Chronische Ekzeme
Beschreibung
Ein Ekzem ist eine nicht ansteckende, entzündliche Hautveränderung (Dermatitis) mit Juckreiz; es gilt als unspezifische Reaktionsform der Haut auf schädigende Einflüsse. Unterschieden wird das exogene (durch äußere Einflüsse ausgelöste) vom endogenen (organisch bedingten) Ekzem. Das endogene Ekzem beginnt häufig schon in der frühen Kindheit – nach Krankheiten, Impfungen, seelischen Belastungen oder durch auslösende Substanzen. Akute Ekzeme werden als Dermatitis bezeichnet.
Chronische Ekzeme gelten als schwer zu behandeln und sind eine “Crux” der Medizin. Häufig liegen ihnen Stoffwechselstörungen zugrunde: Der Körper versucht, Substanzen, die er nicht verträgt, über die Haut loszuwerden. Deshalb gilt es, den Stoffwechsel anzuregen und Giftstoffe u. Ä. über die Ausscheidungsorgane auszuleiten. Man spricht vom „Von innen nach außen heilen".
Symptome
Hauptproblem ist zumeist der quälende Juckreiz. Die betroffenen Hautflächen sind entzündet, nässen oder sind trocken, bilden Krusten und schuppen. An den kranken Stellen neigt die Haut zu Begleitinfektionen. Besondere Ekzemformen sind Neurodermitis und Schuppenflechte.
Ursachen
Ekzeme können toxischer, allergischer oder infektiöser Natur sein; ebenso können Umweltbelastung, Impfschaden, ein geschwächtes Immunsystem, falsche Ernährung und Allergien u. a. (mit)verursachend wirken.
Phytotherapeutika
Wichtige Heilpflanzen bei chronischen Ekzemen
Innerliche Anwendung:
| Pflanze | Wirkung |
|---|---|
| Ackerstiefmütterchen | Kortisonähnlich entzündungshemmend, stoffwechselfördernd |
| Birkenblätter | Stoffwechselfördernd, harntreibend |
| Bittersüßer Nachtschatten | Entzündungshemmend, juckreizlindernd |
| Brennnessel | Stoffwechselfördernd, bindegewebsstärkend |
| Gänseblümchen | Stoffwechselfördernd |
| Goldrute | Harntreibend, entzündungshemmend |
| Löwenzahn | Stoffwechselanregend, leberstärkend |
| Mariendistel | Hepatoprotektiv |
| Walnussblätter | Adstringierend, entzündungshemmend |
| Stinkender Storchschnabel | Wundheilend, entzündungshemmend |
Äußerliche Anwendung:
| Pflanze | Wirkung |
|---|---|
| Ackerstiefmütterchen | Entzündungshemmend, juckreizlindernd |
| Aloe vera | Kühlend, feuchtigkeitsspendend |
| Ballonrebe | Entzündungshemmend, juckreizlindernd |
| Bittersüßer Nachtschatten | Entzündungshemmend |
| Birkenkork/Betulin | Hautbarriere regenerierend |
| Blutwurz | Adstringierend, entzündungshemmend |
| Eichenrinde | Zusammenziehend, juckreizstillend – Mittel der 1. Wahl bei nässenden Ekzemen! |
| Johanniskrautöl | Entzündungshemmend, keimwidrig, wundheilend |
| Kamille | Entzündungshemmend, wundreinigend |
| Malve | Reizmildernd, feuchtigkeitsspendend |
| Ringelblume | Wundheilend, entzündungshemmend |
| Sanddornöl | Hautregenerierend, pflegend |
| Schwarz-/Grüntee | Adstringierend, entzündungshemmend |
| Walnuss | Adstringierend, gerbend |
| Wassernabel | Wundheilend, entzündungshemmend |
| Zaubernuss | Adstringierend, entzündungshemmend |
| Zistrose | Entzündungshemmend, antioxidativ |
Pflanzenporträts
Therapiekonzept
Die phytotherapeutische Ekzembehandlung ruht auf 3 Säulen:
- Anregung/Entgiftung des Stoffwechsels – zur Entlastung der Haut, v. a. über die Ausscheidungsorgane Nieren und Leber: unterstützt das Ausscheiden von im Bindegewebe abgelagerten Stoffwechselendprodukten/Giften
- Innerliche und äußerliche Anwendung entzündungs- und (juck-)reizlindernder Dermatika
- Stärkung der Hautbarriere
Beachte: Ekzempatienten leiden meist unter einem ausgeprägten Leidensdruck – ihnen sollte klargemacht werden, dass eine realistische Therapiedauer ca. 3–6 Monate und länger beträgt (abgesehen von der kurzfristigen Linderung der akuten Symptomatik).
Therapieziele im Überblick
| Therapieschritt | Maßnahmen | Dauer |
|---|---|---|
| Entlastung der Haut / Stoffwechselförderung | Tees, Präparate, Nahrungsergänzungsmittel | 4–6 Wochen, evtl. länger |
| Dermatotrope Entzündungshemmung, Juckreizlinderung | Äußerliche Präparate, Auflagen, Waschungen, Bäder | Mehrere Monate |
| Evtl. Darmsanierung | Siehe Therapiekonzept Darmsanierung | Je nach Beschwerdebild mehrere Wochen bis Monate |
Beachte: Die freigesetzten Stoffwechselendprodukte/Toxine können das Hautbild anfangs zunächst verschlechtern. In dieser Phase sollte man die Patienten psychologisch-motivierend begleiten und ihnen zugleich mit äußerlichen Anwendungen praktisch zur Beschwerdelinderung verhelfen. Mittelfristig bessert sich das Hautbild.
Zu Therapiebeginn bietet sich zur Entlastung der Haut das Heilfasten nach Buchinger an. Oft ist zudem eine längerfristige Unterstützung der Leber mit Hepatoprotektiva über 3–6 Monate sinnvoll.
Grundsätze zur äußerlichen Behandlung
- „Feucht auf feucht": Auflagen/Umschläge bei akuten, entzündlichen oder nässenden Hauterkrankungen
- Je entzündeter die Haut, desto wasserreicher und fettärmer die Pflege
- Gele besonders bei entzündlichen, allergischen Hauterkrankungen und Verbrennungen
- „Je chronischer, desto fetter": Cremes zur Behandlung im subakuten Stadium, Salben v. a. bei chronischen Hauterkrankungen
Rezepte und Zubereitungen
Teemischungen
Hauttee (nach Weiss)
| Droge | Menge |
|---|---|
| Sennae folium (Sennesblätter) | 40 g |
| Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angestoßen) | 20 g |
| Matricariae flos (Kamillenblüten) | 20 g |
| Dulcamarae stipites (Bittersüßstängel) | 20 g |
Zubereitung: 2 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Dosierung: Morgens und abends 1 Tasse trinken.
Stoffwechselfördernder Ekzemtee
| Droge | Menge |
|---|---|
| Violae tricoloris herba (Stiefmütterchenkraut) | 20 g |
| Juglandis folium (Walnussblätter) | 20 g |
| Geranii robertiani herba (Storchschnabelkraut) | 20 g |
| Fumariae herba (Erdrauchkraut) | 20 g |
| Frangulae cortex (Faulbaumrinde) | 10 g |
| Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) | 10 g |
Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Dosierung: 2–3 Tassen tägl. trinken.
Ekzemtee, beruhigend
| Droge | Menge |
|---|---|
| Fumariae herba (Erdrauchkraut) | 20 g |
| Solidaginis virgaureae herba (Echtes Goldrutenkraut) | 20 g |
| Berberidis fructus cont. (Berberitzenfrüchte, angestoßen) | 20 g |
| Melissae folium (Melissenblätter) | 20 g |
| Dulcamarae stipites (Bittersüßstängel) | 10 g |
| Calendulae flos (Ringelblumenblüten) | 10 g |
Zubereitung: 1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Dosierung: 2–3 Tassen tägl. trinken.
Eichenrinden-Dekokt (nässendes Ekzem)
Etwa 20 g zerkleinerte Eichenrinde mit 1 L Wasser aufkochen, 5–10 Min. ziehen lassen, abgießen. Mehrmals tägl. anwenden; für Spülungen, Umschläge und Bäder.
Stiefmütterchenwaschung
Insgesamt 9 EL Stiefmütterchenkraut mit 1 L kochendem Wasser übergießen, 15 Min. ziehen lassen, abseihen und als Badezusatz bzw. für Waschungen und Umschläge verwenden. Für Säuglinge 2–3 EL, Kleinkinder bis 4 Jahre 4 EL, Kinder bis 10 Jahre 4–5 EL auf 1 L.
Walnussblätterwaschung
4 EL Walnussblätter mit 500 ml kaltem Wasser aufkochen, 10–15 Min. ziehen lassen, abgießen und als Badezusatz bzw. für Waschungen und Umschläge verwenden. 1-mal tägl. baden oder mehrmals tägl. damit waschen und Umschläge machen. Für Säuglinge und Kleinkinder bis 4 Jahre: 2 EL auf 500 ml.
Storchschnabelwaschung
Insgesamt 4 EL Storchschnabelkraut mit 500 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen und als Badezusatz bzw. für Waschungen und Umschläge verwenden. 1-mal tägl. baden oder mehrmals tägl. damit waschen.
Pfefferminzwaschung bei Juckreiz
4 TL Pfefferminzblätter mit 500 ml heißem Wasser überbrühen, 5 Min. bedeckt ziehen lassen. Abkühlen lassen und damit waschen.
Präparate
Innere Anwendung (dermatotrope Antidyskratika)
| Präparat | Inhalt | Dosierung |
|---|---|---|
| Dermatodoron | Bittersüßer Nachtschatten, Pfennigkraut | Säuglinge (ab 1. Monat): 1–3-mal tägl. 3–5 Tr. über max. 4 Wochen; Kinder 2–5 J.: 3-mal tägl. 5–10 Tr.; Kinder ab 6 J.: 3-mal tägl. 10–15 Tr.; Erwachsene: 3-mal tägl. 15–20 Tr. |
| Dulcamara Urtinktur DHU | Bittersüßer Nachtschatten | 3-mal tägl. 10 Tr. |
| Geranium robertianum Urtinktur Ceres | Stinkender Storchschnabel | 3-mal tägl. 3 Tr. |
| Juglans regia Urtinktur Weleda | Walnuss | 3-mal tägl. 10 Tr. |
| Viola tricolor Urtinktur Ceres/DHU | Stiefmütterchen | 3-mal tägl. 3 bzw. 10 Tr. |
Äußere Anwendung (Entzündungshemmung, Juckreizlinderung)
Wenn nicht anders erwähnt, mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Hautpartien auftragen:
| Präparat | Inhalt |
|---|---|
| Cefabene Salbe | Bittersüßer Nachtschatten |
| Dermaplant Salbe | Ballonrebe |
| Dermatodoron Salbe | Bittersüßer Nachtschatten, Pfennigkraut |
| Ekzevowen derma Creme | Ackerstiefmütterchen, Mahonie, Wassernabel |
| Halicar Creme/Salbe | Ballonrebe |
| Hamasana Salbe | Zaubernuss |
| Hametum Creme, Salbe | Zaubernuss |
Pflegeprodukte
| Präparat | Inhalt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Akut Creme Potentilla | Blutwurz | – |
| Bedan Hyperforin Creme, Gesichtscreme, Lotion | Johanniskraut | – |
| Cystus Bio Salbe Dr. Pandalis | Zistrose | – |
| Hamameliswasser Primavera | Zaubernuss | Mehrmals tägl. aufsprühen |
| Imlan Creme pur, Creme plus, Lotion plus | Birkenkork/Betulin | Plus-Varianten mit Harnstoff |
| Neurelia Weihrauch-Creme AureliaSan | Weihrauch | – |
| Ruhige Haut Gesichts-Creme, Körper-Balsam | Süßholz, Weide, Enzian | Von Velan |
Äußerliche Anwendungen
Umschläge und Kompressen
Durch die Verdunstungskälte wirken Auflagen und Umschläge kühlend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. In der akuten, entzündlichen oder nässenden Phase unterstützen sie die Reinigungs- und Granulationsphase der Haut.
Praxistipp: Auflagen/Umschläge offen halten (nicht abdecken, locker sitzend) und häufig wechseln, damit die Verdunstungskälte wirksam bleibt. Je öfter und je länger bei einem Ekzem angewendet wird, desto stärker trocknet die Haut aus. Abnehmen, sobald der Umschlag warm wird (warme Umschläge fördern die Entzündung): ca. 1–2 Std. lang alle 10–20 Min. anlegen, zu Behandlungsbeginn bis zu 3-mal tägl. Um Hitzestau zu vermeiden, keine fetten Cremes, Salben oder okklusiven Verbände anwenden.
Salben
Salben kommen vor allem bei chronischen Hauterkrankungen zur Anwendung („Je chronischer, desto fetter"). Sie werden mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen.
Bäder und Waschungen
Waschungen mit Stiefmütterchen, Walnussblättern, Storchschnabel oder Pfefferminze wirken kühlend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei nässenden Ekzemen ist ein Eichenrinden-Dekokt für Spülungen, Umschläge und Teilbäder besonders geeignet.
Hinweise
- Beim akuten Ekzem reagieren Patienten unterschiedlich auf Heilpflanzenanwendungen: Was dem einen hilft, muss dem nächsten nicht helfen. Geduldiges Ausprobieren ist Bestandteil der Therapie.
- Bei Bedarf Darmsanierung erwägen (siehe Therapiekonzept Darmsanierung).
- Kein Vollbad bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen oder Herzinsuffizienz.
Zusammenfassung
Die Behandlung chronischer Ekzeme verlangt ein umfassendes Konzept, das die innere Stoffwechselanregung mit einer äußerlichen, symptomatischen Therapie verbindet. Zentrale Heilpflanzen sind Ackerstiefmütterchen, Eichenrinde, Bittersüßer Nachtschatten und Walnussblätter. Über mehrere Monate hinweg wird die Therapie durch Teemischungen, Präparate, Waschungen, Umschläge und Bäder gestützt. Ziel ist es, die Haut zu entlasten, indem man über die Ausscheidungsorgane arbeitet – „von innen nach außen heilen".