Melisse

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Melisse (Melissa officinalis, Melissae folium, Lamiaceae)

Droge: Melissae folium (Melissenblätter)

Inhaltsstoffe

  • 0,05–0,3 % ätherisches Öl (Monoterpenaldehyde: Citronellal 2–40 % als Hauptkomponente, Geranial/Neral = Citral A/B zusammen 10–30 %, daneben β-Caryophyllen, Linalool, Geraniol, Citronellol, Methylcitronellat) — das ätherische Öl ist stark flüchtig sowie empfindlich gegen Hitze und Oxidation; die Melissenblätter müssen deshalb kühl und dunkel gelagert werden, der Tee immer zugedeckt ziehen
  • 2–6 % Gerbstoffe (v.a. Rosmarinsäure und Lamiazeeengerbstoffe wie Chlorogensäure) — Rosmarinsäure ist die hauptwirksame antivirale und entzündungshemmende Komponente
  • Flavonoide (Luteolin-, Kämpferol-, Quercetin-Glykoside, Apigenin)
  • Bitter- und Gerbstoffe (in geringer Menge)
  • Triterpene (Ursolsäure, Oleanolsäure)
  • Phenolcarbonsäuren (Rosmarinsäure, Kaffeesäure, Chlorogensäure — bis zu 6 %)
  • Vitamin C (Ascorbinsäure), β-Carotin
  • Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Magnesium)

[!NOTE] Wichtiger Hinweis zur Droge Melissenblätter nur bei niedriger Temperatur trocknen (max. 35 °C) und stets kühl, dunkel und verschlossen lagern — sonst verflüchtigt sich das ätherische Öl innerhalb von Wochen und die Droge verliert ihre Wirksamkeit (riecht dann nur noch nach Heu). Frische Melisse ist am wirksamsten!

Wirkungen

Innerlich:

  • Beruhigend, stresslösend, einschlaffördernd — mild anxiolytisch ohne sedierende Müdigkeit; beruhigt und entspannt das ZNS und das autonome Nervensystem (Parasympathikus-Aktivierung), wodurch Stress besser bewältigt wird
  • Verbessert laut klinischer Studien die Gehirnleistung: fördert die Freisetzung von Acetylcholin und hemmt die Acetylcholinesterase (pro-cholinerge Wirkung), erhöht Denk- und Gedächtnisleistung sowie die Problemlösungsfähigkeit. Wirkt kognitiv verstärkend (Nootropikum), besonders in Stresssituationen.
  • Senkt depressive und angstassoziierte Symptome (in Studien mit standardisiertem Melissenextrakt über 4–12 Wochen belegt: signifikante Reduktion der Angst-Scores und Verbesserung der Stimmungsbewertung)
  • Leicht verdauungsfördernd, mild entblähend und krampflösend (spasmolytisch auf die glatte Magen-Darm-Muskulatur über ätherisches Öl und Rosmarinsäure)
  • Karminativ: fördert das Abgehen von Darmwinden und lindert Meteorismus
  • Cholagog (fördert die Gallenausschüttung)
  • Antientzündlich und antioxidativ (Rosmarinsäure, Flavonoide)
  • Beruhigend auf das Herz-Kreislauf-System: senkt sympathikotonen Stress (Herzklopfen, stressbedingt erhöhter Blutdruck) → mild herzschützend

Äußerlich:

  • Antiviral (virustatisch bei Lippenherpes — Rosmarinsäure und Gerbstoffe binden direkt an die Oberflächenproteine von Herpes-simplex-Viren und verhindern deren Einwanderung in die Hautzellen) → belegt in Studien mit der 1%igen Melissen-Creme (Lomaherpan®-Creme): Die Herpesbläschen heilten im Schnitt innerhalb von 3–5 Tagen ab, Jucken und Brennen waren signifikant reduziert
  • Mild antibakteriell
  • Wundheilungsfördernd in Kompressen und Bad
  • Entspannend in Melissenbädern (beruhigt und entspannt die Muskulatur bei Stress, Kinderunruhe)

Indikationen

  • HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur leichten Behandlung psychischer Stresssymptome und zur Unterstützung des Schlafes; bei leichten krampfartigen gastrointestinalen Beschwerden einschließlich Blähungen
  • ESCOP: Spannungs-, Unruhe- und Erregungszustände, nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle gastrointestinale Beschwerden (Reizmagen, Reizdarm), krampfartige Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen

Innerlich:

  • Einschlafstörungen, besonders wenn sie mit Ängsten und Herzklopfen verbunden sind (psychovegetative Schlafstörungen)
  • Schlafstörungen der Kinder, besonders wenn mit Bauchschmerzen verbunden (Melisse wirkt zugleich beruhigend und krampflösend)
  • Mildes Beruhigungsmittel bei Erschöpfungszuständen, nervöser Übererregbarkeit und Unruhe
  • Nervöse/psychogene Herzbeschwerden (“Herztrost” beim “Stressherz”) — Herzklopfen, Extrasystolen, Engegefühl
  • Nervöse Magen- und Darmstörungen: spastische Kolitis, Reizmagen, Reizdarm, durch Stress ausgelöste Durchfälle
  • Blähungen, Völlegefühl und krampfartige Magenschmerzen
  • Zur Entspannung begleitend bei Kopfschmerzen und Migräne
  • Wechseljahresbeschwerden mit Unruhe, Reizbarkeit und depressiver Verstimmung
  • Bei Hypertonie Typ I (belastungsabhängig) als stressreduzierende Unterstützung
  • Zur Verbesserung von geistiger Leistungsfähigkeit und Gedächtnis im Alter (mild kognitiv verbessernd)

Äußerlich:

  • Lippenherpes (Herpes labialis): Melissencreme, frischer Melissentee als aufliegende Kompressen, frische Blätter direkt auflegen
  • Kleine Verletzungen und Insektenstiche (frische Blätter darauf reiben)

Anwendungen

  • Tee (Infus): 1–2 TL (ca. 1,5–3 g) Melissenblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, WICHTIG: 10–15 Min. zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Bei Schlafstörungen: 1 Tasse 30 Min. vor dem Schlafengehen. Bei Unruhe und Verdauungsbeschwerden: 3-mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten. Tagesdosis: 3–9 g Droge.
  • Tinktur: Melissae tinctura, 3-mal täglich 20–30 Tropfen in Wasser.
  • Fertigarzneimittel: Melissen-Tabletten/Kapseln mit standardisiertem Trockenextrakt (z.B. 300–600 mg, 2–3-mal täglich, oder 600–1200 mg/Tag). Melissen-Creme (z.B. Lomaherpan® mit 1%igem Trockenextrakt) 3–4-mal täglich auf die betroffene Lippenpartie auftragen, idealerweise bereits beim ersten Kribbeln/Spannen vor dem Ausbruch des Herpesbläschens.
  • Melissenbad: 100–150 g Melissenblätter mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen, 20 Min. ziehen, abseihen und dem Badewasser zugeben. Badedauer 15–20 Min. Hilfreich bei Schlafstörungen und innerer Unruhe, besonders bei Kindern und älteren Menschen. Nicht zu heiß (35–37 °C).
  • Frische Melisse zur äußerlichen Behandlung: 1 frisches Melissenblatt zerreiben und direkt auf den beginnenden Herpes legen, oder 3–4 frische Blätter mit wenig Wasser zu einer Paste zerdrücken (Wirkung: Rosmarinsäure hemmt die Virenbindung). Mehrmals täglich frisch auflegen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: Bei normaler Dosierung nicht bekannt. Sehr gut verträglich — auch für Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen geeignet.

Gegenanzeigen:

  • Keine relevanten Gegenanzeigen bekannt.
  • Überempfindlichkeit gegen Melisse oder die ätherischen Öle der Lippenblütler. Bei Allergie an Zitronenverbene/Cymbopogon (Zitronella) Vorsicht, da dieselbe Öl-Fraktion enthalten ist.
  • In Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich. Besonders beliebt zur Beruhigung von Schwangeren mit Schlafstörungen oder Ängsten.
  • Schilddrüsenhormon-Patienten: Melisse hemmt in hohen Dosen die TSH-Rezeptor-Bindung (in vitro) — bei Teedosierungen ohne klinische Relevanz; hohe Extrakte (z.B. 1200 mg/Tag) bei Schilddrüsenpatienten dennoch nur in Absprache einnehmen.

Besonderheit: Linderung von Abstinenzerscheinungen beim Alkohol- und Opiatentzug. Studien zeigen, dass Melisse neuroprotektiv wirkt und die Entzugssymptomatik mildern kann. Traditionell in Entzugskliniken eingesetzt.

Kombinationen

  • Mit Baldrian und Hopfen (falls vorhanden) als klassische sedative Teemischung bei Einschlafstörungen (synergistisch: GABA-erge Effekte und Spasmolyse)
  • Mit Passionsblume und Lavendel als angstlösend-beruhigende Kombination bei generalisierter Angst und Unruhe
  • Mit Kamille und Fenchel bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden mit Krämpfen (besonders bei Kindern)
  • Mit Pfefferminze und Kümmel bei Reizdarm (Spasmolyse + Karminativum + Beruhigung)
  • Mit Johanniskraut bei leichten depressiven Verstimmungen mit Schlafstörungen und innerer Unruhe
  • Mit Weißdorn beim “Stressherz”/bei Herzneurose (funktionelle Herzbeschwerden mit psychischer Komponente)
  • Mit Lavendel (ätherisches Öl) als Badezusatz bei Unruhe und Erschöpfung
  • Mit Rosmarin als kognitiv verstärkende Kombination (pro-cholinerg + durchblutungsfördernd) bei Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisabnahme im Alter
  • Mit Salbei bei Herpes labialis (virustatisch + antiviral) und bei Wechseljahresbeschwerden (Schweißhemmung + Beruhigung)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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