Wermut

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Wermut (Artemisia absinthium)
- Familie: Asteraceae
- Droge: Absinthii herba
- Typ: Amarum aromaticum, Bitterwert 15 000–25 000
Inhaltsstoffe
- 0,15–0,4 % Bitterstoffe (Amarum aromaticum, Bitterwert 15 000–25 000) — vorwiegend Sesquiterpenlactone: Absinthin, Artabsin, Anabsinthin, Arabsin, Artabin
- 1,5–2 % ätherisches Öl mit Thujon (bis zu 40–80 % — neurotoxisch!), daneben β-Caryophyllen, Chamazulen (aus Proazulenen wie Artabsin und Matricin), Linalool, 1,8-Cineol, Campher, Bornylacetat, α-Pinen, β-Pinen, Limonen und Phellandren
- Flavonoide (Apigenin, Luteolin und deren Glykoside)
- 0,2–0,5 % Gerbstoffe und Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure)
- Vitamin C (Ascorbinsäure) und Carotinoide
- Cumarine (Umbelliferon)
[!WARNING] Thujon-Gehalte Thujon ist der neurotoxische Hauptbestandteil des ätherischen Wermutöls. In hohen Dosen wirkt es krampfauslösend (epileptiforme Krämpfe) und psychotoxisch. Die therapeutische Dosis von Wermuttee ist jedoch sicher, wenn Dauer und Menge der Empfehlung entsprechen. Die DAB-Qualität garantiert Thujon-Grenzwerte.
Wirkungen
Innerlich:
- Appetitanregend: Über die Bitterrezeptoren wird die gesamte Verdauungssaftsekretion stimuliert — Speichel, Magensäure, Galle und Pankreasenzyme (Amarum-purum-Effekt)
- Tonisierend (kräftigend) auf Magen und Gallenblase, choleretisch
- Gallenflussfördernd (cholagog und cholekinetisch), blähungswidrig und krampflösend (Spasmolyse an der glatten Muskulatur durch ätherisches Öl und Sesquiterpenlactone)
- Bakteriostatisch, antiseptisch und entzündungshemmend (Proazulene, Sesquiterpenlactone) — hemmt das Wachstum von Helicobacter pylori, Escherichia coli, Salmonella und Shigella
- Antiprotozoisch, vor allem gegen Amöben und Giardia
- Herzunterstützend und tonisierend auf das gesamte Kreislaufsystem (Tonisierung von Herz und Gefäßen durch die Bitterstoffe)
- Wärmend (Bitterreflex → gesteigerter Sympathikotonus → periphere Vasokonstriktion → Wärmebewahrung im Körperkern → gesteigertes Wohlbefinden)
- In höherer Dosierung anregend und tonisierend auf das ZNS (bei Überdosierung: ZNS-Störungen und Krämpfe durch Thujon!)
- Leicht menstruationsfördernd (Emenagogum über verbesserte pelvine Durchblutung) — nicht in der Schwangerschaft anwenden!
- Vermutlich antidiabetisch und lipidsenkend (vorläufige Studienlage)
Äußerlich:
- In Einreibungen und Salben bei entzündlichen Hauterkrankungen und rheumatischen Beschwerden (durchblutungsfördernd, mild analgetisch)
Indikationen
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur vorübergehenden Behandlung von Appetitlosigkeit und bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden
- ESCOP: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden und Gallendyskinesie
- Verdauungsstörungen, vor allem durch Gallenfunktionsstörungen (hypomotile Gallenblase), Galleschwäche
- “Schwacher Magen” mit damit verbundener Kraftlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen nach dem Essen
- Appetitlosigkeit und verminderte Magensaftsekretion (Hypo-/Achlorhydrie)
- Magenatonie und Magenentleerungsstörung
- Zur besseren Erholung nach Schwächezuständen (Grippe, Operation, Infektionskrankheit) — als Tonikum/Roborans in der Rekonvaleszenz
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: bewährt bei Morbus Crohn (laut Studie: 3-mal 500 mg Wermutkraut/Tag über 3 Wochen, steroidsparender Effekt, signifikante Besserung der CDAI-Krankheitsaktivität)
- Reizmagen und Reizdarm
- Als Karminativum bei Reizmagen und Aerophagie
- Menstruationsbeschwerden (Hypomenorrhoe, oligohypomenorrhoische Zustände) — als Emenagogum bei zu schwacher, unregelmäßiger Menstruation
Anwendungen
- Tee (Infus): 1 TL (ca. 1–1,5 g) Wermutkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Min. zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 1 Tasse 30 Min. vor den Mahlzeiten trinken. Maximal 3 Tassen täglich. Tagesdosis: 3–4,5 g Droge.
- Tinktur: Absinthii tinctura, 10–20 Tropfen (ca. 0,5–1 ml) in etwas Wasser 15–30 Min. vor den Mahlzeiten, 1–3-mal täglich. Tagesdosis bis 3 ml Tinktur.
- Wermutwein (traditionell): 10–15 g Wermutkraut in 1 Liter Weißwein 8 Tage ansetzen und abfiltern. 1 Likörglas (20 ml) vor den Mahlzeiten.
- Fertigarzneimittel: Kombinationspräparate in Bitter-Magentropfen und Verdauungstropfen.
- Ätherisches Öl innerlich: Nur als pharmazeutisches Fertigpräparat (Thujon-frei!) anwenden. Reines ätherisches Wermutöl ist toxisch und nicht für die innerliche Anwendung bestimmt!
[!WARNING] Wichtig!
- Nicht länger als 3 Wochen ununterbrochen einnehmen (HMPC)! Nach 2–3 Wochen eine Pause von mindestens 1 Woche einlegen.
- In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Einnahme Thujon-haltiger Zubereitungen streng kontraindiziert (abortive Wirkung, Neurotoxizität für den Fetus)!
- Thujon passiert die Plazentaschranke und kann beim Ungeborenen zu zentralnervösen Schäden führen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Bei Überdosierung und Missbrauch (reines ätherisches Öl, Dauereinnahme): ZNS-Störungen, Kopfschmerzen, Schwindel, epileptiforme Krämpfe, Delirium und Nierenschäden. In empfohlener Dosierung und Dauer ist Wermutkraut-Tee in der Regel sicher und gut verträglich. Der bittere Geschmack kann bei empfindlichen Personen Übelkeit auslösen.
Gegenanzeigen:
- Schwangerschaft und Stillzeit (Thujon) — absolut kontraindiziert!
- Kinder unter 12 Jahren (HMPC, fehlende Sicherheitsdaten)
- Epilepsie und zerebrale Anfallsleiden (Thujon-Risiko)
- Überempfindlichkeit gegen Wermut oder andere Korbblütler
- Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Magensäuresekretion und Motilität werden gefördert)
- Gallengangverschluss und Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)
- Lebererkrankungen
- Alkoholabhängigkeit (bei alkoholischen Extrakten)
Kombinationen
- Mit Enzian und Schafgarbe als optimale Bitterdrogen-Dreierkombination bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche (basale, aromatische und tonisierende Bitterwirkung)
- Mit Artischocke und Pfefferminze bei Gallenfunktionsstörungen, Dyskinesie und Reizgalle
- Mit Melisse und Fenchel bei nervös bedingten Verdauungsstörungen mit Blähungen
- Mit Ingwer bei Übelkeit und Völlegefühl (spasmolytisch plus antiemetisch)
- Mit Baldrian und Melisse bei stressbedingtem Reizmagen und Reizdarm
- Mit Kamille und Süßholz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn)
- Mit Rosmarin und Thymian bei Erkältungsschwäche und Infektionsrekonvaleszenz (Küchengewürz-Bitter-Mischung)
- Bei Morbus Crohn als steroidsparende Kombination mit der Standardtherapie (ärztlich begleitet)
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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