Sanddornöl

Sanddornöl (Hippophae rhamnoides, Elaeagnaceae)
- Familie: Elaeagnaceae
- Droge: Hippophae rhamnoides fructus (Sanddornfrüchte)
[!NOTE] Hinweis Sanddorn ist die einzige Obstfrucht, die neben den Samen auch im Fruchtfleisch fettes Öl führt. Entsprechend liefern die Früchte dreierlei: das Vitamin-C-reiche Beerenfruchtfleisch, das leuchtend rote Fruchtfleischöl und das farblose Kern- bzw. Samenöl.
Inhaltsstoffe
Im fetten Fruchtfleischöl (5-8 % der Frucht):
- Carotinoide (Provitamin A, 100-500 mg/100 g — ein extrem hoher Wert!): beta-Carotin, Lycopin, Zeaxanthin, Cryptoxanthin — starke Antioxidanzien und Radikalfänger, Lichtschutzfaktor, hautregenerierend. Sanddornfruchtfleischöl zählt zu den carotinoidreichsten Ölen überhaupt!
- Vitamin K1 (Phyllochinon, 50-150 mg/100 g — sehr hoch), Vitamin E (Tocopherole: alpha-, beta-, gamma-, delta-Tocopherol plus Tocotrienole — stark antioxidativ gegen Lipidperoxidation)
- Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren mit einzigartigem Muster: Palmitinsäure (30-40 %), Palmitoleinsäure (omega-7, 20-35 % — die seltene Omega-7-Fettsäure, besonders hautregenerierend, schleimhautprotektiv und entzündungshemmend), Ölsäure (10-15 %), Linolsäure (omega-6, 10-15 %)
- Phytosterole (beta-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol — entzündungshemmend, cholesterinsenkend, stärken die Hautbarriere)
Im Fruchtfleisch (neben dem Öl):
- Vitamine: Vitamin C (Ascorbinsäure, 200-900 mg/100 g — deutlich mehr als Orangen und Zitronen), dazu die B-Vitamine B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B6 (Pyridoxin), B9 (Folsäure) und B12 (Cobalamin — in Pflanzen eine Rarität!). Sanddorn gehört zu den ganz wenigen pflanzlichen Vitamin-B12-Quellen!
- Flavonoide (Quercetin, Rutin, Kämpferol — gefäßprotektiv, antioxidativ), Anthocyane (in roten Sorten), Sterole und Cholin
- Mineralstoffe: Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Selen, Mangan, Kupfer, Zink sowie weitere Spurenelemente
- Organische Säuren: Äpfelsäure, Zitronensäure, Chinasäure und Fruchtsäuren
Im Kernöl (Samenöl, ca. 21 % der Samen):
- Fettsäuren: Ölsäure (omega-9, 20-30 %), Linolsäure (omega-6, 30-40 %), alpha-Linolensäure (omega-3, 25-35 % — hoher Gehalt!) und Stearinsäure
Wirkungen (Fruchtfleischöl)
Haut und Schleimhaut:
- Die Palmitoleinsäure (Omega-7) ist ein natürlicher Baustein des Hautfetts (Sebum) und der Zellmembranen. Sie fördert die Zellregeneration, beschleunigt Epithelisierung und Wundheilung und stellt die natürliche Hautbarriere wieder her — fast wie ein “Hautverjünger”
- “Skin-repair”-Effekt: Das Hautgewebe wird gestrafft und elastischer, Faltenbildung wird vorgebeugt, der Hautturgor steigt, die Abwehr- und Schutzmechanismen der Haut werden gestärkt
- Schutz vor schädlicher UV-Strahlung: Beta-Carotin und die Carotinoide absorbieren UV-Licht und bauen einen natürlichen Lichtschutzfaktor in der Haut auf; UV-induzierten Pigmentstörungen wird vorgebeugt
- Entzündungshemmend: COX-2 und 5-LOX werden gehemmt, proinflammatorische Zytokine (v. a. IL-1, IL-6, TNF-alpha) auf Haut und Schleimhaut gehen zurück
- Antioxidativ: Carotinoide, Tocopherole und Vitamin C neutralisieren reaktive Sauerstoffspezies und schützen die Hautzellen vor Lipidperoxidation
- Antibakteriell und antiviral (Palmitoleinsäure und Carotinoide)
- Rasche, gute Abheilung ohne überschießende Narbenbildung: Die Kollagensynthese wird reguliert, einer Keloidbildung wird vorgebeugt, das Granulationsgewebe gefördert
- Vorbeugend gegen Pigmentstörungen: Das Öl lagert sich im Unterhautfettgewebe an und gleicht Über- wie Unterpigmentierung (Leberflecken, Sommersprossen, Altersflecken) aus
Schleimhaut innerlich:
- Schützend und regenerierend auf allen Schleimhäuten des Verdauungstrakts (Mund, Speiseröhre, Magen, Darm), der Atemwege, der Genitalschleimhäute und der Blase
Metabolisch:
- Lipidsenkend und cholesterinsenkend (Palmitoleinsäure und Phytosterole)
- Mild blutdrucksenkend (Kalium und Flavonoide)
- Leicht antidiabetisch (Palmitoleinsäure verbessert die Insulinsensitivität)
Indikationen (Fruchtfleischöl)
HMPC/ESCOP:
- HMPC: Keine offizielle Monographie (Nahrungsergänzungsmittel/Medizinprodukt)
- ESCOP: Keine Monographie
- WHO: Anerkanntes traditionelles Heilmittel bei Hauterkrankungen und Schleimhautläsionen
Äußerlich:
- Pflege chronischer Hauterkrankungen wie Neurodermitis (atopisches Ekzem), Ekzeme und Psoriasis (Schuppenflechte) sowie alternder, trockener und sonnengeschädigter Haut
- Hauterkrankungen wie Wunden, Schürf- und Risswunden, Wundliegen (Dekubitus), Geschwüre, schlechte Narbenbildung und Narbenschmerzen
- Verbrennungen 1. und 2. Grades, Sonnenbrand, Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) und Erfrierungen
- Pigmentstörungen (siehe oben)
- Begleitend bei Strahlenschäden im Rahmen einer Bestrahlung (Radiodermatitis nach Krebstherapie, z. B. bei Kehlkopf-, Brust- oder Prostatakrebs) — lindert die Strahlenhautreaktion und beugt Fibrose vor
- Herpes labialis und Herpes zoster
- Windeldermatitis und wunder Kinderpopo
- Akne und unreine Haut (antientzündlich, antibakteriell und hemmt die überschießende Talgproduktion)
Innerlich (als Öl oder Saft):
- Schleimhauterkrankungen des gesamten Verdauungssystems: Mundschleimhaut- und Kehlkopfentzündung, Sodbrennen (Refluxösophagitis), Gastritis, Magengeschwür, Duodenitis und Darmentzündung
- Schleimhauterkrankungen der Genitalschleimhäute (Vaginalatrophie, Scheidentrockenheit in den Wechseljahren) und der Blasenschleimhaut (Cystitis)
- Adjuvant bei Helicobacter-pylori-Gastritis (schleimhautschützend und antibakteriell)
- Trockene Augen (als Nahrungsergänzung)
- Infektanfälligkeit und Immunschwäche (hoher Gehalt an Vitamin C, Vitamin K, Carotinoiden und Spurenelementen)
- Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen (hochkalorisch, vitaminreich, regenerierend)
Anwendungen
- Reines Sanddornfruchtfleischöl (100 %, kaltgepresst, unraffiniert):
- Äußerlich: Mehrmals täglich unverdünnt dünn auf die betroffenen Hautstellen auftragen und leicht einmassieren. Besonders bei Neurodermitis, Ekzemen, trockener Haut und Sonnenbrand. Zur Narbenpflege und Dekubitusprophylaxe 2-3-mal täglich dünn auftragen.
- Innerlich: 1-3-mal täglich 1 Teelöffel (ca. 5 ml) pur einnehmen, bei Magenschleimhautentzündung und Sodbrennen vor den Mahlzeiten. Das Öl legt sich als Schutzfilm über die geschädigte Schleimhaut und fördert deren Regeneration.
- Kapseln (500 mg): 2-3 Kapseln täglich zu den Mahlzeiten (Schleimhautschutz von innen plus Stärkung der Abwehr).
- Sanddorn-Muttersaft (aus Fruchtfleisch): 30-50 ml Muttersaft täglich (ungesüßt), pur oder mit Wasser verdünnt, zur Stärkung des Immunsystems und in der Rekonvaleszenz. Hervorragende Quelle für Vitamin C und Carotinoide.
- Salben und Cremes (mit 2-5 % Sanddornöl): Fertigprodukte für die tägliche Hautpflege und Narbenbehandlung. Auch als Nasensalbe (z. B. bei Rhinitis sicca, Nasenbluten und nach Nasen-OP).
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen:
- Nicht bekannt; Sanddornöl ist sehr gut verträglich. Gelegentlich kommt es zu einer leichten gelblich-orangefarbenen Verfärbung der Haut (durch Carotinoide, reversibel und harmlos)
- Bei hohen innerlichen Öl-Dosen: weiche Stühle oder Durchfall möglich, bedingt durch die fette Ölmenge (Dosis reduzieren)
Gegenanzeigen:
- Keine relevanten Gegenanzeigen — Sanddornöl ist ein Nahrungsmittel
- Innerlich in Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich
- Vorsicht bei Flecken auf Textilien: Das tief orange Öl färbt stark und ist schwer auszuwaschen
[!NOTE] Narbenpflege-Tipp Für eine optimale Narbenpflege nach Operationen Sanddornfruchtfleischöl zusammen mit Ringelblumensalbe regelmäßig sanft und kreisend einmassieren (ab dem 7.-10. postoperativen Tag, wenn die Wunde verschlossen und trocken ist).
Kombinationen
- Mit Ringelblume (Calendula-Salbe) bei Wundheilung und Narbenpflege (hautregenerierende und wundheilungsfördernde Synergie)
- Mit Nachtkerzenöl bei Neurodermitis und sehr trockener, barrieregestörter Haut (essenzielle omega-6- und omega-7-Fettsäuren plus Vitamine)
- Mit Johanniskraut (Rotöl) bei Sonnenbrand und sonnengeschädigter Haut (lichtschützend plus hautregenerierend)
- Mit Kamille (auch als Salbe) bei entzündlichen Hauterkrankungen und Ekzemen (antientzündlich plus hautregenerierend)
- Mit Beinwell bei schlecht heilenden Narben und Wunden (regenerierend plus durchblutungsfördernd)
- Mit Zistrose bei Neurodermitis und Akne (antientzündlich, antimikrobiell, hautregenerierend)
- Mit Holunderbeer-Muttersaft bei Infektanfälligkeit und zur Stärkung des Immunsystems (Vitamin-C-reich plus antiviral)
- Mit Eibisch (innerlich: Eibisch + Sanddornöl) bei Refluxösophagitis, Gastritis und Sodbrennen — eine Schleimhautschutz-Trias