Eichenrinde

Eichenrinde (Quercus robur)
Familie: Fagaceae Droge: Quercus cortex
Inhaltsstoffe:
- 8–20 % Gerbstoffe (vorwiegend Catechingerbstoffe/kondensierte Proanthocyanidine, auch hydrolysierbare Ellagitannine, freie Gallussäure und Ellagsäure)
- Flavonoide (Quercetin, Kämpferol und deren Glykoside), Triterpene, Quercit
Wirkungen (äußerlich):
- Stark zusammenziehend (adstringierend), entzündungshemmend, gewebeverdichtend — Gerbstoffe fällen Proteine der oberen Haut- und Schleimhautschichten und bilden einen schützenden, abdichtenden Film
- Gegen Viren, Pilze, antioxidativ (Gerbstoffe und Flavonoide)
- Juckreizstillend, schmerzlindernd (mild oberflächenanästhesierend)
- Hemmt die Kapillarpermeabilität und reduziert Exsudation — daher Mittel der 1. Wahl bei nässenden Ekzemen!
- Blutstillend
Wirkungen (innerlich):
- Stopfend (antidiarrhoisch): Gerbstoffe verdichten die Darmschleimhaut, reduzieren Flüssigkeitssekretion und hemmen pathogene Keime
- Entzündungshemmend, keimhemmend (antibakteriell gegen Staphylokokken und Escherichia coli)
Indikationen (äußerlich):
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung leichter Entzündungen der Haut (Hautabschürfungen, gerötete Haut) und der Schleimhaut im Mund-Rachen-Bereich; zur Unterstützung der Behandlung von Beschwerden im Anal- und Genitalbereich, z.B. leichter vaginaler Ausfluss und Juckreiz im Genital- und Analbereich
- HMPC Indikationen für das Bad: zur unterstützenden Behandlung von Hauterkrankungen mit Juckreiz und Nässen (z.B. nässendes Ekzem), lokalen Erfrierungen, Beschwerden der Haut im Anal- und Genitalbereich (Hämorrhoiden, Analfissur)
- Entzündliche Hauterkrankungen, v.a. mit Juckreiz (u.a. Windpocken)
- Nässende Ekzeme — Mittel der 1. Wahl!
- Verbrennungen 1. Grades, Sonnenbrand
- Begleitende Mykosetherapie (Fußpilz, Hautpilz)
- Entzündungen im Genital- und Analbereich, Hämorrhoiden, Windeldermatitis, Wundliegen (Dekubitus)
- Örtliche Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenbereich (Mundspülung), Zahnfleischentzündung und Aphthen
- Übermäßiger Fuß-/Handschweiß (adstringierende Wirkung)
Indikationen (innerlich):
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung von akutem, unspezifischem Durchfall
- Unspezifische, akute Durchfallerkrankung
- Begleitend bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa) als Einlauf
Praxistipp: Eichenrinde ist das Mittel der 1. Wahl bei nässenden Ekzemen! Bei innerlicher Anwendung wird die Resorption von Alkaloiden und anderen basischen Arzneistoffen möglicherweise verringert bzw. verhindert (mindestens 1–2 Std. Abstand zu anderen Medikamenten einhalten). Wegen der gerbenden und austrocknenden Wirkung sollte Eichenrinde nicht länger als 2–3 Wochen eingenommen werden.
Anwendungen
- Tee (Dekokt) für äußerliche Anwendung: 1–2 EL (ca. 3–6 g) geschnittene Eichenrinde mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen, 10–15 Min. leicht köcheln, abgießen. Für Umschläge, Spülungen und Sitzbäder mehrmals täglich anwenden. Tagesdosis äußerlich: 5–10 g Droge.
- Vollbad: 5 g Droge pro Liter Badewasser, als Dekokt zubereitet, dem Badewasser zugeben. Badedauer 10–15 Min. bei 35–37 °C, anschließend den Körper nicht abtrocknen, sondern nur mit Handtuch abtupfen (Wirkstoffe bleiben auf der Haut).
- Teilbad/Sitzbad: 10–25 g Droge auf 2–5 Liter Wasser als Dekokt zubereiten.
- Tee für innerliche Anwendung: 1 TL (ca. 3 g) geschnittene Eichenrinde auf 250 ml Wasser als Dekokt zubereiten (wie oben). 2–3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten. Tagesdosis innerlich: 3–6 g Droge.
- Fertigarzneimittel: Eichenrinde-Tinktur, Salben und Cremes mit Eichenrindenextrakt, Badezusätze, Mundwässer.
Gegenanzeigen: Großflächige Hautschäden, nässende großflächige Ekzeme und Hautverletzungen (Vollbad nicht geeignet!), fieberhafte und infektiöse Erkrankungen, schwere Herzinsuffizienz (NYHA III–IV), Bluthochdruck (beim Vollbad). Überempfindlichkeit gegen Eichenrinde.
Nebenwirkungen: Bei äußerer Anwendung selten allergische Hautreaktionen. Bei innerlicher Anwendung gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden (hohe Gerbstoffdosis).
Beachte: Kein Vollbad bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen oder Herzinsuffizienz.
Kombinationen
- Mit Hamamelis (Zaubernuss) bei Hämorrhoiden und nässenden Ekzemen (adstringierende Synergie)
- Mit Blutwurz und Heidelbeere (getrocknet) bei akutem Durchfall (Gerbstoff-Kombination)
- Mit Kamille bei entzündlichen Hauterkrankungen mit Juckreiz (entzündungshemmend + adstringierend)
- Mit Salbei bei Mund- und Rachenentzündungen (Mundspülung/Gurgellösung)
- Mit Schafgarbe und Frauenmantel bei Vaginalausfluss und Genitalentzündungen (Sitzbad)
- Mit Johanniskraut bei nässenden Ekzemen und Wunden (nach der Eichenrinden-Behandlung auftragen)