Andorn

pflanzenprofilpflanzemarrubium vulgare
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Andorn (Marrubium vulgare)

  • Familie: Lamiaceae
  • Droge: Marrubii herba
  • Typ: Amarum + Expektorans, Bitterwert 1200–5000

Inhaltsstoffe

  • 0,3–1,0 % Bitterstoff Marrubiin (Diterpenlacton) — Träger der bitteren Wirkung und der expektorierenden Eigenschaften
  • Weitere Diterpene (Vulgarol, Marrubenol), Labdane
  • Flavonoide (Ladanein, Apigenin, Luteolin-Derivate)
  • 2–5 % Gerbstoffe (Catechine), Schleimstoffe
  • Ätherisches Öl (Spuren), Kaliumsalze, Vitamin C
  • Harze und Phytosterine

Wirkungen

Innerlich:

  • Expektorierend und sekretolytisch: löst festsitzenden Schleim, erleichtert das Abhusten (Marrubiin wirkt reflektorisch über die Magenschleimhaut)
  • Bitter-tonisierend (Amarum): steigert Speichel-, Magensaft- und Gallenproduktion, appetitanregend
  • Gallenflussfördernd (choleretisch und cholekinetisch)
  • Spasmolytisch an der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Trakts
  • Antibakteriell und mild entzündungshemmend
  • In höherer Dosierung traditionell tonisierend auf Herz und Kreislauf (Marrubiin in höheren Dosen negativ dromotrop)

Äußerlich:

  • Adstringierend und keimhemmend (traditionell bei entzündeten, schlecht heilenden Wunden als Umschlag)

Indikationen

  • HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von Husten bei Erkältungen und zur vorübergehenden Behandlung von Appetitlosigkeit
  • Kommission E: Gallenbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Katarrhe der Luftwege, Appetitlosigkeit
  • ESCOP (analog verwandter Bitter-Expektoranzien): produktiver Husten, dyspeptische Beschwerden
  • Gallenschwäche mit Blähungen und Völlegefühl, Reizgalle
  • Rekonvaleszenz und “Blutschwäche” (traditionell), zur Kräftigung

Anwendungen

  • Tee (Infus): 1–2 TL (ca. 1–2 g) Andornkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Bei Husten 2–3 Tassen täglich, bei Gallenbeschwerden 1 Tasse 30 Min. vor den Mahlzeiten. Tagesdosis: 4–6 g Droge.
  • Tinktur: Marrubii tinctura, 2–3-mal täglich 20–40 Tropfen in etwas Wasser vor den Mahlzeiten.
  • Fertigarzneimittel: Bestandteil von Hustentees, Gallentees und Bittertropfen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: In hohen Dosen Magenschleimhautreizung, Übelkeit und (selten) Herzrhythmusstörungen (Marrubiin). In therapeutischer Dosierung gut verträglich.

Gegenanzeigen:

  • Schwangerschaft und Stillzeit (hohe Dosen: uterusstimulierende Wirkung, fehlende Daten)
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Sekretionsförderung)
  • Gallengangverschluss (choleretische Wirkung)
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen Lippenblütler (selten)

Kombinationen

Siehe auch

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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