Neurodermitis (Atopische Dermatitis)

indikationenhautneurodermitisatopische dermatitisekzemejuckreiz
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Neurodermitis – auch atopische Dermatitis oder endogenes/atopisches Ekzem genannt – zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen und betrifft zunehmend Kinder in den ersten 3 Lebensjahren (über 10 %). Sie verläuft schubweise mit beschwerdefreien Intervallen und verschwindet häufig mit dem Beginn der Pubertät; im Erwachsenenalter sind rund 70 % der ursprünglich Betroffenen beschwerdefrei. Auslöser ist eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers auf eigentlich harmlose Substanzen.

Zu den atopischen Erkrankungen rechnen neben der Neurodermitis auch Heuschnupfen und allergisches Asthma – Leiden, die oft auftauchen, wenn die Neurodermitis verschwindet oder abklingt. Man spricht dann von einem Verschieben des Krankheitsbilds.

Symptome

Neurodermitis hat viele Gesichter: Gemeinsam sind der überempfindlichen Haut die Chronizität der Erkrankung und der quälende Juckreiz. Typisch sind hochrote, trockenschuppige oder nässende Hautausschläge mit anschließender Krustenbildung. Bevorzugte Lokalisationen sind Gesicht und behaarter Kopf, Kniekehlen, Ellenbeugen, Nacken sowie Hand- und Fußgelenke. Es besteht eine Neigung zu Hautrissen und -infektionen. Weil die Talg- und Schweißdrüsen unterfunktionieren, wirkt die Haut glanzlos und trocken; sie neigt zu allergischen Reaktionen. Die Barrierefunktion der betroffenen Haut ist herabgesetzt, wodurch bakterielle oder virale Sekundärinfektionen leicht Fuß fassen.

Ursachen

Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Entstehung noch nicht vollständig geklärt. Im akuten Fall ist häufig Stress der Hauptauslöser eines Schubs. Als Faktoren kommen in Betracht:

  • Erbliche Veranlagung (Enzymdefekte im Fettstoffwechsel, Filaggrinmangel, immunologische Störung)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit, Allergie
  • Medikamentenintoxikation (Antibiotika, Impfungen), chemische Schadstoffe

Phytotherapeutika

Beachte: Eine pauschale Behandlungsstrategie für Neurodermitis gibt es nicht. Jedes Therapiekonzept muss individuell erarbeitet und angepasst werden.

Beachte: Beim Einsatz von Externa ist zu bedenken, dass Patienten mit Neurodermitis sehr sensibel und häufig mit Allergien auf Salbengrundlagen reagieren. Deshalb umso kritischer auf deren Zusammensetzung achten!

Beachte: Bei Superinfektionen mit Staphylokokken ist Johanniskrautöl mit seinem keimwidrigen Hyperforin besonders wirksam gegen multiresistente Staphylokokken.

Arzneidrogen nach Symptomatik (äußerliche Anwendung)

Symptomatik Arzneidrogen / Bäder mit
Akut nässend Ackerschachtelhalm, Eichenrinde, Kamillenblüten, Salbeiblätter, Schwarz-/Grüntee, Walnussblätter, Zaubernussblätter, Zistrosenblätter
Akut entzündlich Ackerstiefmütterchen, Aloe vera, Ballonrebe, Blutwurz, Eichenrinde, Kamille, Ringelblumen, Sanddornöl, Schwarz-/Grüntee, Walnuss, Zaubernuss, Zistrose
Juckreiz Ackerschachtelhalm, Ackerstiefmütterchen, ätherisches Pfefferminzöl (1%ig in fettem Öl), Aloe, Ballonrebe, Bittersüß, Borretsch- und Nachtkerzensamenöl, Schwarz-/Grüntee, Walnuss, Weizenkleie, Zaubernuss, Zistrose
Superinfektionen Johanniskrautöl, Kamille, Schwarz-/Grüntee, Zistrose
Trockene Haut Borretschöl, Johanniskrautöl(-zubereitungen), Kamillenblüten, Nachtkerzensamenöl, Ringelblume, Sanddornöl, Zaubernuss
Schuppung und Lichenifikation Sanddornöl, Zaubernuss
Hautpflege Birkenkork (Pflegeserie Imlan), Johanniskraut (Pflegeserie Bedan), Johanniskraut-Sanddornfruchtfleischöl, Leinöl, Mittagsblume (Pflegeserie Dr. Hauschka med), Nachtkerzenöl, Süßholz und Enzian (Pflegeserie Velan Skincare „Ruhige Haut")

Arzneidrogen zur innerlichen Anwendung

Wirkung Arzneidrogen
Stoffwechselfördernd Ackerstiefmütterchen, Bittersüßer Nachtschatten, Gänseblümchen, Mahonie, Walnuss, Zistrose
γ-Linolensäure-haltig Borretschsamenöl, Nachtkerzenöl
Bindegewebsstärkend Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Hohlzahn
Entzündungshemmend, immunmodulierend Weihrauch (innerlich und äußerlich)

Pflanzenporträts

Sanddornöl


Nachtkerzenöl


Therapiekonzept

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt:

Therapieschritt Maßnahmen Dauer
Entlastung/Stoffwechselförderung Therapiekonzept Ekzeme, Tees, Präparate Je nach Beschwerden
Entzündungshemmung, Juckreizlinderung Therapiekonzept Ekzeme, Präparate Mehrere Monate
Stärkung der Hautbarriere Pflegeprodukte Ständig
Immunmodulation Borretschsamenöl/Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl, Weihrauch Mehrere Monate
Evtl. Darmsanierung Präparate, Probiotika Mehrere Wochen bis Monate

Praxistipp: Auch und gerade in der beschwerdefreien Zeit ist es sinnvoll, durch eine tägliche Hautpflege die Hautbarriere zu stärken. Langfristig trägt dies wesentlich zur Verbesserung der Beschwerden bei Neurodermitis bei.


Pflegeprodukte

Täglich zur Hautpflege einsetzen:

Pflegeserie Inhalt
Bedan Pflegeserie Johanniskraut
Imlan Pflegeserie Birkenkork/Betulin
Glandoll Creme Borretschöl, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D₃
Mittagsblume Pflegeserie Dr. Hauschka med Mittagsblume
Ruhige Haut Gesichts-Creme, Körper-Balsam Velan Süßholz, Weide, Enzian

Präparate

Immunmodulation

Präparat Inhalt Dosierung
Epogam 1000 mg Nachtkerzenöl Kinder 1–12 J.: 2-mal tägl. 1–2 Kps.; Erwachsene: 2-mal tägl. 2–3 Kps.
Glandol atop 60 Borretschsamenöl, Omega-3-Konzentrat 2-mal 3 Kps.
Neobonsen Nachtkerzenöl Kinder 1–12 J.: 2-mal tägl. 2–4 Kps.; Erwachsene: 2-mal tägl. 4–6 Kps.

Beachte: Eine sichtbare Wirkung der Immunmodulation ist bei der Neurodermitis nach ca. 4–12 Wochen zu erwarten. Wichtig für den Behandlungserfolg sind eine langfristige Therapie und eine ausreichend hohe Dosierung!

Für Säuglinge/Kinder: Der Inhalt der Kapseln kann direkt geschluckt, ins Essen gegeben oder mit der Milch gemischt werden.

Nahrungsergänzungsmittel

Präparat Dosierung
Schwarzkümmelöl (verschiedene Hersteller) 1-mal tägl. 1 EL
Schwarzkümmelölkapseln Hübner 3-mal tägl. 1 Kps.
Weihrauchkapseln AureliaSan 300 mg 3-mal tägl. 1 Kps.
Weihrauch-Präparate für Neurodermitis Täglich 1200 mg zu oder bei Besserung individuell reduzieren

Äußerliche Anwendungen

Die Therapie folgt dem Konzept der Ekzembehandlung (siehe Ekzeme). Besonders wichtig sind:

  • Salben und Cremes zur täglichen Hautpflege und Stärkung der Hautbarriere
  • Ölauszüge – Johanniskrautöl und Sanddornfruchtfleischöl zur Pflege trockener Haut
  • Umschläge und Kompressen mit Eichenrinde, Kamille oder Schwarztee bei akut nässenden Phasen
  • Bäder und Waschungen mit Stiefmütterchen, Walnussblättern oder Zaubernuss

Hinweise

  • Die Behandlung folgt den 3 Säulen der Ekzemtherapie: Stoffwechselanregung, entzündungshemmende Dermatika, Stärkung der Hautbarriere
  • Immunmodulation mit Nachtkerzenöl oder Borretschsamenöl benötigt mindestens 4–12 Wochen bis zum Wirkungseintritt
  • Johanniskrautöl ist bei Superinfektionen mit Staphylokokken besonders wirksam
  • Bei Bedarf Darmsanierung einleiten

Zusammenfassung

Neurodermitis ist eine komplexe, chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit starkem Juckreiz; sie braucht ein individuell angepasstes, mehrgleisiges Therapiekonzept. Die Phytotherapie verbindet Stoffwechselanregung, entzündungshemmende Externa, die Stärkung der Hautbarriere durch Pflegeprodukte und eine Immunmodulation mit Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl. Sanddornöl, Johanniskrautöl und Nachtkerzenöl sind dabei zentrale Heilmittel; in akuten Schüben ergänzen stadiengerechte äußerliche Anwendungen mit Eichenrinde, Kamille und Zaubernuss das Konzept.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑