Chinarindenbaum

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Chinarindenbaum (Cinchona succirubra)
- Familie: Rubiaceae
- Droge: Cinchonae succirubrae cortex (Chinarinde, “Rote Chinarinde”)
- Herkunft: Wurzelrinde des in Südamerika (Anden) heimischen, heute in Kulturplantagen wachsenden Baumes
Inhaltsstoffe
- 5–15 % Alkaloide: Chinin, Chinidin, Cinchonin, Cinchonidin (Chinin ist Hauptalkaloid der Rinde)
- Bitterstoffe (Bittermittel: Amarum purum), Chinagerbsäure
- Zucker, Harz, ätherisches Öl (Spuren)
Wirkungen
Innerlich:
- Stark bitter-tonisierend: steigert Appetit, Speichel- und Magensaftsekretion
- Fiebersenkend (antipyretisch, traditionell; Chinin war das erste wirksame Fieber- und Malariamittel)
- Krampfstillend auf die Skelettmuskulatur (Chinin gegen nächtliche Wadenkrämpfe)
- Antibakteriell und mild entzündungshemmend
- Leber- und gallenflussanregend (Bitterwirkung)
- Traditionell “blutreinigend” und kräftigend in der Rekonvaleszenz
Indikationen
- Traditionell bei Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche und Schwächezuständen in der Rekonvaleszenz
- Kommission E: Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden; als Tonikum/Roborans
- Nächtliche Wadenkrämpfe (Chinin in therapeutisch geringer Dosierung)
- Fieberhafte Erkrankungen (historisch; heute nur noch in kontrollierter Form gegen Malaria)
[!WARNING] Wirksame Alkaloide! Chinarinde enthält Chinin und Chinidin — beide sind Arzneistoffe mit geringer therapeutischer Breite. Nur kurweise, in niedriger Dosierung und nicht ohne ärztliche Rücksprache bei längerer Anwendung verwenden. Bei Ohrensausen oder Sehstörungen sofort absetzen!
Anwendungen
- Tee (Dekokt): 1 TL (ca. 1 g) fein geschnittene Chinarinde mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, 10 Min. kochen, abseihen. 1 Tasse 30 Min. vor den Mahlzeiten, 1–2-mal täglich. Nur kurweise über max. 2–3 Wochen.
- Tinktur: Cinchonae tinctura, 10–20 Tropfen 1–3-mal täglich in etwas Wasser. Tagesdosis: nicht mehr als ca. 1 g Rinde äquivalent.
- Fertigarzneimittel: Chinin-haltige Präparate gegen nächtliche Wadenkrämpfe (rezeptfrei, streng dosiert).
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: “Cinchonismus” bei Überdosierung oder Überempfindlichkeit: Ohrensausen (Tinnitus), Schwerhörigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Hautausschlag. In höheren Dosen Herzrhythmusstörungen (Chinidin wirkt antiarrhythmisch und kann zusätzliche Rhythmusstörungen auslösen), Blutdruckabfall.
Gegenanzeigen:
- Schwangerschaft (Chinin ist in hohen Dosen abortiv) und Stillzeit
- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Hämolysegefahr!)
- Herzerkrankungen, insbesondere Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz
- Tinnitus, Hörstörungen, Sehnervenerkrankungen
- Myasthenia gravis
- Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
- Kinder und Jugendliche (Alkaloide)
Kombinationen
- Mit Enzian, Wermut und Schafgarbe als kräftige Bitterdrogen-Kombination bei Appetitlosigkeit und Schwäche
- Mit Holunder und Weidenrinde bei fieberhaften Infekten (traditionelle Kombination; Vorsicht: Alkaloide)
- Mit Brennnessel, Blutweiderich und Ehrenpreis in “blutreinigenden” und kräftigenden Kuren
- Mit Ginkgo bei Ohrgeräuschen (Chinidinwirkung auf Gefäße — nur ärztlich begleitet)
Siehe auch
- Tinnitustinktur — Mischtinktur mit Chinarinde (Cinchonae succirubrae)
- Erschöpfung — Indikationsseite Nervensystem
- Stoffwechselerkrankungen — Indikationsseite Leber-Galle
- Herz-Kreislauf — Vorsicht bei Herzpatienten (Chinin/Chinidin)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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