Verdauungsstörungen

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Verdauungsstörungen (Funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)

Beschreibung

Unter Dyspepsie versteht man einen Sammelbegriff für unspezifische Verdauungsstörungen, Reizmagen oder funktionelle Magenbeschwerden – eine Reihe von Oberbauchbeschwerden ohne erkennbare organische Störung. Unterschieden wird eine “Non-ulcer-Dyspepsie”, die sich vor allem über Verdauungsstörungen äußert, von einer Dyspepsie vom Ulkustyp (mit Sodbrennen und Nüchternschmerz).

Symptome

  • Wiederkehrende oder chronische Magenschmerzen
  • Unklare Oberbauchbeschwerden mit Appetitlosigkeit
  • Völle- und Druckgefühl, Oberbauchkrämpfe, Unwohlsein
  • Übelkeit, Sodbrennen, Aufstoßen und Blähungen
  • Unregelmäßiger Stuhlgang

Halten solche Beschwerden länger als 1–2 Monate an oder treten sie wiederholt auf, spricht man von chronischer Dyspepsie/Reizmagen, worunter ca. 5–10 % der Bevölkerung leiden.

Phytotherapeutika: Bitterstoffdrogen (Amara)

Bei Verdauungsstörungen stehen Bitterstoffe ganz oben in der Rangfolge. Sie wirken sekretions- und verdauungsanregend, appetit- und gallefördernd.

Tab. 2.5: Phytotherapie bei funktionellen, chronischen Verdauungsstörungen, Dyspepsie, Reizmagen

Amara pura – reine Bittermittel

Im Vordergrund steht die allgemein tonisierende Bitterwirkung.

Pflanze Droge
Gelber Enzian Gentiana lutea, Gentianae radix
Löwenzahn Taraxacum officinale, Taraxaci radix cum herba
Tausendgüldenkraut Centaurium erythraea, Centaurii herba

Amara aromatica – aromatische Bittermittel

Bittermittel mit ätherischen Ölen und deren spezifischer Wirkung.

Pflanze Droge
Engelwurz Angelica archangelica, Angelicae radix
Kalmus Acorus calamus, Calami rhizoma
Schafgarbe Achillea millefolium, Millefolii herba
Wermut Artemisia absinthium, Absinthii herba

Amara acria – scharfe Bittermittel

Bittermittel mit Scharfstoffen und deren spezifischer Wirkung.

Pflanze Droge
Galgant Alpinia officinarum, Galangae rhizoma
Gelbwurz (Kurkuma) Curcuma longa, Curcumae rhizoma
Ingwer Zingiber officinale, Zingiberis rhizoma

Karminativa, Spasmolytika und Aromatika

Ergänzend kommen blähungstreibende Karminativa, krampflösende Spasmolytika und verdauungsfördernde Aromatika zum Einsatz:

  • Fenchel
  • Kamille
  • Kümmel
  • Lavendel
  • Wacholder
  • Zimt

Hinweise zu Bittermitteln (Amara)

  • Einnahme: Bei Appetitlosigkeit 15–30 Min. vor den Mahlzeiten einnehmen, das lockt die Verdauungssäfte, leitet die Verdauung ein und beugt somit Verdauungsstörungen vor. Bei bestehenden Verdauungsstörungen auch nach dem Essen einnehmen.
  • Die Bitterwirkung beginnt im Mund, deshalb nicht süßen und 1–2 Min. im Mund behalten.
  • Dosierung individuell: Jeder empfindet “bitter” anders: Es soll kräftig bitter schmecken, aber der Tee muss noch gut zu trinken sein. Unterdosierung: keine Wirkung; Überdosierung: gegenteilige Wirkung.
  • Bitterstoffe sind hitzeempfindlich: Nur überbrühen, nicht kochen. Kalte Zubereitungen sind bitterer und wirksamer.
  • Kontraindikationen für Bittermittel: Ulcus ventriculi und duodeni (v.a. für Drogen mit einem Bitterwert über 10 000).

Enzian

Wermut

Therapiekonzept Verdauungsstörungen (Funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt.

Tab. 2.6: Therapieziele

Beschwerdelinderung durch Antiemetika Beschwerdelinderung durch Spasmolytika Stabilisierung des vegetativen Nervensystems
Ingwer Therapiekonzept Reizdarm Sedativa
Pfefferminze Anxiolytika
Antidepressiva (ätherisches Lavendelöl, Baldrian, Johanniskraut, Passionsblume)
Bitterstoffdrogen
Dauer: 4–6 Wochen, symptomatisch nach Bedarf Dauer: 4–6 Wochen, symptomatisch nach Bedarf Dauer: mehrere Monate
Tees, Nahrungsergänzungsmittel Tees, Präparate, Auflagen Tees, Präparate

Beschwerdelinderung durch Antiemetika

Brechreizwidriger Tee

  • Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 40 g
  • Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzel) 40 g
  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g

M.D.S. 1 EL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Nahrungsergänzungsmittel

  • IngwerPURE: 15 Tr. in etwas Wasser einnehmen

Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

Teemischung bei nervösem Magen

  • Calami rhizoma (Kalmuswurzel) 30 g
  • Angelicae radix (Angelikawurzel) 20 g
  • Melissae folium (Melissenblätter) 20 g
  • Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale) 10 g
  • Lavandulae flos (Lavendelblüten) 10 g
  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 5 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1/4–1/2 Stunde vor den Mahlzeiten 1 Tasse trinken.

Magenkräftigung mit Bitterstofftinkturen

Die aufgeführten Tinkturen zur Magenkräftigung können einzeln oder im 4-wöchentlichen Wechsel über mehrere Monate gegeben werden. Sie werden 1/4–1/2 Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen.

Präparat Dosierung
Absinthium Urtinktur (Wermut) Ceres/DHU 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.
Angelica Urtinktur (Engelwurz) Ceres/DHU 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.
Calamus aromaticus Urtinktur (Kalmus) Ceres/DHU 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.
Centaurium erythraea Urtinktur (Tausendgüldenkraut) Ceres/DHU 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.
Condurango Urtinktur DHU 3-mal tägl. 3 bzw. 5 Tr.
Gentiana Urtinktur (Enzian) Ceres/DHU 3-mal tägl. 10 Tr.

Präparate zur Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Balsamischer Melissengeist Weleda Destillat aus Angelikawurzel, Koriander, Melisse, Muskatnuss, Zimtrinde, Zitronenöl Akut bis zu 5-mal tägl. 10–20 Tr., sonst 3-mal 20 Tr.
Dysto-loges Passiflora incarnata, Gelsemium D4, Reserpinum D6, Coffea D6, Veratrum D6 3-mal tägl. 1 Tabl. oder 3-mal tägl. 10 Tr.
Gastrovegetalin 225 mg Kapseln/Lösung Melisse 3-mal tägl. 1 Kps./3 ml
Tinctura aurantii DAB Pomeranzenschale 3-mal tägl. 20 Tr. in etwas Wasser

Weiterführende Therapiekonzepte

Rezepte und Querverweise

Zusammenfassung

Funktionelle Verdauungsstörungen (Dyspepsie, Reizmagen) sprechen besonders gut auf Bitterstoffdrogen an. Die Phytotherapie baut auf drei Säulen: (1) Symptomatische Beschwerdelinderung mit Antiemetika (Ingwer, Pfefferminze) und Spasmolytika (Kamille, Fenchel, Kümmel), (2) Anregung der Verdauungsfunktion durch Bitterstoffe (Amara pura: Enzian, Tausendgüldenkraut; Amara aromatica: Wermut, Engelwurz, Kalmus; Amara acria: Ingwer, Galgant), und (3) Stabilisierung des vegetativen Nervensystems mit Sedativa und nervenberuhigenden Heilpflanzen (Melisse, Lavendel, Baldrian, Johanniskraut). Die Bitterstofftherapie erfolgt idealerweise als mehrwöchige Kur mit Tinkturen, die 1/4–1/2 Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Ulcus ventriculi/duodeni sind starke Bittermittel (Bitterwert > 10 000) kontraindiziert.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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