Verstopfung
Beschreibung
Die Obstipation – im Alltag Verstopfung genannt – bezeichnet eine Funktionsstörung des Dickdarms: Der Stuhlgang fällt schwer aus, ist mitunter schmerzhaft, die Stuhlfrequenz gering und die Konsistenz hart. Gelegentlich trifft dies bis zu 50 % der Erwachsenen; auch Kinder sind betroffen.
Als chronisch gilt die Verstopfung, wenn die Stuhlfrequenz über mindestens 12 Wochen unter 2-mal/Woche liegt. Durch die verlängerte Verweildauer gelangen ausgeschiedene Giftstoffe teilweise wieder zurück in den Körper. Diese Art “Selbstvergiftung” kann chronische Kopfschmerzen und weitere Erkrankungen begünstigen, ebenso die Entstehung von Hämorrhoiden. Eine chronische Verstopfung gehört in ärztliche Abklärung und sollte auf jeden Fall behandelt werden.
Symptome
- Stuhlentleerung zu selten, schmerzhaft oder unvollständig, oft nur unter starkem Pressen erfolgreich
- harter, zu trockener, klumpiger Stuhl
- oft verbunden mit weiteren Symptomen wie Blähungen, Krämpfen, Bauchschmerzen
Ursachen
Akute Verstopfung: Sie tritt bevorzugt auf Reisen, im Rahmen von Erkrankungen, bei Aufregung oder nach Ernährungsumstellungen auf; meist harmlos und oft nicht behandlungsbedürftig.
[!WARNING] Beachte Tritt die Verstopfung akut auf, verändert sich das Stuhlverhalten plötzlich oder finden sich Blut im Stuhl und Gewichtsverlust, muss dringend abgeklärt werden. Zu bedenken ist ein möglicher kolorektaler Tumor.
Chronische Verstopfung:
- konstitutionelle Veranlagung
- Fehlernährung, Flüssigkeitsmangel, Bewegungsmangel
- Laxanzienabusus (30 % der Deutschen), Medikamente (Opiate, Antazida, Antidepressiva)
- Adipositas, Hämorrhoiden, Hypothyreose, Reizdarm, Tumoren, psychosomatische Faktoren, Stress
[!TIP] Praxistipp Bei chronischer Verstopfung sollte auf ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und Trinkmenge geachtet werden.
Phytotherapeutika
| Drogenklasse | Wirkprinzip | Vertretene Pflanzen | Anwendungsdetails |
|---|---|---|---|
| Anthranoiddrogen (Laxanzien) | Reizen die Darmschleimhaut, regen somit die Peristaltik an; verkürzte Verweildauer und erleichterte Stuhlabgabe; halten Darminhalt flüssig, indem mehr Wasser ins Darmlumen gelangt (erhöhen Sekretion von Wasser/Elektrolyten in den Darm); hemmen zugleich die Resorption von Flüssigkeit aus dem Dickdarm → mehr Wasser im Darm → keine Stuhlverfestigung → Volumenzunahme → verstärkter Füllungsdruck und Dehnungsreiz → steigert reflektorisch die Kontraktion | Aloe, Faulbaum, Rhabarber, Senna | Kurzfristig (8-10 Tage) einsetzen: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Am verträglichsten: Rhabarberwurzeln, Faulbaumrinde. Am stärksten wirksam: Aloeextrakte. Am beliebtesten: Sennesblätter/-früchte |
| Bitterstoffdrogen/Cholagoga | Regt durch aktivierte Verdauungstätigkeit die Darmtätigkeit und die Stuhlentleerung an | Gelber Enzian, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut, Wermut u.a. | Vor und nach dem Essen einnehmen. Lebensmittel: Chicorée, Endivie, Radicchio. Gewürzkräuter: Beifuß, Bohnenkraut, Rosmarin, Salbei, Thymian |
| Osmotisch wirksame Zucker | Binden Flüssigkeit (deshalb mit viel zusätzlicher Flüssigkeit einnehmen); verhindern Eindickung des Stuhls; das vergrößerte Darmvolumen regt Stuhlreiz an | Feigen, Manna, Pflaumen | |
| Quellstoffdrogen | Quellen unter Aufnahme von Wasser auf ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens im Darm auf; vergrößern dadurch das Darmvolumen und erhöhen den Füllungsdruck: Dehnungsreiz durch Darmwanddehnung setzt reflektorisch die Defäkation in Gang | Flohsamen/-schalen, Leinsamen | Mittel erster Wahl, weil als alleinige Therapie und für Langzeitanwendung geeignet. Sind gleichzeitig Gleitmittel, erzeugen weichen Stuhl, entzündungshemmend, schützen Schleimhaut vor Reizung, adsorbieren Bakterientoxine/Karzinogene, sanieren Darmflora. Beachte: mit viel zusätzlicher Flüssigkeit (1:10) einnehmen, sonst wird die Verstopfung verstärkt! |
Pflanzenporträts
Therapiekonzept chronische Verstopfung
Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt.
| Anregung der Darmperistaltik (kurzfristig) | Anregung der Darmperistaltik (langfristig) | Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen | Bei spastischer Obstipation: Spasmolytika | Evtl. Darmsanierung |
|---|---|---|---|---|
| Anthranoide | Quelldrogen | Bitterstoffe (s. Therapiekonzept Blähungen) | Gänsefingerkraut | Therapiekonzept Darmsanierung (s. Darmsanierung) |
| Kamille, Fenchel, Melisse, Schafgarbe | ||||
| Zahnstocher-Ammei/Khella* | ||||
| Dauer: Kurzfristig: maximal 8-10 Tage | Dauer: Langfristig: Monate bis dauerhaft | Dauer: 4-6 Wochen; regelmäßig über die Ernährung (bitterstoffreiches Gemüse/Obst) | Dauer: 4-6 Wochen | Dauer: 4-6 Wochen, evtl. mehrere Monate |
*Trotz Negativ-Monografie durch die Kommission E eine bewährte und ausschließlich in Präparaten enthaltene Heilpflanze, die bei Berücksichtigung der Einnahmevorschriften ein überschaubares Nebenwirkungsprofil hat.
Teemischungen und Rezepte
Anregung der Darmperistaltik: kurzfristige Darmentleerung
Mild abführende Teemischung:
- Sennae folium (Sennesblätter) 25 g
- Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 25 g
- Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 25 g
- Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 25 g
M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Abends 1 Tasse trinken.
Kräftig abführende Teemischung:
- Frangulae cortex (Faulbaumrinde) 25 g
- Sennae folium (Sennesblätter) 25 g
- Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angestoßen) 25 g
- Matricariae flos (Kamillenblüten) 25 g
M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Abends 1 Tasse trinken.
[!WARNING] Beachte Die kurzfristige Anregung der Darmperistaltik nicht länger als 1 Woche einnehmen. Die Dosierung so wählen, dass der Stuhl weich, aber nicht flüssig wird. Die Wirkung tritt nach 8-12 Std. ein, daher abends einnehmen.
Anregung der Darmperistaltik: langfristige Therapie
- Flohsamenschalen (Apotheke, Reformhaus, Bioladen): 3-mal tägl. 1 TL in 150 ml Wasser einrühren und zügig trinken, zwischen den Mahlzeiten einnehmen
- Leinsamen (z.B. Linusit Leinsamen gold): 3-mal tägl. 1 EL mit 150 ml Wasser zwischen den Mahlzeiten einnehmen
- Trockenobst: 2-3 Backpflaumen, Feigen oder Aprikosen über Nacht einweichen, morgens in Müsli oder Joghurt einnehmen
Krampflösende Teemischung (Spasmolytika)
Krampflösende Teemischung für Erwachsene:
- Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 30 g
- Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g
- Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 20 g
- Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 20 g
- Absinthii herba (Wermutkraut) 10 g
M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.
Krampflösende Teemischung für Kinder:
- Melissae folium (Melissenblätter) 40 g
- Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 40 g
- Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 20 g
M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.
Auflagen
Schafgarben-Bauchwickel: Vier Esslöffel Schafgarbenkraut mit 1 l heißem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Min. ziehen lassen, dann abgießen. Ein Leinen- oder Baumwolltuch auf die gewünschte Größe falten (es sollte den ganzen Bauch bedecken) und in einer Schüssel mit dem heißen Tee übergießen. Auswringen, bis es nicht mehr tropft, und dann direkt auf den Bauch legen. Das Tuch mit einem Frotteehandtuch und anschließend mit einem Wolltuch abdecken. Achten Sie darauf, dass die Tücher fest am Körper anliegen. Zur Unterstützung kann eine leicht gefüllte und entlüftete Wärmflasche aufgelegt werden. Dauer: 20-30 Min.
Präparate-Empfehlungen
Kurzfristig (Anthranoide)
- Agiolax Granulat (Senna, Flohsamen): abends 1-2 Messlöffel
- Alasenn Kräutergranulat (Senna): abends 1-2 Messlöffel
- Kräuterlax Dr. Henk (Aloe, 15 mg): abends 1-2 Messlöffel oder ½-1 Würfel
- Midro Tabletten (Senna): abends 1-4 Tabl.
- Neda (Senna): abends ½-1 Würfel
- Cascara (Amerikanischer Faulbaum): abends 30 Tr.
Langfristig (Quelldrogen)
- Agiolax mite (Flohsamen und -schalen): Kinder ab 6 Jahren: 1 TL und bei Bedarf zusätzlich 1 TL vor dem oder zum Frühstück; Erwachsene: abends nach dem Essen (spätestens 1 Std. vor dem Zubettgehen) 2 TL und bei Bedarf zusätzlich 1-2 TL vor dem oder zum Frühstück
- Flosa balance (Flohsamenschalen): 3-mal tägl. 1 Beutel oder Dosierlöffel
- Flosine balance (Flohsamenschalen): 2-3-mal tägl. 5 g Granulat
- Mucofalk Apfel/Fit/Orange Granulat (Flohsamenschalen): 2-3-mal tägl. 1-2 Beutel bzw. Messlöffel
- Pascomucil (Flohsamenschalen, Milchzucker): Kinder von 6-11 Jahren: 2-3 gestrichene Messlöffel; Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-4 gestrichene Messlöffel jeweils auf 2-3 Gaben über den Tag verteilt
Nahrungsergänzungsmittel
- Darmaktiv Portionsbeutel (Leinsamen): 2-3-mal tägl. 1 Beutel
- Manna Feigen (mit Feigen, Datteln, Pflaume): Kinder 20-30 ml, Erwachsene 30-60 ml morgens oder abends einnehmen. Dosierung nach Packungsangabe.
Spasmolytika (Präparate)
- Cefaspasmon (Ammi visnaga Urtinktur, Atropinum sulfuricum D4, Podophyllum peltatum D4, Chamomilla recutita D1): Akute Zustände: alle ½-1 Stunde, höchstens 6-mal tägl., je 5 Tr.; chronische Verlaufsformen: 1-3-mal tägl. 5 Tr.
- Millefolium Urtinktur (Schafgarbe) Ceres: 3-mal tägl. 3-5 Tr. nach dem Essen
- Potentilla anserina Urtinktur (Gänsefingerkraut) DHU: 3-mal tägl. 10 Tr.