Lebererkrankungen (Hepatopathie)
Beschreibung
Fettleber (Steatosis hepatis)
Die Fettleber ist die am weitesten verbreitete Lebererkrankung, von der etwa 20 % der Bevölkerung betroffen sind. Die überlastete Leber kann ihre Stoffwechselaufgaben nicht mehr bewältigen: Die Nahrungsfette lassen sich nicht mehr vollständig abbauen und werden vermehrt als Speicherfett eingelagert. Übermäßiger Alkohol blockiert zudem den Fettabbau im Organ.
Hepatitis
Bei den entzündlichen Lebererkrankungen ist die akute Virushepatitis von der chronischen Hepatitis zu unterscheiden. Erstere verläuft grippeähnlich mit Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichtem Fieber. Letztere entsteht, wenn ein dauerhafter schädigender Reiz auf das Lebergewebe einwirkt – etwa durch Viren, Alkohol, Medikamente oder Stoffwechselerkrankungen.
Leberzirrhose
Bei 20 bis 30 % der Hepatitis-C-Patienten kommt es im Verlauf zu einer Zirrhose. Eine dauerhafte antifibrotische Behandlung mit Mariendistel vermag die Entstehung einer Zirrhose ohne Nebenwirkungen zu verhindern oder zu verlangsamen.
Symptome
Betroffene fühlen sich meist müde, kraftlos und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt: Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber. Eine beginnende Leberschädigung äußert sich zunächst nur über ein allgemeines Schwächegefühl mit Verdauungsbeschwerden:
- Plötzlich auftretende Abneigung gegen Fett
- Oberbauchbeschwerden mit Völlegefühl
- Übelkeit, Blähungen und Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen
Ursachen
Erkrankungen des größten Entgiftungsorgans gehen überwiegend auf schädigende Substanzen zurück, die das Leberparenchym auf Dauer belasten:
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Überreichliche Ernährung (Fett, Eiweiß)
- Umweltgifte
- Medikamente (z. B. Schmerz- und Rheumamittel, trizyklische Antidepressiva, Zytostatika)
- Infektionen mit Bakterien oder Viren (Virushepatitiden)
Phytotherapeutika
Tab. 3.2: Phytotherapie bei Hepatopathien
| Pflanze | Wirkungen |
|---|---|
| Artischocke | Antihepatotoxisch und hepatoprotektiv (schützt die Leberzellmembran vor exogenen Noxen); leberregenerierend (fördert Wachstum und Wiederherstellung geschädigter Leberzellen, stimuliert die Teilung der Hepatozyten); antioxidativ; gallenflussfördernd, verdauungsanregend, antiemetisch; senkt Lipide und Triglyzeride |
| Löwenzahn | Hepatoprotektiv; antioxidativ; verdauungs- und gallefördernd, lipidregulierend; antibakteriell, laut neueren Untersuchungen antiviral gegen Hepatitis-B-Viren |
| Mariendistel | Wichtigste Leberheilpflanze; schützt die Leberzellen; antioxidativ; antifibrotisch (verhindert oder verlangsamt die Zirrhose-Entwicklung bei Hepatitis C) |
| Schafgarbe | Hepatoprotektiv, antihepatotoxisch; unterstützt die Leberfunktion; Schafgarben-Leberwickel: entlastet und regt Leberfunktion und -stoffwechsel an |
| Sojaphospholipide | Hepatoprotektiv (durch beschleunigte Regeneration und Stabilisierung der Zellmembranen geschädigter Leberzellen); lipidsenkend, antioxidativ; antifibrotisch |
Wirkprinzipien
Hepatoprotektiva sind Arzneidrogen, die der Leber ausdrücklich Schutz bieten: Sie wirken antihepatotoxisch, antioxidativ, zellprotektiv und fördern die Regeneration des Organs.
Cholagoga (gallefördernde Mittel) haben in jeder Lebertherapie einen festen Platz, denn sie sichern den Abfluss der Galle und verhindern so einen Rückstau in die Leber.
Radikalfänger übernehmen den antioxidativen Schutz der Zellen.
Einzelwirkungen im Überblick
- Mildern Völlegefühl und Oberbauchschmerzen bei nachlassender Leberfunktion
- Wirken der nachlassenden Leistungsfähigkeit entgegen
- Beugen Leberschäden vor und verkürzen die Krankheitsdauer
- Beugen dem fibrotischen Umbau der Leberzellen vor
Pflanzenporträts
Mariendistel
Gelbwurz
Therapiekonzept Hepatopathie
Sämtliche Therapieschritte werden gleichzeitig umgesetzt.
Tab. 3.3: Therapieziele
1. Unterstützung der Leberfunktion / Leberschutz und -regeneration
- Mariendistel
- Artischocke
- Gelbwurz
- Schafgarbe
- Sojaphospholipide
Dauer: mindestens 6 Monate
2. Begleittherapie
- Adaptogene – Therapiekonzept Erschöpfung (siehe Nervensystem)
- Karminativa – Therapiekonzept Blähungen
- Bitterstoffe – Therapiekonzept Reizdarm
3. Naturheilkundliche Begleitmaßnahmen
- Schädigende Noxe identifizieren und möglichst ausschalten
- Bei einer Dyspepsie entsteht Fuselalkohol – dann muss die vorbelastete Leber doppelte Entgiftungsarbeit leisten
- Auf eine gesunde Darmflora achten (siehe Darmsanierung)
- Zur Ausheilung einer Fettleber auf Alkohol vollständig verzichten (auch auf alkoholische Arzneipräparate!)
- Regelmäßige „Entgiftungskuren", idealerweise vorbeugend als Frühjahrskur
- Heil- oder Saftfasten normalisiert bei Fettleber erstaunlich schnell die Leberwerte; gefastet wird nur unter „Mariendistel-Leberschutz", damit sich die Leber nicht durch eine kurzfristige Überlastung schädigt
- Unterstützend wirken Heublumenbäder, Kartoffelauflagen oder Schafgarbenauflagen
- Die intensive Durchwärmung steigert Durchblutung und Stoffwechsel der Leber und lindert rasch und spürbar das lästige Völlegefühl bei chronischen Lebererkrankungen
Teemischungen und Rezepte
Lebertee bei dyspeptischen Beschwerden
| Droge | Menge |
|---|---|
| Taraxaci herba cum radice (Löwenzahnkraut mit -wurzel) | 30 g |
| Cnici benedicti herba (Benediktenkraut) | 20 g |
| Salviae folium (Salbeiblätter) | 20 g |
| Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angequetscht) | 20 g |
| Calendulae flos (Ringelblumenblüten) | 20 g |
Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich eine Tasse trinken.
Tee bei Blähungen und Verstopfung
| Droge | Menge |
|---|---|
| Cynarae folium (Artischockenblätter) | 30 g |
| Foeniculi fruct. cont. (Fenchelfrüchte, angequetscht) | 20 g |
| Frangulae cortex (Faulbaumrinde) | 20 g |
| Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) | 10 g |
| Melissae folium (Melissenblätter) | 10 g |
| Lavandulae flos (Lavendelblüten) | 10 g |
Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich eine Tasse trinken.
Schafgarben-Leberwickel
Teezubereitung: 6 Esslöffel Schafgarbenblüten mit ¼ Liter heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und in eine Schüssel abgießen.
Anwendung:
- Ein Leinentuch in „Lebergröße" zusammenlegen
- Mit einem größeren Leinentuch (Auswringtuch) umhüllen und zu einer Rolle wickeln
- An den langen Enden fassen und die Mitte der Rolle in den Tee tauchen, vollsaugen lassen und kräftig auswringen: Je trockener das Innentuch ausgewrungen ist, desto heißer wird es auf der Leber vertragen und desto besser speichert es die Wärme
- Den Wickel vorsichtig über der Leber anlegen (vorher prüfen, ob er nicht zu heiß ist!)
- Mit einem größeren Außentuch und einem langen Wollschal, der um die Bauchpartie gelegt wird, straff fixieren – Kältebrücken sind zu vermeiden
- So lange liegen lassen, wie es angenehm ist (ca. 15 Min.), danach die feuchten Tücher abnehmen, den Wollschal belassen und mindestens ebenso lange nachruhen (15–30 Min.)
- Auf Wunsch unterstützt eine (nur dünn gefüllte) Wärmflasche Wärme und Entspannung
Dauer: 1–3 Wochen lang 1-mal täglich anwenden.
Präparate
Leberschutz und Regeneration
| Präparat | Wirkstoffpflanze | Dosierung |
|---|---|---|
| Legalon 156 mg | Mariendistel | 2-mal tägl. 1 Kps. |
| Silicur | Mariendistel | 2–3-mal tägl. 1 Kps. |
| Cynacur | Artischocke | 3–4-mal tägl. 1 Drg. |
| Artischocke (versch. Hersteller) | Artischocke | 3-mal tägl. 1–2 Kps. |
| Curcu-Truw | Gelbwurz | 2-mal tägl. 1 Drg. |
| Lipostabil 300 | Sojaphospholipide | 2-mal tägl. 1 Tbl. |
| Buer Lecithin | Lecithin | 2–3-mal tägl. |
Nahrungsergänzungsmittel
| Präparat | Wirkstoffpflanze | Dosierung |
|---|---|---|
| Artischocke Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger | Artischocke | 3-mal tägl. 10 ml nach den Mahlzeiten |
| Curcuflex | Gelbwurz | 2-mal tägl. 3 Kps. |
| Curcumin-loges | Gelbwurz | 2-mal tägl. 1 Kps. |
| Curcumin Extrakt 45 Dr. Wolz | Gelbwurz | 3-mal tägl. 1 Kps. |
| Curcusol | Gelbwurz | 2-mal tägl. 1 Kps. |
Beschwerdelinderung bei Begleitsymptomen
| Präparat | Zusammensetzung | Dosierung |
|---|---|---|
| Amara-Pascoe | Chinarinde, Enzianwurzel, Pomeranzenschale, Zimtrinde | 15–20 Tr. ½ Std. vor den Mahlzeiten |
| Ardey-aktiv Pastillen | Ginseng | 3-mal tägl. 1 Tabl. |
| Bitter-Elixier Wala | Enzian, Ingwer, Kalmus, Pfeffer, Wermut | 1–3-mal tägl. 1 EL mit Wasser vor den Mahlzeiten |
| Carminativum-Hetterich | Fenchel, Kamille, Kümmel, Pfefferminze, Pomeranzenschalen | 3-mal tägl. 30–40 Tr. während/nach den Mahlzeiten |
| Carvomin Verdauungstropfen | Angelikawurzel, Benediktenkraut, Pfefferminze | 1–4-mal tägl. 45–50 Tr. (ca. 2 ml) |
| Eleu Curarina | Taigawurzel | 2-mal tägl. 30 Tr. |
| Eleu-Kokk | Taigawurzel | 2-mal tägl. 1 Tbl. |
| Ginsana G115 | Ginseng | 1-mal tägl. 2–4 Kps. |
| Ginseng Curarina | Ginseng | 2-mal tägl. 2 Kps. |
| Ginseng SL | Ginseng | 2-mal tägl. 1–2 Kps. |
| Iberogast | Iberis amara, Angelikawurzel, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz | 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten |
| Orgaplasma | Ginseng | 2-mal tägl. 2 Tbl. |
| Pascoventral | Kamille, Kümmel, Pfefferminze | 3-mal tägl. 2 ml nach oder zwischen den Mahlzeiten |
| Vitango | Rosenwurz | morgens und mittags je 1 Kps. ½ Std. vor den Mahlzeiten |
Hinweise
- Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung ärztliche Diagnostik einleiten (Laborwerte, Sonographie)
- Während der Therapie auf Alkohol vollständig verzichten – auch in alkoholischen Präparaten
- Die Phytotherapie der Lebererkrankungen ist eine Begleittherapie über mindestens 6 Monate
- Alkoholische Arzneipräparate (Tinkturen) bei aktiver Lebererkrankung meiden; stattdessen auf Tees, Presssäfte oder Fertigpräparate ausweichen
- Leberbelastende Medikamente (NSAR, Zytostatika u. ä.) nur nach Rücksprache mit dem Arzt absetzen
Zusammenfassung
Die Phytotherapie der Hepatopathien stützt sich auf drei Säulen: Hepatoprotektion (Mariendistel, Artischocke, Sojaphospholipide), cholagoge Unterstützung (Gelbwurz, Löwenzahn, Schafgarbe) sowie allgemeine Stoffwechselanregung durch Bitterstoffe (Amara). Die Behandlung ist auf lange Sicht angelegt (mindestens 6 Monate) und wird durch diätetische Maßnahmen (Alkoholverzicht, gesunde Darmflora) sowie physikalische Anwendungen wie den Leberwickel ergänzt. Die Mariendistel gilt als wichtigste Leberheilpflanze mit belegter antifibrotischer und regenerativer Wirkung – besonders in der Begleittherapie der Hepatitis C, bei der sie die Zirrhoseentwicklung hinauszögert.