Reizdarm

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Das Reizdarmsyndrom (RDS) – auch Reizkolon oder Colon irritabile – zählt zu den verbreitetsten Krankheitsbildern überhaupt. Es handelt sich um eine “funktionelle Störung des Darms ohne krankhaften Befund”. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Differential- beziehungsweise Ausschlussdiagnose:

  • Verdauungs-/Pankreasinsuffizienz
  • Darmerkrankungen
  • Leaky-gut-Syndrom

Symptomen-Trias

Typisch ist eine Symptomen-Trias aus:

  1. krampfartigen diffusen Bauchschmerzen
  2. Stuhlwechsel von Diarrhöe (mit Schleimbeimengung) zu Obstipation
  3. starken Blähungen und Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit

Fast schlagartig bessern sich die Beschwerden bei Nahrungsverzicht, also durch Fasten.

Ursachen

Wahrscheinlich spielen psychosomatische Faktoren, anhaltender Stress und eine Übererregbarkeit des vegetativen beziehungsweise enterischen Nervensystems eine Rolle; denkbar sind auch entzündliche Prozesse in der Darmschleimhaut, aus denen eine neuromuskuläre Dysfunktion im Darm resultieren kann. Der Schweregrad der Symptome steigt und fällt mit dem Stressniveau. Ungünstige Ernährungsgewohnheiten (zu viel, zu oft, zu hektisch, zu unregelmäßig) begünstigen das Erscheinungsbild.

Phytotherapeutika

Gearbeitet wird je nach vorherrschender Symptomatik; eine kausale Therapie existiert bislang nicht:

  • Sinnvoll sind eine gezielte Nahrungsumstellung, körperliche Bewegung (löst viele Verdauungsprobleme!) sowie Stressreduktion und Entspannungsübungen.
  • Bei Bauchkrämpfen sind feuchtwarme Auflagen auf den Unterbauch empfehlenswert, bevorzugt Heublumenauflagen.
  • Unerlässlich ist eine Darmsanierung (s. Darmsanierung).
  • Zur S3-Leitlinie gehört u.a. die Therapie mit Flohsamen, Pfefferminz- und Kümmelöl.
  • Die wichtigsten Arzneidrogen bei Reizdarm sind Kamille, Kümmel, Fenchel und Pfefferminze.
Gruppe Pflanzen Wirkungen Besonderheiten
Schleimdrogen/Quellstoffe Flohsamen, Leinsamen Stuhlregulierend; lindert laut klinischer Studien deutlich Schmerzen und Obstipation; reizlindernd, sowohl flüssigkeitsbindend als auch peristaltikanregend Besonders prädestiniert bei der Reizdarmproblematik
Krampflösende Drogen Gänsefingerkraut, Kamille Krampflösend, schmerzlindernd, entzündungshemmend
Blähungswidrige Drogen Fenchel, Kümmel, Kamille Blähungswidrig, entspannend
Verdauungs- und gallefördernde Drogen Artischocke, Galgant, Gelbwurz Fördern Verdauung und Gallefluss
Stimmungsaufhellende Drogen Johanniskraut Beeinflusst den bei Reizdarm häufig gestörten Serotoninspiegel positiv und reguliert zusätzlich eine gestörte Reizempfindlichkeit der Darmmuskulatur
Entspannende Drogen Baldrian, Hopfen, Passionsblume Beruhigend, vegetativ stabilisierend
Ätherisches Pfefferminzöl Pfefferminze Bei schmerzhaften Spasmen bzw. spastischer Obstipation (als Weichgelatinekapsel-Präparat, damit die Magenschleimhaut nicht gereizt und die Wirkung erst im betroffenen Darmabschnitt entfaltet wird). Reduziert zugleich auch Diarrhöe mit gesteigerter Peristaltik. Auf magensaftresistente Kapseln achten: Carmenthin (mit ätherischem Kümmelöl), Medacalm, Spasmo Gallo Sanol
Ätherisches Kümmelöl Kümmel Als 10%ige Einreibung
Indische Gelbwurz Kurkuma Erfasst mit ihren breit gefächerten Wirkungen die vielschichtige Reizdarmproblematik auf unterschiedlichen pathogenetischen Ebenen Verdauungsfördernd, entzündungshemmend, reizlindernd, entblähend, krampflösend, antioxidativ

Therapiekonzept Reizdarm

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt.

Regulation der Verdauung Stuhlregulation Stabilisierung des vegetativen Nervensystems Spasmolytika Evtl. Darmsanierung
Aromatika, Bitterstoffdrogen Flohsamen/Leinsamen, Myrrhe/Kamille/Kaffeekohle Gänsefingerkraut, Kamille, Fenchel, Melisse, Schafgarbe, Baldrian, Passionsblume, ätherisches Lavendelöl, Bitterstoffdrogen Antidepressiva: Johanniskraut Therapiekonzept Darmsanierung (s. Darmsanierung)
Dauer: Wochen bis Monate Dauer: Wochen bis Monate, evtl. als Dauertherapie Dauer: Wochen, symptomatisch nach Bedarf Dauer: Wochen, evtl. mehrere Monate

Teemischungen und Rezepte

Regulation der Verdauung

Verdauungsfördernde Teemischung:

  • Cnici benedicti herba (Benediktenkraut) 30 g
  • Juniperi fructus cont. (Wacholderbeeren, angestoßen) 20 g
  • Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 20 g
  • Melissae folium (Melissenblätter) 20 g
  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 10 g

M.D.S. 1 EL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

Nervenstärkende Teemischung:

  • Melissae folium (Melissenblätter) 20 g
  • Passiflorae herba (Passionsblumenkraut) 20 g
  • Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale) 20 g
  • Angelicae radix (Angelikawurzel) 20 g
  • Calami rhizoma (Kalmuswurzel) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 15 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.

Spasmolytika

Krampflösende Teemischung:

  • Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 30 g
  • Coriandri fructus cont. (Korianderfrüchte, angestoßen) 30 g
  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g
  • Cinnamomi cortex (Zimtrinde) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Präparate-Empfehlungen

Stuhlregulation

  • Flosa balance (Flohsamenschalen): 3-mal tägl. 1 Beutel oder Dosierlöffel
  • Flosine balance (Flohsamenschalen): 2-3-mal tägl. 5 g Granulat
  • Mucofalk Apfel/Fit/Orange Granulat (Flohsamenschalen): 2-3-mal tägl. 1-2 Beutel bzw. Messlöffel
  • Myrrhinil intest (Myrrhe, Kamille, Kaffeekohle): 3-mal tägl. 4 Drg.

Regulation der Verdauung (Bitterstoffe)

  • Amara Pascoe (Chinarinde, Enzianwurzel, Pomeranzenschale, Zimtrinde): 15-20 Tr. ½ Std. vor den Mahlzeiten
  • Bitter Elixier Wala (Enzian, Ingwer, Kalmus, Pfeffer, Wermut): 1-3-mal tägl. 1 EL Sirup mit Wasser vor den Mahlzeiten
  • Carvomin Verdauungstropfen (Angelikawurzel, Benediktenkraut, Pfefferminze): 1-4-mal tägl. 45-50 Tr. (ca. 2 ml) mit etwas Flüssigkeit vor oder nach den Mahlzeiten
  • Iberogast (Iberis amara, Angelikawurzel, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz): 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten

[!TIP] Praxistipp Je nach Indikation kommen folgende Einzeldrogen-Urtinkturen infrage:

  • Angelica archangelica Urtinktur (Engelwurz) DHU, Ceres: v.a. bei Kindern und nervösen Störungen
  • Artemisia absinthium Urtinktur (Wermut) DHU, Ceres: v.a. bei Appetitlosigkeit
  • Gentiana lutea Urtinktur (Enzian) DHU, Ceres: v.a. bei Schwächezuständen und Niedergeschlagenheit

Die Dosierung kann, je nach Hersteller und Art der Tinktur, variieren: nach dem HAB hergestellt: 3-mal tägl. 5-10 Tr. Von Urtinkturen: 3-mal tägl. 3-5 Tr. (Ceres).

Spasmolytika

  • Carmenthin (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl): 2-mal tägl. 1 Kps. 30 Min. vor dem Essen
  • Carminativum-Hetterich (Fenchel, Kamille, Kümmel, Pfefferminze, Pomeranzenschalen): Kinder: 3-mal tägl. 15-20 Tr., Erwachsene: 3-mal tägl. 30-40 Tr. Jeweils während oder nach den Mahlzeiten
  • Medacalm (ätherisches Pfefferminzöl): 3-mal tägl. 1 Kps. vor dem Essen
  • Millefolium Urtinktur (Schafgarbe) Ceres: 3-mal tägl. 3-5 Tr. nach dem Essen
  • Pascoventral (Kamille, Kümmel, Pfefferminze): Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-mal tägl. 2 ml nach oder zwischen den Mahlzeiten
  • Potentilla anserina Urtinktur (Gänsefingerkraut) DHU: 3-mal tägl. 10 Tr.
  • Spasmo Gallo Sanol (ätherisches Pfefferminzöl): 3-mal tägl. 1-2 Kps.

Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

  • Balsamischer Melissengeist Weleda (Destillat aus Angelikawurzel, Koriander, Melisse, Muskatnuss, Zimtrinde, Zitronenöl): 3-mal 20 Tr., akut bis zu 5-mal tägl. 10-20 Tr.
  • Dysto-loges (Passiflora incarnata, Gelsemium D4, Reserpinum D6, Coffea D6, Veratrum D6): 3-mal tägl. 1 Tabl. oder 3-mal tägl. 10 Tr.
  • Gastrovegetalin 225 mg Kapseln/Lösung (Melisse): 3-mal tägl. 1 Kps./3 ml

Auflagen

Schafgarben-Bauchwickel (siehe Verstopfung) und Heublumenauflagen auf den Unterbauch bei Bauchkrämpfen.

Weiterführende Themen

  • Therapiekonzept Verdauungsstörungen (funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)
  • Therapiekonzept depressive Verstimmungen und Ängste
  • Therapiekonzept nervöse Unruhezustände und Schlafstörungen
  • Therapiekonzept Erschöpfung und Burn-out

Verwandte Themen

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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