Faulbaum

pflanzenprofilpflanzefrangula alnus
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Faulbaum (Frangula alnus)

Botanische Bezeichnung: Frangulae cortex, Rhamnaceae

Inhaltsstoffe

  • 3–7 % Anthranoide (1,8-Dihydroxyanthracen-Derivate), hauptsächlich als Glucofranguline (A und B, ca. 2–6 %) sowie Franguline (A und B) und die Aglyka Frangulaemodin (Emodin) und Chrysophanol
  • Gerbstoffe (ca. 3–5 %)
  • Flavonoide (Flavonolglykoside), etwas freies Anthrachinon
  • Naphthohydrochinonglykoside

[!NOTE] Wichtig Die Rinde muss vor der Anwendung mindestens 1 Jahr gelagert oder künstlich gealtert (bei 100 °C, 1–2 Std.) werden! Frische Rinde enthält Anthrone (reduzierte Form der Anthrachinone), die starke Magen-Darm-Reizungen und heftiges Erbrechen auslösen. Beim Lagern oxidieren diese zu den verträglicheren Anthrachinonen.

Wirkungen

Innerlich:

  • Abführend (stimulierendes Laxans) — Anthranoide hemmen die Wasser- und Elektrolytresorption im Dickdarm und fördern die aktive Chloridsekretion, was zu erhöhtem Flüssigkeitseinstrom in das Darmlumen führt und die Peristaltik anregt
  • Wirkungseintritt nach 8–12 Std. (deshalb abends einnehmen)
  • Verursacht vergleichsweise wenig Darmkrämpfe im Vergleich zu anderen Anthranoid-Drogen (z.B. Sennesblätter)
  • Wirkung setzt langsamer und milder ein als bei anderen Anthranoiddrogen

Indikationen

  • HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur kurzzeitigen Anwendung bei gelegentlicher Verstopfung
  • ESCOP: Kurzzeitbehandlung der gelegentlichen Verstopfung
  • Verstopfung, bei der eine leichte Defäkation erwünscht ist, z.B. bei Hämorrhoiden, Analfissuren und nach rektal-analen Operationen
  • Chronische Obstipation: verursacht vergleichsweise wenig Darmkrämpfe
  • Stuhlregulierung bei bettlägerigen und immobilen Patienten

Anwendungen

  • Dekokt (Tee): 1 TL (ca. 0,5–3 g) geschnittene, gelagerte Rinde in 250 ml kaltem Wasser ansetzen, zum Kochen bringen, 10–15 Min. leicht köcheln lassen, vom Herd nehmen und noch 10 Min. ziehen lassen, dann abgießen. 1 Tasse abends vor dem Schlafengehen trinken (Wirkung am nächsten Morgen). Tagesdosis als Droge: 0,5–2,5 g (Rinde). Die geringste individuell erforderliche Dosis zur Erzielung eines weich geformten Stuhls ist anzustreben.
  • Kaltwasserauszug (Mazerat): 2 g Rinde in 150 ml kaltem Wasser 6–8 Std. ziehen lassen, abseihen und abends trinken (schwächere Wirkung, besser verträglich).
  • Fertigarzneimittel: Kapseln, Tabletten, Tropfen (standardisiert auf Glucofrangulin-Gehalt), z.B. Tagesdosis von 20–30 mg Hydroxyanthracen-Derivaten.
  • Wichtig zur Anwendungsdauer: Maximal 1 (bis 2) Wochen anwenden! Längerfristige Anwendung (> 1–2 Wochen) nur unter ärztlicher Aufsicht. Bei längerer Anwendung besteht die Gefahr von Elektrolytverlusten (v.a. Kalium), Darmträgheit (Gewöhnungsgefahr) und Pseudomelanosis coli.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: Selten Magen-Darm-Krämpfe bzw. Koliken (individuelle Disposition). Bei chronischem Gebrauch/Missbrauch: Elektrolytverluste (Hypokaliämie), Albuminurie, Hämaturie, kardiale Komplikationen (durch Kalium-Mangel), Darmträgheit und Verstärkung der Obstipation bei Absetzen.

Gegenanzeigen:

  • Ileus, Darmverschluss und Darmstenosen (Strikturen)
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis)
  • Akute abdominale Schmerzen unklarer Genese
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder unter 12 Jahren (einige Quellen: unter 10 Jahren)
  • Schwere Dehydratation und Elektrolytstörungen
  • Gleichzeitige Einnahme von Herzglykosiden, Diuretika oder Kortikosteroiden erhöht das Risiko für Kaliumverlust (Cave: Hypokaliämie verstärkt Wirkung von Herzglykosiden)

Kombinationen

  • Mit Leinsamen oder Flohsamen bei chronischer Obstipation (Kombination aus Quellstoff und mildem Stimulans)
  • Mit Fenchel oder Kümmel zur Reduktion möglicher Darmkrämpfe (karminative Beidroge)
  • Mit Melisse und Kamille als beruhigende Komponenten bei spastischer Obstipation
  • Mit anderen Quell- und Füllstoffen (Weizenkleie, Pektin) zur Stuhlregulierung
  • Nicht kombinieren mit anderen Anthranoid-Drogen (Sennesblätter, Cascararinde, Aloe) — additive Toxizität und verstärkter Kaliumverlust!

Siehe auch

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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