Artischocke

Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.
Artischocke (Cynara cardunculus, Asteraceae)
Droge: Cynarae folium
Inhaltsstoffe:
- Bis 6 % Bitterstoffe (Amarum simplex, Bitterwert 11.000 — die höchsten aller Bitterdrogen!) — v.a. Sesquiterpenlactone (Cynaropikrin, Cynaratriol)
- 0,1–1,5 % Caffeoylchinasäure-Derivate (Chlorogensäure, Cynarin = 1,5-Dicaffeoylchinasäure, Neochlorogensäure, Cryptochlorogensäure) — die eigentlichen Leberwirkstoffe
- Flavonoide (Luteolin-7-glucosid = Cynarosid, Rutin, Quercetin)
- 0,5–2 % phenolische Säuren, organische Säuren, Zucker (Inulin), Kaliumsalze
- Spuren von ätherischem Öl, Sterole, Schleimstoffe
Wirkungen
Innerlich:
- Lipid- und triglyzeridsenkend: Die Cholesterinbiosynthese in der Leber wird um bis zu 30 % gedrosselt, die LDL-Rezeptoraktivität gesteigert → über die Galle wird mehr Cholesterin ausgeschieden
- Normalisiert die Fettverdauung: Durch mehr ausgeschütteten Gallensaft (choleretisch und cholekinetisch) werden Nahrungsfette besser emulgiert
- Antioxidativ: Die Oxidation von LDL-Cholesterin wird verhindert — damit eine direkte Arteriosklerose-Vorbeugung (Caffeoylchinasäuren)
- Schützt Hepatozyten vor radikalinduziertem Absterben, wirkt gegen Lipidperoxidation
- Hepatoprotektiv: Die Leberzellmembran wird stabilisiert
- Verdauungsanregend, brechreizlindernd, blähungswidrig, krampflösend
- Gallenflussfördernd (cholagog: regt Gallenblasenentleerung an, ca. +100 % Gallenvolumen in Studien)
- Appetitanregend (Bitterstoffe: Amarum purum/simplex)
- Regt die Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse an (Pankreaslipase, Amylase) und verbessert so die Aufspaltung von Fetten und Kohlenhydraten
- Leberregenerierend: steigert die Leberdurchblutung, regt Leberzellwachstum und -regeneration an (Hepatocytenproliferation)
- Schützt die Leberzellen vor Lebergiften (z.B. Tetrachlorkohlenstoff, Paracetamol)
- Mild diuretisch, fördert die Ausscheidung von Harnstoff und Harnsäure
Indikationen
- HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von Verdauungsstörungen wie Völlegefühl und Blähungen; zur Steigerung des Harnflusses
- ESCOP: Dyspeptische Beschwerden, Hyperlipidämie (leichte bis mäßige Erhöhung), hepatobiliäre Störungen
- Arteriosklerose-Prophylaxe, Hyperlipidämie (Gesamtcholesterin ↑, LDL ↑, Triglyzeride ↑)
- Leberschutz und Leberregeneration
- Verdauungsstörungen mit Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Brechreiz, Aufstoßen, Fettverdauungsstörung und fettigem Stuhl (Steatorrhoe)
- Funktionsstörungen von Leber und Galle (Dyskinesie der Gallenwege)
- Vorbeugung gegen Gallensteinrezidive (Gallensteinprophylaxe)
- Reizdarmsyndrom (insbesondere mit Obstipationsneigung durch gestörten enterohepatischen Kreislauf)
- Typ-2-Diabetes mit Fettstoffwechselstörung (adjuvant)
- Reizgalle, postprandiales Völlegefühl, “schwerer Magen”
Anwendungen
- Tee (Infus): 1–2 TL (ca. 2–4 g) Artischockenblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 3 Tassen täglich vor oder zu den Mahlzeiten. Tagesdosis: 6–12 g Droge.
- Presssaft aus frischen Blättern: 2–3-mal täglich 5–10 ml Presssaft vor den Mahlzeiten in etwas Wasser einnehmen (enthält den vollen Wirkkomplex).
- Tinktur: Cynarae tinctura, 3-mal täglich 20–40 Tropfen vor den Mahlzeiten in Wasser. Tagesdosis: 3–6 ml Tinktur.
- Fertigarzneimittel (bevorzugt, weil standardisiert und höher dosiert): Trockenextrakt-Präparate (z.B. 320–640 mg Extrakt/Tag, standardisiert auf Caffeoylchinasäure), Artischocken-Dragées, -Kapseln, -Saft. Bei Hyperlipidämie mindestens 12 Wochen anwenden!
- Anwendungsdauer: Bei dyspeptischen Beschwerden einige Tage bis Wochen. Bei Hyperlipidämie sollte die Wirkung nach 12 Wochen überprüft werden. Die Anwendung kann langfristig erfolgen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: In der Regel sehr gut verträglich. Selten leichte Durchfälle (choleretische Wirkung) oder allergische Hautreaktionen. Der Bitterstoff Cynaropikrin kann bei empfindlichen Personen die Geschmacksnerven überreizen.
Gegenanzeigen:
- Allergie gegen Korbblütler
- Verschluss der Gallenwege (Gallenstein-Ileus, Choledocholithiasis mit Gallestau) — Gefahr einer Gallenkolik
- Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache
- Keine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Daten (HMPC; Tee in üblichen Mengen jedoch unbedenklich)
- Nicht bei akuter Leberentzündung
Kombinationen
- Mit Mariendistel als klassische Leber-Galle-Kombination (Mariendistel hepatoprotektiv + regenerierend, Artischocke choleretisch + lipidsenkend) — synergistisch bei Hepatopathien und Hyperlipidämie
- Mit Löwenzahn und Brennnessel als stoffwechselanregende “Blutreinigungskur” (Frühjahrskur)
- Mit Pfefferminze und Schafgarbe bei Gallendyskinesie und Reizgalle (spasmolytisch + choleretisch)
- Mit Enzian oder Wermut bei ausgeprägter Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche (Bitterdrogen-Kombination)
- Mit Leinsamen bei Hypercholesterinämie und Obstipation (lipidsenkend + Ballaststoff)
- Mit Weißdorn als kardio-hepatische Kombination bei metabolischem Syndrom mit Herz-Kreislauf-Risiko
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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