Eibisch

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Eibisch (Althaea officinalis)
Inhaltsstoffe
Wurzel (Althaeae radix)
- Schleimstoffe (bis 30 %): v.a. saure heterogene Polysaccharide: Galacturonorhamnane, Arabinogalactane, Glucane. Quellungszahl nach Ph.Eur. mindestens 10.
- Pektin (ca. 10 %)
- Stärke (25-35 %)
- Gerbstoffe (ca. 0,5 %), Flavonoide (Spuren)
- Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Calcium
Blätter (Althaeae folium)
- Schleimstoffe (6-10 %)
- Ätherisches Öl (0,02-0,03 %): u.a. Palmitinsäure, Linolensäure
- Flavonoide (0,5-1 %): Kämpferol, Quercetin, Hypolaetin-Glykoside
- Cumarine (Scopoletin), Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, p-Cumarsäure)
Wirkungen
- Schuetzt Mund- und Rachenschleimhaut, reizlindernd, antitussiv
- Verfluessigt Viskositaet des Bronchialschleims, so kann er besser abgehustet werden
- Schuetzt Magenschleimhaut, reizlindernd, saeurepuffernd
Wirkmechanismen
- Schleimhautschutz: Die hydrophilen Polysaccharide quellen in Wasser zu einem viskösen, gelartigen Film, der sich als kolloidale Schutzschicht (“Schleimfilm”) über die Schleimhäute legt. Dieser physikalische Barrieremechanismus schützt vor mechanischen, chemischen und osmotischen Reizen.
- Adhäsion: Der Schleimfilm haftet über elektrostatische Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken an den Epithelzellen. Freie Carboxylgruppen der Galacturonsäure bilden zudem einen leichten Säureschutz.
- Reizminderung auf drei Ebenen: (1) Mechanischer Schutz der sensiblen Nervenendigungen in der Submukosa, (2) Befeuchtung trockener Schleimhäute, (3) Abpufferung lokaler pH-Wert-Schwankungen (v.a. im Magen durch Säurepufferung).
- Antitussive Wirkung: Der Schleimfilm maskiert die Hustenrezeptoren im Pharynx und Larynx und reduziert so den Hustenreiz reflektorisch. Zusätzlich fluidisiert er zähen Bronchialschleim durch Wassereinlagerung.
- Leichte antimikrobielle Wirkung: Die Schleimbarriere verhindert die Adhäsion von Bakterien und Viren an die Epitheloberfläche (“Antiadhäsionswirkung”).
Indikationen
- HMPC (Wurzel): Well-established use: Reizhusten, Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum. Traditional use: leichte Entzündungen der Magenschleimhaut.
- HMPC (Blätter): Traditional use: leichte Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum mit trockenem Husten.
- ESCOP: Reizhusten, Schleimhautentzündungen des Mund-, Rachen- und Magen-Darm-Traktes.
- Kommission E: Reizhusten, Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum sowie im Magen-Darm-Bereich.
- Heiserkeit, Reizhusten (gut in der Paediatrie)
- Frueher: Eibischwurzelstueckchen als Hustenbonbons
- Schleimhautentzuendungen des Mund- und Rachenraumes
- Schleimhautentzuendungen im Bereich der Speiseroehre, des Magen-Darm-Trakts
- Sodbrennen, Gastritis
Anwendungen
Eibischwurzel (wie alle Schleimdrogen) muss als Kaltauszug zubereitet werden: mit kaltem Wasser ansetzen und 30 Min. ausziehen lassen. Heisses Wasser zerstoert die Schleimstoffe!
Teezubereitung
Kaltauszug (Mazerat) — Wurzel:
- 2-3 g geschnittene Eibischwurzel (ca. 1 TL) mit 150 ml kaltem Wasser übergießen
- Unter gelegentlichem Umrühren 30-60 Minuten bei Raumtemperatur ziehen lassen
- Danach durch ein Teesieb abgießen und auf Trinktemperatur leicht erwärmen (nicht kochen!)
- 3-mal täglich 1 Tasse frisch zubereiten
- Tagesdosis: 6 g Droge (Kommission E)
Kaltauszug — Blätter:
- 2 g Eibischblätter mit 150 ml kaltem Wasser übergießen, 30 Min. ziehen lassen
- 3-mal täglich 1 Tasse
Hinweis zur Anwendung bei Kindern:
- Kinder 3-6 Jahre: 1-2 g Droge auf 150 ml
- Kinder 6-12 Jahre: 2-3 g Droge auf 150 ml
- Säuglinge (nach Rücksprache mit Arzt): Tee mit der Flasche verabreichen
Fertigarzneimittel
- Phytohustil® (Sirup, Pastillen): Eibischwurzel-Extrakt, bei Reizhusten. Sirup: 3-6x täglich 5-10 ml. Pastillen: mehrmals täglich 1-2 lutschen.
- Eibischwurzel-Sirup (Apothekenrezeptur): 5 Teile Kaltauszug + 95 Teile Zuckersirup, 3-4x täglich 5-10 ml
- Bronchicum Elixir® (enthält auch Thymian): bei Husten mit zähem Schleim
- Imupret® (Kombinationspräparat mit Eibischwurzel, Kamille, Schachtelhalm, Schafgarbe u.a.): bei Atemwegsinfekten
Äußerlich / Lokal
- Mundspülung: Kaltauszug 15-20 Min. im Mund halten, mehrmals täglich bei Aphthen und Mundschleimhautentzündungen
- Gurgellösung: 5 g Wurzel auf 250 ml Kaltauszug, mehrmals täglich gurgeln
- Umschläge: Kaltauszug für feuchte Umschläge bei Hautirritationen (z.B. bei Neurodermitis-Begleitpflege)
Nebenwirkungen / Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Nicht bekannt.
Gegenanzeigen: Keine.
Wechselwirkungen: Resorptionsverzoegerung gleichzeitig eingenommener Medikamente bzw. Nahrung (Einnahmeabstand von 1-2 Stunden einhalten). Der Schleimfilm kann die Aufnahme anderer Wirkstoffe physikalisch behindern.
Schwangerschaft / Stillzeit: Unbedenklich.
Kombinationen
- Mit Thymian bei produktivem Husten und Bronchitis (schleimhautschuetzend + sekretloesend)
- Mit Spitzwegerich bei trockenem Reizhusten (reizlindernd + antitussiv)
- Mit Isländischem Moos als synergistische Schleimdrogen-Kombination bei Reizhusten
- Mit Süßholz bei Heiserkeit und Rachenschleimhautentzuendungen
- Mit Kamille bei Magenschleimhautentzuendung und Sodbrennen (Rollkur)
Siehe auch
- Reizhusten — Indikationsüberblick
- Sodbrennen — Magenschleimhautschutz
- Halspflege- und Stimmbandtinktur — Rezept mit Eibisch bei Heiserkeit
- Rachentropfen — Tinktur für die Rachenschleimhaut
- Magenschleimhautentzündung — Indikation mit Eibisch-Kamille-Rollkur
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑