Beifuß

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Beifuß (Artemisia vulgaris)
- Familie: Asteraceae
- Droge: Artemisiae vulgaris herba (Kraut), Artemisiae vulgaris radix (Wurzel)
- Typ: Amarum aromaticum + Spasmolytikum; wichtige Bitterdroge für Mischtinkturen
Inhaltsstoffe
- 0,05–0,3 % ätherisches Öl mit α-/β-Thujon, Campher, 1,8-Cineol, Borneol, α-/β-Pinen, Caryophyllen (Thujon: neurotoxisch in hoher Konzentration, beim Beifuß nur in Spuren bis 0,3 %)
- Bitterstoffe: Sesquiterpenlactone (u. a. Vulgarin, Artemisinin-Vorstufen)
- Flavonoide (Luteolin, Apigenin und Glykoside), Cumarine (Umbelliferon)
- Gerbstoffe, Harz, Inulin, Vitamin C
- Die Wurzel enthält ätherisches Öl mit Camphor und Cineol sowie Bitterstoffe
Wirkungen
Innerlich:
- Bitter-tonisierend (Amarum): steigert Speichel-, Magensaft- und Gallensekretion, appetitanregend
- Spasmolytisch (krampflösend) an der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts, blähungslindernd (karminativ)
- Magenwirksam und verdauungsfördernd, harmonisiert die Verdauung
- Menstruationsfördernd (emenagog): regt die Durchblutung des kleinen Beckens an und mildert Unterleibskrämpfe
- Nervenberuhigend und leicht schlaffördernd (traditionelles “Schlafkraut”)
- Schweißtreibend bei fieberhaften Erkältungen (traditionell)
- Antihelminthisch (traditionell gegen Würmer)
- Antibakteriell und antimykotisch (ätherisches Öl)
Äußerlich:
- Traditionell als Zusatz zu Kräuterkissen bei Verspannungen und rheumatischen Beschwerden
- Fußbäder bei kalten Füßen (durchblutungsfördernd)
Indikationen
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Appetitlosigkeit, leichten dyspeptischen Beschwerden und Blähungen
- Kommission E: Appetitlosigkeit, Dyspepsie, Gallenbeschwerden, Menstruationsstörungen
- Menstruationsbeschwerden: Krämpfe, ausbleibende oder zu schwache Regelblutung (Hypomenorrhoe)
- Völlegefühl, Blähungen, Magenschwäche nach fettigen Mahlzeiten
- Nervöse Unruhe und Einschlafstörungen (traditionell)
Anwendungen
- Tee (Infus): 1 TL (ca. 1–1,5 g) Beifußkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Min. ziehen lassen, abseihen. 1 Tasse 30 Min. vor den Mahlzeiten bei Verdauungsbeschwerden; bei Menstruationsbeschwerden 2–3 Tassen täglich in der zweiten Zyklushälfte. Tagesdosis: 3–4 g Droge.
- Tinktur: Artemisiae vulgaris tinctura, 15–30 Tropfen 1–3-mal täglich vor den Mahlzeiten in etwas Wasser.
- Wurzeltee (Dekokt): 1 TL Wurzel in 150 ml Wasser 10 Min. kochen, bei nervöser Unruhe und Menstruationsstörungen.
[!WARNING] Thujon-Gehalt Beifuß enthält nur geringe Thujon-Mengen (weniger als Wermut), dennoch gilt: Schwangerschaft und Stillzeit sind absolute Kontraindikation (abortive Wirkung, Uteruskontraktion). Nicht länger als 3 Wochen ununterbrochen anwenden, danach Pause.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: In therapeutischer Dosierung selten; bei empfindlichen Personen Übelkeit. In sehr hohen Dosen und bei Dauereinnahme zentralnervöse Symptome (Thujon).
Gegenanzeigen:
- Schwangerschaft und Stillzeit — absolut kontraindiziert!
- Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Sekretionsförderung)
- Gallengangverschluss und akute Gallenblasenentzündung
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Beifuß oder andere Korbblütler (häufige Pollenallergie!)
- Kinder unter 12 Jahren (HMPC)
Kombinationen
- Mit Wermut, Enzian und Schafgarbe als Bitterdrogen-Kombination bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche
- Mit Kamille und Fenchel bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden
- Mit Schafgarbe, Frauenmantel und Gänsefingerkraut bei Menstruationsbeschwerden
- Mit Melisse und Baldrian bei nervös bedingten Verdauungsstörungen und Unruhe
- Mit Ingwer bei Völlegefühl und Übelkeit
Siehe auch
- Verdauungstropfen — Basis-Bitterdroge der Mischtinktur (mit Nelkenwurz und Ingwer in Obstessig)
- Magentropfen — Bitterstoff-Mischtinktur bei Magenbeschwerden
- Verdauungsstörungen — Indikationsseite Magen
- Menstruationsbeschwerden — Indikationsseite Frauenheilkunde
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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