Frauenmantel

Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora / A. vulgaris, Alchemillae herba, Rosaceae)
- Familie: Rosaceae
- Droge: Alchemillae herba (Frauenmantelkraut)
- Hauptkomponenten: Ellagitannine, Flavonoide, Phytosterole
Inhaltsstoffe
- Gerbstoffe (6–8 %): vorwiegend Ellagitannine (Agrimoniin, Pedunculagin — oligomere Ellagitannine), dazu Gallotannine, Catechingerbstoffe. Diese sind für die adstringierende, wundheilende und antientzündliche Wirkung verantwortlich
- Flavonoide (1–2 %): Quercetin-, Kämpferol- und Rutin-Derivate (gefäßprotektiv, antioxidativ, antientzündlich)
- Ätherisches Öl (Spuren, ca. 0,02 %): Aldehyde, Ketone, Monoterpene
- Bitterstoffe (geringe Mengen), Gerbstoffglykoside
- Phytosterole (β-Sitosterol): mit östrogen- und progesteronähnlicher Wirkung (progesteronartig, gelbkörperregulierend)
- Salicylsäure und Salicylsäureglykoside (in Spuren) — milde schmerzlindernde Komponente
- Vitamin C (Ascorbinsäure, 0,1–0,3 %), Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure)
Wirkungen
Innerlich:
- Gelbkörperregulierend (gestagenartig): β-Sitosterol und Flavonoide binden an Progesteron-Rezeptoren und stärken die Gelbkörperphase. Frauenmantel ist eine der wichtigsten Pflanzen bei Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz) — fördert die Progesteron-Bildung, stabilisiert die zweite Zyklushälfte
- Krampflösend: relaxiert glatte Gebärmuttermuskulatur — lindert Menstruationskrämpfe
- Adstringierend (stopfend bei Durchfall): Gerbstoffe fällen Proteine auf Schleimhäuten, bilden eine Schutzschicht, hemmen die entzündliche Sekretion und wirken indirekt antibakteriell
- Antientzündlich und antioxidativ: Gerbstoffe und Flavonoide hemmen COX-2 und Lipoxygenase, reduzieren die Bildung von Prostaglandin E2 und Leukotrienen
- Keimwidrig: gegen grampositive Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken), mäßig antiviral
- Uterus-kräftigend: in der Geburtsheilkunde fördert Frauenmantel die Kontraktionsfähigkeit des Uterus und beugt atonischer Nachblutung vor
- Wundheilend (auch innerlich), geweberegenerierend
- Mild diuretisch (harntreibend) durch Flavonoide
Äußerlich:
- Wundheilend, granulationsfördernd und antientzündlich
- Hautstraffend (Kosmetikum), gefäßschützend
- Keimwidrig auf Haut und Schleimhaut
Indikationen
HMPC/ESCOP:
- HMPC: Traditional use bei leichten Durchfällen, leichten Krämpfen, Menstruationsbeschwerden, leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
- ESCOP: Leichter unspezifischer Durchfall, Menstruationsbeschwerden
Innerlich — Frauen-Naturheilkunde:
- Menstruationsstörungen (gestagenartig: leicht krampflösender Effekt, Zyklusregulation)
- Gelbkörperschwäche (häufige Ursache von Unfruchtbarkeit, PMS, Zyklusstörungen, prämenstruelle Schmierblutungen)
- Prämenstruelles Syndrom (PMS), Mastodynie
- Geburtsheilkunde: kräftigt Uterus (Wehen fördernd unter der Geburt, beugt Geburtsblutung und atonischer Nachblutung vor), fördert Rückbildung der Gebärmutter (postpartale Involution), beugt Brustdrüsenentzündung (Puerperal-Mastitis) vor
- Wechseljahresbeschwerden (Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, vaginale Trockenheit)
- Unerfüllter Kinderwunsch bei Gelbkörperinsuffizienz (Zyklusregulation + Gelbkörperstärkung)
- Leichter unspezifischer Durchfall, auch bei Kindern
Äußerlich:
- Zur schnellen Wundheilung (v. a. der Geburtswege: Episiotomie, Dammschnitt, Scheidenriss)
- Bei Brustentzündung (Mastitis puerperalis und non-puerperalis), Stillstreik
- Hautstraffendes Kosmetikum, Akne (adstringierend + antientzündlich)
- Gurgeln bei Mundschleimhautentzündung (Stomatitis), Angina, Rachenentzündung
- Vaginalspülung bei Fluor vaginalis (unspezifischer Ausfluss) und Scheidenentzündung
- Gesichtswasser und Kompressen bei unreiner, fettiger Haut und vergrößerten Poren
Anwendungen
- Tee: 1–2 TL (2–4 g) getrocknetes Frauenmantelkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen und abseihen. 3- bis 4-mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Gelbkörperschwäche und PMS: 3 Tassen täglich in der 2. Zyklushälfte (vom Eisprung bis zur Menstruation). In der Schwangerschaft: täglich 2–3 Tassen ab der 34. SSW zur Geburtsvorbereitung (unter Absprache mit Hebamme/Arzt).
- Tinktur (1:5, Ethanol 50–60 %): 3-mal täglich 30–50 Tropfen in etwas Wasser.
- Sitzbad: 100 g getrocknetes Frauenmantelkraut mit 2 L kochendem Wasser überbrühen, 20 Min. ziehen lassen, abseihen und dem Sitzbad (37°C) zusetzen. 10–15 Min., 2-mal täglich bei Wundheilung der Geburtswege.
- Gurgellösung: Frauenmanteltee oder verdünnte Tinktur (30 Tropfen auf 100 ml Wasser) mehrmals täglich gurgeln.
- Vaginalspülung: 2 EL Kraut auf 500 ml Wasser, 10 Min. ziehen lassen, abseihen, lauwarm anwenden.
- Äußerlich (Umschlag/Kompresse): Tee wie oben zubereiten, Kompresse tränken und 20–30 Min. auflegen. Besonders bei Dammschnitt, Brustentzündung, Wunden.
[!TIP] Praxistipp (Künzle) Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle empfahl allen gesegneten (schwangeren) Frauen den täglichen Genuss dieses Tees, und er riet jeder “Kindbetterin”, 40 Tage lang Frauenmanteltee fleißig zu trinken, “weil er selbst unter schwierigsten Umständen eine leichte Geburt und ein gesundes Kind bringt”. Künzle meinte: “Zwei Drittel aller Frauen-Heilkunst-Operationen werden bei rechtzeitiger und lang dauernder Anwendung dieses Heilkrautes überflüssig.”
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Nicht bekannt. Frauenmantel ist sehr gut verträglich und eine der sichersten Heilpflanzen. In hohen Dosen selten leichte Magen-Darm-Reizung (durch Gerbstoffe). Bei innerer Anwendung in der Frühschwangerschaft ärztliche Rücksprache empfohlen (wehenfördernde Wirkung theoretisch möglich).
Gegenanzeigen: Keine bekannt. Bei sehr hoher Gerbstoffdosis theoretische Hemmung der Eisen-Resorption bei gleichzeitiger Eisensubstitution möglich — 1–2 Stunden Abstand zur Eisentablette einhalten.
Kombinationen
- Mit Hirtentäschel und Schafgarbe bei zu starker Menstruation und Gelbkörperschwäche (blutstillend + gestagenartig + krampflösend)
- Mit Mönchspfeffer bei PMS, Zyklusstörungen und Gelbkörperinsuffizienz (progesteronfördernd + prolaktinsenkend synergistisch)
- Mit Traubensilberkerze bei Wechseljahresbeschwerden und hormonellen Dysbalancen (Phyto-SERM + gestagenartig)
- Mit Gänsefingerkraut bei Menstruationskrämpfen (spasmolytisch kombiniert + gelbkörperregulierend)
- Mit Kamille und Eichenrinde (Sitzbad) bei postpartaler Wundheilung und Dammschnitt (wundheilend + entzündungshemmend + adstringierend)
- Mit Ringelblume und Beinwell (Salbe/Tinktur) bei Brustentzündung und wunden Brustwarzen
- Mit Salbei bei nächtlichem Schwitzen in den Wechseljahren (schweißhemmend + gelbkörperausgleichend)
- Mit Johanniskraut bei PMS mit depressiver Komponente (hormonell + stimmungsaufhellend)