Blutwurz

Blutwurz, Tormentill (Potentilla erecta)
Botanische Bezeichnung: Tormentillae rhizoma, Rosaceae
Inhaltsstoffe
- 15–22 % Gerbstoffe im Rhizom (vorwiegend kondensierte Catechingerbstoffe/Proanthocyanidine und hydrolysierbare Gallotannine und Ellagitannine), Gerbstoffgehalt bis zu 22 % — damit eine der gerbstoffreichsten Drogen
- Tormentillrot (roter Phlobaphenfarbstoff aus kondensierten Proanthocyanidinen)
- Tormenthol, Tormentosid (Triterpensaponin)
- Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, p-Cumarsäure, Ellagsäure)
- Flavonoide (Kämpferol, Quercetin)
- Wenig ätherisches Öl (rosenähnlicher Duft), Harz
Wirkungen
Innerlich:
- Stark adstringierend, stopfend, blutstillend (Gerbstoffe denaturieren und verdichten Proteine auf der Schleimhautoberfläche, bilden einen Schutzfilm → reduzieren Wasser- und Elektrolytaustritt, vermindern Peristaltik)
- Antiseptisch, keimhemmend (antibakteriell gegen grampositive und gramnegative Keime, u.a. Staphylococcus aureus, Streptococcus mutans, Helicobacter pylori), antimykotisch (Candida albicans)
- Schmerzlindernd, lindert Darmkoliken und Tenesmen (krampfartige Schmerzen mit Stuhldrang)
- Entzündungshemmend (hemmt Entzündungsmediatoren, antioxidativ durch Gerbstoffe und Flavonoide)
- Hemmt 5-Lipoxygenase und Cyclooxygenase (ähnlich NSAR, aber ohne deren Nebenwirkungen)
- Antiallergisch, immunmodulierend (Studienlage: hemmt Mastzelldegranulation, reduziert Histaminfreisetzung)
- Antidiarrhoisch: durchfallstopende Wirkung auch bei infektiösem Durchfall (bindet Bakterientoxine)
Äußerlich:
- Stark adstringierend, gewebeverdichtend
- Blutstillend (Hämostyptikum), wundabdichtend
- Entzündungshemmend, antiseptisch
- Wundheilungsfördernd, granulationsanregend
- Schleimhautprotektiv, epithelisierend
Indikationen
Innerlich:
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung leichter Durchfälle; zur symptomatischen Behandlung leichter Entzündungen der Mundschleimhaut
- ESCOP: Unspezifische akute Durchfallerkrankungen, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
- Durchfall (kolikartig, blutig!), Brechdurchfall, infektiöser Durchfall/Reisediarrhö
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn (begleitend, zur Abheilung von Schleimhautulzera, Remissionserhaltung)
- Gastritis, Magengeschwür (adjuvant, Helicobacter pylori-hemmend)
Äußerlich:
- HMPC: Kleinere Hautentzündungen, kleine Wunden
- Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Mukositis, Gingivitis, Stomatitis), Parodontitis, Aphthen
- Zahnfleischbluten, Prothesendruckstellen
- Halsschmerzen, Angina (Gurgellösung)
- Nässende Ekzeme, schlecht heilende Wunden, Ulcus cruris
- Verbrennungen 1. Grades, Sonnenbrand
- Hämorrhoiden, Analfissuren (Sitzbad)
- Vaginale Infektionen und Fluor vaginalis (Kolpitis)
Anwendungen
- Tee (Dekokt): ¾ TL (ca. 1–2 g) geschnittene oder grob gepulverte Wurzel in 150–250 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen, 10 Min. leicht köcheln lassen und abgießen. Mehrmals täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Durchfall: 3–4 Tassen täglich. Tagesdosis als Droge: 3–8 g.
- Tinktur: Tormentillae tinctura DAB, mehrmals täglich 30–50 Tropfen bis zur Beschwerdelinderung. Tagesdosis: 3–9 g Tinktur.
- Mundspülung/Gurgellösung: 2 EL Droge auf 250 ml Wasser, Dekokt zubereiten, unverdünnt mehrmals täglich spülen oder gurgeln.
- Sitzbad (bei Hämorrhoiden): 100 g Droge mit 2 Liter Wasser als Dekokt zubereiten, 20 Min. ziehen lassen, abseihen und dem Sitzbadewasser zusetzen.
- Fertigarzneimittel: Tormentill-Tabletten, Kapseln, Mundspülkonzentrate, Salben, Zäpfchen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Bei empfindlichen Personen sind Magenreizungen und Erbrechen möglich (hohe Gerbstoffkonzentration). Selten allergische Reaktionen. Bei zu langer Einnahme kann die Resorption von Mineralstoffen und Vitaminen beeinträchtigt werden.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Blutwurz. Während der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Daten vorsichtshalber nur äußerlich und kurzfristig innerlich anwenden. Bei Kindern unter 6 Jahren nur nach ärztlicher Rücksprache innerlich anwenden.
[!NOTE] Hinweis Die Einnahme des Tees soll nicht länger als 3–4 Tage bei akutem Durchfall ohne ärztlichen Rat erfolgen. Bei chronischen Durchfallerkrankungen (CED, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kann Blutwurz in Kombination mit anderen Maßnahmen auch längerfristig eingesetzt werden.
Kombinationen
- Mit Kamille als entzündungshemmend-adstringierende Kombination bei akutem Durchfall und Magen-Darm-Entzündungen
- Mit Heidelbeere (getrocknete Beeren) als adstringierend-stopfbende Kombination bei Durchfall
- Mit Eichenrinde bei Haut- und Schleimhautentzündungen sowie Durchfall (synergistische Gerbstoffwirkung)
- Mit Salbei und Thymian bei Mund- und Rachenentzündungen (Gurgellösung)
- Mit Myrrhe und Kamille bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Myrrhe wirkt zusätzlich entzündungshemmend)
- Mit Frauenmantel bei Fluor vaginalis und Scheidenentzündungen (Sitzbad)