholz), Schleimhautschutz (Mucilaginosa: Eibisch, Lein, Malve), Krampflösung (Spasmolytika: Kamille, Gänsefingerkraut, Pfefferminze) und Säureregulation. Wesentliche Säulen dazu sind Stressabbau und eine konstitutionelle Magenkräftigung mit Bitterstoffdrogen. Für die akute Phase sind 4–6 Wochen Therapiedauer anzusetzen, bei konstitutioneller Schwäche mehrere Monate. Besonders bewährt ist die Kamillen-Rollkur über 8–10 Tage.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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