Gallenbeschwerden

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Funktionelle Gallenerkrankungen und Reizgalle

Die Verdauung funktioniert nur als enges Zusammenspiel vieler Komponenten: Magen, Darm, Galle, Leber und Bauchspeicheldrüse sind ebenso beteiligt wie hormonelle und vegetative Einflüsse.

Bei der cholagogen Dyspepsie handelt es sich um eine Verdauungsstörung, die von Gallenbeschwerden begleitet wird – kennzeichnend ist vor allem die mangelhafte Verträglichkeit von Fett. Sie entspricht einer funktionellen Dyspepsie und tritt gehäuft nach fettreichen Speisen, Hülsenfrüchten oder Kaffee auf. Typische Symptome sind Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen und Appetitlosigkeit, mitunter auch Fettstühle.

Die Gallenwegsdyskinesie zeigt sich als Krampfzustand des Gallengangsystems: Die Beschwerden reichen von unbestimmten Schmerzen im Oberbauch bis zu kolikartigen Anfällen, die sich rechts im Bereich der Gallengegend ausbreiten und in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen können. Ein organischer Befund liegt häufig nicht vor; die Symptome können sich über Jahre hinziehen.

Immer wiederkehrende, geringfügige Entzündungen der Gallenblase können auf Dauer eine Schrumpfung des Organs bewirken. Die Folge: Galle lässt sich kaum noch oder gar nicht mehr speichern.

Cholezystitis und Cholelithiasis

Liegt die Gallenflüssigkeit in erhöhter Konzentration vor, können sich die Gallenwege verkrampfen und verengen; daraus resultiert die Bildung von Steinen mit anschließender Entzündung. Eine akute Entzündung der Gallenblase oder des Gallengangs stellt eine Kontraindikation für Cholagoga dar.

Postcholezystektomiesyndrom

Wurde die Gallenblase entfernt, kommt es wegen der reduzierten Gallenbildung häufig zu Verdauungsstörungen – dem Postcholezystektomiesyndrom. Diese lassen sich in der Regel allein über eine angepasste Diät behandeln.

Was funktionellen Gallenbeschwerden zugrunde liegt

  • Störungen der Muskulatur des Gallengangsystems und/oder des Sphincter Oddii mit beeinträchtigter Abgabe des Gallensekrets in den Zwölffingerdarm: Reizgalle (Dyskinesie der Gallenwege)
  • Zu stark konzentrierte Gallenflüssigkeit
  • Ernährungsfehler, die das Gallensystem überfordern

Phytotherapeutika: Cholagoga

Tab. 3.4: Phytotherapie bei funktionellen Gallebeschwerden

Cholagoga (Gallemittel) wirken dreifach:

  • Cholagog: verstärkt den Gallenfluss
  • Choleretisch: regt die Gallenproduktion in der Leber an
  • Cholezystokinetisch: fördert die Entleerung der Gallenblase

Welche dieser Teilwirkungen jeweils im Vordergrund steht, lässt sich kaum trennscharf bestimmen und spielt für die Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Die meisten Cholagoga gehören zu den Bitterstoffdrogen. Je nach Art und Zusammensetzung übernehmen sie darüber hinaus krampflösende, blähungstreibende und entzündungshemmende Aufgaben.

Cholagoga je nach Beschwerdebild

Symptomatik Pflanzen
Leichte Gallenkolik Erdrauch, Kamille, Pfefferminze
Blähungen Artischocke, Galgant, Karminativa
Roemheld-Syndrom Pfefferminze
Übelkeit/Erbrechen Wermut, Artischocke, Ingwer
Steinprophylaxe Bitterstoffdrogen
Cholesterinsenkung Artischocke, Erdrauch
Postcholezystektomiesyndrom Bitterstoffdrogen
Chronische Gallenerkrankungen Bitterstoffdrogen

Anwendungsgebiete der Cholagoga

  • Funktionelle Verdauungsbeschwerden
  • Reizgalle, krampfartige Beschwerden im Gallenbereich
  • Fettunverträglichkeiten
  • Postcholezystektomiesyndrom (Zustand nach Gallenblasenentfernung)
  • Steinprophylaxe
  • Cholesterinsenkung
  • Chronische Erkrankungen von Gallenblase oder Gallenwegen
  • Bei Diätfehlern (alleinige Therapie ausreichend)
  • Ergänzend bei Verstopfung und Blähungen

Praxistipps zu Cholagoga

  • Die Wirkung setzt auch auf reflektorischem Weg ein; deshalb sollten Geruchs- und Geschmackssinn mit einbezogen werden – etwa über Gewürze, Tees und Frischpflanzenpresssäfte
  • Zur Vorbeugung von Gallensteinen und Gallenblasenentzündungen zwischen den Mahlzeiten einnehmen: In dieser Phase stagniert der Gallenfluss und das Steinbildungsrisiko ist am höchsten
  • Die Präparate regelmäßig wechseln, sonst stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein
  • Cholagoga wirken auf die Gallensekretion eher schwach; eine Kombination mehrerer Cholagoga verstärkt die Wirkung

Kontraindikationen der Cholagoga

  • Akute Entzündung der Gallenblase oder des Gallengangs
  • Operationspflichtige Gallensteine/Cholelithiasis
  • Intrahepatische Cholestase, Tumore: vor Einsatz der Cholagoga diagnostisch ausschließen

Pflanzenporträts

Erdrauch

Boldo

Pfefferminze

Schöllkraut


Weiterer gallewirksamer Pflanzenschatz

  • Gelbwurz (Curcuma): gallentreibend, entzündungshemmend – siehe Lebererkrankungen
  • Löwenzahn: choleretisch, stoffwechselanregend – siehe Pflanzenprofile
  • Artischocke: hepatoprotektiv und choleretisch – siehe Lebererkrankungen
  • Wermut: Bitterstoffdroge, verdauungsanregend – siehe Pflanzenprofile
  • Schafgarbe: hepatoprotektiv, krampflösend – siehe Pflanzenprofile
  • Gänsefingerkraut: spasmolytisch bei Gallenwegskrämpfen – siehe Pflanzenprofile
  • Rosmarin: durchblutungsfördernd, krampflösend – siehe Pflanzenprofile
  • Schwarzrettich: gallentreibend
  • Ingwer: cholagog, antiemetisch
  • Galgant: verdauungsfördernd, krampflösend

Therapiekonzept Funktionsstörungen der Gallenbildung und Reizgalle

Alle Maßnahmen des Konzepts werden nebeneinander umgesetzt.

Tab. 3.5: Therapieziele

1. Anregung der Gallebildung

Dauer: 4–6 Wochen als Kur, nach Bedarf wiederholen

Gruppe Pflanzen
Aromatika Boldo, Lavendel, Pfefferminze
Bitterstoffe Artischocke, Gelbwurz, Löwenzahn, Wermut
Weitere Bitterstoffe Therapiekonzept Reizdarm
Sonstige Rettich

2. Krampflösung bei Gallenwegsdyskinesien

Dauer: nach Bedarf

Pflanze Wirkung
Boldo Spasmolytisch, choleretisch
Erdrauch Spasmolytisch, gallefunktionsregulierend
Gänsefingerkraut Spasmolytisch
Pfefferminze Spasmolytisch, karminativ
Schöllkraut Spasmolytisch, choleretisch

3. Diätetische Maßnahmen

  • Laktovegetabile Vollwertkost mit wenig Fett und Cholesterin, verteilt auf 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten
  • Ballaststoffreich essen: Ballaststoffe binden Cholesterin und Gallensalze
  • Alkohol reduzieren
  • Gewichtsabnahme anstreben
  • Günstige Lebensmittel: gallentreibender Löwenzahn und Schwarzrettich, krampflösende Pfefferminze, Schafgarbe, Rosmarin und Wermut, leberschützende Artischocke sowie bittere Gewürze, die die Verdauung ankurbeln
  • Frisch gepresster Karottensaft als Heilnahrung bei Gallenblasenbeschwerden
  • Zu meiden: fetthaltige, frittierte Speisen, Wurstwaren, Schweinefleisch, hart gekochte Eier, Süßigkeiten, schwer verdauliche Hülsenfrüchte, Kohlgemüse und rohes Obst (außer Banane, Papaya und Beeren)

4. Physikalische Maßnahmen

Feuchtwarme Wickel lösen Verspannungen und stillen Schmerzen (nicht bei Cholezystitis!). Näheres zum Schafgarben-Leberwickel findet sich in Lebererkrankungen.

Teemischungen und Rezepte

Gallenbildender Tee

Droge Menge
Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzel) 25 g
Rosmarini herba (Rosmarinkraut) 25 g
Thymi herba (Thymiankraut) 25 g
Berberidis fructus (Berberitzenfrüchte) 25 g

Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich jeweils eine Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Blähungswidriger Gallentee

Droge Menge
Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angequetscht) 20 g
Absinthii herba (Wermutkraut) 20 g
Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 10 g
Melissae folium (Melissenblätter) 10 g
Lavandulae flos (Lavendelblüten) 10 g
Matricariae flos (Kamillenblüten) 10 g

Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich eine Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Krampflösender, beruhigender Gallentee

Droge Menge
Fumariae herba (Erdrauchkraut) 30 g
Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 20 g
Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 20 g
Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angequetscht) 20 g
Lavandulae flos (Lavendelblüten) 10 g

Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 7 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich nach den Mahlzeiten eine Tasse trinken.

Krampflösender, aromatischer Gallentee

Droge Menge
Boldi folium (Boldoblätter) 30 g
Curcumae longae rhizoma (Gelbwurz) 20 g
Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 20 g
Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angequetscht) 20 g
Calendulae flos (Ringelblumenblüten) 10 g

Zubereitung: Einen Teelöffel der Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, 7 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dreimal täglich nach den Mahlzeiten eine Tasse trinken.

Präparate

Gallefördernde Präparate

Präparat Zusammensetzung/Wirkstoffpflanze Dosierung
Aristochol Gallekapseln Artischocke 3-mal tägl. 1 Kps. zu den Mahlzeiten
Boldo Hanosan Curcuma, Urtica, Taraxacum, Boldo, Sempervivum tectorum, Cholesterinum D4, Dolichos pruriens D2 3–6-mal tägl. 10–20 Tr.
Chelidonium Ätherisches Anisöl, Berberitze, ätherisches Kümmelöl, Chelidonium, Cichorium, Colocynthis, Lebertran, Leinöl, Rhizinusöl, Weizenkeimöl 2–3-mal tägl. 1 Kps. zu oder nach den Mahlzeiten
Choleodoron Chelidonium, Curcuma 2–4-mal tägl. 5–10 Tr.
Cynacur Artischocke 3–4-mal tägl. 1 Drg. zu den Mahlzeiten
Hepar-SL forte Artischocke 3-mal tägl. 1–2 Kps. zu den Mahlzeiten
Medacalm Ätherisches Pfefferminzöl 3-mal tägl. 1 Kps. vor dem Essen
Natu-hepa 600 mg Artischocke 2-mal tägl. 1 Tbl.
Spasmo Gallo Sanol N Ätherisches Pfefferminzöl 3-mal tägl. 1–2 Drg.
Enteroplant Ätherisches Pfefferminzöl, ätherisches Kümmelöl 3-mal tägl. 1 Kps. ½ Std. vor den Mahlzeiten
Curcu-Truw Gelbwurz 2-mal tägl. 1 Kps. nach der Mahlzeit

Nahrungsergänzungsmittel

Präparat Wirkstoffpflanze Dosierung
Artischocke Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger Artischocke 3-mal tägl. 10 ml nach den Mahlzeiten
Schwarzrettich Naturreiner Pflanzensaft Schoenenberger Schwarzrettich 3-mal tägl. 10–20 ml vor den Mahlzeiten
Curcuflex Gelbwurz 2-mal tägl. 3 Kps.
Curcumin-loges Gelbwurz 2-mal tägl. 1 Kps.
Curcumin Extrakt 45 Dr. Wolz Gelbwurz 3-mal tägl. 1 Kps.
Curcusol Gelbwurz 2-mal tägl. 1 Kps.

Hinweise

  • Starke, anhaltende oder kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch zwingend ärztlich abklären lassen (Sonographie zum Ausschluss von Gallensteinen, Cholezystitis, Cholestase)
  • Keine Cholagoga bei akuter Gallenblasenentzündung, operationspflichtigen Gallensteinen oder verschlossenen Gallenwegen
  • Alkoholische Auszüge (Tinkturen) bei akuten Beschwerden zurückhaltend anwenden
  • Cholagoga zur Steinprophylaxe zwischen den Mahlzeiten nehmen (höchstes Steinbildungsrisiko bei stagnierendem Gallenfluss)
  • Präparate regelmäßig wechseln, um Gewöhnungseffekten vorzubeugen
  • Mehrere Cholagoga miteinander kombiniert steigern die Wirkung

Zusammenfassung

Funktionelle Gallenbeschwerden – von der Reizgalle über krampfartige Dyskinesien bis hin zum Postcholezystektomiesyndrom – behandelt die Phytotherapie mit Cholagoga. Als Bitterstoffdrogen fördern sie Bildung und Fluss der Galle, lösen Krämpfe und wirken gegen Blähungen. Im Zentrum stehen Erdrauch (besonders nach Diätfehlern), Boldo, Pfefferminze, Artischocke und Gelbwurz. Die Behandlung läuft über 4 bis 6 Wochen als Kur und wird von einer fettarmen, ballaststoffreichen Kost mit reichlich Bitterstoffen begleitet. Akut-entzündliche Gallenerkrankungen und operationspflichtige Steine müssen vor der Anwendung von Cholagoga ärztlich ausgeschlossen werden.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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