Schafgarbe

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Schafgarbe (Achillea millefolium, Millefolii herba/flos, Asteraceae)
Inhaltsstoffe:
- 0,2–1,0 % ätherisches Öl (Proazulen, 1,8-Cineol, α-Pinen, β-Pinen, Caryophyllen, Campher, Borneol, Sabinen; aus den Prochamazulenen bis zu 40 % Chamazulen). Der Prochamazulengehalt variiert je nach Herkunft und Genetik stark.
- Bitterstoffe: Achillein, Achillicin (Bitterwert ca. 3000)
- 3–4 % Gerbstoffe (Catechingerbstoffe und kondensierte Proanthocyanidine)
- Flavonoide (Apigenin, Luteolin und deren Glykoside)
- Caffeoylchinasäure-Derivate und Phenolcarbonsäuren
- Kaliumsalze und Cumarin-Derivate
Wirkungen:
Innerlich:
- Magen- und gallenflussfördernd, blähungshemmend und krampflösend (spasmolytisch an der glatten Muskulatur), in höherer Dosis mild abführend
- Choleretisch und cholekinetisch: Produktion und Ausschüttung der Galle werden gleichermaßen angeregt
- Leberschützende und antihepatotoxische Eigenschaften (Flavonoide, Caffeoylchinasäure)
- Lindert Menstruationskrämpfe — das kleine Becken wird besser durchblutet und durchwärmt, schmerzhafte Unterleibskrämpfe gehen zurück
- Menstruationsregulierend; als kräftigendes Bittermittel (Amarum tonicum) tonisierend
- Blutstillend bei inneren Blutungen (Gerbstoffe; Blutgerinnung über Alkaloide)
- Entzündungshemmend und antibakteriell (Proazulene, Flavonoide)
Äußerlich:
- Stark wundheilungsfördernd und blutstillend (Hämostyptikum)
- Entzündungshemmend, antibakteriell und antimykotisch
- Granulationsfördernd und epithelisierend
- Juckreizstillend bei Hautentzündungen und Ekzemen
- Adstringierend und gewebeverdichtend
Indikationen:
Innerlich:
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen; bei Appetitlosigkeit; zur zeitweiligen Behandlung leichter Menstruationsbeschwerden
- ESCOP: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden, leichte krampfartige Beschwerden des Gastrointestinaltraktes, Menstruationsbeschwerden
- Menstruationskrämpfe und Hypomenorrhoe (zu schwache Regelblutung)
- Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden mit Krämpfen und Völlegefühl
- Als begleitender Leberschutz
Äußerlich:
- HMPC: Behandlung kleiner Wunden von Haut und Schleimhaut; symptomatische Behandlung kleiner lokaler Entzündungen im Bereich von Haut und Schleimhaut
- Blutende und infizierte Wunden, schlecht heilende Wunden, Ulcus cruris
- Hämorrhoidalblutungen (Sitzbad)
- Entzündungen des äußeren Genitals und der Scheide (Vulvitis, Kolpitis)
- Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Mundspülung, Gurgeln)
Nebenwirkungen: Selten Kontaktallergie bei äußerlicher Anwendung. Bei empfindlichen Personen selten Magen-Darm-Reizung.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe oder andere Korbblütler. Nicht während der Schwangerschaft (uterusstimulierende Wirkung). In der Stillzeit äußerlich unbedenklich, innerlich nur nach Rücksprache.
Anwendungen
- Tee (Infus): 1–2 TL (ca. 1–2 g) Schafgarbenkraut (Herba) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Bei Verdauungsbeschwerden 2–3 Tassen täglich vor oder zu den Mahlzeiten. Bei Menstruationsbeschwerden 3 Tassen täglich in der zweiten Zyklushälfte. Tagesdosis: 3–6 g Droge.
- Sitzbad (bei Menstruationskrämpfen, Hämorrhoiden, Genitalentzündungen): 100 g Schafgarbenkraut mit 2 Litern kochendem Wasser übergießen, 20 Min. ziehen lassen, abseihen und dem Sitzbadewasser (35–38 °C) zufügen. Badedauer 15–20 Min.
- Mundspülung/Gurgellösung: 2 EL Kraut auf 250 ml Wasser, wie oben zubereiten.
- Tinktur: Millefolii tinctura, 2–3-mal täglich 20–40 Tropfen in Wasser.
- Fertigarzneimittel: Kombinationspräparate mit Kamille und anderen Bitterdrogen als Magentropfen, Fertigtee-Mischungen, Salben und Wundheilcremes.
Kombinationen
- Mit Kamille und Ringelblume als klassische Wundheil-Kombination
- Mit Frauenmantel und Gänsefingerkraut bei Menstruationsbeschwerden und Unterleibsentzündungen
- Mit Enzian und Wermut bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche (Bitterdrogen-Kombination)
- Mit Artischocke und Mariendistel als Leberschutz-Kombination
- Mit Brennnessel bei rheumatischen Beschwerden und zur “Blutreinigung” (Frühjahrskur)
- Mit Johanniskraut bei wunden und schlecht heilenden Wunden (äußerlich als Öl-Kombination)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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